Wie viele Karteikarten sollte ich pro Tag lernen?
Es gibt keine feste Zahl, die für alle Lernenden passt. Das tägliche Pensum hängt davon ab, wie viele Wiederholungen offen sind, wie lange du tatsächlich lernen kannst und wie viel Zeit eine Karteikarte in deinem Fach braucht. Beginne mit einem Umfang, den du auch an gewöhnlichen Tagen schaffst, und bewerte ihn nach einer Woche anhand deiner echten Lernzeit.
Unterscheide neue Karteikarten von fälligen Wiederholungen. Neue Inhalte erhöhen die Wiederholungslast in den folgenden Tagen. Die Anki-Dokumentation nennt als Beispiel, dass 20 neue Karteikarten am Tag ungefähr 200 Wiederholungen pro Tag nach sich ziehen können; das ist eine Anki-Faustzahl, keine allgemeine Prognose für jede Sammlung oder jeden Lernplan.Quelle Anki project (2026). Deck Options: New Cards/Day and Maximum Reviews/Day. Anki Manual. docs.ankiweb.net · im Quellenapparat
Warum neue Karten und Wiederholungen getrennt zählen
Eine neue Karteikarte kostet beim ersten Lernen Zeit. Später kommt sie nach dem Wiederholungsplan erneut auf den Tisch. Die Zahl neuer Einträge beschreibt deshalb nicht die gesamte Sitzung. Wer nur das neue Pensum betrachtet, übersieht leicht die Wiederholungen, die aus den vergangenen Tagen bereits fällig sind.
Der zeitliche Abstand zwischen Abrufversuchen beeinflusst, wie gut Inhalte später verfügbar sind. Übersichtsarbeiten untersuchen verteiltes Üben und die Beziehung zwischen Lernabstand und Behaltenszeit. Eine Versuchsreihe mit 533 Studierenden verglich zudem verschiedene Abruf- und Wiederholungspläne. Die Empfehlungen gelten für die untersuchten Lernsettings, nicht als persönliche Tageszahl unabhängig von Vorwissen, Fach, Kartengestaltung und Prüfungsdatum. Die Zahl neuer Karten ist deshalb ein Teil der Planung, kein Messwert für Lernerfolg.Quelle Cepeda, N.J.; Pashler, H.; Vul, E.; Wixted, J.T.; Rohrer, D. (2006). Distributed practice in verbal recall tasks: A review and quantitative synthesis. Psychological Bulletin 132(3), 354-380. 839 Erhebungen aus 317 Experimenten in 184 Artikeln. https://doi.org/10.1037/0033-2909.132.3.354 · im QuellenapparatQuelle Cepeda, N.J.; Vul, E.; Rohrer, D.; Wixted, J.T.; Pashler, H. (2008). Spacing Effects in Learning: A Temporal Ridgeline of Optimal Retention. Psychological Science 19(11), 1095-1102. mehr als 1.350 Teilnehmende. https://doi.org/10.1111/j.1467-9280.2008.02209.x · im QuellenapparatQuelle Rawson, K.A.; Dunlosky, J. (2011). Optimizing schedules of retrieval practice for durable and efficient learning: how much is enough? Journal of Experimental Psychology: General 140(3), 283-302. 533 Studierende in drei Experimenten. https://doi.org/10.1037/a0023956 · im Quellenapparat
Wie berechne ich ein realistisches Pensum?
Miss zuerst einige normale Sitzungen: Wie viele Minuten brauchst du für deine fälligen Wiederholungen? Danach schätzt du, wie viele Minuten bis zu deiner selbst gesetzten Lernzeit übrig bleiben. Teile diese Zeit durch die durchschnittliche Bearbeitungszeit einer neuen Karteikarte. Das Ergebnis ist ein vorsichtiger Startwert, kein Soll, das du jeden Tag erfüllen musst.
Beispiel mit ausdrücklich angenommenen Werten: Du planst 25 Minuten, die fälligen Wiederholungen brauchen 15 Minuten und eine neue Karteikarte dauert im Mittel 30 Sekunden. Es bleiben 10 Minuten. Das entspräche rechnerisch 20 neuen Karteikarten an diesem Tag. Wenn die Wiederholungen länger dauern oder die Karten schwieriger sind, sinkt der Spielraum entsprechend.
| Verfügbare Zeit | Zeit je neuer Karteikarte | Rechnerischer Startwert |
|---|---|---|
| 5 Minuten | 30 Sekunden | 10 neue Karteikarten |
| 10 Minuten | 30 Sekunden | 20 neue Karteikarten |
| 10 Minuten | 60 Sekunden | 10 neue Karteikarten |
Wie passe ich neue Karteikarten an meinen Alltag an?
Wähle den Anfangswert eher niedrig. Beobachte dann, ob du Wiederholungen regelmäßig abschließt und ob die Sitzungen in deine Woche passen. Werden Rückstände größer, reduziere zuerst neue Inhalte, statt fällige Wiederholungen immer weiter zu verschieben. Anki empfiehlt bei einem Rückstand ausdrücklich, vorübergehend keine neuen Karteikarten einzuführen, bis der Stapel aufgeholt ist.Quelle Anki project (2026). Deck Options: New Cards/Day and Maximum Reviews/Day. Anki Manual. docs.ankiweb.net · im Quellenapparat
Das Ziel ist eine belastbare Routine, keine möglichst hohe Zahl in der Einstellung. Unterrichtstage, Arbeit, Krankheit und Prüfungsphasen ändern die verfügbare Zeit. Ein Wochenmittel kann deshalb hilfreicher sein als der Anspruch, jeden Tag gleich viel zu schaffen. Passe den Wert erst an, nachdem du mehrere gewöhnliche Lerntage beobachtet hast. Ein kurzer Rückblick am Ende der Woche macht die Anpassung nachvollziehbar.
Was ändert sich mit einem Prüfungstermin?
Mit einem festen Prüfungstermin muss das neue Pensum mit dem vorhandenen Stoff und den Wiederholungen zusammenpassen. Teile nicht einfach den gesamten Stapel durch die verbleibenden Tage. Ein solches Ergebnis berücksichtigt weder fällige Wiederholungen noch Pausen, schwerere Kapitel oder die Zeit, die du für Übungsaufgaben brauchst. Plane für jedes Fach außerdem Zeit ein, um schwierige Themen erneut zu bearbeiten.
Plane stattdessen regelmäßige Wiederholungszeiten und reserviere eigene Sitzungen für Verständnisfragen und Prüfungssimulationen. Der Abitur-Lernplan zeigt eine solche Verteilung an einem konkreten Prüfungszeitraum. Der Artikel über Interleaving vs. Blocking erklärt, warum nicht jede Sitzung ausschließlich aus neuen Karteikarten bestehen muss. Lass vor dem Termin auch Raum für gemischte Aufgaben ohne neue Karten.
Machen mehr Karteikarten automatisch schneller?
Nein. Wenn eine Karteikarte mehrere Definitionen, Ausnahmen und Begründungen gleichzeitig abfragt, kann eine große Menge die Sitzung verlängern, ohne dass klar wird, welcher Teil noch unsicher ist. Schreibe Fragen so, dass du die erwartete Antwort erkennen und deine Sicherheit ehrlich bewerten kannst. Bei komplexem Stoff ergänzen Zusammenhänge, Beispiele und eigene Erklärungen das reine Wiederholen.
Auch eine sorgfältig erstellte Sammlung ersetzt nicht jede Lernhandlung. Rechenwege, Transferaufgaben und längere Erklärungen brauchen eigene Übungsformen. Die Recherche zu verteiltem Üben stützt die Bedeutung von zeitlichem Abstand, entscheidet aber nicht für dich, welche Stoffmenge in deinem Fach angemessen ist. Halte deshalb die Lernzeit und die Qualität deiner Antworten fest, nicht nur die Anzahl neuer Einträge.
Wie verbinde ich Tagespensum und Wiederholungsplan?
Starte mit einer Woche, protokolliere neue Inhalte, fällige Wiederholungen und tatsächliche Minuten und passe danach den Wert an. Wenn ein Prüfungstermin näher rückt, richte die Wochenplanung an den Themen aus, statt die Zahl neuer Karteikarten automatisch zu erhöhen. Eine Lern-App kann Wiederholungen ordnen; die Entscheidung über verfügbare Zeit und den Stoffumfang bleibt bei dir.
Quanta stellt den Ablauf und die Grenzen auf der Seite zum Lernplan erstellen vor. Welche Funktionen in der Karteikarten-App verfügbar sind, steht auf der Produktseite. Wie eine konkrete Datei dafür vorbereitet wird, erklärt der Beitrag zur Anki-Importdatei erstellen. Auch der Artikel zu Multiple-Choice-Tests zeigt, warum Übung neben neuem Lernstoff eigene Zeit braucht.
