RGT-Regel
Die RGT-Regel (Reaktionsgeschwindigkeit-Temperatur-Regel) ist eine Faustregel: Eine Temperaturerhöhung um 10 K beschleunigt viele Reaktionen etwa um den Faktor Q₁₀, meist 2 bis 4.
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Formel
v_2 = v_1 \cdot Q_{10}^{\Delta T / (10\,\mathrm{K})}Variablen & Einheiten – RGT-Regel
| Symbol | Bedeutung | Einheit |
|---|---|---|
| v₂ | Reaktionsgeschwindigkeit bei der neuen Temperatur | mol/(L·s) |
| v₁ | Reaktionsgeschwindigkeit bei der Ausgangstemperatur | mol/(L·s) |
| Q₁₀ | Temperaturkoeffizient (meist 2 bis 4) | dimensionslos |
| ΔT | Temperaturänderung | K |
Herleitung & Hintergrund – RGT-Regel
Die Regel geht auf Jacobus Henricus van 't Hoff (1884) zurück und ist die handliche Näherung der exakten Arrhenius-Gleichung: Für Aktivierungsenergien um 50 kJ/mol nahe Raumtemperatur ergibt sich gerade etwa eine Verdopplung je 10 K. Bei sehr großen oder kleinen Aktivierungsenergien und über weite Temperaturbereiche weicht die Regel deutlich ab; bei Enzymen bricht sie oberhalb des Temperaturoptimums zusammen, weil das Protein denaturiert.
Prüfungs-Blueprint
Gültigkeitsbereich
Gilt als Faustregel für viele Reaktionen zwischen etwa 0 und 100 °C mit Q₁₀ von 2 bis 4; exakt beschreibt die Arrhenius-Gleichung die Temperaturabhängigkeit.
Herleitung in Schritten
Die RGT-Regel ist die vergröberte Form der Arrhenius-Gleichung für typische Aktivierungsenergien.
- 1Nach Arrhenius wächst k exponentiell mit T; je 10 K ergibt sich ein fester Faktor Q₁₀.
- 2Mehrere 10-K-Schritte multiplizieren sich: v₂ = v₁·Q₁₀^(ΔT/10 K).
Umstellen
Temperaturkoeffizient
So bestimmst du Q₁₀ aus zwei Messungen.
Nötige Temperaturänderung
Beantwortet, wie viel wärmer es für eine Zielbeschleunigung sein muss.
Aufgabenvariante
Q₁₀ = 2: Um welchen Faktor beschleunigt Erwärmen von 25 °C auf 55 °C?
ΔT = 30 K, also drei 10-K-Schritte: v₂/v₁ = 2³ = 8. Die Reaktion läuft rund achtmal schneller.
Q₁₀ = 3: Wie stark bremst Abkühlen von 20 °C auf 5 °C?
ΔT = −15 K → Faktor 3^(−1,5) = 1/(3·√3) ≈ 0,19. Die Reaktion läuft nur noch mit rund einem Fünftel der Geschwindigkeit; deshalb halten gekühlte Lebensmittel länger.
Typische Fehler
Faktoren addieren statt multiplizieren.
Drei 10-K-Schritte bei Q₁₀ = 2 ergeben 2³ = 8, nicht 6.
Die Regel als exaktes Gesetz behandeln.
Sie ist eine Näherung der Arrhenius-Gleichung und gilt nur für begrenzte Temperaturbereiche.
Sie auf Enzyme oberhalb des Optimums anwenden.
Über dem Temperaturoptimum denaturiert das Enzym und die Geschwindigkeit bricht ein.
Klausurkontext
- Kühlkette und Haltbarkeit, Vergleich mit der exakten Arrhenius-Rechnung und Q₁₀-Bestimmung aus Messwerten.
Die typischen Fehler stecken als eigene Karten im Prüfungsset. Einmal aktiv trainiert, passieren sie in der Klausur selten.
Formelcluster
Temperatur und Geschwindigkeit
Ordnet Faustregel und exakte Arrhenius-Beschreibung.
Rechenbeispiel
Q₁₀ = 2 und Erwärmen von 20 °C auf 50 °C (ΔT = 30 K): v₂ = v₁·2³ = 8·v₁. Eine Reaktion, die bei 20 °C 24 Minuten braucht, ist bei 50 °C nach etwa 24/8 = 3 Minuten fertig.
Anwendungsgebiete
Lebensmittelkühlung und Haltbarkeit, beschleunigte Alterungstests, Kompostierung, Stoffwechselraten wechselwarmer Tiere, Planung von Synthesen im Labor
Quanta-Prüfungsset
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Frage (Vorderseite)
Welche Formel beschreibt RGT-Regel?
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Frage (Vorderseite)
Wie stellst du v₂ = v₁·Q₁₀^(ΔT/10 K) nach Temperaturkoeffizient um?
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Frage (Vorderseite)
Welcher typische Fehler passiert bei v₂ = v₁·Q₁₀^(ΔT/10 K)?
Antwort in deinem Set
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Wissenschaftliche Quellen
Häufige Schreibweisen & Suchanfragen
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Weitere Chemie-Formeln
Häufige Fragen zu RGT-Regel
Wie rechnet man mit der RGT-Regel?+
Bestimme zuerst die Temperaturänderung ΔT und teile sie durch 10 K: Das ergibt die Zahl der Verdopplungsschritte. Dann potenziere den Temperaturkoeffizienten Q₁₀ mit diesem Wert: v₂ = v₁·Q₁₀^(ΔT/10 K). Beispiel mit Q₁₀ = 2: Erwärmen von 20 °C auf 50 °C bedeutet ΔT = 30 K, also drei Schritte und den Faktor 2³ = 8. Eine Reaktion, die vorher 24 Minuten brauchte, ist dann in etwa 3 Minuten fertig. Auch nicht ganzzahlige Schritte funktionieren: Für ΔT = 15 K rechnest du 2^1,5 ≈ 2,8. Beim Abkühlen wird ΔT negativ und der Faktor kleiner als 1, die Reaktion wird langsamer.
Warum verdoppelt sich die Reaktionsgeschwindigkeit ungefähr alle 10 Kelvin?+
Der Grund steckt in der Arrhenius-Gleichung: Nur Teilchen mit genügend Energie überwinden die Aktivierungsbarriere, und ihr Anteil hängt exponentiell von der Temperatur ab. Schon eine kleine Erwärmung verschiebt die Energieverteilung der Teilchen so, dass deutlich mehr Stöße erfolgreich sind. Für typische Aktivierungsenergien um 50 kJ/mol ergibt die Arrhenius-Rechnung nahe Raumtemperatur gerade etwa einen Faktor 2 pro 10 K; genau daraus speist sich die Faustregel. Sie ist also kein eigenes Naturgesetz, sondern ein Spezialfall. Reaktionen mit höherer Aktivierungsenergie reagieren empfindlicher auf Temperatur (Q₁₀ eher 3 bis 4), solche mit niedriger Barriere schwächer (Q₁₀ näher an 1,5 bis 2).
Wie genau ist die RGT-Regel und wann versagt sie?+
Die RGT-Regel ist eine bewusst grobe Faustregel für Abschätzungen, keine exakte Formel. Sie funktioniert am besten zwischen etwa 0 und 100 °C und über moderate Temperaturspannen von wenigen zehn Kelvin. Ihr Q₁₀ ist streng genommen selbst temperaturabhängig, weil die exakte Arrhenius-Gleichung keinen konstanten Faktor je 10 K liefert; über große Bereiche laufen beide Rechnungen auseinander. Ganz versagt die Regel bei Enzymen und Mikroorganismen oberhalb des Temperaturoptimums: Dort denaturiert das Protein und die Geschwindigkeit bricht ein, statt weiter zu steigen. Auch diffusionskontrollierte und explosionsartige Reaktionen folgen ihr nicht. Für Klausuren gilt: abschätzen mit RGT, exakt rechnen mit Arrhenius.
Was genau ist der Temperaturkoeffizient Q10?+
Q₁₀ ist der Faktor, um den die Reaktionsgeschwindigkeit bei einer Erwärmung um genau 10 K zunimmt. Für viele chemische Reaktionen liegt er zwischen 2 und 4, für rein physikalische Prozesse wie Diffusion nur bei etwa 1,2 bis 1,5. Experimentell bestimmst du ihn aus zwei Geschwindigkeitsmessungen: Q₁₀ = (v₂/v₁)^(10 K/ΔT). In der Biologie ist Q₁₀ eine wichtige Kenngröße für Stoffwechselraten: Herzschlag und Atmung wechselwarmer Tiere folgen ihm ebenso wie die Keimungsgeschwindigkeit von Samen. Ein hoher Q₁₀ verrät eine hohe Aktivierungsenergie des zugrunde liegenden Prozesses, denn beide Größen sind über die Arrhenius-Gleichung miteinander verknüpft.
Warum halten Lebensmittel im Kühlschrank länger?+
Verderb ist Chemie: Enzymatische Reaktionen, Oxidationen und der Stoffwechsel von Mikroorganismen laufen umso schneller, je wärmer es ist. Kühlen kehrt die RGT-Regel um. Von 20 °C Raumtemperatur auf 5 °C Kühlschranktemperatur sind es ΔT = −15 K; mit Q₁₀ = 3, wie es für viele biologische Prozesse typisch ist, ergibt sich der Faktor 3^(−1,5) ≈ 0,19. Die Verderbreaktionen laufen also nur noch mit rund einem Fünftel der Geschwindigkeit, die Haltbarkeit steigt entsprechend auf etwa das Fünffache. Im Gefrierfach ist der Effekt noch stärker; zusätzlich schränkt das Einfrieren des Wassers die Beweglichkeit der Moleküle drastisch ein. Genau dieselbe Logik nutzt man umgekehrt beim Kochen und bei beschleunigten Alterungstests, wo Erwärmen die Prozesse gezielt beschleunigt.
RGT-Regel prüfungssicher behalten
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Wie berechnet man mit RGT-Regel?
So gehst du eine typische Aufgabe zu RGT-Regel (v₂ = v₁·Q₁₀^(ΔT/10 K)) Schritt für Schritt an:
- 1
Aufgabe
Q₁₀ = 2: Um welchen Faktor beschleunigt Erwärmen von 25 °C auf 55 °C?
Rechenweg
ΔT = 30 K, also drei 10-K-Schritte: v₂/v₁ = 2³ = 8. Die Reaktion läuft rund achtmal schneller.
- 2
Aufgabe
Q₁₀ = 3: Wie stark bremst Abkühlen von 20 °C auf 5 °C?
Rechenweg
ΔT = −15 K → Faktor 3^(−1,5) = 1/(3·√3) ≈ 0,19. Die Reaktion läuft nur noch mit rund einem Fünftel der Geschwindigkeit; deshalb halten gekühlte Lebensmittel länger.