Ein ganzer Hin-und-zurück-Weg zählt als Periode
Eine Pendelmasse bewegt sich nach dem Loslassen zur tiefsten Stelle, darüber hinaus und wieder zurück. Eine volle Periode endet erst, wenn sie denselben Ort mit derselben Bewegungsrichtung wieder erreicht. Eine Durchquerung der tiefsten Stelle oder ein Weg vom linken zum rechten Umkehrpunkt ist noch kein vollständiger Zyklus.[1]
Du brauchst Gewichtskraft, einen Winkel zur nach unten gerichteten Vertikalen und die Vorstellung einer rücktreibenden Kraft. Die Länge reicht vom Aufhängepunkt bis zum Schwerpunkt der kleinen Pendelmasse. Die bekannte Wurzelformel beschreibt kleine Winkel. Bei größeren Winkeln bleibt der ideale Pendelansatz möglich, seine Periode muss aber anders berechnet werden.[1]
Länge, Winkel und Zwangsbedingung
Das Modell besteht aus einem punktförmigen Körper der Masse m, einem masselosen, nicht dehnbaren Faden der Länge l und einem festen Aufhängepunkt. Der Faden bleibt gespannt und die Bewegung erfolgt in einer vertikalen Ebene. θ ist der gerichtete Winkel gegenüber der senkrechten Ruhelage; positive und negative Winkel liegen auf verschiedenen Seiten. Die Koordinate entlang der Kreisbahn lautet , wenn θ im Bogenmaß angegeben wird. Die Pendellänge reicht bis zum Schwerpunkt, nicht nur bis zur Oberkante des Körpers.[1]
Die Fadenspannung wirkt radial und trägt deshalb nicht direkt zur tangentialen Beschleunigung bei. Die tangentiale Komponente des Gewichts ist . Radial muss die Spannung zusätzlich die Kreisbewegung ermöglichen. Ein schlaffer Faden erfüllt die Kreisbahnannahme nicht; ein ausgedehnter starrer Körper braucht ein physikalisches Pendelmodell mit Trägheitsmoment.
Wie entsteht die Kleinwinkelperiode und warum fällt die Masse heraus?
Für die ideale Pendelmasse und kleine Auslenkungswinkel gilt . Miss vom Aufhängepunkt bis zum Schwerpunkt. Gewichtskraft und Trägheit sind beide proportional zur Masse; die Masse kürzt sich in der tangentialen Bewegungsgleichung.[1]
Die Masse kürzt sich aus der exakten Bewegungsgleichung dieses Modells.[1]
Bei kleinen Winkeln im Bogenmaß ist ungefähr θ. Dann gilt . Zweimaliges Ableiten von θ0cos(ω0t + φ) liefert −ω02θ, deshalb ist . Eine volle Schwingung entspricht einer Phasenänderung von 2π. Eine Passage durch die Mitte ist noch keine volle Periode: Derselbe Ort muss mit derselben Bewegungsrichtung wieder erreicht werden. Die Zentripetalkraft betrifft dagegen die radiale Resultierende: Sie hält die Masse auf der Kreisbahn, liefert aber nicht die tangentiale Rückstellkomponente.
Der Index 0 kennzeichnet hier die Kleinwinkelperiode.
Wie klein muss der Anfangswinkel für die verlangte Genauigkeit sein?
Es gibt keine harte Grenze bei 10°. Die Näherung wird kontinuierlich schlechter, wenn der Maximalwinkel θ0 wächst. Für eine ideal geführte Bewegung lautet die erste Periodenkorrektur , mit θ0 im Bogenmaß. Bei 8° beträgt dieser führende Beitrag etwa 0,122 %, bei 10° etwa 0,190 %. Das ist der Periodenfehler, nicht der relative Fehler von ≈ θ; diese Größen sind verschieden.[4]
Die Reihenentwicklung ist eine Näherung für kleine Amplituden; Grade zuerst in Bogenmaß umrechnen.[4]
Soll g aus T bestimmt werden, wirkt der Periodenfehler quadratisch: . Eine längere reale Periode liefert deshalb bei Verwendung der Kleinwinkelformel einen zu kleinen g-Wert. Andere Fehler wie ungenaue Schwerpunktlänge, Zeitmessung, Lagerreibung und Fadenelastizität kommen hinzu. Ein kleiner Winkel allein garantiert keine präzise Messung.
Größerer Ausschlag verlängert die Periode
Kostenlos mit Quanta-Konto. Dein Download bleibt nach der Registrierung bereit.
Vertiefung anzeigen: Die exakte Großwinkelperiode herleiten
Für Loslassen aus der Ruhe bei θ0 folgt aus Energieerhaltung . Daraus lässt sich die Zeit vom Umkehrpunkt bis zur Mitte integrieren. Vier gleich lange Viertelbewegungen ergeben die Periode. Die Substitution mit führt auf das vollständige elliptische Integral erster Art.[2][3]
Die positive Quadratwurzel liefert den Zeitbetrag eines Viertelwegs.
Für θ0 → 0 gilt K → π/2 und die Kleinwinkelformel kehrt zurück. Mit wachsendem Winkel wird T größer. Die mathematische Grenzaussage T → ∞ bei θ0 → π setzt eine weiterhin bestehende starre Kreisbahnführung voraus. Ein einfacher Faden kann einen aus der Ruhe oberhalb der Horizontalen gestarteten Körper nicht nach außen drücken und wird dort schlaff. Diesen Bereich darf man nicht als gewöhnliche Fadenpendelschwingung ausgeben.
Wie bestimmt man Pendellänge oder g aus der gemessenen Periode?
l in m, g in m/s2 und T in s verwenden.
g ist die örtliche Fallbeschleunigung; 9,81 m/s2 ist ein gebräuchlicher Näherungswert und keine universelle Konstante. Vierfache Länge ergibt im Kleinwinkelmodell doppelte Periode. Die Masse fällt heraus, weil Gewichtskraft und Trägheit beide proportional zu m sind. Bei gleicher Form können reale Luftwiderstandseinflüsse trotzdem mit der Masse variieren. Für eine Messung vieler Perioden zählt man vollständige Zyklen und teilt die Gesamtzeit durch ihre Anzahl; halbe Zyklen würden das Ergebnis systematisch verfälschen.
Wie bestimmt man g aus 30 vollständigen Schwingungen?
Die Pendelmessung bestimmt g aus Länge und gemittelter Periodendauer. Der freie Fall bietet einen anderen idealen Messansatz über Strecke und verstrichene Zeit; beide Wege verlangen ihre eigenen Anfangsbedingungen und Fehlerkontrollen. Der folgende Vergleich bleibt bei der Pendelmessung.[1][5]
Eine Kleinwinkelmessung auswerten
- Gegeben
- Schwerpunktlänge l = 0,900 m; 30 Perioden in 57,12 s; Anfangswinkel 2°.
- Gesucht
- g näherungsweise bestimmen und den Winkeleinfluss einordnen.
Ansatz: Die Zeitserie gibt eine volle Periode; danach die Kleinwinkelformel umstellen und den Amplitudeneffekt abschätzen.
Gesamtzeit durch 30 teilen.
Mit der Kleinwinkelformel rechnen.
Den führenden Periodenbeitrag des Winkels abschätzen.
Ergebnis: Die Messung ergibt ungefähr 9,80 m/s2. Der Winkel verlängert die ideale Periode um rund 0,0076 % und senkt den unkorrigierten g-Wert um etwa 0,0152 %.
Kontrolle: Rückeinsetzen von 9,80095 m/s2 und 0,900 m ergibt 1,904 s. Die vielen Rechenstellen sind Kontrollwerte; ohne Unsicherheiten von Länge und Zeit begründen sie keine entsprechende Messgenauigkeit.
Wie stark verlängern 60 Grad die ideale Pendelperiode?
Periode und Geschwindigkeit eines großen Ausschlags
- Gegeben
- l = 1,20 m, g = 9,81 m/s2, θ0 = 60°, Start aus der Ruhe; ideal gespanntes Fadenpendel ohne Verluste.
- Gesucht
- Exakte Modellperiode mit vergleichen und Geschwindigkeit unten bestimmen.
Ansatz: Bei großem Anfangswinkel die exakte ideale Periode verwenden. Die Geschwindigkeit folgt separat aus Energieerhaltung.
Die Kleinwinkelreferenz und den elliptischen Modul berechnen.
Das Integral K für den Modul 0,5 auswerten.
Den Höhenverlust in kinetische Energie umrechnen.
Ergebnis: T ≈ 2,358 s liegt um 7,318 % über . Unten beträgt die Geschwindigkeit etwa 3,431 m/s.
Kontrolle: Kinetische Energie je kg ist , gleich . Die Fadenspannung ist beim Start und unten , also positiv; die Kreisbahnannahme ist konsistent.
Grenzen des Modells und reale Pendel
Für die einfache Periodenformel müssen Winkel klein, Fadenlänge konstant, Aufhängung fest und Reibung schwach sein. Ein ausgedehnter Körper ändert die Rotationsdynamik: Beim physikalischen Pendel lautet die Kleinwinkelperiode , wobei I um die Aufhängeachse und d der Schwerpunktabstand ist. Eine bewegliche Aufhängung kann das Pendel antreiben; Fadenelastizität und räumliche Bewegung schaffen weitere Freiheitsgrade. Beim linearen Federpendel bestimmt dagegen das Verhältnis aus wirksamer Masse und Federkonstante die Eigenperiode. Seine Masse kürzt sich nicht wie beim idealen Fadenpendel heraus.[1][6]
Die Großwinkelrechnung ist innerhalb des idealen nichtlinearen Modells exakt, nicht automatisch für ein reales Experiment. Für einen Faden aus der Ruhe bleibt die Spannung bei 0 < θ0 < 90° positiv. Bei 90° ist sie am Start null; darüber ist die notwendige Spannung negativ und der Faden kann die angenommene Bahn nicht halten. Energieerhaltung allein ersetzt diese Zwangsbedingung nicht.
Warum sind benachbarte Nulldurchgänge nur eine halbe Periode?
Beim Zeitmessen müssen Ort und Bewegungsrichtung wieder zusammenpassen. Das folgende Beispiel macht sichtbar, warum benachbarte Durchgänge durch die Mitte nicht als volle Perioden gezählt werden dürfen.[1]
Zwei gleiche Nulldurchgänge sind noch keine volle Periode
- Gegeben
- Ein ideales kleines Fadenpendel durchquert die tiefste Stelle bei 0,00 s nach rechts, bei 0,70 s nach links und bei 1,40 s wieder nach rechts. Am Ort gilt g=9,81 m/s2. Kleine Winkel, keine merkliche Dämpfung, Punktmasse und masseloser gespannter Faden.
- Gesucht
- Volle Periode und Pendellänge bestimmen; eine Halbperiodenauswertung vergleichen.
Ansatz: Gleicher Ort und gleiche Bewegungsrichtung markieren einen vollständigen Zyklus. Die Längenformel wird aus der Kleinwinkelperiode umgestellt.
Die volle Periode ist doppelt so groß wie der Abstand benachbarter Nulldurchgänge.
Ergebnis: Die volle Periode beträgt 1,40 s und die Modelllänge etwa 0,487 m. Wer 0,70 s als volle Periode verwendet, erhält nur ein Viertel dieser Länge.
Kontrolle: Mit der richtigen Länge liefert . Die Richtung am mittleren Durchgang ist entgegengesetzt; dadurch ist die Halbperiodenverwechslung ohne weitere Messgeräte erkennbar.
Fünf gelöste Aufgaben
Einsetzen und Rechnen · Einstieg
l = 0,490 m, g = 9,81 m/s2; kleiner Winkel. Bestimme .
Hinweis anzeigen
Verwende Länge bis zum Schwerpunkt.
Lernziel: Kleinwinkelperiode aus Länge bestimmen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
.
Die Rückrechnung liefert .
Umstellen · Einstieg
Welche Länge ergibt bei g = 9,81 m/s2 eine Kleinwinkelperiode von 1,00 s?
Hinweis anzeigen
Nach l auflösen; nicht mit einer Halbperiode rechnen.
Lernziel: Pendellänge aus voller Periode bestimmen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
.
Ein Viertelmeter ist eine passende grobe Näherung, nicht der genaue Modellwert.
Einsetzen und Rechnen · Anwenden
Bei 8° soll die führende relative Periodenkorrektur geschätzt werden. Wie groß ist sie?
Hinweis anzeigen
einsetzen.
Lernziel: Führende Amplitudenkorrektur mit Winkeln im Bogenmaß schätzen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
.
trägt erst etwa 0,000136 % bei.
Ein harter Gültigkeitssprung bei 10° existiert nicht.
Interpretieren · Einstieg
Drei ideale Fadenpendel schwingen mit kleinen Winkeln am selben Ort. A:l=0,25 m, m=50 g; B:l=0,25 m, m=200 g; C:l=1,00 m, m=50 g. Vergleiche ihre vollen Perioden ohne einen Zahlenwert für g einzusetzen.
Hinweis anzeigen
m kürzt sich aus der Winkelgleichung; die Länge steht unter der Wurzel.
Lernziel: Massenunabhängigkeit und Wurzelskalierung der Kleinwinkelperiode trennen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: A und B haben dieselbe Länge und deshalb dieselbe Periode trotz vierfacher Masse.
C hat vierfache Länge und doppelte Periode.
Kontrolle: Das Verhältnis der Periodenquadrate entspricht dem Längenverhältnis 4. Die Aussage setzt gleiche lokale Schwerkraft, kleine Winkel und passende Fadenmodelle voraus; eine unterschiedliche reale Luftdämpfung der Körper wäre nicht in dieser Vergleichsrechnung enthalten.
Fehleranalyse · Vertiefen
Ein ideales gespanntes Fadenpendel wird bei 60° aus Ruhe freigegeben. Die exakte nichtlineare Periodenrechnung liefert . Eine Auswertung setzt das gemessene T in ein und beansprucht das wahre g. Bestimme und die Fehlerrichtung.
Hinweis anzeigen
Die gemessene Periode ist länger als die Kleinwinkelperiode.
Lernziel: Großwinkelperiode nicht als für eine g-Messung auswerten.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Wahres , also .
Der Wert wird um rund 13,1733 % unterschätzt.
Kontrolle: Aus der angegebenen Periodenverlängerung folgt zwingend ein kleinerer Kehrwert des Quadrats. Für die Auswertung muss die Amplitudenkorrektur einbezogen oder bei kleineren Winkeln gemessen werden. Die vorgegebene Verhältniszahl stammt aus dem elliptischen Modell, nicht nur aus dessen führendem Reihenterm.
Kurz zusammengefasst
Miss einen vollen Zyklus und die Länge bis zum Schwerpunkt. Die Wurzelformel gilt für kleine Winkel; die Genauigkeit richtet sich nach der tatsächlichen Amplitude. Bei großen Winkeln wächst die ideale Periode. Fadenstraffheit, Lager, Luft und die Ausdehnung der Masse begrenzen das Punktpendelmodell.[1]
Belege zu dieser Erklärung
Quanta · Bearbeitet 1. Oktober 2026
- OpenStax University Physics 1 §15.4: Pendulums
- NIST DLMF §22.19(i): Classical Dynamics — The Pendulum
- NIST DLMF §19.2: Definitions of Legendre elliptic integrals
- MIT OpenCourseWare 8.01SC, Chapter 24: Physical Pendulum
- OpenStax University Physics1 §3.5: Free Fall
- OpenStax University Physics1 §15.1: Simple Harmonic Motion
Redaktion: Quanta Study Redaktion
Prüfumfang
Diese Erklärung, 3 Rechenbeispiele und 5 Aufgaben liegen auf Deutsch und Englisch vor. Aufbau, Quellenzuordnung und mathematische Darstellung werden automatisiert geprüft. Rechnungen, Modellvoraussetzungen und beide Sprachfassungen erhalten eine gesonderte KI-Gegenprüfung.
Für einen früheren veröffentlichten Stand dieser Seite ist eine interne menschliche Fachprüfung dokumentiert. Diese Bestätigung gilt nicht automatisch für die überarbeitete Erklärung und die neuen Aufgaben.
Eine unabhängige, namentliche menschliche Fachprüfung ist noch nicht dokumentiert. Unsere Aufgabenzahlen sind Rechenbeispiele und keine Messdaten der zitierten Quellen.
Redaktion, Quellen und VorgehenÄnderungsverlauf
- Kleinwinkelperiode, Schwerpunktlänge und Massenkürzung direkt erläutert; vorhandene Mess-/Großwinkel-/Halbperiodenbeispiele erschlossen und Radialkraft, freie Fallmessung sowie Federpendel abgegrenzt.
- Volle Perioden und Genauigkeitsbedingungen klarer erklärt; Halbperiodenfehler als eigenes Beispiel und exakte Amplituden-Perioden-Kurve ergänzt. Mess- und Großwinkelbeispiele sowie fünf Aufgaben erhalten.
- Zwei Aufgaben ergänzt; die fünf Aufgaben nach Aufgabentyp, Schwierigkeit und Lernziel gegliedert.
Diese Nachschlageseite zitieren
Quanta. Fadenpendel (Schwingungsdauer). Stand 1. Oktober 2026. https://quanta-study.de/tafelwerk/fadenpendel
Bei einer konkreten fachlichen Aussage zusätzlich die dort verknüpfte Fachquelle nennen.