Der Erwartungswert ist der auf lange Sicht zu erwartende Mittelwert einer Zufallsgröße: Werte mal Wahrscheinlichkeiten, aufsummiert.
Kostenlos · keine Kreditkarte · in 2 Minuten in deinem Lernplan
Formel
E(X) = \mu = \sum_{i} x_{i} \cdot p_{i}| Symbol | Bedeutung | Einheit |
|---|---|---|
| E(X), μ | Erwartungswert der Zufallsgröße X | wie X |
| xᵢ | Mögliche Werte der Zufallsgröße | wie X |
| pᵢ | Wahrscheinlichkeit P(X = xᵢ) | dimensionslos |
Christiaan Huygens führte den Begriff 1657 für Glücksspiele ein. Der Erwartungswert ist das gewichtete Mittel aller möglichen Werte; nach dem Gesetz der großen Zahlen stabilisiert sich der Durchschnitt vieler Wiederholungen bei E(X). Ein Spiel heißt fair, wenn der Erwartungswert des Gewinns 0 ist. Für die Binomialverteilung gilt kurz E(X) = n·p.
Prüfungs-Blueprint
Gültigkeitsbereich
Gilt für diskrete Zufallsgrößen mit endlich vielen Werten; alle pᵢ summieren sich zu 1. Bei stetigen Zufallsgrößen tritt ein Integral an die Stelle der Summe.
Herleitung in Schritten
Gewichtetes Mittel: Jeder Wert zählt gemäß seiner Wahrscheinlichkeit.
Umstellen
Binomialverteilung
Kurzformel statt Summierung über alle k.
Linearität
Lineare Transformationen wandern direkt in den Erwartungswert.
Faires Spiel
G = Gewinn abzüglich Einsatz; E(G) = 0 heißt fair.
Aufgabenvariante
Ein Glücksrad zahlt 10 € mit p = 0,2, sonst nichts. Einsatz 3 €. Lohnt das Spiel?
E(Auszahlung) = 10·0,2 = 2 €. Gewinn G: E(G) = 2 − 3 = −1 €. Im Mittel verliert man 1 € pro Spiel, das Spiel lohnt nicht.
X nimmt die Werte 0, 1, 2 mit p = 0,3/0,5/0,2 an. Berechne E(X).
E(X) = 0·0,3 + 1·0,5 + 2·0,2 = 0,9.
Typische Fehler
Einfach das arithmetische Mittel der Werte bilden.
Nur bei Gleichverteilung richtig; sonst mit den pᵢ gewichten.
E(X) als „wahrscheinlichsten Wert" deuten.
E(X) = 3,5 beim Würfel wird nie gewürfelt; es ist der Langzeit-Durchschnitt.
Beim fairen Spiel den Einsatz vergessen.
Fair heißt E(Gewinn) = 0 inklusive Einsatz, nicht E(Auszahlung) = 0.
Klausurkontext
Die typischen Fehler stecken als eigene Karten im Prüfungsset. Einmal aktiv trainiert, passieren sie in der Klausur selten.
Formelcluster
Lage- und Streuungsmaß zusammen beschreiben eine Verteilung.
Rechenbeispiel
Fairer Würfel: E(X) = (1 + 2 + 3 + 4 + 5 + 6)·1/6 = 21/6 = 3,5. Binomialverteilung mit n = 100 und p = 0,3: E(X) = n·p = 30 Treffer im Mittel.
Anwendungsgebiete
Bewertung von Glücksspielen und Versicherungen, faire Einsätze, mittlere Trefferzahlen im Abitur, Entscheidungstheorie, Risikoanalyse
Quanta-Prüfungsset
Kuratiertes Prüfungsset für "Erwartungswert":
Frage (Vorderseite)
Welche Formel beschreibt Erwartungswert?
Antwort in deinem Set
Frage (Vorderseite)
Wie stellst du E(X) = Σ xᵢ·pᵢ nach Binomialverteilung um?
Antwort in deinem Set
Frage (Vorderseite)
Welcher typische Fehler passiert bei E(X) = Σ xᵢ·pᵢ?
Antwort in deinem Set
+ 7 weitere Karten: Einheiten, Variablen, Herleitung, Beispiel, Klausuraufgabe
Diese 10 Karten sind fertig kuratiert. Ein Klick, und sie liegen in deinem Lernstapel, FSRS plant die Wiederholungen bis zur Klausur.
Häufige Schreibweisen & Suchanfragen
Stelle zuerst die Wahrscheinlichkeitsverteilung als Tabelle auf: alle möglichen Werte xᵢ der Zufallsgröße mit ihren Wahrscheinlichkeiten pᵢ. Der Erwartungswert ist dann die Summe der Produkte: E(X) = x₁·p₁ + x₂·p₂ + ... Beispiel Würfel: E(X) = 1·(1/6) + 2·(1/6) + ... + 6·(1/6) = 21/6 = 3,5. Beispiel Gewinnspiel: Zahlt ein Spiel 10 € mit Wahrscheinlichkeit 0,2 und sonst nichts, ist E(Auszahlung) = 10·0,2 + 0·0,8 = 2 €. Kontrolliere vor dem Rechnen, dass sich alle pᵢ zu 1 addieren, sonst ist die Verteilung unvollständig. Der Erwartungswert muss übrigens kein möglicher Wert sein: 3,5 lässt sich nicht würfeln, ist aber der korrekte Langzeit-Durchschnitt.
Er ist der Durchschnitt auf lange Sicht: Wiederholst du das Zufallsexperiment sehr oft und mittelst die Ergebnisse, stabilisiert sich dieser Mittelwert beim Erwartungswert; das garantiert das Gesetz der großen Zahlen. Bei 6000 Würfelwürfen erwartest du eine Ergebnissumme nahe 6000·3,5 = 21000. Wichtig sind zwei Abgrenzungen: E(X) ist keine Vorhersage für ein einzelnes Experiment, ein einzelner Wurf kann beliebig abweichen. Und E(X) ist nicht der wahrscheinlichste Wert (das wäre der Modus); bei schiefen Verteilungen liegen beide weit auseinander, etwa bei Lotterien, wo der häufigste Gewinn 0 ist, der Erwartungswert aber positiv sein kann. Als physikalisches Bild: E(X) ist der Schwerpunkt der Verteilung, die Stelle, an der die Wahrscheinlichkeitsmasse balanciert.
Ein Spiel heißt fair, wenn der Erwartungswert des Gewinns null ist, wobei Gewinn = Auszahlung minus Einsatz. Rechne also die erwartete Auszahlung aus und ziehe den Einsatz ab. Beispiel: Ein Glücksrad zahlt 10 € mit p = 0,2, der Einsatz beträgt 3 €. E(Auszahlung) = 2 €, also E(Gewinn) = 2 − 3 = −1 €: Im Mittel verliert der Spieler pro Runde 1 €, das Spiel ist unfair zugunsten des Anbieters. Fair wäre ein Einsatz von genau 2 €. Typische Klausuraufgabe: „Bestimme den Einsatz so, dass das Spiel fair ist", die Antwort ist immer Einsatz = erwartete Auszahlung. Reale Glücksspiele (Lotto, Roulette, Spielautomaten) haben systematisch negativen Erwartungswert, davon lebt der Betreiber.
Wegen der Additivität des Erwartungswerts. Eine binomialverteilte Größe X ist die Summe von n Indikatorvariablen X₁, ..., Xₙ, wobei Xᵢ = 1 bei Treffer im i-ten Versuch und 0 sonst. Jede einzelne hat E(Xᵢ) = 1·p + 0·(1−p) = p. Da der Erwartungswert einer Summe immer die Summe der Erwartungswerte ist (das gilt sogar ohne Unabhängigkeit!), folgt E(X) = n·p sofort, ganz ohne die Summenformel mit Binomialkoeffizienten auszuwerten. Beispiel: 100 Würfe auf eine Sechs, p = 1/6, ergeben im Mittel 100/6 ≈ 16,7 Treffer. Die Formel ist auch intuitiv: Anteil p von n Versuchen trifft. Dieselbe Zerlegungstechnik liefert die Varianz n·p·(1−p), dort braucht man allerdings die Unabhängigkeit.
Der Erwartungswert μ = E(X) ist eine theoretische Kenngröße des Wahrscheinlichkeitsmodells: Er wird aus den Wahrscheinlichkeiten berechnet, bevor irgendein Experiment stattfindet. Der Mittelwert x̄ (arithmetisches Mittel) ist eine empirische Kenngröße konkreter Daten: Er wird aus tatsächlich beobachteten Werten berechnet, nachdem das Experiment gelaufen ist. Beide hängen über das Gesetz der großen Zahlen zusammen: Für wachsende Versuchszahl nähert sich x̄ dem Erwartungswert μ an. Würfelst du 10-mal, kann x̄ etwa 3,9 sein; das Modell sagt trotzdem μ = 3,5. In der Statistik nutzt man diese Beziehung umgekehrt: x̄ dient als Schätzer für ein unbekanntes μ. Sprachlich gilt: „Erwartungswert" fürs Modell, „Mittelwert" für die Stichprobe.
Erstelle ein kuratiertes FSRS-Prüfungsset für E(X) = Σ xᵢ·pᵢ: Formelabruf, Variablen, Herleitung, Umstellung, Beispiel, typische Fehler und Klausurkontext.
Kostenlos · kuratiertes Formelset · LaTeX · FSRS Spaced Repetition
So gehst du eine typische Aufgabe zu Erwartungswert (E(X) = Σ xᵢ·pᵢ) Schritt für Schritt an:
Aufgabe
Ein Glücksrad zahlt 10 € mit p = 0,2, sonst nichts. Einsatz 3 €. Lohnt das Spiel?
Rechenweg
E(Auszahlung) = 10·0,2 = 2 €. Gewinn G: E(G) = 2 − 3 = −1 €. Im Mittel verliert man 1 € pro Spiel, das Spiel lohnt nicht.
Aufgabe
X nimmt die Werte 0, 1, 2 mit p = 0,3/0,5/0,2 an. Berechne E(X).
Rechenweg
E(X) = 0·0,3 + 1·0,5 + 2·0,2 = 0,9.