Mathematik · Stochastik

Standardabweichung

Die Standardabweichung σ misst die typische Streuung einer Zufallsgröße um ihren Erwartungswert μ.

FortgeschrittenPrüfungsrelevant

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Formel

LaTeX: \sigma = \sqrt{\operatorname{Var}(X)} = \sqrt{E\big((X - \mu)^{2}\big)}
σ in der Einheit der Zufallsgröße X · Var(X) im Quadrat davon
Diagramm: Eine Glockenkurve mit schattierten Bändern; das mittlere Band μ ± σ umfasst etwa 68 Prozent, das breitere Band μ ± 2σ etwa 95 Prozent der Fläche.μμ−σμ+σμ−2σμ+2σ68 %95 %
Innerhalb von μ ± σ liegen rund 68 %, innerhalb von μ ± 2σ rund 95 % der Werte.

Variablen & Einheiten – Standardabweichung

SymbolBedeutungEinheit
σStandardabweichungwie X
Var(X) = σ²Varianz, mittlere quadratische AbweichungQuadrat von X
μ = E(X)Erwartungswert der Zufallsgrößewie X

Herleitung & Hintergrund – Standardabweichung

Die Varianz mittelt die quadrierten Abweichungen vom Erwartungswert; die Wurzel daraus bringt das Maß in die Einheit der Daten zurück. Für die Binomialverteilung gilt die Kurzformel σ = √(n·p·(1−p)). Abzugrenzen: die empirische Standardabweichung s einer Stichprobe teilt durch n − 1 statt n (Bessel-Korrektur). Bei der Normalverteilung liegen rund 68 % der Werte in μ ± σ und 95 % in μ ± 2σ.

Prüfungs-Blueprint

Gültigkeitsbereich

Definiert für Zufallsgrößen mit endlicher Varianz. σ beschreibt theoretische Verteilungen; die empirische Standardabweichung s (Teilen durch n − 1) beschreibt Stichproben.

Herleitung in Schritten

Quadrierte Abweichungen mitteln, dann die Wurzel ziehen.

  1. 1Var(X) = Σ(xᵢ − μ)²·pᵢ misst die mittlere quadratische Abweichung von μ.
  2. 2σ = √Var(X) bringt das Maß zurück in die Einheit von X.

Umstellen

Verschiebungssatz

Oft schneller als das direkte Summieren der Abweichungen.

Binomialverteilung

Kurzformel für Bernoulli-Ketten, Basis der Sigma-Regeln.

Lineare Transformation

Verschiebungen (+b) ändern die Streuung nicht.

Aufgabenvariante

Ein Würfel hat μ = 3,5. Berechne die Standardabweichung.

E(X²) = (1+4+9+16+25+36)/6 = 91/6 ≈ 15,17. Var = 15,17 − 12,25 = 35/12 ≈ 2,92. σ = √2,92 ≈ 1,71.

n = 400, p = 0,25: Bestimme μ, σ und das 2σ-Intervall.

μ = n·p = 100. σ = √(400·0,25·0,75) = √75 ≈ 8,66. 2σ-Intervall: [100 − 17,3; 100 + 17,3] ≈ [83; 117], rund 95 % der Ergebnisse.

Typische Fehler

σ und Varianz verwechseln.

Die Varianz ist σ²; die Standardabweichung ist ihre Wurzel und trägt die Einheit von X.

Bei Stichproben durch n statt n − 1 teilen.

Die empirische Standardabweichung s nutzt n − 1 (Bessel-Korrektur).

√(n·p·q) auf beliebige Verteilungen anwenden.

Die Kurzformel gilt nur für die Binomialverteilung.

Abweichungen ohne Quadrieren mitteln.

Σ(xᵢ − μ)·pᵢ ist immer 0; erst das Quadrieren macht Streuung messbar.

Klausurkontext

  • Sigma-Regeln, Prognoseintervalle und Hypothesentests rund um die Binomialverteilung.

Die typischen Fehler stecken als eigene Karten im Prüfungsset. Einmal aktiv trainiert, passieren sie in der Klausur selten.

Rechenbeispiel

Binomialverteilung mit n = 100, p = 0,5: σ = √(n·p·(1−p)) = √(100·0,5·0,5) = √25 = 5. Das 2σ-Intervall um μ = 50 reicht von 40 bis 60 (rund 95 %).

Anwendungsgebiete

Sigma-Regeln und Prognoseintervalle im Abitur, Hypothesentests, Qualitätskontrolle, Messunsicherheiten, Risikomaß in der Finanzmathematik

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Kuratiertes Prüfungsset für "Standardabweichung":

Frage (Vorderseite)

Welche Formel beschreibt Standardabweichung?

Antwort in deinem Set

Frage (Vorderseite)

Wie stellst du σ = √Var(X) nach Verschiebungssatz um?

Antwort in deinem Set

Frage (Vorderseite)

Welcher typische Fehler passiert bei σ = √Var(X)?

Antwort in deinem Set

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Wissenschaftliche Quellen

Häufige Schreibweisen & Suchanfragen

sigma=sqrt(Var(X))sigma=sqrt(n*p*q)Standardabweichung berechnenStandardabweichung FormelVarianz und StandardabweichungStreuung Stochastikstandard deviation formulaSigma-Regeln

Verwandte Formeln

Weitere Mathematik-Formeln

Häufige Fragen zu Standardabweichung

Wie berechne ich die Standardabweichung Schritt für Schritt?+

Bei einer diskreten Zufallsgröße: Zuerst den Erwartungswert μ = Σxᵢ·pᵢ bestimmen. Dann für jeden Wert die Abweichung xᵢ − μ bilden, quadrieren und mit pᵢ gewichten; die Summe ist die Varianz Var(X) = Σ(xᵢ − μ)²·pᵢ. Zum Schluss die Wurzel ziehen: σ = √Var(X). Beispiel Würfel: μ = 3,5, E(X²) = 91/6 ≈ 15,17, also Var = 15,17 − 3,5² = 2,92 und σ ≈ 1,71. Oft schneller ist der Verschiebungssatz Var(X) = E(X²) − μ², bei dem du nur die quadrierten Werte mitteln musst. Bei binomialverteilten Größen sparst du dir alles: σ = √(n·p·(1−p)). Wichtig: Erst ganz am Ende wurzeln, nie die einzelnen Abweichungen.

Was ist der Unterschied zwischen σ und s, also n und n − 1?+

σ ist die theoretische Standardabweichung einer Verteilung, berechnet aus dem Wahrscheinlichkeitsmodell. s ist die empirische Standardabweichung einer Stichprobe, berechnet aus Daten, und dort teilt man durch n − 1 statt durch n: s = √(Σ(xᵢ − x̄)²/(n − 1)). Der Grund für die Bessel-Korrektur: Der Stichprobenmittelwert x̄ liegt automatisch „mitten in" den eigenen Daten, die Abweichungen von x̄ fallen also systematisch kleiner aus als die vom wahren μ. Das Teilen durch n − 1 gleicht diese Unterschätzung aus und macht s² zu einem erwartungstreuen Schätzer der Varianz. Bei großen n ist der Unterschied winzig. Taschenrechner und Tabellenkalkulationen bieten beide Varianten an (σₙ und sₙ₋₁ bzw. STDEV.P und STDEV.S); wähle nach Kontext: ganze Population oder Stichprobe.

Wie nutze ich σ = √(n·p·q) bei der Binomialverteilung?+

Für eine Bernoulli-Kette mit n Versuchen und Trefferwahrscheinlichkeit p gilt die Kurzformel σ = √(n·p·(1−p)); q steht für 1 − p. Beispiel: n = 400 Bewerbungen mit Erfolgsquote p = 0,25 ergeben μ = 100 und σ = √(400·0,25·0,75) = √75 ≈ 8,66. Damit baust du Prognoseintervalle: Rund 95 % der Ergebnisse liegen in [μ − 2σ; μ + 2σ] ≈ [83; 117]. Die Sigma-Regeln setzen die Laplace-Bedingung σ > 3 voraus, hier klar erfüllt. Zwei Stolperfallen: Die Formel gilt NUR für binomialverteilte Größen, nicht für beliebige Verteilungen; und unter der Wurzel steht das Produkt n·p·q, nicht etwa (n·p·q)² oder n·p allein. Maximal wird σ übrigens bei p = 0,5, dort streut die Kette am stärksten.

Was sagt die Standardabweichung anschaulich aus?+

Sie misst, wie weit die Ergebnisse typischerweise vom Erwartungswert entfernt liegen: kleines σ bedeutet eng gebündelte, großes σ weit gestreute Werte. Zwei Verteilungen können denselben Mittelwert und völlig verschiedene Streuung haben; erst μ und σ zusammen charakterisieren die Lage. Greifbar wird σ über die Sigma-Regeln (bei annähernd glockenförmigen Verteilungen): Etwa 68 % der Ergebnisse liegen in μ ± σ, 95 % in μ ± 2σ, 99,7 % in μ ± 3σ. Ein Ergebnis außerhalb von 2σ ist also schon bemerkenswert, außerhalb von 3σ sehr ungewöhnlich; genau darauf bauen Hypothesentests und industrielle Qualitätskontrolle. Wichtig für die Interpretation: σ trägt dieselbe Einheit wie die Messgröße selbst, im Gegensatz zur Varianz mit ihrer Quadrateinheit.

Warum quadriert man die Abweichungen, statt sie einfach zu mitteln?+

Weil das einfache Mitteln der Abweichungen immer null ergibt: Positive und negative Abstände vom Erwartungswert heben sich exakt auf, Σ(xᵢ − μ)·pᵢ = 0 ist eine definierende Eigenschaft von μ. Man braucht also einen Trick, der die Vorzeichen beseitigt. Das Quadrieren tut das und ist mathematisch besonders gutmütig: Es ist differenzierbar, bestraft große Ausreißer überproportional und führt zu schönen Rechenregeln wie der Additivität der Varianz bei unabhängigen Größen, aus der die √(npq)-Formel folgt. Die Alternative, Beträge zu mitteln, ergibt die mittlere absolute Abweichung; sie ist anschaulich, aber rechnerisch sperrig und spielt in der Schulstochastik keine Rolle. Damit die Einheit wieder stimmt, zieht man nach dem Quadrieren die Wurzel: genau das ist σ.

Standardabweichung prüfungssicher behalten

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Wie berechnet man mit Standardabweichung?

So gehst du eine typische Aufgabe zu Standardabweichung (σ = √Var(X)) Schritt für Schritt an:

  1. 1

    Aufgabe

    Ein Würfel hat μ = 3,5. Berechne die Standardabweichung.

    Rechenweg

    E(X²) = (1+4+9+16+25+36)/6 = 91/6 ≈ 15,17. Var = 15,17 − 12,25 = 35/12 ≈ 2,92. σ = √2,92 ≈ 1,71.

  2. 2

    Aufgabe

    n = 400, p = 0,25: Bestimme μ, σ und das 2σ-Intervall.

    Rechenweg

    μ = n·p = 100. σ = √(400·0,25·0,75) = √75 ≈ 8,66. 2σ-Intervall: [100 − 17,3; 100 + 17,3] ≈ [83; 117], rund 95 % der Ergebnisse.