Warum steht beim Hookeschen Gesetz ein Minuszeichen?
Hänge kleine Lasten nacheinander an eine Feder und miss jeweils ihre Verlängerung gegenüber der unbelasteten Länge. Verdoppelt sich die Verlängerung bei doppelter Zuglast, ist das ein Hinweis auf einen linearen Bereich. Die Steifigkeit beschreibt den Zusammenhang zwischen diesen Größen, nicht eine universelle Eigenschaft jeder Feder bei beliebiger Belastung. Vorzeichen kommen erst hinzu, wenn eine positive Bewegungsrichtung festgelegt wird.[1]
In der Formel oben ist F der positive Kraftbetrag und x der Betrag der Längenänderung. k ist die Federkonstante oder Federhärte, häufig auch D genannt. Eine Feder mit benötigt für 1 cm Längenänderung 0,8 N Haltekraft; für 2 cm sind es im linearen Modell 1,6 N. Größeres k bedeutet bei gleicher Auslenkung mehr Kraft.
Ein Newton pro Meter beschreibt Kraftzunahme je Meter zusätzlicher Auslenkung. k ist keine Masse.
Für eine vorzeichenbehaftete Längenänderung x gegenüber der natürlichen, unbelasteten Länge ist die gerichtete Federkraft . Sie wirkt der Dehnung oder Stauchung entgegen. Bei einer horizontalen Feder ohne weitere konstante Kräfte ist diese natürliche Länge zugleich die Gleichgewichtslage. Bei einer vertikal belasteten Feder ist das anders: Die Federkraft ist im Gleichgewicht nicht null, sondern gleicht das Gewicht aus. Nur die Nettokraft lautet dann , wenn y vom belasteten Gleichgewicht aus gemessen wird.[1]
Federkraft und Haltekraft
Kostenlos mit Quanta-Konto. Dein Download bleibt nach der Registrierung bereit.
Federkonstante k oder D: Bedeutung, Einheit und Messung
Die Einheit N/m beschreibt die Kraftzunahme pro Meter zusätzlicher Dehnung im linearen Bereich. Die absolute Federlänge l ist nicht die Auslenkung. Miss zuerst die unbelastete Länge l0 und bilde . Bei einer vorgespannten Feder kann der gewählte Arbeitspunkt schon eine Kraft F0 tragen. Dann lautet die lokale lineare Beziehung . Eine durch den Ursprung gelegte Gerade würde diese Vorspannung übersehen.
Die positive Steigung der äußeren Haltekraft gegen die Längenänderung bestimmt k. Beide Messpunkte müssen im selben linearen Bereich liegen.
Eigene Messprobe: 2 N bei 8 mm und 5 N bei 20 mm ergeben . Der zweite Punkt liefert als Gegenprobe . Mehrere Messpunkte zeigen, ob eine konstante Steigung sinnvoll ist; Last- und Entlastungskurven können zusätzliche Abweichungen sichtbar machen.
Eine Federkonstante in N/mm muss vor einer Rechnung mit Metern umgerechnet werden: . Die hier bestimmte Steigung von 250 N/m entspricht 0,25 N/mm. Mit einer Verlängerung von 20 mm ergibt beides dieselbe Haltekraft von 5 N; die Federkraft zeigt in Gegenrichtung.
Warum entsteht die lineare Formel?
Das Hookesche Gesetz ist ein Material- und Bauteilmodell, keine Folgerung allein aus Newtons Bewegungsgesetz. Zeigt die Messung über einen Bereich eine konstante Steigung, gilt dort . Ohne Vorspannung und mit unbelastetem Nullpunkt folgt . Diese Schritte begründen die Formel aus einer beobachteten Linearität; sie beweisen nicht, dass jede Feder bei jeder Belastung linear ist.
Vertiefung: Federsteifigkeit eines Zugstabs
Vertiefung für einen geraden, homogenen Zugstab: Die Spannung ist die Zugkraft pro Querschnittsfläche, die Dehnung ist die Verlängerung relativ zur ursprünglichen Länge. Im linearen Bereich verbindet der Elastizitätsmodul E beide Größen durch . Einsetzen ergibt ; dieser Stab hat also . Das ist keine allgemeine Steifigkeitsformel für Schraubenfedern: Bei ihnen zählen auch Drahtdurchmesser und Windungsgeometrie.[3]
Diese Ableitung gilt für einen axial belasteten Stab im linearen, kleinen Dehnungsbereich.
Zwei vollständige Rechenbeispiele
Das zweite Beispiel betrachtet die belastete vertikale Gleichgewichtslage. Für eine harmonische Schwingung des Federpendels wird die anschließende Bewegung relativ zu dieser Lage gemessen, nicht relativ zur unbelasteten Federlänge.[1]
Kraft, Richtung und gespeicherte Energie
- Gegeben
- k = 320 N/m; x = +3,5 cm; positive Achse in Dehnrichtung.
- Gesucht
- Bestimme Kraftbetrag, gerichtete Federkraft und Energie.
Modell: Lineare Feder; x ist die Längenänderung gegenüber der natürlichen Länge. Kraft ist gerichtet, Energie hat dort ihr Nullniveau.
Ansatz: Die gerichtete Federkraft ist , ihr Betrag , die Energie . Zentimeter vor dem Einsetzen in Meter umrechnen.
Kraftbetrag berechnen; die Feder zieht entgegengesetzt zur Auslenkung.
Energie über das Quadrat der Auslenkung berechnen.
Ergebnis: 11,2 N Kraftbetrag, −11,2 N Federkraft und 0,196 J Energie.
Kontrolle: Einheiten: und . Bei doppelt so großem x verdoppelt sich F, U vervierfacht sich.
Hängende Masse und zusätzliche Auslenkung
- Gegeben
- m = 0,60 kg; k = 150 N/m; g = 9,81 m/s2; Eigengewicht der Feder vernachlässigt. Nach weiteren 1,0 cm Dehnung nach unten wird die Masse losgelassen; keine zusätzliche Haltekraft und Dämpfung.
- Gesucht
- Bestimme die statische Dehnung und die Nettokraft unmittelbar nach dem Loslassen.
Ansatz: Für die vertikale Feder gilt statisch ; relativ zum belasteten Gleichgewicht ist . Im Gleichgewicht muss die Federkraft die Gewichtskraft ausgleichen.
Nach x umstellen und in SI-Einheiten rechnen.
Zusätzliche Koordinate y vom belasteten Gleichgewicht aus messen.
Ergebnis: Die Gleichgewichtsdehnung beträgt 3,924 cm. Bei weiteren 1,0 cm nach unten wirkt eine Nettokraft von 1,50 N nach oben.
Kontrolle: Die Federkraft selbst beträgt dann 7,386 N nach oben; davon kompensieren 5,886 N das Gewicht. Nettokraft und Federkraft sind verschiedene Größen.
Warum ist die Federenergie nur ½kx2?
Die Spannenergie der Feder ergibt sich aus der Arbeit beim Dehnen oder Stauchen. Beim langsamen Spannen steigt die Haltekraft von null bis kx. Im Kraft-Weg-Diagramm ist die verrichtete Arbeit daher die Dreiecksfläche und nicht das Rechteck aus Endkraft mal Weg. Die gespeicherte Energie ist bei Dehnung und Kompression positiv, wenn der entspannte Zustand als Energienullpunkt gewählt wird.[2]
Die Integrationsvariable ξ trennt den laufenden Weg vom Endwert x.
Für die Feder aus dem ersten Beispiel ist die mittlere Haltekraft 5,6 N. Mit 0,035 m Weg ergibt sich . Endkraft mal Weg wäre 0,392 J und damit doppelt zu groß. Wird eine bereits gedehnte Feder weiter gedehnt, ist die Energieänderung , nicht .
Federn in Reihe und parallel
Die folgenden Beziehungen ergeben sich direkt aus dem linearen Modell für ideale Federn und masselose Verbindungspunkte. Parallel angeordnete Federn erfahren dieselbe Längenänderung; ihre Kräfte addieren sich. In Reihe wirkt im statischen Gleichgewicht durch beide Federn derselbe Kraftbetrag; ihre Längenänderungen addieren sich.
Bei gleicher positiver Einzelsteifigkeit ist die Reihenschaltung weicher als jede einzelne Feder.
Eigene Gegenüberstellung: 120 N/m und 180 N/m ergeben parallel 300 N/m, in Reihe 72 N/m. Unter 6 N dehnt sich die parallele Anordnung um 2 cm. In Reihe sind es 5 cm und rund 3,33 cm, zusammen rund 8,33 cm. Die unterschiedliche Kraft- und Wegverteilung erklärt den Unterschied ohne eine auswendig gelernte Regel.
Gilt das Hookesche Gesetz für jede elastische Feder?
Elastisch bedeutet, dass eine Verformung nach Entlastung zurückgeht; linear bedeutet konstante Steigung. Eine elastische, aber gekrümmte Kennlinie ist deshalb nicht automatisch durch ein konstantes k beschrieben. Bei bleibender Verformung, Windungskontakt oder anderen geometrischen Grenzen darf die Gerade nicht einfach fortgesetzt werden.[3]
Im Modell und ohne weitere Kräfte folgt mit Newton . Das beschreibt eine ungedämpfte harmonische Schwingung mit . Reale Dämpfer erzeugen zusätzliche, häufig geschwindigkeitsabhängige Kräfte. Eine Feder ist daher kein vollständiges Stoßdämpfermodell. Eine vertikale Gewichtskraft verschiebt das Gleichgewicht, ohne in diesem idealen Modell die Frequenz zu verändern.[1]
Fünf Aufgaben mit Lösungsweg
Einsetzen und Rechnen · Einstieg
Eine Feder hat k = 240 N/m. Welche Dehnung erzeugt eine statische Kraft von 7,2 N?
Hinweis anzeigen
Nach x auflösen; Ergebnis in Meter und Zentimeter angeben.
Lernziel: Eine statische Federverlängerung aus Last und Steifigkeit bestimmen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Im statischen linearen Modell gleicht die Federkraft die normale Zuglast aus.
Die Dehnung bezieht sich auf die unbelastete Länge.
.
Gegenprobe: .
Einsetzen und Rechnen · Anwenden
Bei k = 90 N/m wächst die Dehnung von 2 cm auf 6 cm. Wie viel zusätzliche Energie ist gespeichert?
Hinweis anzeigen
Beide Längen in Meter umrechnen; Energien subtrahieren.
Lernziel: Die Änderung der Federenergie zwischen zwei Verlängerungen bestimmen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Anfangs- und Enddehnung beziehen sich auf dieselbe natürliche Länge.
Deshalb die gespeicherten Energien subtrahieren.
.
Nur die zusätzliche Dehnung zu quadrieren ergäbe fälschlich 0,072 J.
Kontrolle: Die mittlere Haltekraft zwischen 1,8 N und 5,4 N wirkt über 0,04 m; auch das ergibt 0,144 J.
Transfer · Anwenden
Zwei identische Federn mit je 160 N/m tragen 8 N. Berechne die Gesamtdehnung parallel und in Reihe.
Hinweis anzeigen
Parallel addieren sich Steifigkeiten; bei zwei gleichen Federn halbiert sich die Reihensteifigkeit.
Lernziel: Reihen- und Parallelschaltung anhand gemeinsamer Kraft oder Auslenkung unterscheiden.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Parallel ist die Dehnung gemeinsam und die Last teilt sich auf; in Reihe trägt jede masselose Feder dieselbe statische Last.
Parallel: und .
Reihe: und ; jede Feder dehnt sich um 5 cm.
Kontrolle: Parallel trägt jede Feder 4 N; in Reihe trägt jede 8 N. Die Teildehnungen ergeben jeweils den berechneten Gesamtweg.
Interpretieren · Einstieg
Eine ideal lineare horizontale Feder wird quasistatisch aus dem Gleichgewicht verschoben. Diagramm A verbindet () und (); Diagramm B hat an denselben Orten die umgekehrten Kraftwerte. Welches zeigt die Federkraft, welches die äußere Haltekraft? Bestimme k und die gespeicherte Energie bei +2 cm.
Hinweis anzeigen
Eine rückstellende Kraft weist zum Gleichgewicht. Zum Halten braucht es eine gleich große Gegenkraft; die Energie ist die positive Dreiecksfläche im Haltekraftdiagramm.
Lernziel: Die Vorzeichen zweier Kraft-Auslenkungsdiagramme richtig zuordnen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Die Richtung bei positiver Auslenkung prüfen und anschließend Betrag der Steigung verwenden.
A zeigt die Federkraft, B die Haltekraft.
Beide Steigungen haben den Betrag 150 N/m.
Die Energie ist 0,030 J.
Kontrolle: Ein Wechsel von +2 cm zu −2 cm ändert das Kraftvorzeichen, nicht die gespeicherte Energie.
Fehleranalyse · Anwenden
Die quasistatische Haltekraft einer Feder ist bei 1 cm 2 N, bei 2 cm 4 N und bei 4 cm 11 N; Messunsicherheit sei vernachlässigbar. Eine Lösung leitet k=200 N/m aus dem ersten Punkt ab und nennt für 4 cm deshalb 8 N sowie 0,16 J gespeicherte Energie als gesicherte Werte. Welche Aussagen sind aus den Daten gerechtfertigt?
Hinweis anzeigen
Prüfe die Konstanz des Quotienten aus Kraft und Auslenkung. Für die Energie einer nichtlinearen Feder ist der gesamte Kraftverlauf erforderlich.
Lernziel: Die Grenzen einer linearen Materialbeschreibung anhand von Messdaten erkennen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Alle gegebenen Kraft-Auslenkungsquotienten vergleichen.
Die ersten beiden sind mit 200 N/m vereinbar; der dritte beträgt 275 N/m.
Das lineare Modell passt somit nicht zu allen Messpunkten.
Die 8 N widersprechen der gemessenen Haltekraft.
Auch 0,16 J ist nur die ungesicherte lineare Extrapolation; drei Punkte bestimmen das Energieintegral nicht eindeutig.
Die Daten allein beweisen weder plastische Verformung noch Hysterese.
Rechnung und Diagramm sinnvoll prüfen
Lege zuerst fest, ob die Koordinate von der natürlichen Länge oder vom belasteten Gleichgewicht aus gemessen wird. Entscheide dann, ob F einen Betrag, die gerichtete Federkraft oder die Nettokraft meint. Im Diagramm der äußeren Haltekraft gegen die Längenänderung ist die Steigung im linearen Bereich k; für die gerichtete Federkraft ist sie −k. Bei vertauschten Achsen lauten die entsprechenden Steigungen und . Prüfe außerdem Einheiten, Vorspannung und den gemessenen linearen Bereich.
Die eigene Kraft-Auslenkungs-Abbildung oberhalb zeigt Haltekraft, Rückstellkraft und gespeicherte Energie. Für einen Zahlenwert muss k angegeben oder aus Messdaten bestimmt sein; eine schematische Zeichnung liefert keine kalibrierte Federkonstante. Die nachfolgenden FAQ bündeln die typischen Fragen zu Vorzeichen und Grenzen.
Das Wichtigste im Überblick
Die lineare Federkraft ist proportional zur Auslenkung relativ zur unbelasteten Gleichgewichtslage. Die Rückstellkraft wirkt entgegengesetzt, die quasistatische Haltekraft in Auslenkungsrichtung. Prüfe zuerst den elastischen linearen Bereich; die gesamte Federlänge ist keine Auslenkung.
Belege zu dieser Erklärung
Quanta · Bearbeitet 2. Oktober 2026
- OpenStax, University Physics 1 §15.1: Simple Harmonic Motion
- OpenStax, University Physics 1 §8.1: Potential Energy of a System
- OpenStax, University Physics 1 §12.3: Stress, Strain, and Elastic Modulus
Redaktion: Quanta Study Redaktion
Prüfumfang
Diese Erklärung, 2 Rechenbeispiele und 5 Aufgaben liegen auf Deutsch und Englisch vor. Aufbau, Quellenzuordnung und mathematische Darstellung werden automatisiert geprüft. Rechnungen, Modellvoraussetzungen und beide Sprachfassungen erhalten eine gesonderte KI-Gegenprüfung.
Für einen früheren veröffentlichten Stand dieser Seite ist eine interne menschliche Fachprüfung dokumentiert. Diese Bestätigung gilt nicht automatisch für die überarbeitete Erklärung und die neuen Aufgaben.
Eine unabhängige, namentliche menschliche Fachprüfung ist noch nicht dokumentiert. Unsere Aufgabenzahlen sind Rechenbeispiele und keine Messdaten der zitierten Quellen.
Redaktion, Quellen und VorgehenÄnderungsverlauf
- Zwei Aufgaben ergänzt; die fünf Aufgaben nach Aufgabentyp, Schwierigkeit und Lernziel gegliedert.
- Lernzugang und Lösungswege überarbeitet; Modellannahmen und Zahlen unabhängig mit Primärquellen abgeglichen.
- Federhärte und Einheit erklärt, Richtungs- und Linearitätsfragen auffindbar gemacht sowie Federenergie und Schwingung fachlich im Text verbunden.
- Die Umrechnung N/mm in N/m anhand der vorhandenen Haltekraftmessung ergänzt.
Diese Nachschlageseite zitieren
Quanta. Hookesches Gesetz (Federkraft). Stand 2. Oktober 2026. https://quanta-study.de/tafelwerk/hookes-gesetz
Bei einer konkreten fachlichen Aussage zusätzlich die dort verknüpfte Fachquelle nennen.