Bernoulli-Gleichung
Die Bernoulli-Gleichung ist der Energieerhaltungssatz strömender Fluide: Wo die Geschwindigkeit steigt, sinkt der statische Druck.
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Formel
p + \frac{1}{2} \rho v^2 + \rho g h = \text{const.}Variablen & Einheiten – Bernoulli-Gleichung
| Symbol | Bedeutung | Einheit |
|---|---|---|
| p | Statischer Druck im Fluid | Pa |
| ρ | Dichte des Fluids | kg/m³ |
| v | Strömungsgeschwindigkeit | m/s |
| g | Fallbeschleunigung (9,81 m/s²) | m/s² |
| h | Höhe über dem Bezugsniveau | m |
Herleitung & Hintergrund – Bernoulli-Gleichung
Daniel Bernoulli veröffentlichte die Gleichung 1738 in seiner "Hydrodynamica". Sie ist die Energiedichte-Bilanz entlang einer Stromlinie: Statischer Druck, Staudruck ½ρv² und Schweredruck ρgh addieren sich zu einer Konstanten. Gültig für stationäre, reibungsfreie, inkompressible Strömung. In der Engstelle eines Rohres steigt v (Kontinuitätsgleichung A₁v₁ = A₂v₂), also fällt dort p, der Venturi-Effekt. Der Sonderfall Ausfluss aus einem Behälter liefert die Torricelli-Formel v = √(2gh).
Prüfungs-Blueprint
Gültigkeitsbereich
Gilt entlang einer Stromlinie für stationäre, reibungsfreie und inkompressible Strömung. Bei starker Viskosität, Turbulenz oder kompressiblen Gasen (hohe Geschwindigkeiten) nur als Näherung brauchbar.
Herleitung in Schritten
Energieerhaltung für ein strömendes Volumenelement: Druckarbeit wandelt sich in kinetische und Lageenergie um.
- 1Die Druckkräfte verrichten am Volumenelement die Arbeit (p₁ − p₂)·V.
- 2Gleichsetzen mit ΔE_kin + ΔE_pot und Division durch V liefert p + ½ρv² + ρgh = const.
Umstellen
Geschwindigkeit aus Druckdifferenz
Horizontale Strömung; Messprinzip des Pitotrohrs.
Ausflussgeschwindigkeit (Torricelli)
Sonderfall: offener Behälter, Loch in Tiefe h.
Staudruck
Der Anteil, der beim Aufstauen der Strömung als Druck erscheint.
Aufgabenvariante
Wasser steht 5 m über einem kleinen Loch im Tank. Mit welcher Geschwindigkeit strömt es aus?
Torricelli: v = √(2gh) = √(2 × 9,81 × 5) = √98,1 ≈ 9,9 m/s.
Wind trifft mit 30 m/s auf eine Wand (ρ_Luft = 1,2 kg/m³). Wie groß ist der Staudruck?
q = ½ρv² = 0,5 × 1,2 × 900 = 540 Pa, rund ein Zweihundertstel des Luftdrucks.
Typische Fehler
Statischen Druck p und Gesamtdruck verwechseln.
p ist nur der statische Anteil; die Summe aus p, Staudruck und Schweredruck ist konstant.
Die Kontinuitätsgleichung vergessen.
Geschwindigkeiten folgen aus A₁·v₁ = A₂·v₂, erst dann Bernoulli für die Drücke nutzen.
Die Gleichung bei stark reibungsbehafteter Strömung (enge lange Rohre) anwenden.
Dort dominieren Reibungsverluste, reale Drücke liegen unter den Bernoulli-Werten.
Klausurkontext
- Typisch: Venturi-Rohr mit Kontinuität plus Bernoulli, Torricelli-Ausfluss und qualitative Erklärungen (Zerstäuber, dynamischer Auftrieb) über den Druckabfall bei hoher Geschwindigkeit.
Die typischen Fehler stecken als eigene Karten im Prüfungsset. Einmal aktiv trainiert, passieren sie in der Klausur selten.
Formelcluster
Strömungsmechanik
Verbindet Druck und Dichte mit der Energieerhaltung bewegter Fluide.
Rechenbeispiel
Wasser (ρ = 1000 kg/m³) strömt horizontal von v₁ = 2 m/s auf v₂ = 8 m/s in eine Engstelle: p₂ = p₁ + ½ρ(v₁² − v₂²) = 200 kPa + 0,5 × 1000 × (4 − 64) Pa = 170 kPa.
Anwendungsgebiete
Tragflächen-Umströmung, Venturi-Düsen und Vergaser, Pitotrohr (Geschwindigkeitsmessung im Flugzeug), Wasserstrahlpumpe, Zerstäuber
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Frage (Vorderseite)
Welche Formel beschreibt Bernoulli-Gleichung?
Antwort in deinem Set
Frage (Vorderseite)
Wie stellst du p + ½ρv² + ρgh = const. nach Geschwindigkeit aus Druckdifferenz um?
Antwort in deinem Set
Frage (Vorderseite)
Welcher typische Fehler passiert bei p + ½ρv² + ρgh = const.?
Antwort in deinem Set
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Wissenschaftliche Quellen
Häufige Schreibweisen & Suchanfragen
Verwandte Formeln
Weitere Physik-Formeln
Häufige Fragen zu Bernoulli-Gleichung
Was besagt die Bernoulli-Gleichung anschaulich?+
Sie ist die Energieerhaltung für strömende Flüssigkeiten und Gase. Drei Energiedichten teilen sich ein festes Budget: der statische Druck p (den ein mitschwimmender Sensor messen würde), der Staudruck ½ρv² (Bewegungsanteil) und der Schweredruck ρgh (Höhenanteil). Ihre Summe ist entlang einer Stromlinie konstant. Daraus folgt die berühmte Kernaussage: Wird die Strömung schneller, etwa in einer Engstelle, muss der statische Druck sinken, und umgekehrt. Dieser Zusammenhang wirkt zunächst paradox, viele erwarten in der Engstelle höheren Druck. Tatsächlich beschleunigt gerade die Druckdifferenz das Fluid in die Engstelle hinein, das Fluid wird von hohem zu niedrigem Druck gedrückt.
Wie rechnet man eine typische Aufgabe mit der Bernoulli-Gleichung?+
Wähle zwei Punkte auf derselben Stromlinie und schreibe die Gleichung für beide an: p₁ + ½ρv₁² + ρgh₁ = p₂ + ½ρv₂² + ρgh₂. Streiche, was gleich ist, bei horizontaler Strömung die Höhenterme. Fehlende Geschwindigkeiten liefert die Kontinuitätsgleichung A₁·v₁ = A₂·v₂. Beispiel: Wasser mit p₁ = 200 kPa strömt mit 2 m/s in ein Rohr, das sich so verengt, dass v₂ = 8 m/s wird. Dann ist p₂ = p₁ + ½ρ(v₁² − v₂²) = 200.000 + 500 × (4 − 64) = 170.000 Pa = 170 kPa. Der Druck fällt um 30 kPa, obwohl nichts gepumpt wird, allein durch die Beschleunigung in die Engstelle.
Was ist die Torricelli-Formel und wie folgt sie aus Bernoulli?+
Torricelli beschreibt die Ausflussgeschwindigkeit aus einem offenen Behälter: v = √(2gh). Sie folgt als Spezialfall: Vergleiche die ruhende Wasseroberfläche (Punkt 1) mit dem Loch in der Tiefe h (Punkt 2). An beiden Stellen herrscht Luftdruck, die Druckterme kürzen sich; die Oberfläche sinkt bei großem Behälter vernachlässigbar langsam, also v₁ ≈ 0. Übrig bleibt ρgh = ½ρv², aufgelöst v = √(2gh). Bei h = 5 m strömt das Wasser mit √(2 × 9,81 × 5) ≈ 9,9 m/s aus, exakt so schnell, als wäre es frei aus 5 m Höhe gefallen. Das ist kein Zufall: Beide Rechnungen sind dieselbe Energieerhaltung.
Erklärt Bernoulli, warum Flugzeuge fliegen?+
Teilweise, und die populäre Kurzfassung ist oft falsch erzählt. Richtig ist: Über der gewölbten Tragflächenoberseite strömt die Luft schneller, dort ist der statische Druck nach Bernoulli niedriger als unten, die Druckdifferenz trägt das Flugzeug. Falsch ist die verbreitete Begründung, zwei benachbarte Luftteilchen müssten oben und unten gleichzeitig ankommen; das tun sie nachweislich nicht. Die tiefere Ursache der schnelleren Strömung liegt in der Zirkulation um das Profil und im Anstellwinkel: Die Tragfläche lenkt Luft nach unten ab, und nach dem dritten Newtonschen Gesetz wirkt die Gegenkraft nach oben. Bernoulli und Impulsbetrachtung sind dabei zwei konsistente Sichtweisen derselben Physik, keine Konkurrenten.
Wo liegen die Grenzen der Bernoulli-Gleichung?+
Die Gleichung setzt vier Idealisierungen voraus: stationäre Strömung (keine zeitlichen Änderungen), Reibungsfreiheit, Inkompressibilität und Gültigkeit entlang einer Stromlinie. In engen, langen Rohren dominiert die Viskosität, der reale Druckabfall ist größer als berechnet (Gesetz von Hagen-Poiseuille). Bei Gasen funktioniert Bernoulli nur, solange die Dichteänderung klein bleibt, als Faustregel bis etwa 0,3-facher Schallgeschwindigkeit (rund 100 m/s in Luft); darüber braucht es kompressible Strömungslehre. In turbulenten Wirbeln und quer zu Stromlinien gilt die Gleichung ebenfalls nicht direkt. Für Klausuren heißt das: Bernoulli für kurze, glatte Strömungswege mit Wasser oder langsamer Luft, nicht für Kapillaren oder Überschall.
Bernoulli-Gleichung prüfungssicher behalten
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Wie berechnet man mit Bernoulli-Gleichung?
So gehst du eine typische Aufgabe zu Bernoulli-Gleichung (p + ½ρv² + ρgh = const.) Schritt für Schritt an:
- 1
Aufgabe
Wasser steht 5 m über einem kleinen Loch im Tank. Mit welcher Geschwindigkeit strömt es aus?
Rechenweg
Torricelli: v = √(2gh) = √(2 × 9,81 × 5) = √98,1 ≈ 9,9 m/s.
- 2
Aufgabe
Wind trifft mit 30 m/s auf eine Wand (ρ_Luft = 1,2 kg/m³). Wie groß ist der Staudruck?
Rechenweg
q = ½ρv² = 0,5 × 1,2 × 900 = 540 Pa, rund ein Zweihundertstel des Luftdrucks.