Bevor du rechnest
Du solltest wissen, dass Snellius seine Winkel zum Lot misst. Für Totalreflexion muss das Licht aus dem höheren in den niedrigeren Brechungsindex laufen. Ein großer Winkel allein reicht nicht. Stelle deshalb vor dem Rechnen fest, welches Medium den einfallenden Strahl enthält und welches Lot zur betrachteten Fläche gehört.[1]
Unser Grundmodell besitzt zwei verlustfreie isotrope Medien und eine ebene Grenze; das zweite Medium wird zunächst als hinreichend ausgedehnt betrachtet. Nur in diesem Modell bedeutet „total“ einen reflektierten normalen Leistungsanteil von eins. Eine Glasfaser mit Biegung, Rauheit oder Absorption benötigt zusätzlich eine Verlustbetrachtung.[3][4]
Welche Bewegung die Schwelle trennt
Die Welle muss aus dem Medium mit größerem Brechungsindex n1 in das mit kleinerem Index n2 laufen. Mit wachsendem Einfallswinkel zum Lot wächst der Brechungswinkel noch schneller. Am Grenzwinkel erreicht der formal gebrochene Strahl 90° zum Lot: Er liegt tangential zur Grenzfläche. Erst für spricht die hier verwendete Strahlenbeschreibung von Totalreflexion. ist der Grenzfall und sollte in einer Aufgabenentscheidung eigens genannt werden.[1]
Indizes für dieselbe Frequenz verwenden; Winkel zur lokalen Normalen messen.[1]
Für liegt über eins: Es gibt keinen solchen Grenzwinkel. Für n1=n2 liefert die algebraische Grenze 90°, aber keinen Indexsprung und keinen Totalreflexionsbereich. Ein fehlender zulässiger Arkussinus ist hier eine physikalische Aussage, die sich nicht durch Vertauschen der Indizes reparieren lässt.[1]
Der Brechungswinkel endet an der Schwelle
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Die Grenze aus Snellius und dem Wellenvektor gewinnen
Setze im Brechungsgesetz den Grenzfall θ2=90°. Dann ist und . Der Quotient liegt bei zwischen null und eins; der Arkussinus liefert den eindeutigen Grenzwinkel im Intervall 0° bis 90°. Das ist eine Folgerung aus dem Brechungsgesetz für gewöhnliche positive Indizes, keine neue empirische Materialkonstante.[2]
z ist die Normalkoordinate im zweiten Medium. Oberhalb der Schwelle wird die normale Wellenvektorkomponente imaginär.[3]
Die tangentiale Komponente bleibt reell. Deshalb kann das Feld entlang der Grenze eine Phase besitzen, während es senkrecht dazu abklingt. Die Aussage „es geht kein Licht ins zweite Medium“ ist als Aussage über einen propagierenden Strahl brauchbar, als Aussage über das gesamte elektromagnetische Feld jedoch falsch.[3]
Das Snelliussche Brechungsgesetz liefert die zugrunde liegende Winkelbeziehung; die Grenzwinkelrechnung setzt darin die tangentiale Brechungsrichtung ein. Behalte dieselbe Laufrichtung und dieselben lokalen Normalen bei, statt die Indizes nur für einen zulässigen Arkussinus zu vertauschen.[1][2]
Ein Winkelwert ist noch keine sichere Reflexionsreserve
Glasmodell gegen Luft
- Gegeben
- n1=1,520; n2=1,000; Einfallswinkel 45,0°; mögliche Winkelabweichung±1,0°.
- Gesucht
- Grenzwinkel und ungünstigsten Einfall prüfen.
Ansatz: Die kritische Grenze entsteht bei streifender Transmission. Für die Toleranzkontrolle zählt der kleinste mögliche Einfallswinkel.
Quotient bilden und Schwelle bestimmen.
Die kleinste mögliche Neigung zum Lot liegt bei 44°.
Ergebnis: Auch im ungünstigsten Winkelmodell bleibt eine Reserve von etwa 2,86° oberhalb der Schwelle.
Kontrolle: Probe: Bei 44° ist . Ein propagierender Brechungsstrahl ist ausgeschlossen. Diese Reserve erfasst nur die vorgegebene Winkelunsicherheit, keine Beschichtungen oder Indexänderungen.
Von der inneren Schwelle zum äußeren Akzeptanzwinkel
Ein gerader Stufenindex-Lichtleiter kann im Strahlenmodell einen meridionalen Strahl führen, wenn sein Einfall auf die Kern-Mantel-Grenze oberhalb der Schwelle liegt. Sei β der Winkel im Kern zur Faserachse; dann ist der Seitenwand-Einfallswinkel . Einfall an der ebenen Stirnfläche und Reflexion an der Seitenwand verwenden also verschiedene Normalen.[1]
Schwach führender Modell-Lichtleiter
- Gegeben
- nKern=1,460; nMantel=1,440; Außenmedium n0=1,000; ebene Stirnfläche senkrecht zur Achse.
- Gesucht
- Grenzwinkel, größte β und äußeren Akzeptanzhalbwinkel α bestimmen.
Ansatz: Für einen Meridionalstrahl die Seitenwandbedingung mit der Brechung an der Stirnfläche verbinden; Achswinkel und Lotwinkel sind komplementär.
Zuerst die interne Seitenwandschwelle berechnen.
Snellius an der Stirnfläche mit der internen Grenzbedingung verbinden.
Aus der numerischen Apertur den äußeren Winkel berechnen.
Ergebnis: Der Akzeptanzhalbwinkel beträgt etwa 13,94°, der vollständige geometrische Kegel etwa 27,87°. Die Randrichtung ist die Schwelle; sicher geführte Strahlen brauchen Reserve.
Kontrolle: ; mal 1,460 ergibt 0,240832. Der hohe interne Lotwinkel 80,51° ist mit dem kleinen äußeren Achswinkel 13,94° vereinbar. Das Modell sagt noch keine Zahl der Wellenleitermoden.
Vertiefung anzeigen: evaneszentes Feld und Abklinglänge
Für verlustfreie halbinfinite Medien und fällt die Feldamplitude im zweiten Medium wie . Der Abstand ist die Amplituden-Abklinglänge. Die Intensität eines solchen exponentiellen Faktors fällt doppelt so schnell; ihre 1/e-Länge beträgt . Eine Abklinglänge sollte daher ausdrücklich als Amplituden- oder Intensitätsgröße bezeichnet werden.[4]
Für n1=1,50, n2=1,00, θ1=50° und λ0=550 nm folgt dA≈154,7 nm; die entsprechende Intensitätslänge ist 77,3 nm.[4]
Liegt ein weiteres geeignetes Medium sehr nahe, kann die evaneszente Welle Energie in dieses Medium koppeln: frustrierte Totalreflexion. Ein Luftspalt darf deshalb nicht wie eine unendlich dicke Umgebung behandelt werden. Die einfache Grenzwinkelformel bestimmt die erste Schwelle, aber nicht den Tunnelanteil durch einen endlichen Spalt.[4]
Wie weit das evaneszente Feld reicht
- Gegeben
- n1=1,50; n2=1,00; θ1=45°; λ0=600 nm; verlustfreie halbinfinite Medien.
- Gesucht
- Amplitudenlänge und Feldquadrat am Abstand dA bestimmen.
Ansatz: Zuerst die Schwelle prüfen, dann aus der imaginären normalen Wellenvektorkomponente die Abklinglänge bestimmen.
45° liegt oberhalb von 41,81°. Der Ausdruck unter der Wurzel ist positiv.
Das Feldquadrat besitzt die halbe Abklinglänge.
Ergebnis: Die Amplitude fällt auf ihrer 270-nm-Länge auf e−1; das Feldquadrat ist dort schon auf etwa 13,53 % abgesunken.
Kontrolle: Bei halbem Abstand bleibt e−1 des Feldquadrats. Das ist eine räumliche Feldabnahme, kein normal übertragener Strahlleistungsanteil. Die beiden Indizes und die Vakuumwellenlänge werden konsistent verwendet.
Einheiten, Indexänderungen und kritische Nähe
ist dimensionslos; θc kann in Grad oder Radiant angegeben werden. Für eine Differenzialrechnung müssen Winkeländerungen in Radiant stehen. Wenn r= nahe eins liegt, wächst stark. Eine kleine Änderung des Indexkontrasts kann dann eine beträchtliche Winkeldifferenz verursachen. Rundungsreserven sind daher bei schwachem Kontrast besonders wichtig.[1]
Indizes sind Frequenz- und Materialdaten. Temperatur, Wellenlänge, Mantelmaterial und eine feuchte Kontaktfläche können eine zuvor gültige Reserve verändern. Für Wasser-Modell 1,33 gegen Luft 1,00 liegt die Schwelle bei 48,7535°, nicht automatisch bei dem oft gerundeten 49°. Wenn das einfallende Spektrum breit ist, muss die Bedingung bei den relevanten Frequenzen geprüft werden.[1]
Was ideal total ist und was real verloren geht
Die Leistungsreflexion beträgt im idealen ebenen, verlustfreien Zweimedienproblem oberhalb der Schwelle eins. Das sagt nicht, dass jeder reale Lichtleiter verlustfrei arbeitet. Absorption, Rauheit, gekrümmte Führungen, Streuung und endliche Manteldicke können Leistung entfernen oder auskoppeln. Auch die Reflexionsphase hängt von Winkel und Polarisation ab; wiederholte Totalreflexion kann die Polarisation verändern.[3]
Die Strahlenbeschreibung ist für Kernabmessungen groß gegenüber der Wellenlänge anschaulich. Für kleine Wellenleiter entscheidet die elektromagnetische Modenlösung über Führung und Ausbreitung. Ein Nachweis allein genügt nicht: Der konkrete Strahl muss die passende lokale Seitenwandneigung besitzen.[4]
Der Brewster-Winkel betrifft eine andere Bedingung: An einer passenden einzelnen transparenten Grenze verschwindet dort die p-Reflexion. Die Totalreflexionsschwelle trennt dagegen propagierende Transmission von ihrem Fehlen. Ein p-Reflexionsminimum darf deshalb nicht als Nachweis von Totalreflexion gelesen werden.[5][1]
Fünf Entscheidungen mit vollständigen Lösungen
Einsetzen und Rechnen · Einstieg
Ein Strahl aus n1=1,60 nach n2=1,30 fällt bei 55° ein. Prüfe Totalreflexion.
Hinweis anzeigen
Zuerst Schwelle berechnen, danach vergleichen.
Lernziel: Einfallswinkel und berechneten Grenzwinkel vergleichen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Das Licht läuft aus dem größeren in den kleineren Index.
Berechne die Schwelle aus dem Indexquotienten und vergleiche den gegebenen Lotwinkel damit. θc≈54,3409° liegt unter 55°; im idealen verlustfreien Modell wird total reflektiert.
Die Winkelreserve beträgt nur 0,6591°.
Probe: ; die Indizes dürfen nicht vertauscht werden.
Interpretieren · Einstieg
Vom n=1,00-Medium ins n=1,50-Medium bei 80°: Kann Totalreflexion auftreten?
Hinweis anzeigen
Laufrichtung und Indexreihenfolge entscheiden.
Lernziel: Die notwendige Richtung des Brechungsindexübergangs prüfen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Prüfe die notwendige Laufrichtung vor der Winkelrechnung.
Hier ist der einfallende Index kleiner: Es gibt keinen Grenzwinkel für Totalreflexion.
Der formale Quotient liegt über eins.
Das bedeutet nicht, dass der Rechner defekt ist.
Teilreflexion kann bei 80° trotzdem groß sein; sie ist keine Totalreflexion.
Transfer · Anwenden
In einem Kern n1=1,46 gegen Mantel n2=1,44 läuft ein meridionaler Strahl bei β=8° zur Achse. Wird er geführt?
Hinweis anzeigen
Zum Seitenwand-Lotwinkel ergänzen.
Lernziel: Faserachsenwinkel in Wand-Einfallswinkel umrechnen und Führung prüfen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Der Achswinkel β und der Seitenwand-Lotwinkel ergänzen sich zu 90°.
Bei β=8° folgt θ1=82°.
Die Schwelle beträgt θc≈80,5055°, also bleibt eine Reserve von 1,4945°.
Der Strahl wird im geraden idealen meridionalen Modell geführt.
Probe mit β=12°: θ1=78° liegt unter der Schwelle und erfüllt dieselbe Führungsbedingung nicht.
Interpretieren · Einstieg
Licht trifft aus einem verlustfreien Medium mit auf ein zweites mit . Eine Skizze zeigt den gebrochenen Grenzstrahl genau entlang der Oberfläche. Bestimme den Einfallswinkel zur Normalen und ordne ihn ein: unterhalb, genau am oder oberhalb des Grenzwinkels. Ist ein um 1° kleinerer Einfallswinkel bereits totalreflektiert?
Hinweis anzeigen
Ein Strahl entlang der Fläche hat einen Brechungswinkel von 90° zur Normalen. Setze dies in das Snelliussche Gesetz ein.
Lernziel: Den Grenzfall vom Bereich strenger Totalreflexion unterscheiden.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Für den tangentialen Grenzstrahl den Sinus des Brechungswinkels gleich eins setzen.
Daraus folgen 41,81° Einfallswinkel.
Die Skizze zeigt genau den Grenzfall, nicht einen Winkel oberhalb der Schwelle.
Bei 40,81° gibt es noch einen propagierenden gebrochenen Strahl.
Kontrolle: Strenge Totalreflexion verlangt den Übergang zu kleinerem Brechungsindex und einen größeren Einfallswinkel.
Fehleranalyse · Anwenden
Im idealen verlustfreien Zwei-Medien-Modell oberhalb des Grenzwinkels sei die evaneszente Feldamplitude , mit . Jemand nennt 180 nm auch die -Länge des normierten Quadrats der Feldamplitude. Prüfe diese Aussage und bestimme das normierte Feldquadrat bei . Gemeint ist keine normal übertragene Strahlleistung.
Hinweis anzeigen
Quadriere die Amplitudenfunktion. Der Exponent verdoppelt sich; eine Amplitudenlänge und eine Länge für das Feldquadrat sind verschiedene Größen.
Lernziel: Amplituden- und Intensitätsabklinglänge eines evaneszenten Feldes unterscheiden.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Das normierte Feldquadrat aus der gegebenen Amplitude bilden und dessen Exponenten mit einer eigenen -Länge vergleichen.
Die gesuchte Länge ist 90 nm.
Bei 180 nm bleibt etwa 0,1353 des Feldquadrats, nicht .
Kontrolle: Bei 90 nm bleibt tatsächlich . Ein evaneszentes Feld ist somit nicht gleichbedeutend mit einem fehlenden Feld im zweiten Medium.
Was du mitnehmen solltest
Prüfe zuerst den Indexsprung und dann den lokalen Einfallswinkel. Oberhalb der Schwelle fehlt der propagierende Brechungsstrahl, nicht das gesamte Feld. Eine Winkelreserve gilt nur für die berücksichtigten Toleranzen. In einer Faser sind Achswinkel und Seitenwand-Lotwinkel verschieden. Bei Feldabklinglängen immer angeben, ob Amplitude oder Feldquadrat gemeint ist.[1][3]
Belege zu dieser Erklärung
Quanta · Bearbeitet 2. Oktober 2026
- OpenStax University Physics3 §1.4: Total Internal Reflection
- MIT6.007 Lecture32: critical angle and wavevectors
- MIT6.007 Lecture33: evanescence and power flow
- BYU Physics of Light and Optics §3.5: total reflection and evanescence
- OpenStax University Physics Volume 3 §1.7: Polarization by Reflection
Redaktion: Quanta Study Redaktion
Prüfumfang
Diese Erklärung, 3 Rechenbeispiele und 5 Aufgaben liegen auf Deutsch und Englisch vor. Aufbau, Quellenzuordnung und mathematische Darstellung werden automatisiert geprüft. Rechnungen, Modellvoraussetzungen und beide Sprachfassungen erhalten eine gesonderte KI-Gegenprüfung.
Für einen früheren veröffentlichten Stand dieser Seite ist eine interne menschliche Fachprüfung dokumentiert. Diese Bestätigung gilt nicht automatisch für die überarbeitete Erklärung und die neuen Aufgaben.
Eine unabhängige, namentliche menschliche Fachprüfung ist noch nicht dokumentiert. Unsere Aufgabenzahlen sind Rechenbeispiele und keine Messdaten der zitierten Quellen.
Redaktion, Quellen und VorgehenÄnderungsverlauf
- Fachlich passende Verbindungen ergänzt; vorhandene Herleitungen, Rechnungen, Aufgaben, Figuren und Modellgrenzen erhalten.
- Schwelle, Sicherheitsreserve und Faserwinkel schrittweise erläutert; Abklinglängenbeispiel und Schwellenkurve ergänzt; optionale Feldvertiefung gekennzeichnet.
- Lernweg mit Vorwissen und Modellannahmen ergänzt, Herleitungsschritte und Rechenkontrollen präzisiert; eigenes zusätzliches Beispiel, Diagramm und Zusammenfassung eingefügt.
Diese Nachschlageseite zitieren
Quanta. Grenzwinkel der Totalreflexion. Stand 2. Oktober 2026. https://quanta-study.de/tafelwerk/grenzwinkel-totalreflexion
Bei einer konkreten fachlichen Aussage zusätzlich die dort verknüpfte Fachquelle nennen.