Welche Strahlungsleistung liefert das Stefan-Boltzmann-Gesetz?
A ist die gesamte tatsächlich emittierende Oberfläche, nicht die Projektionsfläche eines fotografierten Körpers. Pemit ist Leistung über alle Wellenlängen und die ausgehende Halbkugel. Ein ideal schwarzer Körper absorbiert die auftreffende thermische Strahlung vollständig und emittiert bei gegebener Temperatur das schwarze Spektrum. Auch bei 0 °C emittiert er: Seine absolute Temperatur ist 273,15 K.[2]
Mb ist die gesamte schwarze Ausstrahlung pro Oberfläche in W/m2.[1]
Der Körper empfängt gleichzeitig Strahlung. Deshalb kann seine abgestrahlte Leistung groß sein, obwohl netto kaum Energie ausgetauscht wird. Bei gleicher eigener und umgebender Strahlungstemperatur heben sich Aufnahme und Abgabe auf, nicht die einzelnen Leistungen. Energie eines Zeitintervalls erhältst du erst durch Integration von P über die Zeit.
Das T4-Gesetz aus dem Planck-Spektrum gewinnen
Stefan formulierte den empirischen Zusammenhang 1879; Boltzmann begründete ihn 1884 thermodynamisch. Die historische Ableitung benötigte das Planck-Spektrum noch nicht. Die folgende Integration zeigt, wie das spätere Quantenspektrum dasselbe Gesamtgesetz liefert und zusätzlich seine Konstante festlegt. Das Plancksche Strahlungsgesetz beschreibt dazu die spektrale Verteilung vor der Integration.[6]
Die spektrale Strahldichte Bλ zählt Leistung pro projizierter Oberfläche, Raumwinkel und Wellenlängenintervall. Für den schwarzen diffusen Strahler ist sie richtungsunabhängig. Der Übergang zur Ausstrahlung integriert aber die Projektion cosθ mit: . Nur die Wellenlängenintegration von Bλ würde eine Strahldichte pro Raumwinkel liefern, keine Ausstrahlung.[3]
Die Substitution kehrt die Grenzen um; ihr negatives Differential liefert wieder ein positives Integral.[3]
Integral auswerten
Das dimensionslose Integral ist . Das lässt sich aus und gewinnen: . Damit bleibt die vierte Temperaturpotenz vor einem konstanten Faktor stehen. Die Herleitung erklärt die Skalierung, sie bestimmt noch keine Emissivität einer realen Beschichtung.
Die hier verwendeten h, c und kB haben im SI exakte definierende Werte; σ ist als Dezimalzahl gerundet.[4]
Was ein Emissionsgrad tatsächlich voraussetzt
Für das graue Modell wird ein passender hemisphärischer Emissionsgrad als konstant vorgegeben.
Eine reale Oberfläche kann je Wellenlänge, Richtung und Temperatur verschieden emittieren. Ein konstanter grauer Emissionsgrad fasst diese Eigenschaften idealisiert zusammen. Farbe im sichtbaren Bereich sagt nicht allein, wie die Oberfläche im thermischen Infrarot emittiert. Eine Wärmebildkamera sieht außerdem reflektierte Umgebungsstrahlung und Übertragungsverluste. ε ist deshalb keine beliebig aus einer Farbbezeichnung gewonnene Zahl.[3]
Eine Fläche 10 mm2 bei 2500 K ergibt für etwa 22,15 W. Das ist eine schwarze Modellfläche, kein behaupteter Emissionsgrad einer realen Glühwendel. Bei gleicher Fläche und unverändertem ε verdoppelt sich Pemit für . Die Temperatur muss absolut sein.
Wie berechnet man die Netto-Strahlungsleistung zur Umgebung?
Diese einfache Differenz verwendet eine kleine undurchsichtige diffuse graue Fläche, die eine große isotherme Strahlungsumgebung vollständig sieht. Der Zwischenraum ist für die betrachtete Strahlung transparent. Unter diesen Bedingungen ist die einfallende schwarze Umgebungsstrahlung σTu4 und die passende Absorption gleich ε. Tu ist die Strahlungstemperatur der sichtbaren Umgebung, nicht automatisch die Lufttemperatur.[1][5]
Zwei endliche Flächen, unterschiedliche Wandtemperaturen, Abschirmungen oder spiegelnde Oberflächen brauchen Sichtfaktoren und gegebenenfalls Mehrfachreflexionen. Einfach einzusetzen würde ihre Geometrie unterschlagen. Konvektion und Wärmeleitung werden ebenfalls separat bilanziert. Eine hohe Temperatur beweist deshalb nicht, dass Strahlung jeden anderen Wärmeweg dominiert.[5]
Abstrahlung bleibt positiv, der Nettofluss wechselt sein Vorzeichen
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Beispiel: emittierte und netto abgegebene Leistung
Eine Modellfläche im Strahlungsraum
- Gegeben
- , , . Große isotherme Strahlungsumgebung 295 K; transparente Umgebung, graues diffuses Modell.
- Gesucht
- Abstrahlung, absorbierte Gegenstrahlung und Nettoleistung getrennt bestimmen.
Ansatz: Emission und Nettoabgabe an die große isotherme Umgebung getrennt bilanzieren. Eigene Emission aus der Oberflächentemperatur berechnen.
Den tatsächlich absorbierten Umgebungsanteil abziehen.
Die Differenz bildet die Nettoabgabe.
Ergebnis: Netto etwa 26,70 W statt 35,29 W Emission. Das sind keine Aussagen über zusätzliche Konvektions- oder Leitungsverluste.
Kontrolle: Direkte Kontrolle: . Die Gegenstrahlung ist positiv absorbiert; bei wäre die Differenz null.
Beispiel: eine stationäre Strahlungstemperatur bestimmen
Ein idealisiert isolierter Strahlungsheizer
- Gegeben
- , , . Elektrische Nettoheizzufuhr 200 W; stationär ausschließlich Strahlung als Wärmeabgabe.
- Gesucht
- Stationäre Oberflächentemperatur bestimmen.
Ansatz: Im stationären reinen Strahlungsmodell gleicht die Eingangsleistung die Nettoabgabe aus. . Im stationären Zustand Speicherung null setzen, Eingangsleistung=Nettoabgabe.
Gegenstrahlung vor dem Ziehen der vierten Wurzel berücksichtigen.
Ergebnis: T≈627,52 K beziehungsweise 354,37 °C im angegebenen stationären Modell.
Kontrolle: Pabs≈11,02321 W und Pemit≈211,02321 W ergeben wieder 200 W netto. Ohne Gegenstrahlung wäre die berechnete Temperatur kleiner; zusätzliche Wärmewege würden die stationäre Temperatur ebenfalls ändern.
Beispiel: zwei Temperaturen auf einer Oberfläche
Warum die mittlere Temperatur die Abstrahlung unterschätzt
- Gegeben
- Eine ideale diffuse graue Oberfläche besitzt insgesamt 0,0200 m2. Gleich große Teilflächen sind bei 300 und 500 K; beide haben . Jede Teilfläche sieht eine große schwarze 300-K-Strahlungsumgebung vollständig. Weitere Wärmewege und gegenseitige Bestrahlung werden nicht berücksichtigt.
- Gesucht
- Emission und Nettoleistung berechnen und mit der Rechnung bei mittleren 400 K vergleichen.
Ansatz: Die lokale vierte Temperaturpotenz zuerst auf jeder Teilfläche auswerten und erst die Leistungen addieren. Der Emissionsgrad ist hier derselbe, nicht aus den Temperaturen abgeleitet.
Die beiden gleich großen Flächenbeiträge und die Gegenstrahlung getrennt auswerten.
Die Rechnung mit mittlerer Temperatur liefert eine andere vierte Potenz und dadurch eine kleinere Emission.
Ergebnis: Die tatsächliche Modell-Emission ist etwa 37,9 % größer als die Rechnung mit der mittleren Temperatur. Netto bleiben 24,68 W; die 300-K-Teilfläche tauscht mit der Umgebung netto keine Energie aus.
Kontrolle: Unabhängige Kontrolle: Nur die 500-K-Hälfte trägt zur Nettoabgabe bei. εσ(A/2)(5004−3004) liefert wieder 24,6775 W. Das Beispiel zeigt eine räumliche Bilanz, keine vollständige Temperaturverteilung aus einer Wärmeleitungsgleichung.
Vertiefung: nahe Gleichgewicht und im Sternmodell
Die Linearisierung betrifft die Nettoleistung nahe Gleichgewicht, nicht die gesamte Emission.
Die thermische Antwort hängt zusätzlich von der Wärmekapazität ab: Im einfachen lumped-Modell gilt . Schon konstante ε liefert wegen T4 außerhalb kleiner Temperaturabweichungen keine konstante Abkühlrate. Eine Messung der Abkühlung braucht auch Wärmeleitung, Konvektion und eine sinnvolle einheitliche Körpertemperatur.
Für ein kugelförmiges schwarzes Sternmodell ist die Gesamtleuchtkraft . Die Zahlen und ergeben ungefähr 3,847·1026 W. Ein beobachteter Fluss liefert diese Leuchtkraft erst mit Entfernung und Ausbreitungsmodell. Teff bezeichnet die durch den Gesamtfluss definierte effektive Temperatur; eine farbabhängige Spektraltemperatur muss nicht identisch sein.[2]
Welche Information die Formel nicht liefert
σAT4 liefert keine spektrale Aufteilung, Detektorleistung oder Leuchtwirkung in Lumen. Dafür braucht man Bλ, Flächenprojektion, erfassten Raumwinkel, Bandbreite und Detektorantwort. Ein schmaler Infrarotkanal erfasst nur einen Teil der bolometrischen Abstrahlung. Für nichtgleichgewichtige Laser- oder Lumineszenzemission ist das thermische schwarze Modell ebenfalls nicht die passende Leistungsbeschreibung.[3]
Bei räumlich wechselnder Temperatur oder Emissivität werden die lokalen Beiträge über die Oberfläche integriert. Temperaturmittel zuerst zu bilden und dann dessen vierte Potenz zu nehmen ist im Allgemeinen falsch. Die vielen gerundeten Rechenstellen sind Modellkontrollen; reale Materialwerte, Fläche und Temperatur haben eigene Unsicherheiten.
Bestimme die gesamte emittierende Fläche und rechne mit Kelvin. Für Wärmeverlust ziehst du die passende Gegenstrahlung ab; für einen Detektor brauchst du seine tatsächliche Geometrie und spektrale Antwort. Temperaturunterschiede auf der Fläche werden über lokale Leistungen addiert, damit die vierte Potenz erhalten bleibt.
Fünf gelöste Strahlungsaufgaben
Transfer · Einstieg
Ein schwarzer Strahler behält seine Fläche. Seine Temperatur steigt von 300 auf 600 K. Wie verändert sich die Emission?
Hinweis anzeigen
Vergleiche absolute Temperaturen.
Lernziel: Vierte-Potenz-Emissionsskalierung verstehen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Bei gleicher Fläche kürzen sich Fläche und Stefan-Boltzmann-Konstante im Leistungsverhältnis.
.
Es wird keine Aussage über den Nettoverlust bei einer ebenfalls veränderten Umgebung gemacht.
Kontrolle: Zweimal verdoppelte Strahlungsleistung ergäbe nur Faktor vier; hier wird die Temperatur potenziert.
Einsetzen und Rechnen · Anwenden
Eine schwarze Fläche 0,0100 m2 ist bei 280 K und sieht eine große 300-K-Umgebung vollständig. Bestimme Nettoabgabe.
Hinweis anzeigen
Das Vorzeichen beschreibt die Richtung.
Lernziel: Nettoaufnahme in warmer Umgebung signieren.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: .
: Die Fläche nimmt netto Wärme auf.
Kontrolle: Die kühlere Fläche muss netto Strahlung aufnehmen; das negative Vorzeichen bestätigt dies.
Einsetzen und Rechnen · Anwenden
Bei unverändertem A und ε soll Pemit verdoppelt werden. . Bestimme Tneu.
Hinweis anzeigen
Ziehe die vierte Wurzel des Leistungsverhältnisses.
Lernziel: Temperatur für verdoppelte Emission bestimmen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: .
.
Probe: . Die Zunahme beträgt etwa 18,92%, nicht 100%.
Interpretieren · Anwenden
Zwei gleiche schwarze Flächen sind bei 400 K. Die erste sieht vollständig eine große 300-K-Umgebung, die zweite eine 400-K-Umgebung. Vergleiche ausgesandte und netto abgegebene Leistung pro Fläche; anderes Wärmetransportmodell wird nicht betrachtet.
Hinweis anzeigen
Emission hängt nur vom Strahler ab; netto wird die Einstrahlung abgezogen.
Lernziel: Gleiche Emission nicht mit gleichem Nettoverlust verwechseln.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Beide strahlen dieselbe Leistung pro Fläche aus.
In der 400-K-Umgebung kompensiert die Einstrahlung die Emission exakt, netto null.
Im 300-K-Raum ist der Nettoverlust positiv und beträgt etwa 992,315 W/m2.
Null Nettowärmefluss bedeutet nicht null Strahlung in beiden Richtungen.
Fehleranalyse · Anwenden
Bei fester Fläche und Emissivität steigt die Temperatur von 20 auf 40 °C. Jemand nennt die Emission sechzehnmal größer, weil die Temperatur verdoppelt sei. Bestimme den richtigen Faktor mit Kelvin; σ kürzt sich heraus.
Hinweis anzeigen
Absolute Temperaturen sind 293,15 und 313,15 K.
Lernziel: Celsiusquotienten in thermischer Strahlung widerlegen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Bilde den Quotienten der absoluten Temperaturen und erhebe ihn zur vierten Potenz.
Der Faktor beträgt etwa 1,30212, also eine Zunahme um rund 30,2 %.
Der Celsiusnullpunkt ist eine willkürliche Verschiebung und eignet sich nicht für die Verhältnisform.
Gemeint ist Emission; ein Nettoverlust benötigt zusätzlich die Umgebungstemperatur.
Belege zu dieser Erklärung
Quanta · Bearbeitet 2. Oktober 2026
- OpenStax University Physics 2 §1.6: Mechanisms of Heat Transfer
- OpenStax University Physics 3 §6.1: Blackbody Radiation
- NBS/NIST Technical Note910-8, Chapter12 §§3.1–3.2: Optical Radiation Measurements
- NIST SP330 §2: The International System of Units — defining constants
- Idaho National Laboratory MOOSE: GrayDiffuseRadiation System — enclosure and view factors
- Waidner and Burgess, NBS Bulletin 1: Optical Pyrometry, pp. 197–198 — historical law and original references
Redaktion: Quanta Study Redaktion
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Redaktion, Quellen und VorgehenÄnderungsverlauf
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- Zwei Aufgaben ergänzt; die fünf Aufgaben nach Aufgabentyp, Schwierigkeit und Lernziel gegliedert.
- Lernverlauf, symbolische Übungsansätze und Modellgrenzen präzisiert; drittes eigenes Beispiel und quantitative Grafik ergänzt, passende Vertiefungen optional dargestellt.
Diese Nachschlageseite zitieren
Quanta. Stefan-Boltzmann-Gesetz. Stand 2. Oktober 2026. https://quanta-study.de/tafelwerk/stefan-boltzmann-strahlung
Bei einer konkreten fachlichen Aussage zusätzlich die dort verknüpfte Fachquelle nennen.