Eine Zeile vollständig lesen
Größe und Symbol identifizieren die physikalische Bedeutung; der Zahlenwert allein genügt nicht. h ist eine Wirkung mit Einheit J·s, k verknüpft Temperatur mit Energie und G gehört zur Newtonschen Gravitation. Eine Tabelle speichert Werte, keine Voraussetzungen der jeweiligen Formel. Zum Beispiel macht ein präziser G-Wert die Punktmassenformel nicht für jede ausgedehnte Geometrie gültig.
Die Ausgabe CODATA 2022 bezeichnet den Datenabgleich, nicht das Jahr einer einzelnen Messung. Die empfohlenen Werte bilden einen zusammenpassenden Satz. Wenn eine Aufgabenstellung einen gerundeten Wert ausdrücklich vorgibt, rechne damit und benenne die Vorgabe; mische ältere und neuere hochpräzise Werte nicht ohne Begründung.[3]
Was seit 2019 exakt ist
Das SI legt sieben definierende Konstanten fest: ΔνCs, c, h, e, k, Na und Kcd. Ihre festgelegten Zahlenwerte besitzen keine Messunsicherheit innerhalb dieser Definition. Eine reale Sekunde, Spannung oder Temperatur wird dennoch mit endlicher Unsicherheit realisiert und gemessen. Exakte Einheitenanker machen Geräte und Eingangsdaten nicht fehlerfrei.[2]
Bei Kcd gehört die Frequenz 540×1012 Hz zur Festlegung. Der Wert 683 lm/W ist keine universelle Lichtausbeute jeder Lampe. Ebenso meint c die Lichtgeschwindigkeit im Vakuum; in Materie verlangt die Ausbreitung ein passendes optisches Modell. Der Definitionsstatus ersetzt keine Prüfung, ob eine Konstante zur konkreten Situation gehört.[2]
Exakte abgeleitete Konstanten
Produkte oder Quotienten exakter Faktoren bleiben exakt. R = 8,31446261815324 J·mol−1·K−1 und F = 96485,3321233100184 C·mol−1 besitzen hier endliche exakte Dezimalwerte. Die Dezimalentwicklung von ℏ endet nicht; die Tabellenanzeige ist gerundet, die Beziehung selbst exakt.[1]
Exakt bedeutet deshalb nicht „jede abgedruckte Ziffernfolge ist die vollständige Zahl“. Ein Näherungszeichen kennzeichnet die gekürzte Darstellung einer ansonsten exakt bestimmten Größe. Benötigst du viele Stellen, berechne h/(2π) mit ausreichender Präzision, statt eine kurze ℏ-Anzeige als eigenständigen Messwert zu behandeln.
Gemessene Werte und Klammernotation
Für G lautet der empfohlene Wert 6,67430(15)×10−11 m3·kg−1·s−2. Die Klammer ersetzt die letzten Stellen: u(G)=0,00015×10−11 = 1,5×10−15 m3·kg−1·s−2. Das ist eine Standardunsicherheit, kein harter Maximalfehler. Der relative Wert u(G)/G beträgt rund 2,25×10−5, also 22,5 Teile pro Million.[1]
Teilchenmassen in Kilogramm, die atomare Masseneinheit und die Feinstrukturkonstante α bleiben experimentell bestimmt. Auch μ0 und ε0 sind im heutigen SI nicht mehr exakt; sie hängen unter anderem mit dem gemessenen α zusammen. Die frühere exakte Festlegung μ0=4π×10−7 N/A2 darf nicht als heutiger exakter Wert weitergeführt werden.[3]
Potenzen, Einheiten und Vorzeichen
Schreibe beim Einsetzen die Zehnerpotenz zusammen mit dem Wert. 6,626×10−34 ist nicht 6,626×1034; schon ein vertauschtes Exponentenzeichen verändert das Ergebnis um 68 Größenordnungen. Bei E=hf kürzen sich J·s und s−1 zu J. Die Elementarladung e ist positiv; eine Elektronenladung ist q=−e. Das positive Tabellensymbol allein entscheidet kein Ladungsvorzeichen.
Das Elektronenvolt ist eine Energieeinheit, keine Spannungseinheit. Der Umrechnungsfaktor ist exakt; die Energie eines gemessenen Teilchens kann unsicher sein.[1]
Beispiel: Photonenergie mit Messunsicherheit
Energie und Frequenzunsicherheit
- Gegeben
- f=(6,40±0,02)×1014 Hz; ± bezeichnet eine Standardunsicherheit. Verwende den exakten h-Wert.
- Gesucht
- Bestimme E in J und eV sowie u(E).
Setze E=hf ein; keine zusätzliche Unsicherheit von h.
Berechne E=4,240684896×10−19 J und teile für eV durch e.
Da das Modell linear ist, gilt u(E)=h u(f)=1,32521403×10−21 J =0,0082713354 eV.
Ergebnis: Sinnvoll gerundet E=(4,241±0,013)×10−19 J beziehungsweise (2,647±0,008) eV.
Kontrolle: Rückrechnung E/h ergibt 6,40×1014 Hz. Beide relativen Unsicherheiten sind 0,3125 %. Die Rundung ist keine neue Messunsicherheit.
Erhaltenes Einstiegsbeispiel
- Gegeben
- f=5,00×1014 Hz; h exakt.
- Gesucht
- Berechne E.
Wende E=hf an.
J·s mal s−1 ergibt J.
Ergebnis: E=3,313035075×10−19 J, auf drei signifikante Stellen 3,31×10−19 J.
Kontrolle: Division des ungerundeten E durch h liefert den gegebenen f-Wert. Ohne Unsicherheitsangabe ist hier kein experimentelles u(E) berechenbar.
Beispiel: R aus Definitionen und ideales Gas
Druck aus Stoffmenge und Temperatur
- Gegeben
- Modellwerte n=0,0800 mol, T=310 K, V=2,00 L. Gas ideal; alle Eingänge werden zunächst als vorgegeben behandelt.
- Gesucht
- Leite R ab und berechne den absoluten Druck.
Nak ergibt 8,31446261815324 J/(mol·K).
Wandle 2,00 L in 0,00200 m3 um.
Das Produkt nRT=206,19867293 J; Division durch V liefert 103099,3365 Pa.
Ergebnis: Der Modellwert beträgt rund 103 kPa absolut; R ist exakt, die ideale Gasannahme und Eingangsdaten begrenzen eine reale Vorhersage.
Kontrolle: pV=206,19867293 Pa·m3=206,19867293 J stimmt mit nRT überein. Bei Verdopplung von V wäre p halb so groß.
Unsicherheiten übertragen und Korrelation beachten
Für y=f(x) ist dies die lineare Näherung an den Arbeitspunkt. Nur bei unkorrelierten Eingangsschätzungen verschwindet der Kovarianzterm. Ein CODATA-Abgleich liefert zusammenhängende Konstanten; bei präzisen Kombinationen ihre Korrelationen prüfen.[4]
Für einen einzigen unsicheren Faktor G in F=Gm1m2/r2 überträgt sich die relative G-Unsicherheit direkt auf F, wenn alle anderen Größen als fest gelten. Sind auch m und r gemessen, tragen deren Unsicherheiten bei; der Abstand geht wegen des Quadrats mit dem Faktor 2 ein. Ein erweitertes Intervall U=ku verlangt zusätzlich einen angegebenen Überdeckungsfaktor.[4][5]
Genauigkeit und Modellgrenzen dokumentieren
Mehr Stellen sind hilfreich als interne Rechenreserve, aber keine zusätzliche experimentelle Information. Runden erst am Ende verhindert unnötigen Ziffernverlust. Eine Standardunsicherheit gehört neben den Wert mit Einheit und Datenstand; „exakt“ ist eine Eigenschaft der Definition, „genau“ eine Aussage zur konkreten Messung. Eine feste Konstante kann in einer ungeeigneten Formel dennoch ein falsches Ergebnis liefern.
Bei Naturkonstanten bleiben fachliche Grenzen explizit: c gilt im Vakuum, G in der verwendeten Gravitationstheorie, h in quantenmechanischen Beziehungen. Standardunsicherheit ist nicht pauschal ein 95-%-Intervall; selbst die übliche Interpretation eines einfachen u-Intervalls verlangt Annahmen über die Verteilung. Modellabweichungen separat bewerten, statt sie durch zusätzliche Nachkommastellen zu verdecken.[5]
Drei Aufgaben mit Lösungen
Wandle 3,20 eV in Joule um.
Hinweis anzeigen
Exakten eV-Faktor verwenden.
Lösung und Rechenweg anzeigen
3,20×1,602176634×10−19 =5,1269652288×10−19 J, auf drei Stellen 5,13×10−19 J.
Bestimme uᵣ(G) aus 6,67430(15)×10−11.
Hinweis anzeigen
Exponent kürzt sich im Quotienten.
Lösung und Rechenweg anzeigen
0,00015/6,67430≈2,247×10−5=0,002247 %=22,47 ppm.
Das ist Standardunsicherheit, kein garantierter Grenzfehler.
Welche Größe bleibt exakt: R=Nak oder Mᵤ=Namᵤ? Begründe im heutigen SI.
Hinweis anzeigen
Status jedes Faktors prüfen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
R ist exakt, weil Na und k festgelegt sind.
Mᵤ ist gemessen, weil mᵤ in kg gemessen wird.
CODATA 2022 empfiehlt Mᵤ=1,00000000105(31)×10−3 kg/mol; 10−3 kg/mol ist nicht mehr die exakte SI-Festlegung.
Belege zu dieser Erklärung
Quanta · Bearbeitet 1. Oktober 2026
- NIST: Complete CODATA 2022 recommended values
- BIPM: SI Brochure, 9th edition, current 2026 version
- CODATA 2022 adjustment: Mohr et al. (2025)
- NIST: Combining uncertainty components
- NIST: Expanded uncertainty and coverage factors
Redaktion: Quanta Study Redaktion
Prüfumfang
Diese Erklärung, 3 Rechenbeispiele und 3 Aufgaben liegen auf Deutsch und Englisch vor. Aufbau, Quellenzuordnung und mathematische Darstellung werden automatisiert geprüft. Rechnungen, Modellvoraussetzungen und beide Sprachfassungen erhalten eine gesonderte KI-Gegenprüfung.
Für einen früheren veröffentlichten Stand dieser Seite ist eine interne menschliche Fachprüfung dokumentiert. Diese Bestätigung gilt nicht automatisch für die überarbeitete Erklärung und die neuen Aufgaben.
Eine unabhängige, namentliche menschliche Fachprüfung ist noch nicht dokumentiert. Unsere Aufgabenzahlen sind Rechenbeispiele und keine Messdaten der zitierten Quellen.
Redaktion, Quellen und VorgehenDiese Nachschlageseite zitieren
Quanta. Ausgewählte Naturkonstanten. Stand 1. Oktober 2026. https://quanta-study.de/tafelwerk/tabellen/fundamentale-konstanten
Bei einer konkreten fachlichen Aussage zusätzlich die dort verknüpfte Fachquelle nennen.
