Wie berechnet man die Entropie einer vollständigen diskreten Verteilung?
X sei eine diskrete Zufallsvariable mit endlich vielen möglichen Ergebnissen x1 bis xn. Zu jedem Ergebnis gehört pi = P(X = xi). Die Wahrscheinlichkeiten sind nichtnegativ und summieren sich zu eins. Die Entropie hängt von diesen Wahrscheinlichkeiten ab; eine bloße Umbenennung der Ergebnisse ändert sie nicht. Bei beobachteten nichtnegativen Häufigkeiten mit setzt man ein. Das Ergebnis beschreibt die empirische Verteilung der Stichprobe und ist nicht automatisch die exakte oder unverzerrt geschätzte Quellenentropie.[2][5]
Die Formel bildet den Erwartungswert der Informationsmenge pro Ergebnis.
Eine vollständig vorhersagbare Ausgabe hat Entropie null. Das bedeutet nicht, dass ihre Bedeutung unwichtig ist. Entropie bewertet die statistische Unvorhersagbarkeit des gewählten Modells, nicht den Nutzen, die Wahrheit oder den semantischen Gehalt einer Nachricht.
Warum ergibt der Logarithmus zur Basis zwei Bits?
Ein seltenes Ergebnis erhält einen größeren Informationswert als ein häufiges; pi > 0.[1]
Der Logarithmus passt zur Addition unabhängiger Informationen: Für unabhängige Ereignisse multiplizieren sich die Wahrscheinlichkeiten, während sich die negativen Logarithmen addieren. Die Wahl der Basis bestimmt die Einheit. Basis 2 ergibt Bit, der natürliche Logarithmus Nat.
Additivität für unabhängige Ereignisse mit positiven Wahrscheinlichkeiten.
Jeden Informationswert mit seiner Auftretenswahrscheinlichkeit gewichten und alle Beiträge addieren.
Ein unmögliches Ergebnis trägt null zum Mittelwert bei. Man setzt den gesamten Term auf null, statt log2(0) auszurechnen.
Warum Gleichverteilung die größte Entropie hat
Für n mögliche Ergebnisse gilt 0 ≤ H(X) ≤ log2 n. Bei sicherem Ausgang liegt H = 0 vor. Die obere Grenze wird genau dann erreicht, wenn alle n Ergebnisse dieselbe Wahrscheinlichkeit 1/n haben.[3]
Bei Gleichverteilung sind alle Summanden gleich; n Beiträge kürzen den Faktor 1/n.
Die untere Grenze folgt schon aus den Summanden: Für 0 < p ≤ 1 ist log2 p ≤ 0 und somit −p log2 p ≥ 0. Für die obere Grenze kann man die Konkavität des Logarithmus verwenden. Mit m positiven Wahrscheinlichkeiten liefert Jensen die folgende Rechnung.
Die Gewichte pi summieren sich zu eins. Gleiche positive Wahrscheinlichkeiten erreichen die erste Gleichheit.
Eine faire Binärquelle hat die größte Entropie
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Drei Beispiele: Verteilung, Gewichtung und Zusatzwissen
Drei Ausgaben einer Quelle
- Gegeben
- Eine Quelle liefert A mit Wahrscheinlichkeit sowie B und C mit jeweils .
- Gesucht
- Entropie und ein passendes präfixfreies Binärcode-Beispiel.
Ansatz: Die gegebene Quelle hat drei diskrete Ausgänge. Mit Logarithmusbasis zwei ergibt sich der Informationsgehalt in Bit; seine Wahrscheinlichkeitsgewichtung liefert die mittlere Information und erlaubt den Vergleich mit einer präfixfreien Codierung.
Wahrscheinlichkeiten prüfen: .
Informationswerte sind 1 Bit für A und 2 Bit für B und C.
Die gewichteten Beiträge addieren.
Ergebnis: H = 1,5 Bit pro Ausgabe. Der Code A → 0, B → 10, C → 11 hat dieselbe mittlere Länge.
Kontrolle: Kein Codewort ist der Anfang eines anderen. Die mittlere Codelänge ist ; jede einzelne Ausgabe nutzt dennoch eine ganze Zahl von Bits.
Unausgeglichene Ja-Nein-Ausgabe
- Gegeben
- P(Ja) = 0,8, P(Nein) = 0,2.
- Gesucht
- Mittleren Informationsgehalt bestimmen und mit einer fairen Binärquelle vergleichen.
Ansatz: Die zwei komplementären Ausgangswahrscheinlichkeiten bilden eine Bernoulli-Quelle. Die binäre Entropie gewichtet beide Informationswerte; eine faire Quelle dient als unabhängiger Vergleich bei maximaler binärer Unsicherheit.
Ja wird als 1 und Nein als 0 bezeichnet. Für beide Ausgänge den Logarithmus zur Basis zwei berechnen.
Nicht die beiden Werte ungewichtet mitteln, sondern mit 0,8 und 0,2 multiplizieren.
Ergebnis: H ≈ 0,722 Bit pro Ausgabe, weniger als das Maximum von 1 Bit.
Kontrolle: Das seltene Nein trägt im Einzelfall mehr Information, tritt aber seltener auf. Tauscht man Ja und Nein samt Wahrscheinlichkeiten, bleibt H gleich.
Wie viel Unsicherheit beseitigt ein Hinweis?
- Gegeben
- ist gleichverteilt auf vier Ausgänge. Der Hinweis sagt zuverlässig, ob in oder in liegt.
- Gesucht
- Die ursprüngliche Entropie, die bedingte Entropie und die gegenseitige Information bestimmen.
Ansatz: Vor dem Hinweis sind vier Ausgänge möglich. Nach jeder der beiden Hinweismeldungen bleiben zwei gleich wahrscheinliche Ausgänge.
Die verbleibende Unsicherheit für beide Hinweismeldungen gewichten.
Die durchschnittlich beseitigte Unsicherheit ist die gegenseitige Information.
Ergebnis: Der Hinweis liefert Information und lässt Unsicherheit über übrig.
Kontrolle: ist selbst ein faires Bit und durch eindeutig bestimmt. Deshalb gilt hier auch ; der Hinweis bestimmt trotzdem nicht vollständig.
Entropie ist keine pauschale Dateigröße
Für verlustfreie binäre Präfixcodes einer diskreten Quelle liegt die mittlere Codewortlänge mindestens bei der Entropie. Durch geeignete Blockcodierung unabhängiger, identisch verteilter Ausgaben kann der mittlere Aufwand pro Ausgabe an H angenähert werden. Endliche Blöcke, Kopfzeilen und die Beschreibung des Modells verursachen zusätzlichen Aufwand. Die Shannon-Hartley-Kanalkapazität behandelt dagegen die übertragbare Rate in einem eigenen bandbegrenzten Rauschkanalmodell; sie ist keine weitere Formel für die Entropie dieser Quelle.[1]
Angenommen, eine faire Binärquelle erzeugt unabhängig 400 Werte. Dann ist die gemeinsame Entropie 400 Bit. Wird dagegen ein einziger fairer Wert 400-mal wiederholt, ist jede Position für sich ebenfalls fair verteilt, aber die gesamte Folge enthält nur 1 Bit Zufallsinformation. Abhängigkeiten verändern somit die Rechnung grundlegend.
Nur für unabhängige Ausgaben addieren sich die Einzelentropien direkt.
Fünf Aufgaben mit Lösungen
Einsetzen und Rechnen · Einstieg
1. Acht Ausgaben sind gleich wahrscheinlich. Bestimme H.
Hinweis anzeigen
Die Gleichverteilungsformel verwenden.
Lernziel: Gleichverteilungsentropie berechnen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: .
H = log2 8 = 3 Bit pro Ausgabe.
Einsetzen und Rechnen · Anwenden
2. Die Wahrscheinlichkeiten sind . Berechne H.
Hinweis anzeigen
Informationswerte 1, 2, 3, 3 gewichtet addieren.
Lernziel: Gewichtete Entropie einer Verteilung bestimmen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: .
H = 0,5 + 0,5 + 0,375 + 0,375 = 1,75 Bit.
Das ist kleiner als das Vierer-Maximum von 2 Bit.
Interpretieren · Anwenden
3. Eine Ausgabe hat Wahrscheinlichkeit 1, alle anderen 0. Welche Entropie ergibt sich?
Hinweis anzeigen
log2 1 = 0 und die Nullterm-Konvention beachten.
Lernziel: Einen sicheren Ausgang als Entropie null erkennen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: .
H = 0.
Die Ausgabe ist sicher; die Nullwahrscheinlichkeiten tragen nach dem Grenzwert nichts bei.
Interpretieren · Anwenden
Eine faire Münze wird einmal geworfen. Die Quelle gibt den Ausgang zweimal hintereinander aus: HH oder TT, jeweils mit Wahrscheinlichkeit ein Halb. Bestimme die Entropie des Zweierblocks und die Entropie pro ausgegebenem Zeichen. Sind zwei unabhängige Würfe gleichwertig?
Hinweis anzeigen
Zähle mögliche Blöcke statt einzelne Zeichen zu verdoppeln.
Lernziel: Abhängigkeiten zwischen Symbolen bei Blockentropie beachten.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Es gibt nur zwei gleich wahrscheinliche Blöcke, daher 1 Bit pro Block und 0,5 Bit pro gedrucktem Zeichen.
Zwei unabhängige Würfe hätten vier Blöcke und 2 Bit.
Die einzelnen Zeichen sind zwar jeweils fair verteilt, aber vollständig abhängig.
Die Summe einzelner Entropien wäre nur bei Unabhängigkeit die Blockentropie.
Fehleranalyse · Anwenden
Eine binäre Quelle liefert A mit Wahrscheinlichkeit 0,9 und B mit 0,1. Jemand nennt den Informationsgehalt des seltenen B die durchschnittliche Entropie. Berechne beide Größen und erkläre den Fehler; Logarithmusbasis zwei.
Hinweis anzeigen
Entropie gewichtet auch das häufige Ereignis.
Lernziel: Informationsgehalt eines Ergebnisses vom Erwartungswert unterscheiden.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Das seltene B liefert etwa 3,32193 Bit Information.
Der gewichtete Mittelwert beider Ereignisse beträgt dagegen etwa 0,468996 Bit pro Ausgabe.
Das häufige A liefert wenig Information und tritt neunmal so oft auf.
Die Entropie kann hier nicht über dem binären Maximum von 1 Bit liegen; dieser Vergleich deckt die behauptete Gleichsetzung sofort auf.
Die häufigsten Rechenfehler vermeiden
- Prozentangaben zuerst durch 100 teilen; 80 % entspricht p = 0,8.
- Wahrscheinlichkeiten müssen dieselben sich ausschließenden Ausgaben vollständig beschreiben und zusammen 1 ergeben.
- Der Taschenrechner braucht . Mit ln allein erhält man Nat.
- Jeden Logarithmus mit dem zugehörigen p gewichten und das Minuszeichen beachten.
- Statistische Häufigkeiten aus einer Stichprobe sind Schätzungen, keine automatisch exakten Quellwahrscheinlichkeiten.
Lege die vollständige diskrete Verteilung fest und gewichte jeden Informationswert mit seiner Wahrscheinlichkeit. Basis zwei ergibt Bit. Entropie ist ein Mittelwert; Abhängigkeiten, Zusatzwissen und konkrete Codierung müssen gesondert berücksichtigt werden.
Belege zu dieser Erklärung
Quanta · Bearbeitet 2. Oktober 2026
- MIT 6.02, Chapter 2: Information, Entropy, and the Motivation for Source Codes
- MIT 6.441 (2010), Lecture 1: Entropy and mutual information
- MIT 6.441 (2006), Lecture 2: Entropy properties
- MIT 6.441 (2006), Lecture 15: Differential entropy
- Liam Paninski (2003): Estimation of Entropy and Mutual Information
Redaktion: Quanta Study Redaktion
Prüfumfang
Diese Erklärung, 3 Rechenbeispiele und 5 Aufgaben liegen auf Deutsch und Englisch vor. Aufbau, Quellenzuordnung und mathematische Darstellung werden automatisiert geprüft. Rechnungen, Modellvoraussetzungen und beide Sprachfassungen erhalten eine gesonderte KI-Gegenprüfung.
Für einen früheren veröffentlichten Stand dieser Seite ist eine interne menschliche Fachprüfung dokumentiert. Diese Bestätigung gilt nicht automatisch für die überarbeitete Erklärung und die neuen Aufgaben.
Eine unabhängige, namentliche menschliche Fachprüfung ist noch nicht dokumentiert. Unsere Aufgabenzahlen sind Rechenbeispiele und keine Messdaten der zitierten Quellen.
Redaktion, Quellen und VorgehenÄnderungsverlauf
- Frageüberschriften und passende Absatzlinks präzisiert; empirische Häufigkeiten mit vollständiger Umrechnung und Primärquelle zur Schätzgrenze ergänzt. Bestehende Beispiele und Aufgaben erhalten.
- Zwei Aufgaben ergänzt; die fünf Aufgaben nach Aufgabentyp, Schwierigkeit und Lernziel gegliedert.
- Lernweg geprüft; drittes Beispiel, eigene quantitative Abbildung, symbolische Aufgabenansätze und kurze Zusammenfassung ergänzt.
Diese Nachschlageseite zitieren
Quanta. Shannon-Entropie. Stand 2. Oktober 2026. https://quanta-study.de/tafelwerk/shannon-entropie
Bei einer konkreten fachlichen Aussage zusätzlich die dort verknüpfte Fachquelle nennen.