Chemie · Thermodynamik / Gleichgewicht

Van-'t-Hoff-Gleichung (Reaktionsisobare)

Die Van-'t-Hoff-Gleichung beschreibt, wie die Gleichgewichtskonstante von der Temperatur abhängt: Aus der Standard-Reaktionsenthalpie folgt K bei jeder anderen Temperatur.

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Formel

LaTeX: \ln \frac{K_2}{K_1} = -\frac{\Delta H_R^0}{R} \cdot \left( \frac{1}{T_2} - \frac{1}{T_1} \right)
K₁, K₂ dimensionslos · ΔH°R in J/mol · R = 8,314 J/(mol·K) · T₁, T₂ in K

Variablen & Einheiten – Van-'t-Hoff-Gleichung (Reaktionsisobare)

SymbolBedeutungEinheit
K₁, K₂Gleichgewichtskonstanten bei T₁ und T₂dimensionslos
ΔH°RStandard-ReaktionsenthalpieJ/mol
RGaskonstante (8,314)J/(mol·K)
T₁AusgangstemperaturK
T₂Neue TemperaturK

Herleitung & Hintergrund – Van-'t-Hoff-Gleichung (Reaktionsisobare)

Jacobus Henricus van 't Hoff leitete die Reaktionsisobare 1884 ab; sie folgt aus ΔG° = −RT·ln K und ΔG° = ΔH° − TΔS°: ln K = −ΔH°/(RT) + ΔS°/R. Die Differenz zweier Temperaturen eliminiert ΔS°. Exotherme Reaktionen (ΔH° < 0): K sinkt beim Erwärmen; endotherme: K steigt. Das ist die quantitative Fassung des Prinzips von Le Chatelier. Ein Plot von ln K gegen 1/T (Van-'t-Hoff-Plot) hat die Steigung −ΔH°/R.

Prüfungs-Blueprint

Gültigkeitsbereich

Gilt in der integrierten Form, wenn ΔH° im Temperaturintervall näherungsweise konstant ist; für große Temperaturspannen wird die Näherung ungenau.

Herleitung in Schritten

Aus ΔG° = −RT·ln K und ΔG° = ΔH° − TΔS° folgt eine Geradengleichung für ln K in 1/T.

  1. 1Gleichsetzen und durch −RT teilen: ln K = −ΔH°/(R·T) + ΔS°/R.
  2. 2Die Differenz für T₁ und T₂ eliminiert ΔS°: ln(K₂/K₁) = −ΔH°/R·(1/T₂ − 1/T₁).

Umstellen

Reaktionsenthalpie aus zwei K-Werten

So werden Reaktionsenthalpien aus Gleichgewichtsdaten bestimmt.

K bei neuer Temperatur

Das Vorzeichen von ΔH° entscheidet, ob K wächst oder fällt.

Aufgabenvariante

ΔH° = −92 kJ/mol: Wie ändert sich K beim Erwärmen von 298 K auf 350 K?

ln(K₂/K₁) = −(−92 000/8,314)·(1/350 − 1/298) = 11 066·(−4,99×10⁻⁴) ≈ −5,52 → K₂/K₁ = e^(−5,52) ≈ 0,004. K bricht auf rund 0,4 % ein.

K verdoppelt sich von 298 K auf 320 K. Berechne ΔH°.

ΔH° = R·ln 2/(1/298 − 1/320) = 8,314·0,693/(2,31×10⁻⁴) ≈ +25 kJ/mol. Positives ΔH°: die Reaktion ist endotherm, K steigt mit T.

Typische Fehler

1/T₂ − 1/T₁ mit 1/T₁ − 1/T₂ verwechseln.

Die Reihenfolge bestimmt das Vorzeichen; im Zweifel über Le Chatelier plausibilisieren.

ΔH° in kJ/mol einsetzen, während R in J/(mol·K) steht.

ΔH° in J/mol umrechnen, sonst ist der Exponent um den Faktor 1000 falsch.

Die Gleichung mit der Arrhenius-Gleichung verwechseln.

Van 't Hoff beschreibt die Gleichgewichtskonstante K, Arrhenius die Geschwindigkeitskonstante k.

Celsius statt Kelvin einsetzen.

1/T reagiert empfindlich auf den Nullpunkt; immer absolute Temperaturen verwenden.

Klausurkontext

  • Temperaturwahl beim Haber-Bosch-Verfahren begründen, ΔH° aus Gleichgewichtsdaten bestimmen und Van-'t-Hoff-Plots auswerten.

Die typischen Fehler stecken als eigene Karten im Prüfungsset. Einmal aktiv trainiert, passieren sie in der Klausur selten.

Rechenbeispiel

Ammoniaksynthese (ΔH° = −92 kJ/mol), Erwärmen von 298 K auf 350 K: ln(K₂/K₁) = −(−92 000/8,314)·(1/350 − 1/298) = 11 066·(−4,99×10⁻⁴) ≈ −5,52 → K₂/K₁ = e^(−5,52) ≈ 0,004. K fällt auf rund 0,4 %.

Anwendungsgebiete

Temperaturwahl beim Haber-Bosch-Verfahren, Gleichgewichte bei anderen Temperaturen vorhersagen, Reaktionsenthalpien aus Gleichgewichtsdaten bestimmen, Bindungsgleichgewichte in der Biochemie

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Welche Formel beschreibt Van-'t-Hoff-Gleichung (Reaktionsisobare)?

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Wie stellst du ln(K₂/K₁) = −ΔH°/R·(1/T₂ − 1/T₁) nach Reaktionsenthalpie aus zwei K-Werten um?

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Frage (Vorderseite)

Welcher typische Fehler passiert bei ln(K₂/K₁) = −ΔH°/R·(1/T₂ − 1/T₁)?

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Wissenschaftliche Quellen

Häufige Schreibweisen & Suchanfragen

ln(K2/K1) = -dH/R (1/T2 - 1/T1)van't Hoff GleichungReaktionsisobareGleichgewichtskonstante Temperaturvan 't Hoff equationK Temperaturabhängigkeitvan't Hoff PlotEnthalpie aus K bestimmen

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Weitere Chemie-Formeln

Häufige Fragen zu Van-'t-Hoff-Gleichung (Reaktionsisobare)

Wie berechnet man die Änderung der Gleichgewichtskonstante mit der Temperatur?+

Nutze die Van-'t-Hoff-Gleichung in ihrer integrierten Form: ln(K₂/K₁) = −ΔH°/R·(1/T₂ − 1/T₁). Setze die Standard-Reaktionsenthalpie ΔH° in J/mol ein, die Gaskonstante R = 8,314 J/(mol·K) und beide Temperaturen in Kelvin. Aus dem berechneten Logarithmus erhältst du das Verhältnis K₂/K₁ durch Exponenzieren. Beispiel: Für die Ammoniaksynthese mit ΔH° = −92 kJ/mol beim Erwärmen von 298 K auf 350 K ergibt sich ln(K₂/K₁) ≈ −5,52, also K₂/K₁ ≈ 0,004; die Gleichgewichtskonstante bricht stark ein. Achte darauf, ΔH° in J/mol umzurechnen, damit die Einheiten zu R passen, und die Temperaturen in der richtigen Reihenfolge einzusetzen, weil davon das Vorzeichen abhängt.

Wie ändert sich das Gleichgewicht einer exothermen Reaktion mit der Temperatur?+

Bei einer exothermen Reaktion ist ΔH° negativ. Setzt man das in die Van-'t-Hoff-Gleichung ein, wird beim Erwärmen der Ausdruck ln(K₂/K₁) negativ, also sinkt die Gleichgewichtskonstante K mit steigender Temperatur. Das Gleichgewicht verschiebt sich auf die Eduktseite, es entsteht weniger Produkt. Das ist genau die quantitative Fassung des Prinzips von Le Chatelier: Wärme wird bei einer exothermen Reaktion wie ein Produkt behandelt, und Zufuhr von Wärme verschiebt das Gleichgewicht zurück. Ein praktisches Beispiel ist die Ammoniaksynthese, die exotherm ist. Deshalb wäre eine niedrige Temperatur für hohe Ausbeute günstig; in der Industrie wählt man dennoch mittlere Temperaturen, weil sonst die Reaktion viel zu langsam abliefe.

Wie bestimmt man die Reaktionsenthalpie aus einem Van-'t-Hoff-Plot?+

Trage den natürlichen Logarithmus der Gleichgewichtskonstante ln K gegen den Kehrwert der absoluten Temperatur 1/T auf. Nach ln K = −ΔH°/(R·T) + ΔS°/R ergibt sich eine Gerade mit der Steigung −ΔH°/R. Aus der gemessenen Steigung m folgt die Standard-Reaktionsenthalpie ΔH° = −m·R. Ist die Steigung negativ, liegt eine endotherme Reaktion vor, denn dann steigt K mit der Temperatur; eine positive Steigung gehört zu einer exothermen Reaktion. Der Achsenabschnitt liefert zusätzlich ΔS°/R und damit die Reaktionsentropie. Du brauchst mindestens zwei K-Werte bei verschiedenen Temperaturen, mehr Punkte machen die Auswertung genauer. Diese grafische Methode ist der Standardweg, um thermodynamische Größen aus Gleichgewichtsmessungen zu gewinnen.

Was ist der Unterschied zwischen der Van-'t-Hoff-Gleichung und der Arrhenius-Gleichung?+

Beide Gleichungen haben eine ähnliche Form mit einem exponentiellen Temperaturterm, beschreiben aber verschiedene Dinge. Die Van-'t-Hoff-Gleichung beschreibt, wie die Gleichgewichtskonstante K von der Temperatur abhängt, und enthält die Reaktionsenthalpie ΔH°. Sie gehört zur Thermodynamik und sagt etwas über die Lage des Gleichgewichts aus. Die Arrhenius-Gleichung beschreibt dagegen, wie die Geschwindigkeitskonstante k von der Temperatur abhängt, und enthält die Aktivierungsenergie E_A. Sie gehört zur Kinetik und sagt etwas über die Geschwindigkeit aus, nicht über das Gleichgewicht. Man darf die beiden nicht verwechseln: K bestimmt, wie weit eine Reaktion läuft, k bestimmt, wie schnell. Beide ergänzen sich zu einem vollständigen Bild einer Reaktion.

Warum darf man bei der Van-'t-Hoff-Gleichung nur Kelvin verwenden?+

In der Van-'t-Hoff-Gleichung steht die Temperatur als Kehrwert 1/T im Exponenten, und dieser Ausdruck ist sehr empfindlich gegenüber dem Nullpunkt der Skala. Die Kelvin-Skala beginnt beim absoluten Nullpunkt, der thermodynamisch die einzig sinnvolle Bezugstemperatur ist. Setzt man versehentlich Celsius ein, ist der Kehrwert 1/T völlig falsch, weil zum Beispiel 0 °C keineswegs eine unendlich große oder eine null-nahe Größe darstellt, sondern 273,15 K. Schon kleine Fehler im Nullpunkt führen zu großen Fehlern im Ergebnis, weil der Exponentialterm sie verstärkt. Deshalb rechnet man konsequent mit absoluten Temperaturen in Kelvin und wandelt vorher um: T in Kelvin gleich T in Celsius plus 273,15. Das gilt für alle thermodynamischen Gleichungen mit T im Nenner.

Van-'t-Hoff-Gleichung (Reaktionsisobare) prüfungssicher behalten

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Wie berechnet man mit Van-'t-Hoff-Gleichung (Reaktionsisobare)?

So gehst du eine typische Aufgabe zu Van-'t-Hoff-Gleichung (Reaktionsisobare) (ln(K₂/K₁) = −ΔH°/R·(1/T₂ − 1/T₁)) Schritt für Schritt an:

  1. 1

    Aufgabe

    ΔH° = −92 kJ/mol: Wie ändert sich K beim Erwärmen von 298 K auf 350 K?

    Rechenweg

    ln(K₂/K₁) = −(−92 000/8,314)·(1/350 − 1/298) = 11 066·(−4,99×10⁻⁴) ≈ −5,52 → K₂/K₁ = e^(−5,52) ≈ 0,004. K bricht auf rund 0,4 % ein.

  2. 2

    Aufgabe

    K verdoppelt sich von 298 K auf 320 K. Berechne ΔH°.

    Rechenweg

    ΔH° = R·ln 2/(1/298 − 1/320) = 8,314·0,693/(2,31×10⁻⁴) ≈ +25 kJ/mol. Positives ΔH°: die Reaktion ist endotherm, K steigt mit T.