Was ist der spezifische Widerstand und wie berechnet man den Drahtwiderstand?
Denke an zwei gleich lange Drähte bei derselben Temperatur: Ein größerer Querschnitt lässt bei gleicher Spannung mehr Strom zu. Ein längerer Draht mit unverändertem Querschnitt braucht dagegen mehr Spannung für denselben Strom. Das ist eine geometrische Aussage innerhalb des ohmschen Modells. Sie ersetzt weder die Temperaturangabe des Materials noch eine Prüfung der tatsächlichen Kontakt- und Stromverteilung.[1]
Homogener gerader Leiter mit konstantem Querschnitt, gleichmäßiger Temperatur und annähernd gleichförmiger Stromdichte.[1]
ρ ist keine Massendichte und nicht der gesamte Widerstand des Körpers. Materialzusammensetzung, Zustand und Temperatur bestimmen seinen Wert; „Materialkonstante“ bedeutet nicht temperaturunabhängig. A ist der elektrisch leitende Querschnitt senkrecht zum Strom, ohne Isolierung. Übergangs- und Kontaktwiderstände sind eigene Beiträge. Für den betrachteten linearen Bereich gilt die lokale Beziehung E=ρJ.[1][2]
Aus Feld und Stromdichte ableiten
Die lokale Materialbeziehung verknüpft Feldstärke und Stromdichte. Erst die Leiterlänge übersetzt Feldstärke in Spannung, erst der Querschnitt Stromdichte in Strom. Halte diese beiden Schritte auseinander: So ist verständlich, warum der Querschnitt im Nenner steht und warum eine Flächeneinheit korrekt umgerechnet werden muss. Mit dem Ohmschen Gesetz wird daraus der Widerstand zwischen den Leiterenden.[1]
Gleichförmiges E und J im ohmschen Modell; die Division ist für einen nicht verschwindenden Prüfstrom definiert.[1]
Die Längenabhängigkeit entspricht nacheinander durchlaufenen Leiterabschnitten; die Flächenabhängigkeit entspricht zusätzlichen gleichartigen Strombahnen nebeneinander. Das erklärt R verdoppeln bei doppelter Länge und R halbieren bei doppeltem Querschnitt. Doppelter Durchmesser bedeutet dagegen vierfachen Kreisquerschnitt und ein Viertel des Widerstands, sofern alle anderen Bedingungen unverändert bleiben.[1][3]
Vertiefung anzeigen: Ungleichmäßige Leiter abschnittsweise bilanzieren
Ein eindimensionales Näherungsmodell für dieselbe durchgehende Strombahn, ohne separate Kontaktbeiträge.[1][3]
Für diskrete gleichförmige Abschnitte wird daraus . Ein arithmetisch gemittelter Querschnitt darf nicht unbesehen in eingesetzt werden: dünne Abschnitte tragen stärker bei. Für abrupte Geometriewechsel kann die Stromdichte örtlich stark ungleichmäßig sein; dann ist das eindimensionale Modell begrenzt. Bei hohen Frequenzen verändert Stromverdrängung den wirksamen Querschnitt; der Gleichstromwert reicht nicht automatisch.[1]
Temperatur mit einer Referenz angeben
Die zweite Näherung vernachlässigt Geometrieänderungen; α ist der lokale Temperaturkoeffizient am angegebenen Referenzzustand.[1]
Viele Metalle zeigen nahe einer Referenztemperatur einen positiven Koeffizienten. Das macht die lineare Näherung nicht zu einer universellen Kurve für alle Temperaturen oder alle Materialien. Bei Halbleitern, Legierungen und Phasenänderungen kann das Verhalten stark anders sein. Joulesche Erwärmung koppelt die elektrische Rechnung an Wärmeabgabe: ein berechneter Verlust legt die Temperatur noch nicht fest. Die Temperatur muss vorgegeben oder mit einer Wärmebilanz ermittelt werden.[1][4]
Beispiele: Hin- und Rückleiter, wechselnder Querschnitt und Dehnung
Eine Zweidrahtschleife bei höherer Temperatur
- Gegeben
- Hin- und Rückleiter jeweils , . Modellwerte: , ; beide Leiter bei , .
- Gesucht
- Schleifenwiderstand, Spannungsverlust und Verlustleistung.
Ansatz: Beide Leiterlängen einbeziehen, dann den angegebenen Temperaturkoeffizienten anwenden.
Hin- und Rückweg zählen gemeinsam.
Gleichmäßige vorgegebene Temperatur einsetzen.
Denselben Schleifenstrom zur Verlustrechnung nutzen.
Ergebnis: Im Modell etwa 1,03 Ω, 2,48 V Abfall und 5,95 W Leitungsverlust.
Kontrolle: Jeder gleichartige Leiter trägt die Hälfte; ΔU·I ergibt dieselben 5,9470848 W. Dies ist keine Temperaturvorhersage oder Installationsfreigabe.
Zwei unterschiedliche Querschnitte in einer Bahn
- Gegeben
- ; erster Abschnitt mit , zweiter mit ; konstante Temperatur, ideale Kontakte.
- Gesucht
- Gesamtwiderstand und Fehler einer Flächenmittelung.
Ansatz: Die durchgehenden Teilabschnitte sind elektrisch in Reihe und werden einzeln berechnet.
Beide Abschnitte mit eigenem A berechnen.
Als durchgehende Strombahn addieren.
Die längengewichtete arithmetische Fläche als falschen Ersatz vergleichen.
Ergebnis: Der korrekte Serienwert ist 0,20 Ω; bloße arithmetische Mittelung unterschätzt ihn um 10 %.
Kontrolle: Ein kürzerer, halb so dicker Abschnitt trägt hier denselben Widerstand wie der längere. Die inverse Fläche erklärt das.
Bei den bisherigen Vergleichen war der Querschnitt fest vorgegeben. Im nächsten eigenen Geometriemodell bleiben dagegen Volumen und spezifischer Widerstand fest. Das zwingt den Querschnitt, sich mit der Länge zu verändern.[1]
Länger und gleichzeitig dünner bei gleichem Volumen
- Gegeben
- Ein gleichförmiger Modellleiter hat Länge 1,0 m, Querschnitt 0,50 mm2 und vorgegebenen spezifischen Widerstand 0,020 Ω·mm2/m. Seine Länge steigt auf 1,5 m, sein Volumen bleibt konstant. Materialwiderstand und Temperatur bleiben im Modell unverändert; keine Aussage über tatsächliche elastische Dehnung.
- Gesucht
- Neuen Querschnitt und Widerstandsverhältnis berechnen.
Ansatz: Volumenerhaltung bestimmt den neuen Querschnitt, bevor die Widerstandsformel eingesetzt wird.
Beide geometrischen Änderungen einrechnen.
Den Faktor unabhängig aus dem Längenverhältnis bilden.
Ergebnis: Der Widerstand steigt um den Faktor 2,25. Ein Faktor 1,5 wäre nur bei unverändertem Querschnitt richtig.
Kontrolle: Das Volumen bleibt . Reale Verformung kann auch den Materialzustand verändern; dieser zusätzliche Effekt ist hier ausdrücklich ausgeschlossen.
Bild ansehen: zwei gleichzeitige Geometrieänderungen
Gleiches Volumen: der Widerstand wächst quadratisch
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Wie rechnet man Ω·m, Ω·mm2/m und den Drahtdurchmesser um?
A und ρ müssen dieselbe Flächenkonvention benutzen; d ist Durchmesser, nicht Radius.[1]
Der bisherige Kupferfall mit 50 m und 1,5 mm2 mit vorgegebenem ρ=0,0178 ergibt 0,5933 Ω, rund 0,59 Ω für diese eine Leiterlänge. Ein gleichlanger Rückleiter verdoppelt den Schleifenwert. Der vorgegebene ρ-Wert ist ein gerundeter technischer Modellwert, kein exakter temperaturfreier Naturwert. Eine Übersicht typischer Stoffwerte muss Temperatur, Reinheit und Rundung nennen; sie ersetzt keine Datenblattmessung.[1]
Fünf Aufgaben mit Einheitenkontrolle
Einsetzen und Rechnen · Einstieg
Eine einzelne Modellleitung mit ρ=0,018 Ω·mm2/m ist 4 m lang und hat Radius 0,30 mm. R?
Hinweis anzeigen
Radius direkt in πr2 einsetzen.
Lernziel: Querschnitt aus Radius richtig berechnen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Aus dem Radius zuerst die Kreisfläche bestimmen; erst dann den Widerstand berechnen.
A=π·0,302=0,282743 mm2; R≈0,254648 Ω.
Mit Durchmesser 0,60 mm liefert dasselbe A.
Einsetzen und Rechnen · Anwenden
Im idealen Spannungsabfallmodell: Gesamtleiterlänge 40 m, ρ=0,018 Ω·mm2/m, I=1,5 A, maximaler Abfall 1,2 V. Welches A verlangt allein diese Bedingung?
Hinweis anzeigen
nach A umstellen.
Lernziel: Leiterfläche allein aus Spannungsabfallgrenze bestimmen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Der gesamte Schleifenwiderstand muss den vorgegebenen Spannungsabfall einhalten.
A≥0,90 mm2.
Probe R=0,8 Ω und IR=1,2 V.
Dies ist ausschließlich die elektrische Modellgrenze; Strombelastbarkeit, Schutz, Verlegung und Temperatur sind damit nicht bestimmt.
Einsetzen und Rechnen · Anwenden
R0=2,0 Ω bei 20 °C, α=0,0040 K−1. Modellwert bei 45 °C?
Hinweis anzeigen
Temperaturdifferenz 25 K, nicht absolute 318 K.
Lernziel: Lineares Temperaturmodell anwenden.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Verwende die Temperaturdifferenz zum angegebenen Bezugszustand.
R≈2,0(1+0,0040·25)=2,20 Ω.
Zunahme 10 %; die Referenzform ist keine Aussage über das Verhalten bis beliebig hohe T.
Interpretieren · Anwenden
Ein einzelner homogener Modellleiter besteht aus zwei gleich langen Abschnitten je 1 m: A1=1 mm2, A2=2 mm2; ρ=0,020 Ω·mm2/m konstant. Vergleiche seinen Widerstand mit einer 2-m-Leitung, die überall die arithmetische Durchschnittsfläche 1,5 mm2 hat.
Hinweis anzeigen
Die Abschnitte sind in Reihe, nicht parallel.
Lernziel: Ungleichen Querschnitt entlang eines Leiters lokal bilanzieren.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Addiere die beiden lokalen Widerstände.
Der gestufte Leiter hat 0,030 Ω, der Leiter mit konstanter Durchschnittsfläche etwa 0,0266667 Ω.
Die dünne Stelle wird beim bloßen Flächenmittel unterbewertet.
Beide haben gleiches Materialvolumen, aber nicht denselben Widerstand; Widerstand hängt vom inversen Querschnitt entlang des Stromwegs ab.
Fehleranalyse · Anwenden
Ein Draht hat A=1 mm2 und ρ=2·10−8 Ω·m; Länge 3 m. Jemand setzt A=10−3 m2 ein und erhält 0,000060 Ω. Korrigiere Fläche und Widerstand und bestimme den Fehlerfaktor.
Hinweis anzeigen
Der Millimeterfaktor wird für eine Fläche quadriert.
Lernziel: Quadratische Flächeneinheiten korrekt umrechnen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Ein Quadratmillimeter ist ein Millionstel Quadratmeter.
Damit beträgt der Widerstand 0,060 Ω.
Der falsche Ansatz verwendet eine tausendfach zu große Fläche und liefert einen tausendfach zu kleinen Widerstand.
Eine Längenpräfixregel darf bei einer Flächeneinheit nicht unverändert übernommen werden.
Leitungsverlust ist eine Teilrechnung
Materialidentifikation allein legt ρ nicht exakt fest. Spannungsabfälle an Messkontakten, mechanische Dehnung und Temperaturgradienten können den gemessenen Widerstand verändern. Für reale Kabelauswahl sind zusätzlich Betriebsbedingungen und verbindliche Schutzanforderungen relevant; die Seite liefert ein physikalisches Modell des Widerstands. Im passenden Bereich kann dieses Modell Verluste, relative Geometrieeffekte und temperaturabhängige Messsignale zuverlässig voneinander unterscheiden. Die elektrische Leistung beschreibt den ohmschen Verlust, bestimmt aber für sich allein keine zulässige Leitungstemperatur.[1][4]
Kurz zusammengefasst
Materialzustand und Geometrie bestimmen gemeinsam den Widerstand. Prüfe die Einheit des angegebenen spezifischen Widerstands, die ganze Stromschleife und die Temperatur. Wenn Länge und Querschnitt gleichzeitig wechseln, gelten einfache Ein-Faktor-Vergleiche nicht mehr.
Belege zu dieser Erklärung
Quanta · Bearbeitet 2. Oktober 2026
- OpenStax UP2 §9.3: Resistivity and Resistance
- OpenStax UP2 §9.4: Ohm’s Law
- OpenStax UP2 §10.2: Resistors in Series and Parallel
- OpenStax UP2 §9.5: Electrical Energy and Power
Redaktion: Quanta Study Redaktion
Prüfumfang
Diese Erklärung, 3 Rechenbeispiele und 5 Aufgaben liegen auf Deutsch und Englisch vor. Aufbau, Quellenzuordnung und mathematische Darstellung werden automatisiert geprüft. Rechnungen, Modellvoraussetzungen und beide Sprachfassungen erhalten eine gesonderte KI-Gegenprüfung.
Für einen früheren veröffentlichten Stand dieser Seite ist eine interne menschliche Fachprüfung dokumentiert. Diese Bestätigung gilt nicht automatisch für die überarbeitete Erklärung und die neuen Aufgaben.
Eine unabhängige, namentliche menschliche Fachprüfung ist noch nicht dokumentiert. Unsere Aufgabenzahlen sind Rechenbeispiele und keine Messdaten der zitierten Quellen.
Redaktion, Quellen und VorgehenÄnderungsverlauf
- Frageüberschriften präzisiert und fachlich passende Absatzverbindungen ergänzt; bestehende Herleitungen, Beispiele, Diagramme, Aufgaben und Quellen erhalten.
- Zwei Aufgaben ergänzt; die fünf Aufgaben nach Aufgabentyp, Schwierigkeit und Lernziel gegliedert.
- Lernweg mit anschaulichem Einstieg, zusätzlichem Modellbeispiel, quantitativem Diagramm und Schlusszusammenfassung ergänzt; vorhandene Beispiele, Aufgaben und Quellen erhalten.
Diese Nachschlageseite zitieren
Quanta. Spezifischer Widerstand (Leiterwiderstand). Stand 2. Oktober 2026. https://quanta-study.de/tafelwerk/spezifischer-widerstand
Bei einer konkreten fachlichen Aussage zusätzlich die dort verknüpfte Fachquelle nennen.