So kannst du die Bewegung verstehen
Stell dir eine gerade Schiene vor und lege „nach rechts“ als positiv fest. Eine Anzeige von −6 m/s heißt: Der Wagen bewegt sich nach links. Ändert sich die Anzeige in jeder Sekunde um +2 m/s, stehen dort nacheinander −6, −4, −2 und 0 m/s. Der Wagen wird zunächst langsamer, obwohl die Beschleunigung positiv ist. Erst nach dem Stillstand kann er nach rechts schneller werden.[1][2]
- Vorwissen: Eine positive Achse legt fest, was Plus und Minus bedeuten. Das Vorzeichen beschreibt eine Richtung; der Betrag beschreibt die Schnelligkeit.
- Die Änderung einer Größe ist Endwert minus Anfangswert. Die Zeit in der Formel ist die seit diesem Anfang vergangene Zeit.
- Du brauchst zunächst nur Subtraktion, Multiplikation und Division. Die spätere Integralform erklärt den Fall einer veränderlichen Beschleunigung.
Wie lautet das Geschwindigkeit-Zeit-Gesetz?
Bei konstanter Beschleunigung gilt das Geschwindigkeit-Zeit-Gesetz ; t ist die seit dem Anfangszustand verstrichene Zeit. Auf einer Geraden verwenden wir v für die Geschwindigkeitskomponente entlang der gewählten Achse. Bei v = −6 m/s beträgt die Schnelligkeit 6 m/s. Im Alltag heißt beides oft „Geschwindigkeit“; beim Rechnen unterscheiden wir Richtung und Betrag. Die Beschleunigung a beschreibt, wie sich v verändert. Sie ist keine zusätzliche Geschwindigkeit, sondern deren Änderungsrate. Beim freien Fall nahe der Erdoberfläche ohne Luftkräfte ist die Beschleunigung näherungsweise konstant; ihr Vorzeichen hängt von der gewählten Höhenachse ab.[1][3][4]
v0 ist die Geschwindigkeit bei t = 0; a muss im betrachteten Intervall konstant sein. Die Schnelligkeit ist der Betrag |v(t)|.
Auf einer Geraden wächst die Schnelligkeit bei v·a > 0 und sinkt bei v·a < 0. Deshalb kann positives a zunächst bremsen: Bei v < 0 verändert es die Geschwindigkeit in Richtung null. Nach einer Umkehr beschleunigt derselbe positive Wert den Wagen in die positive Richtung. Am Umkehrpunkt ist v = 0, während a durchaus ungleich null sein kann.
Von der Beschleunigung zum Geschwindigkeit-Zeit-Gesetz
Beginne mit zwei Geschwindigkeiten, die im Abstand t gemessen wurden. Subtrahiere den Anfangswert vom Endwert: Das ist die Änderung. Teile diese Änderung durch die verstrichene Zeit: Das ist die mittlere Beschleunigung. Bei konstanter Beschleunigung geschieht in gleich langen Zeitabschnitten stets dieselbe Änderung. Dann entspricht dieser Mittelwert auch der Beschleunigung zu jedem einzelnen Zeitpunkt.[2][3]
Erst die Änderungsrate mit der Zeit multiplizieren, dann den Anfangswert addieren. Der Quotient benötigt t ≠ 0; die fertige Gleichung gilt auch bei t = 0.[3]
Die Einheit macht den Schritt anschaulich: Eine Rate von 2 m/s je Sekunde liefert in fünf Sekunden eine Änderung von 10 m/s. Ob das Objekt dadurch schneller wird, hängt weiterhin vom Anfangsvorzeichen ab. Für eine andere Startzeit verwendest du die Zeitdifferenz, nicht die Uhrzeit.
Die Integralform gilt auch bei veränderlicher Beschleunigung.
Beginnt das betrachtete Intervall bei t0 statt bei null, gilt v(t) = v(t0) + a(t − t0). Ein späteres Messdatum darf nicht ohne Bezug auf den Anfangszeitpunkt eingesetzt werden. Prüfe deine Gleichung durch Ableiten: dv/dt muss den eingesetzten konstanten Wert a ergeben.
v-t-Diagramm, Umstellungen und die Einheit der Beschleunigung
Im v-t-Diagramm ist v0 der vertikale Achsenabschnitt und a die Steigung Δv/Δt. Bei positivem a steigt die Gerade; bei negativem a fällt sie. Eine waagerechte Gerade bedeutet konstante Geschwindigkeit. Die Zeitachse schneidet der Graph bei v = 0; danach kann sich das Vorzeichen und damit die Bewegungsrichtung ändern. Die gerichtete Fläche unter dem Graphen liefert die Verschiebung; das Weg-Zeit-Gesetz berechnet diese für konstante Beschleunigung.[3][1]
Die letzte Umstellung gilt nur für a ≠ 0. Eine berechnete Zeit muss in den betrachteten Bewegungsabschnitt fallen.
Bei a = 0 ändert sich v nicht: Ein abweichender Zielwert kann nicht erreicht werden, während v = v0 zu jedem Zeitpunkt gilt. Kilometer pro Stunde vorher durch 3,6 teilen. „2 m/s2“ bedeutet eine Änderung von 2 m/s je Sekunde, nicht eine fest vorgegebene Geschwindigkeit von 2 m/s.
Geschwindigkeit und Schnelligkeit bei einer Umkehr
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Beispiel: Erst langsamer, dann in Gegenrichtung schneller
Ein Wagen mit v0 < 0 und a > 0
- Gegeben
- v0 = −6 m/s, a = +2 m/s2, x0 = 0 m, Dauer 5 s.
- Gesucht
- Bestimme Endgeschwindigkeit, Umkehrzeit, Verschiebung und Strecke.
Ansatz: Verwende die gerichtete Geschwindigkeit. Die Umkehr liegt dort, wo diese null wird; die Verschiebung ist die vorzeichenbehaftete Fläche unter dem Geschwindigkeitsgraphen.
Einsetzen: Verwende die angegebenen Anfangswerte mit ihren Vorzeichen.
Die Nullstelle trennt die zwei Bewegungsrichtungen.
Die negative Dreiecksfläche bis 3 s und die positive bis 5 s getrennt auswerten.
Für Verschiebung mit Vorzeichen, für Strecke als Beträge addieren.
Ergebnis: Nach 5 s: v = +4 m/s, Umkehr bei 3 s, Verschiebung −5 m und Strecke 13 m.
Kontrolle: Das Weg-Zeit-Gesetz liefert ebenfalls −6·5 + ½·2·52 = −5 m. Die mittlere Geschwindigkeit ist −1 m/s, die mittlere Schnelligkeit 2,6 m/s.
Beispiel: Beschleunigung aus zwei Messwerten
Gleichmäßige Verzögerung
- Gegeben
- Zu Beginn +18 m/s, nach 3 s +6 m/s; konstantes a wird angenommen.
- Gesucht
- Bestimme a und prognostiziere v nach 4 s bei fortgesetzt konstantem a.
Ansatz: Die Messwerte bestimmen zunächst einen Mittelwert. Nur unter der zusätzlichen Annahme einer konstanten Beschleunigung darf derselbe Wert zur Vorhersage verwendet werden.
Einsetzen: Verwende die angegebenen Anfangswerte mit ihren Vorzeichen.
Die Änderung durch die verstrichene Zeit teilen.
Den Wert nur innerhalb einer fortgesetzten konstanten Verzögerung verwenden.
Ergebnis: a = −4 m/s2; bei weiter unverändertem a nach 4 s v = +2 m/s. Stillstand wäre nach 4,5 s.
Kontrolle: Bei t = 3 s reproduziert die Gerade +6 m/s. Zwei Messwerte allein belegen jedoch kein konstantes a zwischen den Messungen; sie bestimmen sicher nur den Mittelwert.
Vertiefung: Wenn die Beschleunigung von der Zeit abhängt
Als eigenes Gegenbeispiel sei a(t) = b·t mit b = 0,8 m/s3 und v0 = 1 m/s. Integration ergibt v(t) = 1 m/s + ½bt2. Nach 3 s ist v = 4,6 m/s. Den Momentanwert a(3 s) = 2,4 m/s2 mit drei Sekunden zu multiplizieren würde 8,2 m/s liefern und überschätzt die tatsächliche Änderung.
Bei linear wachsendem a ist die Fläche im a-t-Diagramm ein Dreieck.
Ein Intervallmittelwert ā erfüllt Δv = āΔt auch dann, wenn a variiert. Er darf aber nicht automatisch zur Vorhersage beliebiger Zwischenzeitpunkte oder für x = x0 + v0t + ½āt2 verwendet werden. Die Zeitverteilung der Beschleunigung beeinflusst den Ort.[2]
Vom eindimensionalen Gesetz zum Vektor
Die Vektorform verlangt eine konstante Beschleunigung als Vektor, nicht nur einen konstanten Betrag.
Bei gleichförmiger Kreisbewegung ist die Schnelligkeit konstant, aber die Geschwindigkeit ändert ihre Richtung. Der Beschleunigungsvektor dreht sich mit und ist deshalb nicht konstant. Die lineare Formel darf hier nicht mit dem Betrag der Zentripetalbeschleunigung eingesetzt werden. Auch ein plötzlicher Sprung der Geschwindigkeit wäre keine endliche konstante Beschleunigung; reale Übergänge benötigen einen endlichen Zeitraum. Die resultierende Zentripetalkraft zeigt zum Kreismittelpunkt und ändert die Bewegungsrichtung.[5]
Bei abschnittsweise konstanter Beschleunigung rechnest du Abschnitt für Abschnitt. Die Endgeschwindigkeit des ersten wird Anfangsgeschwindigkeit des zweiten. Stetige Geschwindigkeiten an den Übergängen und passende Einheiten sind einfache Kontrollen für einen realistischen Modellverlauf.
Fünf Aufgaben zur sicheren Anwendung
Einsetzen und Rechnen · Einstieg
v0 = −3 m/s und a = −2 m/s2. Bestimme v und Schnelligkeit nach 2 s. Wird der Körper schneller?
Hinweis anzeigen
Vorzeichenbehafteten Wert und Betrag getrennt angeben.
Lernziel: Signierte Geschwindigkeit und Schnelligkeitsänderung trennen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Bei konstantem a gilt v = v0 + at.
Nach zwei Sekunden ist v = −7 m/s.
Der Betrag steigt von 3 auf 7 m/s; der Körper wird schneller nach links.
Kontrolle: In jeder Sekunde kommt −2 m/s zur gerichteten Geschwindigkeit hinzu. Negative Beschleunigung bedeutet hier also nicht Bremsen.
Umstellen · Einstieg
Ein Wagen fährt mit 36 km/h und beschleunigt konstant mit 1,5 m/s2. Wann erreicht er 54 km/h?
Hinweis anzeigen
Beide Geschwindigkeiten vor der Differenzbildung umrechnen.
Lernziel: Beschleunigungszeit nach Geschwindigkeitsumrechnung bestimmen.
Transfer · Anwenden
v0 = 0 und a(t) = (0,6 m/s3)·t. Wie groß ist v nach 4 s?
Hinweis anzeigen
Integriere a(t), statt den Endwert mit t zu multiplizieren.
Lernziel: Zeitabhängige Beschleunigung integrieren.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Die Geschwindigkeitsänderung ist die Fläche unter dem Beschleunigungsgraphen.
Weil a von null linear ansteigt, ist diese Fläche ein Dreieck.
Nach vier Sekunden erreicht a den Wert 2,4 m/s2.
Die Fläche mit Grundseite 4 s und Höhe 2,4 m/s2 ergibt 4,8 m/s.
Kontrolle: Das Rechteck mit dem Endwert wäre doppelt so groß und würde die Beschleunigung zu frühen Zeiten überschätzen.
Interpretieren · Anwenden
Ein v-t-Diagramm ist eine Gerade von v=−4 m/s bei t=0 zu v=+4 m/s bei t=4 s. Lies Beschleunigung und Umkehrzeit ab. In welchen Zeitabschnitten sinkt oder steigt die Schnelligkeit?
Hinweis anzeigen
Steigung liefert a; Schnelligkeit ist der Betrag von v.
Lernziel: Umkehr in einem v-t-Diagramm bei konstanter Beschleunigung erkennen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Die Steigung ist 2 m/s2, also v=−4+2t in SI-Einheiten.
Bei 2 s ist v=0.
Vorher sinkt |v|, danach steigt |v|; a bleibt dabei positiv.
Kontrolle: Endgeschwindigkeit bei 4 s ist wieder +4 m/s. Positive Beschleunigung bedeutet somit nicht während des ganzen Intervalls schneller werden. Die Schnelligkeit selbst besitzt am Umkehrzeitpunkt einen Knick im Betragsverlauf, die Geschwindigkeit bleibt glatt.
Fehleranalyse · Anwenden
Ein Körper bewegt sich gleichförmig auf einem Kreis von Radius 2 m mit Schnelligkeit 3 m/s. Die Beschleunigung hat Betrag 4,5 m/s2. Eine Lösung setzt v=3+4,5t und behauptet 7,5 m/s nach 1 s. Warum ist das Modell falsch?
Hinweis anzeigen
Der Beschleunigungsvektor zeigt zum Mittelpunkt und dreht sich mit.
Lernziel: Konstante Schnelligkeit auf Kreisbahn nicht als konstanten Beschleunigungsvektor behandeln.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Bei gleichförmiger Kreisbewegung ändert sich die Richtung, nicht der Betrag der Geschwindigkeit.
Nach 1 s beträgt die Schnelligkeit weiterhin 3 m/s.
Der zentripetale Betrag 4,5 m/s2 ist keine konstante tangentiale Komponente auf einer festen Geraden.
Kontrolle: v·a=0, daher . Die Formel mit konstantem a gilt komponentenweise nur bei einem wirklich konstanten Beschleunigungsvektor.
Das solltest du mitnehmen
- Geschwindigkeit braucht eine Achse; Schnelligkeit ist ihr Betrag. Beschleunigung beschreibt die Änderung der gerichteten Geschwindigkeit.
- Die kurze Formel gilt nur bei konstantem a. Zwei Messpunkte belegen diese Annahme noch nicht.
- Für eine Umkehr v = 0 setzen. Für Schnellerwerden Richtung von v und a vergleichen, nicht allein das Vorzeichen von a.
Belege zu dieser Erklärung
Quanta · Bearbeitet 1. Oktober 2026
- OpenStax, University Physics 1 §3.2: Instantaneous Velocity and Speed
- OpenStax, University Physics 1 §3.3: Average and Instantaneous Acceleration
- OpenStax, University Physics 1 §3.4: Motion with Constant Acceleration
- OpenStax, University Physics 1 §3.5: Free Fall
- OpenStax, University Physics 1 §6.3: Centripetal Force
Redaktion: Quanta Study Redaktion
Prüfumfang
Diese Erklärung, 2 Rechenbeispiele und 5 Aufgaben liegen auf Deutsch und Englisch vor. Aufbau, Quellenzuordnung und mathematische Darstellung werden automatisiert geprüft. Rechnungen, Modellvoraussetzungen und beide Sprachfassungen erhalten eine gesonderte KI-Gegenprüfung.
Für einen früheren veröffentlichten Stand dieser Seite ist eine interne menschliche Fachprüfung dokumentiert. Diese Bestätigung gilt nicht automatisch für die überarbeitete Erklärung und die neuen Aufgaben.
Eine unabhängige, namentliche menschliche Fachprüfung ist noch nicht dokumentiert. Unsere Aufgabenzahlen sind Rechenbeispiele und keine Messdaten der zitierten Quellen.
Redaktion, Quellen und VorgehenÄnderungsverlauf
- Geschwindigkeit-Zeit-Gesetz mit konstantem a und Zeitbezug direkt beantwortet; Einheiten, Umstellungen und veränderliches a auffindbar gemacht. Richtungswechsel samt v·a erhalten und Weggesetz, freien Fall und Zentripetalkraft verlinkt.
- Zwei Aufgaben ergänzt; die fünf Aufgaben nach Aufgabentyp, Schwierigkeit und Lernziel gegliedert.
- Vorwissen und anschaulichen Einstieg ergänzt; Herleitung, Beispielansätze und Aufgabenlösungen ausführlicher erklärt sowie eine Zusammenfassung ergänzt.
Diese Nachschlageseite zitieren
Quanta. Geschwindigkeit-Zeit-Gesetz. Stand 1. Oktober 2026. https://quanta-study.de/tafelwerk/geschwindigkeit-beschleunigung
Bei einer konkreten fachlichen Aussage zusätzlich die dort verknüpfte Fachquelle nennen.