Gitterenergie (Born-Haber-Kreisprozess)
Der Born-Haber-Kreisprozess bestimmt die nicht direkt messbare Gitterenthalpie eines Salzes: Er zerlegt die Bildung aus den Elementen in messbare Teilschritte und wendet den Satz von Hess an.
Kostenlos · keine Kreditkarte · in 2 Minuten in deinem Lernplan
Formel
\Delta H_{\text{Gitter}} = \Delta H_f^0 - \Delta H_{\text{Sub}} - I - \tfrac{1}{2} D - E_{\text{EA}}Variablen & Einheiten – Gitterenergie (Born-Haber-Kreisprozess)
| Symbol | Bedeutung | Einheit |
|---|---|---|
| ΔH_Gitter | Gitterenthalpie (Gitterbildung aus den Gasionen) | kJ/mol |
| ΔH°f | Standardbildungsenthalpie des Salzes | kJ/mol |
| ΔH_Sub | Sublimationsenthalpie des Metalls | kJ/mol |
| I | Ionisierungsenergie des Metallatoms | kJ/mol |
| D | Dissoziationsenergie des Nichtmetall-Moleküls | kJ/mol |
| EA | Elektronenaffinität des Nichtmetallatoms (meist negativ) | kJ/mol |
Herleitung & Hintergrund – Gitterenergie (Born-Haber-Kreisprozess)
Max Born und Fritz Haber entwickelten den Kreisprozess 1919. Grundlage ist der Satz von Hess: Die Bildungsenthalpie des Salzes aus den Elementen ist gleich der Enthalpiesumme des Umwegs über gasförmige Atome und Ionen. Für NaCl: Sublimation des Natriums, Ionisierung, halbe Dissoziation des Cl₂, Elektronenaffinität des Chlors, zuletzt die Gitterbildung. Je kleiner die Ionen und je höher ihre Ladung, desto stärker negativ die Gitterenthalpie (MgO rund −3800 kJ/mol gegenüber NaCl mit −788 kJ/mol).
Prüfungs-Blueprint
Gültigkeitsbereich
Gilt exakt, weil die Enthalpie eine Zustandsgröße ist; vorausgesetzt sind konsistente Vorzeichen und vollständige Teilschritte des Kreisprozesses bei Standardbedingungen.
Herleitung in Schritten
Die Salzbildung wird als Umweg über Gasatome und Gasionen geschrieben; nach Hess sind beide Wege enthalpiegleich.
- 1Direkter Weg: Elemente → Salz (ΔH°f); Umweg: Sublimation, Ionisierung, ½ Dissoziation, Elektronenaffinität, Gitter.
- 2ΔH°f = ΔH_Sub + I + ½D + EA + ΔH_Gitter; auflösen nach ΔH_Gitter.
Umstellen
Standardbildungsenthalpie
Der komplette Kreisprozess in einer Zeile.
Elektronenaffinität
Historisch wurden so schwer messbare Größen bestimmt.
Aufgabenvariante
Berechne die Gitterenthalpie von NaCl aus den Born-Haber-Daten.
ΔH_Gitter = ΔH°f − ΔH_Sub − I − ½D − EA = −411 − 108 − 496 − 122 − (−349) = −788 kJ/mol. Die Gitterbildung aus den Gasionen ist stark exotherm.
KCl: ΔH°f = −437, ΔH_Sub = +89, I = +419, ½D = +122, EA = −349 kJ/mol. Gitterenthalpie?
ΔH_Gitter = −437 − 89 − 419 − 122 + 349 = −718 kJ/mol; betragsmäßig kleiner als bei NaCl, weil das K⁺-Ion größer ist.
Typische Fehler
Das Vorzeichen der Elektronenaffinität falsch setzen.
Für Cl ist EA = −349 kJ/mol (exotherm); beim Umstellen wird daraus +349.
Die volle Dissoziationsenergie von Cl₂ ansetzen.
Pro NaCl wird nur ein Cl-Atom gebraucht, also ½D.
Gitterenthalpie und Gitterenergie-Betrag verwechseln.
Die Bildung des Gitters aus Gasionen ist negativ; Tabellen geben oft den positiven Betrag für das Trennen an.
Teilschritte vergessen oder doppelt zählen.
Kreisprozess vollständig aufzeichnen: Sublimation, Ionisierung, Dissoziation, Elektronenaffinität, Gitter.
Klausurkontext
- Kreisprozess für NaCl oder MgO aufstellen, fehlende Größe berechnen und Gitterenthalpien über Ionenradius und Ladung vergleichen.
Die typischen Fehler stecken als eigene Karten im Prüfungsset. Einmal aktiv trainiert, passieren sie in der Klausur selten.
Formelcluster
Chemische Energetik
Wendet den Satz von Hess auf Ionenkristalle an.
Rechenbeispiel
NaCl: ΔH°f = −411, ΔH_Sub(Na) = +108, I(Na) = +496, ½D(Cl₂) = +122, EA(Cl) = −349 (alle kJ/mol). ΔH_Gitter = −411 − 108 − 496 − 122 + 349 = −788 kJ/mol.
Anwendungsgebiete
Stabilität von Ionenkristallen erklären, Schmelzpunkte und Härte vergleichen, Löslichkeit von Salzen abschätzen, Existenz hypothetischer Verbindungen wie NaCl₂ ausschließen
Quanta-Prüfungsset
Kuratiertes Prüfungsset für "Gitterenergie (Born-Haber-Kreisprozess)":
Frage (Vorderseite)
Welche Formel beschreibt Gitterenergie (Born-Haber-Kreisprozess)?
Antwort in deinem Set
Frage (Vorderseite)
Wie stellst du ΔH_Gitter = ΔH°f − ΔH_Sub − I − ½D − EA nach Standardbildungsenthalpie um?
Antwort in deinem Set
Frage (Vorderseite)
Welcher typische Fehler passiert bei ΔH_Gitter = ΔH°f − ΔH_Sub − I − ½D − EA?
Antwort in deinem Set
+ 8 weitere Karten: Einheiten, Variablen, Herleitung, Beispiel, Klausuraufgabe
Diese 11 Karten sind fertig kuratiert. Ein Klick, und sie liegen in deinem Lernstapel, FSRS plant die Wiederholungen bis zur Klausur.
Wissenschaftliche Quellen
Häufige Schreibweisen & Suchanfragen
Verwandte Formeln
Weitere Chemie-Formeln
Häufige Fragen zu Gitterenergie (Born-Haber-Kreisprozess)
Was ist der Born-Haber-Kreisprozess?+
Der Born-Haber-Kreisprozess ist ein thermodynamischer Trick, um die Gitterenthalpie eines Ionenkristalls zu bestimmen, die man nicht direkt messen kann. Er beruht auf dem Satz von Hess: Weil die Enthalpie eine Zustandsgröße ist, hängt die Gesamtenergie nur von Anfangs- und Endzustand ab, nicht vom Weg. Man vergleicht zwei Wege von den Elementen zum festen Salz: den direkten Weg über die Standardbildungsenthalpie und einen Umweg über gasförmige Atome und Ionen. Der Umweg besteht aus messbaren Teilschritten: Sublimation des Metalls, Ionisierung, Dissoziation des Nichtmetalls, Elektronenaffinität und zuletzt die gesuchte Gitterbildung. Setzt man beide Wege gleich, lässt sich die Gitterenthalpie als einzige Unbekannte ausrechnen.
Welche Teilschritte gehören zum Born-Haber-Kreisprozess von NaCl?+
Für NaCl durchläuft der Umweg fünf Teilschritte. Erstens die Sublimation von festem Natrium zu gasförmigen Na-Atomen, ΔH_Sub = +108 kJ/mol. Zweitens die Ionisierung der Na-Atome zu Na⁺-Ionen, Ionisierungsenergie I = +496 kJ/mol. Drittens die Dissoziation des Chlormoleküls; da pro Formeleinheit nur ein Cl-Atom nötig ist, geht die halbe Bindungsenergie ein, ½D = +122 kJ/mol. Viertens die Aufnahme eines Elektrons durch das Cl-Atom, Elektronenaffinität EA = −349 kJ/mol, exotherm. Fünftens die Vereinigung der Gasionen zum festen Kristallgitter, die gesuchte Gitterenthalpie. Die Summe aller fünf Schritte muss der direkt gemessenen Standardbildungsenthalpie ΔH°f = −411 kJ/mol entsprechen. Daraus folgt die Gitterenthalpie.
Warum lässt sich die Gitterenergie nicht direkt messen?+
Die Gitterenthalpie ist definiert als die Energie, die frei wird, wenn sich isolierte gasförmige Ionen zu einem Mol festem Ionenkristall zusammenlagern, oder umgekehrt die Energie, die zum Trennen nötig ist. Ein Experiment, das gezielt nur diesen einen Schritt umsetzt, gibt es nicht: Man kann nicht einfach ein Mol Na⁺- und ein Mol Cl⁻-Gasionen herstellen und kontrolliert kondensieren lassen, um die Wärme zu messen. Deshalb geht man den Umweg über den Born-Haber-Kreisprozess, in dem alle anderen Teilschritte einzeln messbar sind. Die Gitterenthalpie ergibt sich dann rechnerisch als Differenz. Dieses Vorgehen ist ein klassisches Beispiel dafür, wie der Satz von Hess unzugängliche Größen indirekt berechenbar macht.
Wovon hängt die Größe der Gitterenergie ab?+
Die Gitterenergie wird im Wesentlichen von der Coulomb-Anziehung zwischen den Ionen bestimmt und hängt daher von zwei Faktoren ab: der Ladung der Ionen und ihrem Abstand, also ihren Radien. Je höher die Ladungen, desto stärker die Anziehung; deshalb hat Magnesiumoxid MgO mit zweifach geladenen Ionen eine betragsmäßig sehr große Gitterenergie von rund −3800 kJ/mol, während Natriumchlorid mit einfach geladenen Ionen nur bei etwa −788 kJ/mol liegt. Je kleiner die Ionen, desto geringer der Abstand und desto stärker die Anziehung; deshalb ist die Gitterenergie von NaCl betragsmäßig größer als die von KCl, weil das Kaliumion größer ist. Diese Zusammenhänge erklären Trends bei Schmelzpunkten, Härte und Löslichkeit von Salzen.
Warum ist bei der Elektronenaffinität das Vorzeichen so wichtig?+
Im Born-Haber-Kreisprozess müssen alle Teilschritte mit dem korrekten Vorzeichen addiert werden, sonst ist das Ergebnis falsch. Die Elektronenaffinität von Chlor ist exotherm, das Cl-Atom gibt beim Aufnehmen eines Elektrons Energie ab, also EA = −349 kJ/mol. Setzt man versehentlich einen positiven Wert ein, verschiebt sich die berechnete Gitterenthalpie um fast 700 kJ/mol, ein grober Fehler. Beim Umstellen der Kreisprozessgleichung nach der Gitterenthalpie wechselt zudem das Vorzeichen der subtrahierten Terme, sodass aus −349 dort ein +349 wird. Genau hier passieren die meisten Rechenfehler. Es hilft, den Kreisprozess vollständig als Diagramm aufzuzeichnen und jeden Pfeil mit Betrag und Vorzeichen zu beschriften, bevor man die Summe bildet.
Gitterenergie (Born-Haber-Kreisprozess) prüfungssicher behalten
Erstelle ein kuratiertes FSRS-Prüfungsset für ΔH_Gitter = ΔH°f − ΔH_Sub − I − ½D − EA: Formelabruf, Variablen, Herleitung, Umstellung, Beispiel, typische Fehler und Klausurkontext.
Kostenlos · kuratiertes Formelset · LaTeX · FSRS Spaced Repetition
Wie berechnet man mit Gitterenergie (Born-Haber-Kreisprozess)?
So gehst du eine typische Aufgabe zu Gitterenergie (Born-Haber-Kreisprozess) (ΔH_Gitter = ΔH°f − ΔH_Sub − I − ½D − EA) Schritt für Schritt an:
- 1
Aufgabe
Berechne die Gitterenthalpie von NaCl aus den Born-Haber-Daten.
Rechenweg
ΔH_Gitter = ΔH°f − ΔH_Sub − I − ½D − EA = −411 − 108 − 496 − 122 − (−349) = −788 kJ/mol. Die Gitterbildung aus den Gasionen ist stark exotherm.
- 2
Aufgabe
KCl: ΔH°f = −437, ΔH_Sub = +89, I = +419, ½D = +122, EA = −349 kJ/mol. Gitterenthalpie?
Rechenweg
ΔH_Gitter = −437 − 89 − 419 − 122 + 349 = −718 kJ/mol; betragsmäßig kleiner als bei NaCl, weil das K⁺-Ion größer ist.