Lincoln-Index (Fang-Wiederfang-Methode)
Der Lincoln-Petersen-Index schätzt die Größe einer Population, die nicht vollständig gezählt werden kann. Ein erster Fang wird markiert und freigelassen; aus dem Anteil markierter Tiere im zweiten Fang folgt die Gesamtzahl.
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Formel
N = \frac{M \cdot C}{R}Variablen & Einheiten – Lincoln-Index (Fang-Wiederfang-Methode)
| Symbol | Bedeutung | Einheit |
|---|---|---|
| N | geschätzte Gesamtgröße der Population | Individuen |
| M | im ersten Fang markierte und freigelassene Individuen | Individuen |
| C | Gesamtzahl der Individuen im zweiten Fang | Individuen |
| R | im zweiten Fang wiedergefangene markierte Individuen | Individuen |
Herleitung & Hintergrund – Lincoln-Index (Fang-Wiederfang-Methode)
Die Methode beruht auf einem Dreisatz: Der Anteil Markierter in der Population (M/N) entspricht dem Anteil Markierter im zweiten Fang (R/C), also M/N = R/C, umgestellt N = M·C/R. Frederick Lincoln (1930) und Carl Petersen prägten das Verfahren. Voraussetzungen: geschlossene Population (keine Geburten, Tode, Zu- oder Abwanderung zwischen den Fängen), gute Durchmischung, Markierung ohne Einfluss auf Überleben oder Fangbarkeit. Bei kleinem R ist die Schätzung stark verzerrt; dann nutzt man die Chapman-Korrektur N = (M+1)(C+1)/(R+1) − 1.
Prüfungs-Blueprint
Gültigkeitsbereich
Gilt für eine geschlossene Population mit guter Durchmischung, bei der die Markierung Überleben und Fangbarkeit nicht beeinflusst.
Herleitung in Schritten
Der Anteil Markierter in der ganzen Population ist genauso groß wie ihr Anteil im zweiten Fang.
- 1Ansatz aus dem Dreisatz: M/N = R/C.
- 2Nach N auflösen: N = M·C/R.
Umstellen
Chapman-Korrektur (kleiner Wiederfang)
Verringert die Verzerrung, wenn R klein ist.
Nötiger Wiederfang aus geschätzter Größe
Umstellung von N = M·C/R; hilft bei der Versuchsplanung.
Aufgabenvariante
M = 40 markierte Fische. Zweiter Fang C = 50, darunter R = 8 markierte. Wie groß ist die Population?
N = (40·50)/8 = 2000/8 = 250 Fische. Chapman: N = (41·51)/9 − 1 = 232,3 − 1 ≈ 231.
M = 60 markierte Schnecken, Wiederfang C = 90 mit R = 18 markierten. Bestimme N.
N = (60·90)/18 = 5400/18 = 300 Schnecken.
Typische Fehler
C und R verwechseln.
C ist der ganze zweite Fang, R nur die darin wiedergefangenen Markierten.
Die Formel bei offener Population anwenden.
Geburten, Tode oder Wanderung zwischen den Fängen verfälschen die Schätzung.
Bei sehr kleinem R der Rohschätzung vertrauen.
Kleines R verzerrt stark nach oben; dann die Chapman-Korrektur verwenden.
Annehmen, Markierte mischen sich nicht wieder unter.
Zwischen den Fängen braucht es genug Zeit für eine gleichmäßige Durchmischung.
Klausurkontext
- Typisch in der Ökologie: Bestandsschätzung mobiler Tiere (Fische, Schnecken, Insekten) mit der Fang-Wiederfang-Methode.
Die typischen Fehler stecken als eigene Karten im Prüfungsset. Einmal aktiv trainiert, passieren sie in der Klausur selten.
Formelcluster
Populationsökologie
Verbindet Bestandsschätzung, Anteile und Modellannahmen.
Rechenbeispiel
Man fängt M = 40 Fische, markiert und lässt sie frei. Beim zweiten Fang sind C = 50 Fische darunter R = 8 markierte. Dann ist N = (40·50)/8 = 2000/8 = 250 Fische. Die Chapman-Korrektur liefert N = (41·51)/9 − 1 = 2091/9 − 1 ≈ 231.
Anwendungsgebiete
Ökologie (Bestandsschätzung von Tierpopulationen), Fischereibiologie, Wildtiermanagement, Naturschutz, Epidemiologie (Schätzung verborgener Fallzahlen)
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Welche Formel beschreibt Lincoln-Index (Fang-Wiederfang-Methode)?
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Wie stellst du N = (M·C) / R nach Chapman-Korrektur (kleiner Wiederfang) um?
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Welcher typische Fehler passiert bei N = (M·C) / R?
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Wissenschaftliche Quellen
Häufige Schreibweisen & Suchanfragen
Verwandte Formeln
Weitere Biologie-Formeln
Häufige Fragen zu Lincoln-Index (Fang-Wiederfang-Methode)
Wie funktioniert die Fang-Wiederfang-Methode?+
Man fängt eine erste Gruppe Tiere, markiert sie unauffällig und lässt sie wieder frei. Nach einer Weile, in der sich die markierten Tiere gleichmäßig mit den übrigen mischen, fängt man erneut eine Gruppe. In diesem zweiten Fang zählt man, wie viele markierte Tiere dabei sind. Die Idee ist ein Dreisatz: Der Anteil markierter Tiere im zweiten Fang entspricht dem Anteil markierter Tiere in der ganzen Population. Daraus folgt die Formel N = M·C/R mit den markierten Tieren M, dem gesamten zweiten Fang C und den darin wiedergefangenen Markierten R. Je größer der Anteil Markierter im zweiten Fang, desto kleiner ist die geschätzte Population. So lässt sich die Größe von Populationen abschätzen, die man nicht vollständig zählen kann, etwa Fische in einem Teich.
Wie berechnet man die Populationsgröße mit dem Lincoln-Index?+
Man setzt die drei gemessenen Zahlen in die Formel N = M·C/R ein. M ist die Zahl der im ersten Fang markierten und freigelassenen Tiere, C die Gesamtzahl im zweiten Fang und R die Zahl der markierten Tiere, die man im zweiten Fang wiederfängt. Beispiel: Man markiert M = 40 Fische. Im zweiten Fang sind C = 50 Fische, davon R = 8 markiert. Dann ist N = (40·50)/8 = 2000/8 = 250 Fische. Wichtig ist, C und R nicht zu verwechseln: C ist der ganze zweite Fang, R nur der markierte Teil davon. Bei kleinem R wird die Schätzung ungenau und tendenziell zu hoch; dann verwendet man die Chapman-Korrektur N = (M+1)(C+1)/(R+1) − 1, die für dasselbe Beispiel etwa 231 ergibt.
Welche Voraussetzungen muss die Fang-Wiederfang-Methode erfüllen?+
Die Methode setzt eine geschlossene Population voraus: Zwischen den beiden Fängen darf es keine Geburten, Todesfälle, Zu- oder Abwanderung geben, sonst stimmt das Verhältnis nicht mehr. Außerdem müssen sich die markierten Tiere gleichmäßig mit den unmarkierten mischen, damit die Stichprobe repräsentativ ist; dafür braucht es genug Zeit zwischen den Fängen. Die Markierung darf weder das Überleben noch die Fangbarkeit beeinflussen: Markierte Tiere dürfen nicht auffälliger für Räuber, nicht scheuer und nicht leichter wieder zu fangen sein. Auch dürfen keine Markierungen verloren gehen. Schließlich sollte jedes Tier die gleiche Fangwahrscheinlichkeit haben. Sind diese Bedingungen verletzt, wird die Schätzung verzerrt. In der Praxis wählt man Markierungen und Zeitabstände so, dass die Annahmen möglichst gut erfüllt sind, und nutzt bei Bedarf erweiterte Modelle.
Warum ist der Lincoln-Index bei kleinem Wiederfang ungenau?+
Der Wiederfang R steht im Nenner der Formel N = M·C/R. Ist R klein, wirken sich schon kleine Zählunterschiede stark auf das Ergebnis aus: Ob man 2 oder 3 markierte Tiere wiederfängt, verändert die Schätzung erheblich. Zudem ist die einfache Formel bei kleinem R systematisch nach oben verzerrt, sie überschätzt die Population im Mittel. Der Grund liegt in der Statistik des Ziehens: Bei wenigen Wiederfängen ist der geschätzte Anteil Markierter zufälliger und im Erwartungswert verzerrt. Deshalb nutzt man die Chapman-Korrektur N = (M+1)(C+1)/(R+1) − 1, die diese Verzerrung deutlich verringert und selbst dann funktioniert, wenn R = 0 ist. Grundsätzlich sollte man M und C groß genug wählen, damit man genügend markierte Tiere wiederfängt, in der Regel mindestens etwa zehn, um verlässliche Schätzungen zu erhalten.
Wofür wird die Fang-Wiederfang-Methode in der Praxis eingesetzt?+
Die Methode dient überall dort, wo man Populationen nicht vollständig zählen kann, weil die Tiere mobil, versteckt oder zu zahlreich sind. In der Fischereibiologie schätzt man damit Fischbestände in Seen und Flüssen, um Fangquoten festzulegen. Im Wildtiermanagement erfasst man Säugetier- oder Vogelbestände für den Naturschutz, oft mit Ringen, Ohrmarken oder Fotofallen als Markierung. Bei Insekten und Schnecken bestimmt man lokale Populationsgrößen in ökologischen Studien. Sogar in der Epidemiologie nutzt man das gleiche Prinzip, um die Dunkelziffer von Krankheitsfällen zu schätzen, indem man zwei unabhängige Melderegister vergleicht. Der große Vorteil ist, dass eine vollständige Zählung entfällt und schon zwei Stichproben eine brauchbare Schätzung liefern. Voraussetzung bleibt, dass die Annahmen der Methode hinreichend erfüllt sind, sonst wird das Ergebnis verzerrt.
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Wie berechnet man mit Lincoln-Index (Fang-Wiederfang-Methode)?
So gehst du eine typische Aufgabe zu Lincoln-Index (Fang-Wiederfang-Methode) (N = (M·C) / R) Schritt für Schritt an:
- 1
Aufgabe
M = 40 markierte Fische. Zweiter Fang C = 50, darunter R = 8 markierte. Wie groß ist die Population?
Rechenweg
N = (40·50)/8 = 2000/8 = 250 Fische. Chapman: N = (41·51)/9 − 1 = 232,3 − 1 ≈ 231.
- 2
Aufgabe
M = 60 markierte Schnecken, Wiederfang C = 90 mit R = 18 markierten. Bestimme N.
Rechenweg
N = (60·90)/18 = 5400/18 = 300 Schnecken.