Biologie · Genetik

Chi-Quadrat-Test (Anpassungstest)

Der Chi-Quadrat-Anpassungstest prüft, ob beobachtete Häufigkeiten (z. B. Phänotypen eines Kreuzungsversuchs) mit den nach einer Hypothese erwarteten Häufigkeiten (z. B. einem Mendel-Spaltungsverhältnis) verträglich sind.

FortgeschrittenPrüfungsrelevant

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Formel

LaTeX: \chi^2 = \sum \frac{(B - E)^2}{E}
χ², B, E sind dimensionslose Anzahlen; der Prüfwert χ² ist einheitenlos

Variablen & Einheiten – Chi-Quadrat-Test (Anpassungstest)

SymbolBedeutungEinheit
χ²Prüfgröße (Summe der gewichteten Abweichungsquadrate)– (dimensionslos)
Bbeobachtete Häufigkeit einer Klasse (observed)Anzahl
Eerwartete Häufigkeit dieser Klasse (expected, aus der Hypothese)Anzahl
dfFreiheitsgrade = Anzahl der Klassen − 1– (dimensionslos)

Herleitung & Hintergrund – Chi-Quadrat-Test (Anpassungstest)

Karl Pearson führte den Test 1900 ein. Man vergleicht den berechneten χ²-Wert mit einem kritischen Wert aus der Chi-Quadrat-Tabelle für die passenden Freiheitsgrade df und ein Signifikanzniveau (meist α = 5 %). Ist χ² kleiner als der kritische Wert, wird die Nullhypothese (beobachtet = erwartet) beibehalten; ist χ² größer, wird sie verworfen. In der Genetik prüft man so, ob eine Kreuzung dem erwarteten Verhältnis (3:1, 9:3:3:1) folgt. Bei einem Verhältnis mit k Klassen gilt df = k − 1.

Prüfungs-Blueprint

Gültigkeitsbereich

Gilt als Anpassungstest für gezählte Häufigkeiten in disjunkten Klassen mit ausreichend großen Erwartungswerten (Faustregel E ≥ 5).

Herleitung in Schritten

Man misst je Klasse die Abweichung Beobachtet minus Erwartet, quadriert sie und teilt durch den Erwartungswert.

  1. 1Berechne je Klasse den Erwartungswert E aus der Hypothese und bilde (B − E)²/E.
  2. 2Summiere über alle Klassen zu χ² und vergleiche mit dem kritischen Wert für df = Klassen − 1.

Umstellen

Freiheitsgrade beim Anpassungstest

k ist die Anzahl der Klassen; nur bei geschätzten Parametern zieht man weitere ab.

Beitrag einer einzelnen Klasse

Zeigt, welche Klasse am stärksten zur Abweichung beiträgt.

Aufgabenvariante

100 Nachkommen, erwartetes Verhältnis 3:1. Beobachtet: 80 dominant, 20 rezessiv. Passt das 3:1-Verhältnis?

E = 75 und 25. χ² = (80−75)²/75 + (20−25)²/25 = 25/75 + 25/25 = 0,333 + 1,000 = 1,333. df = 1, kritisch 3,84. Da 1,333 < 3,84, wird 3:1 beibehalten.

Dihybrider Erbgang, 160 Nachkommen, erwartet 9:3:3:1. Beobachtet: 95, 30, 27, 8. Ist die Abweichung signifikant?

E = 90, 30, 30, 10. χ² = 25/90 + 0/30 + 9/30 + 4/10 = 0,278 + 0 + 0,300 + 0,400 = 0,978. df = 3, kritisch 7,81. Da 0,978 < 7,81, ist die Abweichung nicht signifikant.

Typische Fehler

Prozente statt absoluter Anzahlen einsetzen.

χ² braucht gezählte Häufigkeiten; erwartete Anzahlen ergeben sich als Verhältnis · Gesamtzahl.

Die Freiheitsgrade falsch bestimmen.

Beim reinen Anpassungstest gilt df = Klassen − 1, nicht die Gesamtzahl der Individuen.

Ein kleines χ² als Beweis der Hypothese deuten.

Der Test kann die Nullhypothese nur beibehalten oder verwerfen, nie beweisen.

Beim Signifikanzvergleich die Richtung verwechseln.

Erst wenn χ² größer als der kritische Wert ist, wird die Hypothese verworfen.

Klausurkontext

  • Typisch im LK Genetik: Prüfung von Kreuzungsergebnissen gegen ein Mendel-Verhältnis (3:1, 9:3:3:1).

Die typischen Fehler stecken als eigene Karten im Prüfungsset. Einmal aktiv trainiert, passieren sie in der Klausur selten.

Rechenbeispiel

Monohybrider Erbgang, 100 Nachkommen, erwartet 3:1 → E = 75 und 25. Beobachtet: B = 80 und 20. χ² = (80−75)²/75 + (20−25)²/25 = 25/75 + 25/25 = 0,333 + 1,000 = 1,333. df = 1, kritischer Wert 3,84. Da 1,333 < 3,84 ist die Abweichung nicht signifikant, das 3:1-Verhältnis wird beibehalten.

Anwendungsgebiete

Genetik (Test von Spaltungsverhältnissen), Ökologie (Verteilungstests), Qualitätskontrolle, jede Prüfung von Häufigkeiten gegen ein erwartetes Muster

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Welche Formel beschreibt Chi-Quadrat-Test (Anpassungstest)?

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Wie stellst du χ² = Σ (B − E)² / E nach Freiheitsgrade beim Anpassungstest um?

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Welcher typische Fehler passiert bei χ² = Σ (B − E)² / E?

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Wissenschaftliche Quellen

Häufige Schreibweisen & Suchanfragen

chi^2 = sum (B-E)^2/Eχ²=Σ(B-E)²/EChi-Quadrat-TestChi Quadrat Test GenetikAnpassungstestchi square testbeobachtet erwartet TestSpaltungsverhältnis prüfenFreiheitsgrade Chi Quadrat

Verwandte Formeln

Weitere Biologie-Formeln

Häufige Fragen zu Chi-Quadrat-Test (Anpassungstest)

Wie führt man einen Chi-Quadrat-Test in der Genetik durch?+

Zuerst formuliert man die Nullhypothese, etwa dass eine Kreuzung dem 3:1-Verhältnis folgt. Daraus berechnet man für jede Phänotypklasse die erwartete Anzahl E als Verhältnis mal Gesamtzahl. Dann bildet man für jede Klasse (B − E)²/E aus beobachteter Anzahl B und erwarteter Anzahl E und summiert alle Beiträge zum Prüfwert χ². Diesen vergleicht man mit dem kritischen Wert aus der Chi-Quadrat-Tabelle für die Freiheitsgrade df = Klassen − 1 und das Niveau α = 5 %. Beispiel: 100 Nachkommen, erwartet 75:25, beobachtet 80:20 ergibt χ² = 25/75 + 25/25 = 1,333. Bei df = 1 ist der kritische Wert 3,84. Da 1,333 kleiner ist, wird das 3:1-Verhältnis beibehalten.

Wie bestimmt man die Freiheitsgrade beim Chi-Quadrat-Test?+

Beim Anpassungstest sind die Freiheitsgrade df = Anzahl der Klassen minus 1. Prüft man ein monohybrides Verhältnis mit zwei Phänotypklassen, ist df = 2 − 1 = 1. Beim dihybriden 9:3:3:1-Verhältnis mit vier Klassen ist df = 4 − 1 = 3. Der Abzug von 1 entsteht, weil die Gesamtzahl festliegt: Sind alle Klassen bis auf eine bekannt, ergibt sich die letzte automatisch. Die Freiheitsgrade bestimmen, welche Zeile der Chi-Quadrat-Tabelle gilt und damit den kritischen Wert. Ein häufiger Fehler ist, die Gesamtzahl der Individuen als Freiheitsgrade zu verwenden. Werden aus den Daten zusätzlich Parameter geschätzt, zieht man für jeden geschätzten Parameter einen weiteren Freiheitsgrad ab, was beim reinen Verhältnistest der Genetik aber nicht vorkommt.

Was bedeutet der kritische Wert 3,84 beim Chi-Quadrat-Test?+

Der Wert 3,84 ist der kritische Chi-Quadrat-Wert für einen Freiheitsgrad und ein Signifikanzniveau von 5 %. Er markiert die Grenze, ab der eine Abweichung als bedeutsam gilt. Liegt der berechnete χ²-Wert unter 3,84, ist die Abweichung zwischen beobachteten und erwarteten Häufigkeiten mit dem Zufall vereinbar, und die Nullhypothese wird beibehalten. Liegt er darüber, ist die Abweichung so groß, dass sie mit einer Wahrscheinlichkeit unter 5 % rein zufällig wäre, und man verwirft die Hypothese. Für andere Freiheitsgrade gelten andere Werte, etwa 5,99 bei df = 2 oder 7,81 bei df = 3. Man liest den passenden Wert stets aus der Chi-Quadrat-Tabelle für die eigenen Freiheitsgrade und das gewählte Niveau ab.

Warum teilt man beim Chi-Quadrat-Test durch den Erwartungswert?+

Die Division durch den Erwartungswert E gewichtet jede Abweichung relativ zu ihrer erwarteten Größe. Eine Abweichung von 10 Individuen fällt bei einer erwarteten Klasse von 20 stark ins Gewicht, bei einer erwarteten Klasse von 1000 kaum. Ohne die Division würden große Klassen den Prüfwert allein durch ihre Größe dominieren, obwohl ihre relative Abweichung klein ist. Durch (B − E)²/E werden alle Klassen vergleichbar gemacht: Jeder Beitrag misst, wie stark die Klasse gemessen an ihrer Erwartung abweicht. Das Quadrieren sorgt zusätzlich dafür, dass positive und negative Abweichungen sich nicht aufheben und größere Abweichungen überproportional stärker zählen. So entsteht ein faires Gesamtmaß der Anpassungsgüte über alle Klassen hinweg.

Was sagt ein signifikantes Ergebnis beim Chi-Quadrat-Test aus?+

Ein signifikantes Ergebnis, also ein χ²-Wert über dem kritischen Wert, bedeutet, dass die beobachteten Häufigkeiten so stark von den erwarteten abweichen, dass reiner Zufall unwahrscheinlich ist. In der Genetik heißt das, die Kreuzung folgt vermutlich nicht dem angenommenen Verhältnis. Mögliche Ursachen sind Kopplung von Genen, unvollständige Dominanz, Letalfaktoren oder eine ungünstige Stichprobe. Wichtig ist, dass der Test nur die Verträglichkeit mit einer Hypothese prüft und keinen Grund liefert; die biologische Deutung muss man selbst ergänzen. Ein nicht signifikantes Ergebnis beweist die Hypothese nicht, es zeigt nur, dass die Daten ihr nicht widersprechen. Der Test kann also eine Hypothese verwerfen oder beibehalten, aber niemals endgültig bestätigen.

Chi-Quadrat-Test (Anpassungstest) prüfungssicher behalten

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Wie berechnet man mit Chi-Quadrat-Test (Anpassungstest)?

So gehst du eine typische Aufgabe zu Chi-Quadrat-Test (Anpassungstest) (χ² = Σ (B − E)² / E) Schritt für Schritt an:

  1. 1

    Aufgabe

    100 Nachkommen, erwartetes Verhältnis 3:1. Beobachtet: 80 dominant, 20 rezessiv. Passt das 3:1-Verhältnis?

    Rechenweg

    E = 75 und 25. χ² = (80−75)²/75 + (20−25)²/25 = 25/75 + 25/25 = 0,333 + 1,000 = 1,333. df = 1, kritisch 3,84. Da 1,333 < 3,84, wird 3:1 beibehalten.

  2. 2

    Aufgabe

    Dihybrider Erbgang, 160 Nachkommen, erwartet 9:3:3:1. Beobachtet: 95, 30, 27, 8. Ist die Abweichung signifikant?

    Rechenweg

    E = 90, 30, 30, 10. χ² = 25/90 + 0/30 + 9/30 + 4/10 = 0,278 + 0 + 0,300 + 0,400 = 0,978. df = 3, kritisch 7,81. Da 0,978 < 7,81, ist die Abweichung nicht signifikant.