So kannst du die Bewegung verstehen
Lässt du einen kleinen kompakten Körper los, bewegt er sich in der ersten kurzen Zeitspanne nur wenig. Später ist er schneller und durchläuft in gleich langen Zeitspannen größere Abstände. Als erstes Modell lassen wir Luftkräfte weg und nehmen eine konstante Erdbeschleunigung an. „Frei“ bedeutet dabei: Nach dem Loslassen wirkt nur die Schwerkraft. Es bedeutet nicht, dass der Körper schon schnell ist oder dass er nur nach unten fliegen kann.[1]
- Vorwissen: Bei konstanter Beschleunigung gelten das Geschwindigkeit-Zeit- und das Weg-Zeit-Gesetz. Start aus Ruhe bedeutet v0 = 0 im gewählten Bezugssystem.
- g ist ein positiver Betrag. Die Beschleunigungskomponente ist +g bei nach unten positiver Achse und −g bei nach oben positiver Achse.
- In den folgenden Zahlenbeispielen wird g = 9,81 m/s2 verwendet. Das ist ein gerundeter Modellwert; die Aufgabe kann einen anderen Wert vorgeben.
Welche Fallformeln gelten für Ruhe und senkrechten Wurf?
Im idealen vertikalen Fall mit konstantem g wirkt während des freien Flugs nur die Schwerkraft; eine Anfangsgeschwindigkeit ist dabei erlaubt. Beim Fallen aus Ruhe bezeichnen wir mit h die seit dem Loslassen zurückgelegte Fallstrecke. Die Höhe über dem Boden wäre dagegen Anfangshöhe minus h. Beide Größen können in Aufgaben „Höhe“ heißen; kläre vor dem Einsetzen, welche gemeint ist. Allgemeiner gehört auch der frei fliegende Teil eines senkrechten Wurfs zum freien Fall, solange nur die Schwerkraft wirkt. Für diesen Fall darf die Anfangsgeschwindigkeit nicht weggelassen werden.[1]
Für diese Schreibweise zeigt die positive Achse nach unten.
Für die Aufgaben hier setzen wir g = 9,81 m/s2. Das ist ein gerundeter Modellwert nahe der Erdoberfläche, keine überall exakt gleiche Naturkonstante. Für Messauswertungen brauchst du das örtliche g; für große Höhen ein Modell mit veränderlichem Gravitationsfeld.[1]
Bild ansehen: Richtung der Gewichtskraft
Die Kraft bleibt nach unten gerichtet
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Fallgeschwindigkeit und Fallzeit aus dem Bewegungsmodell
Wähle für den ersten Fall eine nach unten positive Achse. Dann wächst die Geschwindigkeit aus Ruhe gemäß v = gt. Im Geschwindigkeitsdiagramm entsteht eine Gerade durch den Ursprung. Die Fallstrecke ist die Dreiecksfläche darunter: halbe Grundseite t mal Höhe gt. Deshalb steht im Fallgesetz der Faktor ein Halb. Für eine vorhandene Anfangsgeschwindigkeit kommt der Rechteckanteil v0t hinzu. Dieses Fallgesetz ist ein Spezialfall der gleichmäßig beschleunigten Bewegung mit nach unten positivem .[2]
Die erste Zeile gilt für den Start aus Ruhe. In der letzten Zeile ist h eine gerichtete Verschiebung; beim Start nach oben kann sie zunächst negativ sein.[2][1]
Aus Ruhe zählt die nicht negative Zeitwurzel; vimpact ist ein Geschwindigkeitsbetrag.
Bei vierfacher Fallstrecke verdoppeln sich Fallzeit und Aufprallgeschwindigkeit. Bei doppelter Fallzeit wird die Fallstrecke vierfach. Die mittlere Schnelligkeit h/t ist aus Ruhe halb so groß wie die Endgeschwindigkeit; sie darf nicht als Aufprallwert eingesetzt werden.
Fallstrecke und Höhe über dem Boden
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Fallzeit und Aufprallgeschwindigkeit: Beispiel aus zwölf Metern
Zeit und Geschwindigkeit aus der Fallhöhe
- Gegeben
- Fallstrecke 12 m, Start aus Ruhe, g = 9,81 m/s2, Luftwiderstand vernachlässigt.
- Gesucht
- Bestimme die Zeit bis zum Boden und den Geschwindigkeitsbetrag unmittelbar davor.
Ansatz: Die Fallstrecke ist bekannt, die Zeit nicht. Stelle das Fallgesetz nach der positiven verstrichenen Zeit um; danach folgt der Geschwindigkeitsbetrag aus gt.
Die bekannte Höhe in die Zeitumstellung einsetzen.
Mit der ungerundeten Zeit die Geschwindigkeit berechnen.
Optional in km/h umrechnen, nachdem in SI gerechnet wurde.
Ergebnis: Fallzeit 1,56 s; Aufprallgeschwindigkeit 15,34 m/s oder 55,24 km/h.
Kontrolle: Unabhängig über Energie: . Außerdem ist genau die halbe Endgeschwindigkeit.
Wurf nach oben: Ist die Beschleunigung am höchsten Punkt null?
Anfangsgeschwindigkeit statt Start aus Ruhe
- Gegeben
- Start bei z0 = 0 m mit v0 = +14 m/s, positive Achse nach oben; g = 9,81 m/s2.
- Gesucht
- Bestimme die Zeit zum höchsten Punkt, den Höhengewinn und die Rückkehrzeit zum Startniveau.
Ansatz: Wähle jetzt nach oben positiv. Die Beschleunigung ist −g. Der höchste Punkt ist erreicht, wenn die vertikale Geschwindigkeit null ist; die Rückkehr folgt aus gleicher Start- und Endhöhe.
Bei aufwärts positiver Achse ist die Beschleunigung −g.
Am höchsten Punkt ist v = 0, nicht a = 0.
Die maximale Höhe mit dem ungerundeten Wert bestimmen.
z = 0 hat die Startwurzel und die spätere Rückkehrwurzel.
Ergebnis: Höchster Punkt nach 1,43 s, Höhengewinn 9,99 m; Rückkehr zum Startniveau nach 2,85 s mit v = −14 m/s.
Kontrolle: Aufstieg und Abstieg dauern im Modell gleich lang, weil Anfangs- und Endniveau gleich sind. Die Beschleunigung beträgt auch am höchsten Punkt −9,81 m/s2.
Fallen schwere Körper schneller? Energiekontrolle im idealen Modell
Energieabnahme der Lage wird im idealen Modell zur Zunahme der Bewegungsenergie.[3]
Die Energiekontrolle verbindet die Abnahme der potentiellen Energie mit der Zunahme der kinetischen Energie. Die Masse kürzt sich, wenn beide Energieanteile proportional zur selben Masse sind. Unterschiedliche Körper erreichen unter gleichen Anfangsbedingungen im gleichen Feld dieselbe Geschwindigkeit. Bei Luftwiderstand bestimmen unter anderem Form, Querschnitt, Luftdichte und Masse die Bewegung mit. Gleiche Endgeschwindigkeit in Luft folgt daraus nicht.[3][4]
Die Apollo-15-Demonstration mit Hammer und Feder auf dem Mond illustriert den Fall ohne nennenswerten Luftwiderstand. Sie liefert keine Begründung dafür, dieselbe Luftwiderstandsvernachlässigung für ein Blatt Papier in einem irdischen Treppenhaus anzunehmen.[5]
Fallversuch und Brunnenmessung auswerten
Beim Fallversuch passt h gegen t2 zu einer Geraden mit Steigung g/2, wenn Start aus Ruhe und Nullpunkte stimmen. Reaktionsverzögerung bei einer Handstoppuhr oder ein vorzeitiges Loslassen verschiebt die Zeitsynchronisation; eine zusätzliche Abwurf- oder Stoßbewegung verändert v0. Mehrere Messhöhen helfen, solche Modellabweichungen zu erkennen.
Misst du die Zeit vom Loslassen bis zum gehörten Aufschlag in einem Brunnen, enthält sie zusätzlich die Schalllaufzeit nach oben. Bei angenommener konstanter Schallgeschwindigkeit c gilt T = √(2h/g) + h/c. Setzt du einfach T als reine Fallzeit ein, überschätzt du die Tiefe. Luftwiderstand und die konkreten Messbedingungen bleiben weitere Fehlerquellen.
h/c hat die Einheit Sekunden; c muss als eigene Modellannahme bekannt sein.
Luftwiderstand, Endgeschwindigkeit und veränderliches g
In Luft wirkt der Widerstand entgegen der Relativbewegung zur Luft. Beim Fallen durch ruhende Luft kann dadurch eine Endgeschwindigkeit entstehen: Gewichtskraft und entgegenwirkende Kräfte gleichen sich aus, sodass die Geschwindigkeit nicht weiter wächst. Dann ist a nicht konstant gleich g und h = ½gt2 überschätzt bei gleichen Startbedingungen die Fallstrecke nach einer gegebenen Zeit.[4]
Das einfache Modell vernachlässigt außerdem Auftrieb und die Bewegung der umgebenden Luft. Für große Höhenänderungen kann g nicht unverändert eingesetzt werden. Ein umlaufender Satellit ist ebenfalls im freien Fall, hat aber tangentiale Geschwindigkeit und folgt keiner rein vertikalen Fallstrecke ½gt2.[1]
Alle hier genannten Höhen und Zeiten sind Modellrechnungen. Bei Aufprallaufgaben endet die Rechnung unmittelbar vor dem Kontakt; die Kontaktkraft während des Aufpralls folgt nicht aus der Fallformel allein. Dafür wären unter anderem Verformungsweg oder Abbremsdauer erforderlich. Die Änderung des Impulses und die Abbremsdauer bestimmen die mittlere resultierende Kraft; eine eindeutige Spitzenkraft erfordert zusätzlich den Kraftverlauf.[6]
Fünf gelöste Fallaufgaben
Einsetzen und Rechnen · Einstieg
Ein Körper fällt aus Ruhe 1,2 s lang. Wie weit und wie schnell ist er bei g = 9,81 m/s2?
Hinweis anzeigen
Für Strecke t quadrieren, für Geschwindigkeit nicht.
Lernziel: Fallstrecke und Geschwindigkeit aus Ruhe bestimmen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Weil der Start aus Ruhe erfolgt, gelten h = ½gt2 und der nach unten gerichtete Geschwindigkeitsbetrag v = gt.
Nach 1,2 s beträgt die Fallstrecke 7,0632 m und die Geschwindigkeit 11,772 m/s.
Kontrolle: Die mittlere Geschwindigkeit über den Fall ist die Hälfte der Endgeschwindigkeit; mit 1,2 s multipliziert ergibt sie wieder dieselbe Strecke. Kontakt mit einem vorher erreichten Boden würde das Modell beenden.
Umstellen · Einstieg
Wie lange dauert der Fall aus 5 m Höhe aus Ruhe ohne Luftwiderstand?
Hinweis anzeigen
Verwende die positive Zeitwurzel.
Lernziel: Fallzeit aus Fallhöhe bestimmen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Löse h = ½gt2 nach t.
Die positive Wurzel beschreibt die Zeit seit dem Loslassen.
Für fünf Meter ergeben sich etwa 1,01 s.
Kontrolle: Einsetzen in ½gt2 liefert wieder 5 m. Unter der Wurzel steht eine Größe mit der Einheit Sekundenquadrat; erst die Wurzel ergibt Sekunden.
Transfer · Anwenden
Ein Körper wird mit 3 m/s nach unten geworfen. Welche Fallstrecke legt er in 0,8 s zurück?
Hinweis anzeigen
Bei nach unten positiver Achse sind v0 und a positiv.
Lernziel: Nichtverschwindende Abwurfgeschwindigkeit einbeziehen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Die bereits nach unten gerichtete Anfangsgeschwindigkeit trägt v0t bei.
Addiere diesen Anteil zur zusätzlichen Fallverschiebung ½gt2.
Nach 0,8 s sind es 2,4 m aus der Anfangsbewegung und 3,1392 m aus der Beschleunigung, zusammen 5,5392 m.
Kontrolle: Das Ergebnis muss größer sein als bei einem gleich langen Fall aus Ruhe, weil hier schon beim Start eine Bewegung nach unten vorliegt.
Interpretieren · Einstieg
Ein Körper wird im Vakuummodell mit 9,81 m/s senkrecht nach oben geworfen, g=9,81 m/s2 konstant. Positive Achse nach oben. Gib Zeitpunkt, Geschwindigkeit und Beschleunigung am höchsten Punkt an. Ist die aufsteigende Phase ebenfalls freier Fall?
Hinweis anzeigen
Freier Fall beschreibt die wirkende Kraft, nicht die momentane Bewegungsrichtung.
Lernziel: Nullgeschwindigkeit am Scheitelpunkt von fehlender Beschleunigung unterscheiden.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: wird nach 1 s null.
Die Beschleunigung bleibt dabei −9,81 m/s2; vor und nach dem Scheitel wirkt dieselbe Schwerkraft.
Auch während des Steigens liegt freier Fall vor, sobald die Abwurfhand keinen Kontakt mehr hat.
Kontrolle: Kurz vor dem Scheitel ist v positiv, kurz danach negativ. Ohne die fortbestehende Beschleunigung könnte die Bewegung nicht umkehren.
Fehleranalyse · Anwenden
Ein Stein wird aus Ruhe in einen senkrechten Schacht fallen gelassen. Zwischen Loslassen und gehörtem Aufprall vergehen 2,00 s. c=340 m/s, g=9,81 m/s2; Luftwiderstand und Reaktionszeit vernachlässigt. Eine Lösung erhält h=19,62 m. Ist dieser Wert zu groß oder zu klein? Bestimme die korrigierte Tiefe.
Hinweis anzeigen
Die Fallzeit ist kürzer als 2 s; der Schall braucht ebenfalls Zeit.
Lernziel: Gemessene Verzögerung als Fallzeit plus Schalllaufzeit modellieren.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: und .
Die positive Lösung ergibt tf≈1,94540 s und h≈18,5634 m. 19,62 m ist zu groß, weil die ganze Verzögerung als Fallzeit gezählt wurde.
Kontrolle: Die Schallzeit von etwa 0,05460 s ergänzt die Fallzeit zu 2,00 s. Der Korrekturansatz setzt voraus, dass der Schall denselben vertikalen Abstand mit dem gegebenen konstanten c zurücklegt.
Das solltest du mitnehmen
- Zuerst klären: Fallstrecke oder Höhe über dem Boden? Start aus Ruhe oder mit Anfangsgeschwindigkeit?
- Die Gewichtskraft und die Beschleunigung zeigen auch am höchsten Punkt nach unten. Nur die Geschwindigkeit ist dort beim senkrechten Wurf kurz null.
- Die idealen Formeln beschreiben die Bewegung vor dem Kontakt. Luftkräfte und Schalllaufzeit sind gegebenenfalls eigene Modellteile.
Belege zu dieser Erklärung
Quanta · Bearbeitet 1. Oktober 2026
- OpenStax, University Physics 1 §3.5: Free Fall
- OpenStax, University Physics 1 §3.4: Motion with Constant Acceleration
- OpenStax, University Physics 1 §8.3: Conservation of Energy
- OpenStax, University Physics 1 §6.4: Drag Force and Terminal Speed
- NASA Science: The Apollo 15 Hammer-Feather Drop
- OpenStax, University Physics 1 §9.2: Impulse and Collisions
Redaktion: Quanta Study Redaktion
Prüfumfang
Diese Erklärung, 2 Rechenbeispiele und 5 Aufgaben liegen auf Deutsch und Englisch vor. Aufbau, Quellenzuordnung und mathematische Darstellung werden automatisiert geprüft. Rechnungen, Modellvoraussetzungen und beide Sprachfassungen erhalten eine gesonderte KI-Gegenprüfung.
Für einen früheren veröffentlichten Stand dieser Seite ist eine interne menschliche Fachprüfung dokumentiert. Diese Bestätigung gilt nicht automatisch für die überarbeitete Erklärung und die neuen Aufgaben.
Eine unabhängige, namentliche menschliche Fachprüfung ist noch nicht dokumentiert. Unsere Aufgabenzahlen sind Rechenbeispiele und keine Messdaten der zitierten Quellen.
Redaktion, Quellen und VorgehenÄnderungsverlauf
- Freier Fall gegenüber Start aus Ruhe direkt abgegrenzt; Fallzeit, Aufprallgeschwindigkeit, Scheitelpunkt und Masse über passende Überschriften erschlossen. Allgemeines Weggesetz, Lageenergie und Impulsänderung beim Kontakt verlinkt.
- Zwei Aufgaben ergänzt; die fünf Aufgaben nach Aufgabentyp, Schwierigkeit und Lernziel gegliedert.
- Vorwissen und anschaulichen Einstieg ergänzt; Herleitung, Beispielansätze und Aufgabenlösungen ausführlicher erklärt sowie eine Zusammenfassung ergänzt.
Diese Nachschlageseite zitieren
Quanta. Freier Fall. Stand 1. Oktober 2026. https://quanta-study.de/tafelwerk/freier-fall
Bei einer konkreten fachlichen Aussage zusätzlich die dort verknüpfte Fachquelle nennen.