Viele Windungen verstärken den gemeinsamen Feldanteil
Eine einzelne stromführende Schleife erzeugt entlang ihrer Achse ein Magnetfeld. In einer dicht gewickelten Spule überlagern sich die Beiträge vieler Schleifen. Im mittleren Bereich einer langen Luftspule zeigen sie überwiegend in dieselbe Achsenrichtung und ändern sich über kurze Ortsverschiebungen wenig. Daher entsteht dort eine einfache Näherung. Am Ende fehlen die Schleifen auf einer Seite; das Feld fällt ab und wird räumlich weniger gleichförmig.[1][3]
- Vorwissen: N zählt Windungen; die Windungsdichte ist Anzahl pro Wicklungslänge. Die Wicklungslänge ist nicht die Länge des verwendeten Drahtes.
- Die Formel für eine lange Luftspule beschreibt B in Tesla, nicht H in Ampere pro Meter.
- Mit gleichem Stromsinn aller Windungen zeigt das Innenfeld entlang der Achse. Bestimme die Richtung mit der rechten Hand.
Wie berechnet man das Magnetfeld im Inneren einer langen Luftspule?
N Windungen liegen gleichmäßig über die Wicklungslänge ℓ; I ist hier der Strombetrag. Der Index markiert das ideal lange Modell.[1]
Die Formel gilt näherungsweise im inneren Bereich einer dicht gewickelten Spule ohne ferromagnetischen Kern, deren Länge groß gegen ihren Durchmesser ist. Homogen bedeutet hier: Betrag und Richtung ändern sich im ausgewählten Messbereich nur wenig. Es bedeutet nicht, dass eine endliche Spule an jedem Punkt, insbesondere direkt am Rand oder außerhalb, dasselbe Feld besitzt. Bei Luft wird ihre Permeabilität für diese Genauigkeit der Vakuumpermeabilität gleichgesetzt.[1]
Ein Integrationsweg zählt durchsetzte Windungen
a bezeichnet die Länge der inneren Integrationsstrecke, nicht die ganze Spulenlänge. Die eingeschlossenen Windungen sind na.[2]
Wähle im ideal langen Grenzfall ein Rechteck: Eine lange Seite liegt innen parallel zum Feld, die andere außen im vernachlässigbaren Feld. Die kurzen Seiten sind senkrecht zum Feld und liefern keinen Beitrag. Die Integration wird dadurch zu einer Innenstrecke mit konstantem B. Bei einer endlichen Spule sind Außen- und Randbeiträge nicht exakt null; man darf sie nicht durch die Wahl eines hübschen Rechtecks verschwinden lassen. Die angenommene Symmetrie trägt die Vereinfachung. Die Maxwell-Gleichungen in Integralform ordnen dieses stationäre Ampère-Modell und den zusätzlichen Verschiebungsstrom ein.[2][6]
Wann ist die Spule lang genug und was ändert sich am Ende?
„Lang“ ist keine feste Zentimeterzahl. Entscheidend ist das Verhältnis von Wicklungslänge zu Radius und der ausgewählte Ort. Die endliche Formel summiert die Achsenbeiträge vieler ideal dünner Kreiswindungen mit gleichmäßiger Windungsdichte. Sie liefert für dieselbe Spule unterschiedliche Werte in der Mitte und am Ende. Diese Formel gilt auf der Achse; außerhalb der Achse braucht man ein anderes Ortsmodell.[1][3]
Dünne zylindrische Wicklung mit Radius R, gleichmäßiger Windungsdichte und Mittelpunkt z=0; diese Formel beschreibt die Achse, nicht das gesamte dreidimensionale Feld.[1]
Für große Länge gegenüber R nähert sich die Mitte dem langen Modell, das Achsenfeld am Ende dagegen dessen Hälfte.[1]
Die endliche Achsenformel entsteht durch die Summe der Felder dünner Stromringe entlang der Wicklung. Ihre Mittelpunktsform gibt einen kontrollierbaren Näherungsfehler, ohne zu behaupten, jede Spule sei eindimensional. Für einlagige, dicht gewickelte Modelle ist sie besonders nützlich; dicke Wicklungspakete verlangen eine weitere Integration über die Radien. Das reale Außenfeld schließt die Feldlinien und ist bei einer endlichen Spule nicht überall vernachlässigbar.[3][1]
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Mitte und Enden einer kurzen Spule
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Wicklungsstrom bestimmt die Achsenrichtung
Blickst du auf ein Spulenende und läuft der konventionelle Strom dort gegen den Uhrzeigersinn, zeigt das Achsenfeld aus diesem Ende zu dir. Bei umgekehrtem Strom zeigt es in die Spule. Die Greifregel nutzt die gekrümmten Finger für den Windungsstrom und den Daumen für die Innenfeldrichtung. Elektronenbewegung im Draht ist entgegengesetzt zum konventionellen Strom und darf nicht ohne Vorzeichenwechsel eingesetzt werden.[3]
Mehr Windungen verändern bei festem Strom die Feldstärke. Bei fester Versorgungsspannung kann der längere Draht aber den Widerstand erhöhen und den Strom verändern. Eine Aussage wie „doppelte Windungen ergeben doppeltes Feld“ setzt deshalb tatsächlich gleichen Strom, gleiche Wicklungslänge und dieselbe zulässige Geometrie voraus. Eine Helmholtz-Anordnung besteht aus zwei abgestimmten Ringfeldern und darf nicht allein mit der Formel einer langen Zylinderspule berechnet werden.[1][3]
Windungsdichte, Konstantenstatus und Auslegung
N ist eine dimensionslose Zählgröße. Das Ziel N muss schließlich auf eine tatsächlich realisierbare ganze Windungszahl bezogen werden.[1]
Wir verwenden als gerundeten Rechenwert μ0≈1,25663706·10−6 H/m. Die CODATA-2022-Tabelle führt die Vakuumpermeabilität mit Messunsicherheit; sie ist im heutigen SI nicht mehr exakt durch einen alten Amperewert festgelegt. Diese Unsicherheit ist für unsere Modellbeispiele wesentlich kleiner als Wicklungs- und Stromabweichungen. Zentimeter werden vor der Längenrechnung in Meter umgerechnet; Windungen pro Zentimeter entsprechen hundertmal so vielen Windungen pro Meter.[4]
Innenfeld und endliche Korrektur selbst rechnen
Lange Modellspule
- Gegeben
- N=720, ℓ=0,360 m, I=1,20 A, Radius 10 mm; Luftkern, dicht gewickelt, Messung in der Mitte. Verwende μ0=1,25663706·10−6 H/m.
- Gesucht
- Berechne Innenfeld im langen Modell und prüfe den Mittelpunktsfehler.
Ansatz: Windungsdichte aus der Wicklung bilden; anschließend die endliche Mittelpunktsform als Kontrolle nutzen.
SI-Werte einsetzen; Durchmesser und Länge sind nicht vertauscht.
Ergebnis: Das lange Modell ergibt 3,016 mT; der endliche Mittelpunktswert ist etwa 3,011 mT.
Kontrolle: Das endliche Modell liegt 0,154 % unter dem langen Wert, bezogen auf diesen. Eine Stromverdopplung verdoppelt beide Werte, solange das lineare Luftmodell gilt.
Kurze Spule: Mitte ist nicht Ende
- Gegeben
- Dünne Luftwicklung: N=300, ℓ=0,100 m, R=0,0400 m, I=0,800 A. Derselbe μ0-Rechenwert.
- Gesucht
- Berechne die Achsenfelder in Mitte und am Ende.
Ansatz: Weil Länge und Durchmesser vergleichbar sind, die endlichen Formeln einsetzen und den langen Wert nur als Vergleich verwenden.
Beide Korrekturfaktoren gesondert berechnen.
Ergebnis: Mitte≈2,355 mT, Ende≈1,400 mT. Das lange Modell überschätzt die Mitte merklich.
Kontrolle: Der Mittelpunktfaktor ist 0,7809 und der Endfaktor 0,4642. Hier ist der Endwert nicht exakt die Hälfte des tatsächlichen Mittelpunktswerts.
Eine Genauigkeitsforderung wird zur Mindestlänge
- Gegeben
- Eine ideal dünne, gleichmäßig gewickelte Luftspule hat Radius R=1,50 cm. Die unendliche Näherung darf das zentrale Achsenfeld um höchstens 1,00 % überschätzen, bezogen auf den endlichen Wert. Für die Kontrolle wählen wir N=600, I=0,500 A und ℓ=22,0 cm.
- Gesucht
- Bestimme die Mindestlänge und prüfe die gewählte Spule.
Ansatz: Den zentralen Endkorrekturfaktor verwenden und die relative Überhöhung nach der Länge auflösen.
Einsetzen mit δ=0,0100; anschließend den endlichen Wert der 22-cm-Spule berechnen.
Ergebnis: Die Mindestlänge beträgt etwa 21,16 cm. Die gewählte Länge 22,0 cm erfüllt die Vorgabe für die Spulenmitte.
Kontrolle: Die Überhöhung beträgt etwa 0,9255 % bezogen auf das endliche zentrale Feld. Das sagt nichts über eine 1-%-Genauigkeit am Spulenende aus; dort gilt eine andere Ortskorrektur.
Fünf unterschiedliche Prüfungen des Spulenmodells
Einsetzen und Rechnen · Einstieg
Eine lange Luftspule hat N=450, ℓ=0,300 m und I=0,600 A. Verwende μ0=1,25663706·10−6 H/m. Bestimme das mittlere Innenfeld.
Hinweis anzeigen
Nicht nur die Windungszahl mit dem Strom multiplizieren.
Lernziel: Windungsdichte und Feld in SI berechnen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Modell und Ansatz: Lange Luftspule im mittleren Bereich fern der Enden.
Ansatz: Aus N und ℓ ergibt sich .
Das Feld ist 1,131 mT.
Kontrolle: Verdoppelte Länge bei gleicher Windungszahl und gültigem langen Modell halbiert das Feld.
Umstellen · Anwenden
Im langen Luftmodell sollen N=800 und ℓ=0,400 m ein Feld 2,00 mT erzeugen. Welcher Strom ist nötig? Derselbe μ0-Wert.
Hinweis anzeigen
Millitesla zuerst in Tesla umrechnen.
Lernziel: Strom für ein vorgegebenes Feld auslegen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Modell und Ansatz: Unter denselben langen Luftspulenannahmen nach Strom auflösen.
Ansatz: Löse die Feldformel nach I auf.
I≈0,795775 A.
Kontrolle: Die Windungsdichte 2000 m−1 ergibt mit diesem Strom wieder 2,00 mT.
Interpretieren · Anwenden
Du blickst auf das rechte Ende einer Luftspule. Der konventionelle Strom läuft in dieser Ansicht gegen den Uhrzeigersinn. Zeigt das Innenfeld nach rechts zu dir oder nach links weg? Was passiert bei Stromumkehr?
Hinweis anzeigen
Die Sicht auf das Ende ausdrücklich beibehalten.
Lernziel: Strompfeile und Feldrichtung am Spulenende verbinden.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Greifregel auf den konventionellen Windungsstrom anwenden.
Feld nach rechts zu dir; bei Stromumkehr nach links.
Kontrolle: Der Feldbetrag bleibt bei gleichem Strombetrag unverändert.
Fehleranalyse · Anwenden
Für eine dünne Luftspule mit behauptet eine Rechnung, das Mittelpunktsfeld sei exakt μ0nI, weil alle Windungen gleich aussehen. Bestimme den richtigen Faktor und den relativen Überschätzungsfehler bezogen auf den endlichen Wert.
Hinweis anzeigen
Setze in die Mittelpunktsform ein.
Lernziel: Eine falsche endliche Feldannahme korrigieren.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Die endliche Geometrie liefert den Faktor .
Der lange Wert ist gegenüber dem endlichen um zu groß.
Kontrolle: Ein gleiches Ringaussehen schafft keine unendliche Translationssymmetrie.
Transfer · Vertiefen
Zwei lange Luftspulen haben gleiche Länge und Radius. B besitzt doppelt so viele Windungen und bei gleicher Drahtstärke die doppelte Drahtlänge; im vereinfachten Modell ist deshalb sein Widerstand doppelt so groß. Beide liegen nach dem Einschwingen an derselben konstanten Spannung. Vergleiche die Felder.
Hinweis anzeigen
Gleiche Spannung bedeutet hier nicht gleichen Strom.
Lernziel: Annahmen bei Windungsänderung und fester Spannung bilanzieren.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Ohmsches Gesetz ergibt halben Strom in B.
Doppelte Windungsdichte mal halber Strom liefert dasselbe Innenfeld.
Kontrolle: Das Ergebnis setzt die ausdrücklich vorgegebene Widerstandsskalierung und gleichen Zustand voraus; Erwärmung und zusätzliche Lagen sind nicht automatisch mitabgedeckt.
Vertiefung anzeigen: Reale magnetische Kerne
Ein homogener linearer magnetischer Stoff kann unter passenden Geometriebedingungen mit einer Permeabilität beschrieben werden. Ein realer Eisenkern hat jedoch eine vom Arbeitspunkt abhängige Magnetisierung, oft Hysterese, Sättigung und Streufluss. Ein Luftspulenergebnis einfach mit einer beliebigen großen konstanten μᵣ zu multiplizieren, liefert daher keine belastbare Vorhersage für einen offenen Elektromagneten. Luftspalte und die gesamte magnetische Weglänge gehören gegebenenfalls in ein Magnetkreis- oder Feldmodell.[5]
Bei zeitabhängigem Strom ist die quasi-statische Feldformel nur zulässig, wenn Ausbreitungs- und Verdrängungsstromeffekte für die Fragestellung klein sind. Widerstandsverluste und zulässige Drahttemperatur begrenzen den tatsächlich erreichbaren Strom. Aus einem theoretischen Zielwert von B folgt keine betriebsfertige Konstruktion. Die lange Spule ist ein übersichtlicher Ausgangspunkt für Feldmessung und Teilchenablenkung, kein Ersatz für die Prüfung der tatsächlichen Bauform. Bei Stromänderungen beschreibt die Selbstinduktion den zusätzlichen Spannungsbeitrag der Wicklung im passenden Induktivitätsmodell.[2]
Das solltest du mitnehmen
- Für die lange Luftspule zählen Windungen pro Länge und Strom. Mehr Windungen allein garantieren kein stärkeres Feld bei gleicher Versorgungsspannung.
- Prüfe das Längen-Radius-Verhältnis und den Beobachtungsort. Der mittlere Feldwert gilt nicht automatisch am Ende.
- Ein Eisenkern benötigt ein Materialmodell; seine Wirkung ist kein universeller konstanter Multiplikator.
Belege zu dieser Erklärung
Quanta · Bearbeitet 2. Oktober 2026
- OpenStax University Physics Volume 2 §12.6 Solenoids and Toroids
- OpenStax University Physics Volume 2 §12.5 Ampère’s Law
- OpenStax University Physics Volume 2 §12.4 Magnetic Field of a Current Loop
- NIST: 2022 CODATA complete constants listing
- OpenStax University Physics Volume 2 §12.7: Magnetism in Matter
- OpenStax University Physics Volume 2 §16.1 Maxwell’s Equations and Electromagnetic Waves
Redaktion: Quanta Study Redaktion
Prüfumfang
Diese Erklärung, 3 Rechenbeispiele und 5 Aufgaben liegen auf Deutsch und Englisch vor. Aufbau, Quellenzuordnung und mathematische Darstellung werden automatisiert geprüft. Rechnungen, Modellvoraussetzungen und beide Sprachfassungen erhalten eine gesonderte KI-Gegenprüfung.
Eine unabhängige, namentliche menschliche Fachprüfung ist noch nicht dokumentiert. Unsere Aufgabenzahlen sind Rechenbeispiele und keine Messdaten der zitierten Quellen.
Redaktion, Quellen und VorgehenÄnderungsverlauf
- Frageüberschriften präzisiert und fachlich passende Absatzverbindungen ergänzt; bestehende Herleitungen, Beispiele, Diagramme, Aufgaben und Quellen erhalten.
- Langes Luftmodell gegen endliche Achsenfelder abgegrenzt; Ampère-Begründung, zwei eigene Beispiele, fünf Aufgaben und Materialgrenzen neu verfasst.
- Anschaulichen Einstieg und Vorwissen ergänzt, Modellschritte erläutert, ein weiteres vollständiges Beispiel und ein quantitatives Diagramm hinzugefügt; bestehende Beispiele, fünf Aufgaben und Quellen erhalten.
Diese Nachschlageseite zitieren
Quanta. Magnetfeld einer langen Spule. Stand 2. Oktober 2026. https://quanta-study.de/tafelwerk/magnetfeld-spule
Bei einer konkreten fachlichen Aussage zusätzlich die dort verknüpfte Fachquelle nennen.