Ein Impuls wandert; die Saite bleibt an ihrem Ort
Bewege eine gespannte Saite kurz quer zur Längsrichtung. Die Form der Störung wandert weiter, während jedes kleine Materialstück zunächst quer ausgelenkt wird. Wie schnell sich die Form ausbreitet, hängt davon ab, wie stark benachbarte Stücke aneinander ziehen und wie viel Masse dabei beschleunigt werden muss.[1]
Für das Modell brauchst du Newtons Kraftgesetz, eine Masse pro Länge und kleine Steigungen. Die Spannkraft ist eine Kraft in Newton. Die lineare Massendichte gibt an, wie viel Kilogramm auf einen Meter gespannte Saite entfallen. Sie ist weder die gesamte Masse noch eine volumetrische Dichte.[1]
Zugkraft und Masse pro Länge festlegen
gilt für eine homogene Saite; L bezeichnet die Länge im betrachteten gespannten Zustand.[1]
bezeichnet den Betrag der Längszugkraft in Newton. ist die lineare Massendichte in , nicht eine Volumendichte in . Die Gesamtmasse allein legt sie nicht fest: Eine gleich schwere kürzere Saite enthält mehr Masse pro Länge. Bei veränderlicher Dicke oder Zusammensetzung kann auch die örtliche Massendichte variieren; dann ist eine einzige konstante Geschwindigkeit nicht selbstverständlich.
Die Formel beschreibt die Ausbreitung der Transversalstörung entlang der Saite. Ein Saitenelement bewegt sich dabei überwiegend quer zur Saite. Seine Geschwindigkeit hängt zusätzlich von Frequenz und Amplitude ab. Die Zugkraft liefert die rückstellende Wirkung, während die Saitenmasse gegen die Querbeschleunigung träge ist.
Kleine Steigung ist die geometrische Näherung
Betrachte als kleine Querbewegung einer nahezu geraden Saite. Die lokale Steigung muss im Betrag viel kleiner als 1 sein. Dann ist und die Längenänderung der Saite nur von höherer Ordnung. Zugkraft und Masse pro projizierter Länge können im linearen Modell als konstant behandelt werden.[1]
Eine kleine Amplitude allein genügt bei sehr kurzer Wellenlänge nicht; das Produkt Ak ist maßgebend.
Eine hypothetische Amplitude 1 mm bei hat . Dieselbe Amplitude bei hätte und wäre keine kleine-Steigungs-Näherung. Die zwei Beispiele unterscheiden deshalb geometrischen Maßstab und bloße absolute Auslenkung.
Querkräfte auf ein kurzes Saitenstück bilanzieren
Schneide ein Element zwischen x und x + Δx frei. Die Spannungen an beiden Enden zeigen entlang der lokalen Tangenten nach außen. Im linearen Modell sind ihre horizontalen Beträge FT; die Differenz der vertikalen Komponenten ist FT[∂xy(x+Δx) − ∂xy(x)]. Bei glattem Verlauf wird dies FT∂2xy Δx. Die Masse des Elements beträgt .[1]
Newton für die Querbewegung; Δx kürzt sich.
Eine glatte laufende Störung erfüllt die Gleichung mit .
Damit folgt der positive Geschwindigkeitsbetrag als Quadratwurzel. Die Richtung wird durch oder g(x+vt) festgelegt. Der Kraft-Masse-Quotient stammt aus den Modellbedingungen; er ist kein universeller Wert für jede beliebige Schnur, jede Biegeschwingung oder eine schlaffe Saite.
Doppelte Geschwindigkeit braucht vierfache Spannkraft
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Masseneinheiten, Umstellungen und Skalierung
Für die μ-Umstellung ist nötig; die Wurzel erzeugt m/s.
1 g/m entspricht 0,001 kg/m. Wurde eine Probe in Gramm gewogen und ihre Länge in Zentimetern gemessen, rechne beide getrennt um. Eine vierfache Zugkraft bei gleicher μ verdoppelt v; vierfache μ bei gleicher Zugkraft halbiert v. Eine doppelte Geschwindigkeit verlangt die vierfache Zugkraft, wenn μ unverändert bleibt.
Für und ergibt sich . Bei einer realen Spannungserhöhung kann die Saite länger werden und dadurch ihre Masse pro Länge ändern. Ein Vergleich bei unverändertem ist deshalb eine ausdrücklich festgehaltene Modellbedingung, keine automatische Eigenschaft jedes Experiments.
„Saitenspannung“ meint hier die Zugkraft in Newton. Eine mechanische Normalspannung wäre dagegen Kraft pro Querschnittsfläche, , in Pascal. Ohne passende Fläche lässt sich eine Pascalangabe nicht als Zugkraft einsetzen; die lineare Massendichte ersetzt diese Fläche ebenfalls nicht.[6][1]
Zwei eigene Rechnungen: Laufzeit und Zugkraftwechsel
Eine homogene Saitenprobe
- Gegeben
- Die im betrachteten Zustand homogene Probe hat Masse 12,0 g auf 2,40 m. FT = 72 N; eine Transversalstörung durchläuft 1,50 m; flexibles lineares Modell.
- Gesucht
- Bestimme μ, v und die einfache Laufzeit.
Ansatz: Die gespannte homogene Probe bestimmt die Massendichte. Der Impuls legt einen einfachen Hinweg zurück.
Die gegebenen Werte mit passenden Einheiten einsetzen.
Die Wurzel aus Zugkraft pro linearer Dichte bilden.
Die ruhende Strecke durch v teilen.
Ergebnis: μ = 5,00 g/m, v = 120 m/s und Laufzeit 12,5 ms.
Kontrolle: reproduziert die Spannkraft. kontrolliert den Hinweg. Ein Echo über denselben Hin- und Rückweg würde brauchen, doppelt so lange.
Geschwindigkeit um den Faktor 1,5 erhöhen
- Gegeben
- μ = 0,00350 kg/m bleibt im Modell unverändert; ursprüngliche Zugkraft 35,0 N; gewünschte Geschwindigkeit 150 m/s. Derselbe Erreger bleibt bei f = 50 Hz.
- Gesucht
- Bestimme die neue Zugkraft und beide Wellenlängen.
Ansatz: Gleiche Massendichte, aber neue Spannkraft: Den Geschwindigkeitsfaktor zuerst quadrieren.
Die gegebenen Werte mit passenden Einheiten einsetzen.
Die gewünschte Geschwindigkeit in die umgestellte Gleichung einsetzen.
Bei gleicher Frequenz die jeweiligen Wellenlängen bestimmen.
Ergebnis: Neue Zugkraft rechnerisch 78,75 N, also Faktor 2,25; Wellenlänge steigt von 2 auf 3 m.
Kontrolle: bestätigt den Geschwindigkeitsfaktor. Beide Wellenlängen liefern bei die jeweilige Geschwindigkeit. Hier bleibt die Erregerfrequenz fest; Eigenfrequenzen einer an beiden Enden festen Saite würden dagegen mit der Geschwindigkeit wachsen.
Erregerfrequenz und Eigenfrequenz haben verschiedene Rollen
Eine harmonische laufende Welle mit vorgegebener Frequenz besitzt . Das Materialmodell bestimmt die Geschwindigkeit, der Erreger die Frequenz. Für eine an beiden Enden feste Länge gelten dagegen die Eigenfrequenzen . Erhöhte Spannkraft verschiebt diese Frequenzen nach oben, wenn Länge und Massendichte gleich bleiben. Erregerfrequenz und Eigenfrequenz sind daher unterschiedliche Angaben.[2]
Für eine beidseitig feste ideal flexible Saite;
Nicht jede Erregerfrequenz ist damit eine Eigenfrequenz. Ein reales getriebenes System reagiert auch außerhalb der Resonanz, gewöhnlich mit anderer Amplitude und Phase. Randbedingungen, Anregungsort und Verluste bestimmen diese Reaktion zusätzlich; die Geschwindigkeit allein liefert keine Resonanzamplitude.
Die stehende Welle auf einer beidseitig festen Saite ergänzt diese Ausbreitungsgeschwindigkeit um die Randbedingungen. Ihre diskreten Eigenfrequenzen gehören zur schwingenden Länge; sie ersetzen weder eine frei vorgegebene Erregerfrequenz noch die Prüfung kleiner Steigungen.[2][1]
Vertiefung anzeigen: Messunsicherheit und Rückrechnung vertiefen
Eine einfache Laufzeitmessung bestimmt für einen bekannten Hinweg. Ein Hin-und-zurück-Echo legt dagegen zurück. Der Zeitnullpunkt muss zum Start der Störung passen; eine Geräteverzögerung ist kein zusätzlicher Saitenweg. Prüfe außerdem, ob ein einzelner sauberer Impuls oder mehrere überlagerte Reflexionen erfasst wurden. Der dritte Rechenweg zeigt die konkrete Wirkung einer bekannten Verzögerung.
Wiege eine repräsentative Länge der tatsächlichen Saite. Eine gewickelte Saite darf nicht über eine bloß geschätzte Kerndichte beschrieben werden; μ umfasst ihre gesamte bewegte Masse pro Länge. Ein schwerer Sensor oder angehängtes Gewicht kann Randbedingungen verändern und selbst reflektieren. Solche Zusatzmassen gehören nicht unbemerkt in eine konstante homogene μ.
Die Wellengleichung für Geschwindigkeit, Wellenlänge und Frequenz verknüpft für eine laufende harmonische Welle . Eine Laufzeitmessung verfolgt dagegen einen erkennbaren Impuls über seinen tatsächlichen Weg. Beim idealen nichtdispersiven Saitenmodell stimmen Gruppen- und Phasengeschwindigkeit überein; unbekannte Reflexionswege lassen sich aus der Frequenz allein nicht rekonstruieren.[5][1]
Flexibilität, Verluste und Dispersion begrenzen das Modell
Reale Saiten besitzen Biegesteifigkeit. Bei kurzen Wellenlängen kann deren Beitrag das reine Zugkraftmodell verändern und Dispersion verursachen. Große Steigungen, örtlich veränderliche Spannung, inhomogene Massendichte und nichtlineare Dehnung werden durch allein ebenfalls nicht erfasst. Für das einfache Ergebnis brauchen wir eine nahezu gerade, straff gespannte, ideal flexible Saite mit kleinen Querbewegungen.[1][3]
Das ideale Modell ist nichtdispersiv: und Gruppen- sowie Phasengeschwindigkeit stimmen überein. Verluste oder reale Steifigkeit können Pulsform und Modenabstände verändern. Wenn FT verschwindet, ist die Voraussetzung einer gespannten Saite verloren; die formal berechnete Nullgeschwindigkeit ersetzt kein Modell einer schlaffen Schnur.
Eine Hin-und-zurück-Laufzeit liefert die Spannkraft
Die Kraftumstellung quadriert die Geschwindigkeit. Schon ein kleiner Zeitfehler kann deshalb die rückgerechnete Spannkraft merklich verändern. Der folgende Echovergleich trennt Gerätezeit und echte Laufzeit.[1][4]
Eine Hin-und-zurück-Laufzeit liefert die Spannkraft
- Gegeben
- Eine homogene Saite besitzt gespannte Länge 2,00 m und Masse 8,00 g. Eine kleine Querwelle läuft zum reflektierenden Ende und zurück. Das Messgerät zeigt 45,0 ms; eine separat bekannte Verzögerung von 5,0 ms ist darin enthalten. Andere Laufwege und Reflexionsverzögerungen werden im idealen Modell ausgeschlossen.
- Gesucht
- Ausbreitungsgeschwindigkeit und Spannkraft berechnen; den Fehler ohne Verzögerungskorrektur beurteilen.
Ansatz: Erst die echte Laufzeit, dann den doppelten Weg und die gespannte Massendichte verwenden.
Mit konsistenten SI-Einheiten einsetzen.
Ohne Korrektur würden eine kleinere Geschwindigkeit und deren Quadrat eingesetzt.
Ergebnis: Im Modell gilt und . Ohne Korrektur wäre die Spannkraft um etwa 20,99 % unterschätzt.
Kontrolle: Rückprobe: und . Die Zeitkorrektur muss unabhängig bekannt sein; ein einzelner Laufzeitwert kann Spannkraft und unbekannte Verzögerung nicht zugleich bestimmen.
Fünf Aufgaben mit Lösungen
Einsetzen und Rechnen · Einstieg
FT = 50 N und μ = 0,00200 kg/m. Bestimme v.
Hinweis anzeigen
hat die Einheit m2/s2.
Lernziel: Geschwindigkeit aus Spannung und Dichte berechnen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Die positive Wurzel liefert den Geschwindigkeitsbetrag.
.
Kontrolle: reproduziert die Spannkraft.
Umstellen · Anwenden
Eine homogene 3,00-m-Probe wiegt 9,00 g; gemessen wird v = 80,0 m/s im idealen Modell. Bestimme FT.
Hinweis anzeigen
Zuerst μ in kg/m berechnen.
Lernziel: Probenmasse zur Spannung zurückrechnen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Zuerst Masse durch gespannte Länge teilen, dann die Spannkraft aus dem Geschwindigkeitsquadrat berechnen.
, .
Kontrolle: . Die Länge bezieht sich auf den gemessenen gespannten Zustand.
Transfer · Anwenden
FT bleibt gleich, μ steigt von 4 auf 9 g/m. Wie ändert sich v?
Hinweis anzeigen
Vergleich als Wurzel eines Quotienten durchführen.
Lernziel: Dichteänderung als Wurzelverhältnis anwenden.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: In der Verhältnisbildung kürzt sich die konstante Spannkraft.
.
Die Geschwindigkeit sinkt um ein Drittel; der Faktor wäre der Fehler einer linearen statt einer Wurzelabhängigkeit.
Interpretieren · Anwenden
Eine kleine transversale Welle auf einer idealen Saite hat FT=80 N und μ=0,005 kg/m. Markierte Materialpunkte bewegen sich auf und ab. Bewegt sich jeder Punkt mit der Ausbreitungsgeschwindigkeit entlang der Saite? Berechne diese Geschwindigkeit und erkläre die Unterscheidung.
Hinweis anzeigen
Die Wellengeschwindigkeit verfolgt ein Phasenmerkmal, nicht ein Materialteilchen.
Lernziel: Teilchenbewegung und Wellenausbreitung im Saitenmodell unterscheiden.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Das Saitenmodell liefert etwa 126,491 m/s für die Phasenausbreitung.
Materialpunkte schwingen hingegen transversal und haben abhängig von Amplitude und Frequenz eigene zeitabhängige Geschwindigkeiten.
Aus Spannung und linearer Dichte allein folgt deren Betrag nicht.
Die schnelle Weitergabe des Musters bedeutet keine entsprechende Längsströmung des Saitenmaterials.
Fehleranalyse · Anwenden
Eine Sinuswelle hat Amplitude A=2 cm und Wellenlänge 10 cm. Jemand hält die lineare Saitengeschwindigkeit für exakt, weil 2 cm klein aussieht. Prüfe die maximale Steigung und beurteile die Kleinsteigungsannahme.
Hinweis anzeigen
Vergleiche Amplitude mit Wellenlänge über kA, nicht mit einer willkürlichen Länge.
Lernziel: Kleine Steigung vor linearer Geschwindigkeitsform prüfen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Für ein Sinusprofil ist die maximale Steigung das Produkt von Wellenzahl und Amplitude.
Hier ist sie etwa 1,25664 und damit keineswegs viel kleiner als eins.
Die lineare Kleinauslenkungsableitung ist nicht abgesichert; Spannung und Geometrie können sich dynamisch ändern.
Ein absolut klein wirkendes Zentimetermaß allein rechtfertigt keine Exaktheit.
Kurz zusammengefasst
Bestimme die Masse pro gespannter Länge und verwende die Spannkraft in Newton. Im linearen Modell wächst die Geschwindigkeit mit der Wurzel der Spannkraft. Laufzeitmessungen brauchen einen korrekt erfassten Weg und bekannte Verzögerungen. Kleine absolute Auslenkung allein garantiert keine kleine Steigung.[1][4]
Belege zu dieser Erklärung
Quanta · Bearbeitet 2. Oktober 2026
- OpenStax UP1 §16.3: Wave Speed on a Stretched String
- OpenStax UP1 §16.6: Standing Waves and Resonance
- MIT OCW 8.03SC: phase/group velocity and dispersion
- OpenStax University Physics 1 §16.2: Pulses and wave functions
- OpenStax University Physics Volume 1 §16.1: Traveling Waves
- OpenStax University Physics Volume 1 §12.3: Stress, Strain, and Elastic Modulus
Redaktion: Quanta Study Redaktion
Prüfumfang
Diese Erklärung, 3 Rechenbeispiele und 5 Aufgaben liegen auf Deutsch und Englisch vor. Aufbau, Quellenzuordnung und mathematische Darstellung werden automatisiert geprüft. Rechnungen, Modellvoraussetzungen und beide Sprachfassungen erhalten eine gesonderte KI-Gegenprüfung.
Für einen früheren veröffentlichten Stand dieser Seite ist eine interne menschliche Fachprüfung dokumentiert. Diese Bestätigung gilt nicht automatisch für die überarbeitete Erklärung und die neuen Aufgaben.
Eine unabhängige, namentliche menschliche Fachprüfung ist noch nicht dokumentiert. Unsere Aufgabenzahlen sind Rechenbeispiele und keine Messdaten der zitierten Quellen.
Redaktion, Quellen und VorgehenÄnderungsverlauf
- Zugkraft und mechanische Spannung gezielt abgegrenzt, passende Wellenverbindungen ergänzt; alle vorhandenen Rechnungen, Aufgaben, Figuren und Modellgrenzen erhalten.
- Ausbreitung und Materialbewegung besser getrennt; Echoauswertung mit bekannter Geräteverzögerung und Spannkraftkurve ergänzt. Alte Rechnungen, Modellgrenzen und fünf Aufgaben erhalten.
- Zwei Aufgaben ergänzt; die fünf Aufgaben nach Aufgabentyp, Schwierigkeit und Lernziel gegliedert.
Diese Nachschlageseite zitieren
Quanta. Wellengeschwindigkeit auf einer gespannten Saite. Stand 2. Oktober 2026. https://quanta-study.de/tafelwerk/wellengeschwindigkeit-saite
Bei einer konkreten fachlichen Aussage zusätzlich die dort verknüpfte Fachquelle nennen.