Die bedingte Wahrscheinlichkeit P(A|B) misst die Wahrscheinlichkeit von A unter der Bedingung, dass B bereits eingetreten ist.
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Formel
P(A \mid B) = \frac{P(A \cap B)}{P(B)} \quad (P(B) > 0)| Symbol | Bedeutung | Einheit |
|---|---|---|
| P(A|B) | Wahrscheinlichkeit von A, gegeben B | dimensionslos |
| P(A∩B) | Wahrscheinlichkeit, dass A und B eintreten | dimensionslos |
| P(B) | Wahrscheinlichkeit der Bedingung (P(B) > 0) | dimensionslos |
Andrei Kolmogorov machte die bedingte Wahrscheinlichkeit 1933 zur Definitionsgrundlage der modernen Stochastik. Anschaulich schrumpft der Ergebnisraum auf B zusammen; A wird nur noch innerhalb von B gemessen. Umgestellt liefert die Formel den Multiplikationssatz P(A∩B) = P(A|B)·P(B), die Rechenregel der Baumdiagramm-Pfade. A und B sind genau dann stochastisch unabhängig, wenn P(A|B) = P(A) gilt.
Prüfungs-Blueprint
Gültigkeitsbereich
Definiert nur für P(B) > 0. P(A|B) und P(B|A) sind verschiedene Größen und dürfen nicht vertauscht werden.
Herleitung in Schritten
Der Ergebnisraum schrumpft auf B; A zählt nur noch innerhalb von B.
Umstellen
Multiplikationssatz
Pfadregel im Baumdiagramm: Wahrscheinlichkeiten längs des Pfades multiplizieren.
Satz von Bayes
Kehrt die Bedingungsrichtung um.
Unabhängigkeit prüfen
Gilt genau dann, wenn A und B stochastisch unabhängig sind.
Aufgabenvariante
60 % der Schüler sind Mädchen, 30 % sind sportliche Mädchen. Berechne P(Sport|Mädchen).
P(S|M) = P(S∩M)/P(M) = 0,3/0,6 = 0,5. Die Hälfte der Mädchen treibt Sport.
Zwei Würfel: A = „Summe 8", B = „erster Würfel zeigt 6". Berechne P(A|B).
Gegeben B bleibt nur der zweite Würfel: Summe 8 verlangt eine 2, also P(A|B) = 1/6. Vergleich: P(A) = 5/36, B verändert die Chance.
Typische Fehler
P(A|B) mit P(B|A) verwechseln.
Die Bedingung steht hinter dem Strich; Umrechnung nur über den Satz von Bayes.
P(A∩B) mit P(A|B) gleichsetzen.
P(A∩B) misst im ganzen Ergebnisraum, P(A|B) nur innerhalb von B.
In der Vierfeldertafel durch die falsche Randsumme teilen.
Für P(A|B) durch die Randsumme von B teilen.
Klausurkontext
Die typischen Fehler stecken als eigene Karten im Prüfungsset. Einmal aktiv trainiert, passieren sie in der Klausur selten.
Formelcluster
Multiplikationssatz, Vierfeldertafel und Bayes bauen auf derselben Definition auf.
Rechenbeispiel
Würfel: B = "Augenzahl gerade" mit P(B) = 1/2, A = "Augenzahl > 3". A∩B = {4, 6}, also P(A∩B) = 2/6 = 1/3. P(A|B) = (1/3)/(1/2) = 2/3.
Anwendungsgebiete
Vierfeldertafeln und Baumdiagramme, medizinische Testaufgaben im Abitur, Unabhängigkeitsprüfung, Risikobewertung, Grundlage des Satzes von Bayes
Quanta-Prüfungsset
Kuratiertes Prüfungsset für "Bedingte Wahrscheinlichkeit":
Frage (Vorderseite)
Welche Formel beschreibt Bedingte Wahrscheinlichkeit?
Antwort in deinem Set
Frage (Vorderseite)
Wie stellst du P(A|B) = P(A∩B)/P(B) nach Multiplikationssatz um?
Antwort in deinem Set
Frage (Vorderseite)
Welcher typische Fehler passiert bei P(A|B) = P(A∩B)/P(B)?
Antwort in deinem Set
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Häufige Schreibweisen & Suchanfragen
Mit der Definition P(A|B) = P(A∩B)/P(B): Teile die Wahrscheinlichkeit, dass beide Ereignisse zusammen eintreten, durch die Wahrscheinlichkeit der Bedingung. Beispiel Würfel: B = „Augenzahl gerade" hat P(B) = 1/2, A = „Augenzahl größer als 3". Gemeinsam günstig sind {4, 6}, also P(A∩B) = 2/6 = 1/3. Damit ist P(A|B) = (1/3)/(1/2) = 2/3. Anschaulich schrumpft der Ergebnisraum auf die drei geraden Zahlen {2, 4, 6}, von denen zwei größer als 3 sind. Praktisch findest du P(A∩B) je nach Aufgabe in der Vierfeldertafel (innere Zelle), im Baumdiagramm (Pfadprodukt) oder direkt durch Abzählen. Entscheidend ist, Bedingung und Zielereignis sauber zu identifizieren: Was ist gegeben, was ist gefragt?
Die Bedingungsrichtung ist vertauscht, und das ändert den Wert meist drastisch. P(A|B) fragt: Wie wahrscheinlich ist A, wenn B sicher eingetreten ist? P(B|A) fragt umgekehrt. Berühmtes Beispiel medizinischer Test: P(positiv|krank) ist die Sensitivität des Tests, oft 99 %. P(krank|positiv) ist das, was die getestete Person wissen will, und kann bei seltener Krankheit trotzdem klein sein, weil unter den Positiven viele Fehlalarme aus der großen gesunden Mehrheit stecken. Die beiden Größen haben auch verschiedene Nenner: P(A|B) normiert auf B, P(B|A) auf A. Umrechnen kann man sie nur mit dem Satz von Bayes: P(B|A) = P(A|B)·P(B)/P(A). Das unbedachte Gleichsetzen beider Richtungen heißt Prosecutor's Fallacy und ist einer der folgenreichsten Statistik-Fehler.
Beide Darstellungen organisieren dieselben Informationen, aber mit verschiedenen Stärken. Die Vierfeldertafel enthält in den vier inneren Zellen die Schnittwahrscheinlichkeiten P(A∩B) usw. und an den Rändern die Einzelwahrscheinlichkeiten. Eine bedingte Wahrscheinlichkeit liest du ab, indem du eine innere Zelle durch ihre Randsumme teilst: P(A|B) = Zelle(A∩B)/Rand(B). Das Baumdiagramm trägt auf den Ästen der zweiten Stufe direkt bedingte Wahrscheinlichkeiten; die Pfadregel P(A∩B) = P(B)·P(A|B) multipliziert längs des Pfades. Faustregel: Sind Anteile und Prozentangaben einer festen Population gegeben, ist die Tafel schneller; beschreibt die Aufgabe einen zeitlichen Ablauf in Stufen, ist der Baum natürlicher. Für „umgekehrte" Fragen (Bayes) hilft oft, den Baum mit vertauschten Stufen neu zu zeichnen.
Wenn das Eintreten des einen die Wahrscheinlichkeit des anderen nicht verändert: P(A|B) = P(A). Gleichwertig und rechnerisch handlicher ist die Produktformel P(A∩B) = P(A)·P(B); genau diese prüfst du in Aufgaben nach. Beispiel: Beim doppelten Münzwurf sind „erste Münze Kopf" und „zweite Münze Kopf" unabhängig: P(A∩B) = 1/4 = (1/2)·(1/2) ✓. Gegenbeispiel Würfel: A = „Augenzahl > 3" und B = „gerade" sind abhängig, denn P(A∩B) = 1/3, aber P(A)·P(B) = (1/2)·(1/2) = 1/4. Wichtig: Unabhängigkeit ist nicht Unvereinbarkeit! Disjunkte Ereignisse mit positiven Wahrscheinlichkeiten sind sogar maximal abhängig, weil das eine das andere ausschließt. Und reale Unabhängigkeit sollte man begründen können, etwa durch getrennte Zufallsmechanismen.
Der Satz von Bayes ist eine direkte Folgerung aus der Definition. Die gemeinsame Wahrscheinlichkeit lässt sich auf zwei Arten zerlegen: P(A∩B) = P(A|B)·P(B) = P(B|A)·P(A). Setzt man beide Ausdrücke gleich und löst nach P(B|A) auf, steht der Satz von Bayes da: P(B|A) = P(A|B)·P(B)/P(A). Er beantwortet also genau die Frage, wie man eine Bedingungsrichtung in die andere umrechnet. Der Nenner P(A) wird dabei meist über die totale Wahrscheinlichkeit bestimmt: P(A) = P(A|B)·P(B) + P(A|B̄)·P(B̄), das sind die zwei Pfade im Baumdiagramm, die zu A führen. Typische Anwendung im Abitur: Aus Sensitivität und Falsch-Positiv-Rate eines Tests die Wahrscheinlichkeit berechnen, bei positivem Ergebnis wirklich krank zu sein.
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So gehst du eine typische Aufgabe zu Bedingte Wahrscheinlichkeit (P(A|B) = P(A∩B)/P(B)) Schritt für Schritt an:
Aufgabe
60 % der Schüler sind Mädchen, 30 % sind sportliche Mädchen. Berechne P(Sport|Mädchen).
Rechenweg
P(S|M) = P(S∩M)/P(M) = 0,3/0,6 = 0,5. Die Hälfte der Mädchen treibt Sport.
Aufgabe
Zwei Würfel: A = „Summe 8", B = „erster Würfel zeigt 6". Berechne P(A|B).
Rechenweg
Gegeben B bleibt nur der zweite Würfel: Summe 8 verlangt eine 2, also P(A|B) = 1/6. Vergleich: P(A) = 5/36, B verändert die Chance.