Erst Knoten, Pfeile und Polaritäten festlegen
Ein Knoten ist eine Verbindung idealer Leitungen mit gemeinsamem Potential; eine Masche ein geschlossener Weg durch das Schaltbild. Wähle einen Bezugsknoten und zeichne Strompfeile ein, bevor du Zahlen einsetzt. Die Pfeile dürfen zunächst Vermutungen sein. Alle Bauteilgleichungen müssen dieselben Richtungen verwenden, damit positive und negative Ergebnisse anschließend eine eindeutige Bedeutung haben.[1]
Gewöhnliche konzentrierte Schaltung ohne unmodellierte äußere Flussinduktion; Stromrichtungen und Umlaufsinn vorher festlegen.[1]
Die gewählte positive Stromrichtung muss nicht der tatsächlichen entsprechen. Widerstandsspannungen entlang des Strompfeils sind Abfälle; eine ideale Quelle vom Minus- zum Pluspol durchlaufen ist ein Anstieg. Ein Bezugsknoten fixiert das sonst frei verschiebbare Potentialniveau. Zweigstrom, Maschenstrom und Richtung des Maschenumlaufs sind verschiedene Begriffe.[1]
Was genau erhalten wird
Die Erhaltungsaussagen allein geben noch nicht jeden Strom. Ergänze für jeden Widerstand die passende Spannungs-Strom-Beziehung und für jede Quelle ihre Randbedingung. Wähle unabhängige Gleichungen statt dieselbe Bilanz mehrfach zu zählen. Mit Knotenpotentialen kann ein großer Teil der Rechnung aus Spannungsunterschieden direkt gebildet werden.[1]
Die übliche algebraische Knotenregel setzt vernachlässigbare gespeicherte Nettoladung am idealisierten Knoten voraus.[1]
Ein Kondensator in der Schaltung verletzt die Knotenregel nicht: sein Zweigstrom ist mitzuzählen. Wird relevante Ladungsspeicherung am Knoten separat betrachtet, gehört sie als Kapazitäts-/Speicherbeitrag ins Modell. Die konservative elektrostatische Potentialdifferenz summiert sich entlang einer geschlossenen Schleife zu null. Zeitlich veränderter Magnetfluss kann zusätzliche elektromotorische Wirkung liefern, die als Quelle bzw. Kopplung modelliert werden muss.[1][4]
Vertiefung anzeigen: Ein unabhängiges Gleichungssystem aufbauen
In einem zusammenhängenden Netzwerk mit N Knoten sind N−1 unabhängige Knotenbilanzen nötig: die letzte folgt aus den übrigen. Ergänze Bauteilgleichungen und ausreichend unabhängige Schleifen. Für ein planares Widerstandsnetz sind Maschenströme eine Alternative. Ein gemeinsamer Widerstand führt die Differenz benachbarter orientierter Maschenströme, nicht deren Betragssumme. Redundante Gleichungen prüfen die Lösung, erzeugen aber keine zusätzliche Information.[1]
Ein gemeinsamer Knoten V erhält zwei gespeiste Zweige und führt über R3 zum Bezugsknoten 0 V.[1]
Knotenpotentiale, Maschen und gekoppelte Quellen
Zwei Quellen speisen einen gemeinsamen Knoten
- Gegeben
- Bezugsknoten . Linker Quellenknoten über mit V verbunden; rechter Quellenknoten über . verbindet V mit dem Bezugsknoten.
- Gesucht
- Knotenspannung und drei Zweigströme bestimmen.
Ansatz: Mit Bezugspotential null genau eine unabhängige Bilanz am gemeinsamen Knoten bilden.
Beide gespeisten Zweige als zum Knoten gerichtete Ströme definieren.
Mit 12 multiplizieren und nach V lösen.
Gewählte Zweigströme aus ihren Spannungsdifferenzen berechnen.
Ergebnis: V≈5,333 V; I1≈1,667 A und I2≈0,111 A hinein, I3≈1,778 A hinaus.
Kontrolle: Knoten . Linke Schleife . Leistungen der Quellen entsprechen Widerstandsverlusten .
Die rechte Quelle nimmt nun Energie auf
- Gegeben
- Gleiches Netzwerk, rechte Quelle jetzt . Beide Maschenströme im Uhrzeigersinn: links , rechts .
- Gesucht
- Maschen lösen und negativen rechten Einspeisestrom deuten.
Ansatz: Beide Maschen im Uhrzeigersinn orientieren; der gemeinsame Widerstand führt eine Stromdifferenz.
Gemeinsamer R3 führt nach unten j1−j2. Rechte Quelle wird im Umlauf von + nach − durchlaufen.
Das unabhängige Zweigleichungssystem lösen.
Der rechte Einspeisepfeil liegt entgegengesetzt zum rechten Maschenstrom.
Ergebnis: Der rechte Zweig fließt tatsächlich vom Knoten zur 3-V-Quelle; diese nimmt auf.
Kontrolle: Links werden 22 W geliefert, rechts aufgenommen; Widerstände dissipieren . KCL stimmt.
Liegt eine ideale Spannungsquelle zwischen zwei unbekannten Knoten, ist ihr Strom zunächst unbekannt. Fasst man beide Knoten zu einem sogenannten Superknoten zusammen, entfernt dessen gemeinsame Bilanz diesen internen Strom. Die Quellenspannung liefert die zusätzlich benötigte Beziehung.[1]
Zwei Knoten mit einer idealen Spannungsquelle verbinden
- Gegeben
- Knoten A liegt über 6 Ω, Knoten B über 3 Ω am Bezug 0 V. Eine ideale 3-V-Quelle liegt zwischen A (Plus) und B (Minus). Eine ideale Stromquelle speist 2 A vom Bezug in A. Stationärer Gleichstrom, keine weiteren Zweige.
- Gesucht
- Knotenpotentiale, Strom durch die Spannungsquelle und Leistungsbilanz bestimmen.
Ansatz: A und B gemeinsam bilanzieren. Der interne Quellenstrom fällt dabei weg; die Spannungsquelle liefert eine zweite Gleichung.
Potentiale lösen, dann die Einzelknotenbilanz an A verwenden.
Der Strom tritt in die Plusklemme der Spannungsquelle ein: Sie nimmt Energie auf.
Ergebnis: Die Potentiale sind 6 V und 3 V, der Quellenstrom fließt mit 1 A von A nach B. Die 3-V-Quelle nimmt 3 W auf.
Kontrolle: An A gilt , an B , jeweils in Ampere. Die passive Leistungssumme ist . Die Bezeichnung „Spannungsquelle“ bedeutet daher nicht automatisch Leistungsabgabe.
Negative Lösungen richtig zurückübersetzen
Eine negative Stromlösung sagt, dass der reale Strom dem definierten Pfeil entgegenläuft. Die vorzeichenrichtige Zahl bleibt in allen Spannungs- und Leistungsbilanzen stehen. Erst bei der Beschreibung darfst du Betrag und tatsächlichen Gegenpfeil verwenden. Bei einer idealen Quelle kann die Stromrichtung zu Energieaufnahme führen, ohne dass ihre vorgegebene Spannung sich ändert. Eine reale Batterie ist damit nicht automatisch gefahrlos in jedem Betriebszustand beschreibbar; das Beispiel verwendet ausdrücklich ideale Quellen.[1][3]
Ein Quellenstrom kann seine Richtung wechseln
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Ohm als Bauteilgleichung, Erhaltung als Netzgleichung
Die Leistungsprobe bezieht Quellen und sämtliche modellierten Bauteile mit derselben passiven Vorzeichenkonvention ein.[1][3]
Der obere Bestandsfall bleibt erhalten: Ein Knoten erhält 2 A und 0,5 A; nach 1,2 A im ersten Ausgang bleiben 1,3 A für den zweiten. Der separate 12-V-Maschenfall mit 5 V und 7 V Abfall liefert 12−5−7=0. Diese Kontrollen sind noch keine allgemeine Mehrmaschenlösung. In großen Netzen sollte jedes Gleichungsglied explizit Ampere oder Volt besitzen. Addiert werden keine Ströme zu Spannungen; Knoten- und Maschengleichungen erfüllen unterschiedliche Rollen.[1]
Fünf Aufgaben mit Vorzeichen
Einsetzen und Rechnen · Einstieg
In einen Knoten fließen 0,60 A; aus einem Zweig 0,20 A. Zweiter ausgehender Strom?
Hinweis anzeigen
Ladungserhaltung am idealen Knoten.
Lernziel: Einen fehlenden Zweigstrom durch die Knotenbilanz bestimmen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Der ideale Knoten speichert keine Ladung; die gerichteten Ströme müssen sich ausgleichen.
I=0,40 A hinaus.
Probe 0,60−0,20−0,40=0.
Einsetzen und Rechnen · Einstieg
Ideale 10-V-Quelle, 2 Ω und 3 Ω in Reihe. Strom und beide Spannungsabfälle?
Hinweis anzeigen
Eine Schleife, ein Strom.
Lernziel: Serienstrom und einzelne Spannungsabfälle gemeinsam bestimmen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Eine Masche verbindet die Quellspannung mit beiden ohmschen Spannungsabfällen.
I=2 A; Abfälle 4 V und 6 V.
Umlauf 10−4−6=0; Widerstandsleistung 8+12=20 W=10·2.
Transfer · Vertiefen
Ein extern vorgegebener Fluss wächst im positiven Schleifensinn mit 0,12 Wb/s. Schleifenwiderstand 8 Ω, Selbstinduktion vernachlässigt. Vorzeichen des stationären Modellstroms?
Hinweis anzeigen
Faraday-emf als Quelle einschließen.
Lernziel: Eine induzierte Spannung mit Umlaufvorzeichen in eine Strombilanz integrieren.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: In der gewählten positiven Umlaufrichtung erzeugt zunehmender positiver Fluss eine negative induzierte Spannung.
Eind=−0,12 V; I=−0,015 A.
Der Strom wirkt dem Flussanstieg entgegen.
Die zusätzliche emf darf nicht aus der Schleifenbilanz weggelassen werden.
Interpretieren · Einstieg
An einem idealen Knoten zeigt ein Strompfeil von 0,40 A hinein und ein zweiter von 0,70 A hinaus. Ein unbekannter Strom I hat einen ebenfalls hinaus gerichteten Bezugspfeil. Der Knoten speichert keine relevante Ladung. Bestimme I und beschreibe die tatsächliche Richtung. Muss man ein negatives Ergebnis durch null ersetzen?
Hinweis anzeigen
Schreibe die Knotenbilanz mit den gewählten Pfeilen. Ein negativer Wert kehrt nur die tatsächliche Richtung relativ zum Bezugspfeil um.
Lernziel: Einen negativen Zweigstrom als Richtungsinformation deuten.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Eingehende Ströme positiv und die beiden ausgehend definierten Ströme negativ zählen.
Es folgt I=−0,30 A.
Tatsächlich fließen also 0,30 A hinein.
Das Ergebnis darf weder auf null gesetzt noch als positiver ausgehender Strom eingesetzt werden.
Kontrolle: Die tatsächlichen Zuflüsse 0,40 A und 0,30 A ergeben zusammen den Abfluss 0,70 A.
Fehleranalyse · Anwenden
Eine ideale unverzweigte Schleife enthält zwei Quellen und einen Widerstand von 4 Ω. Im gewählten Umlaufsinn durchläuft man die erste Quelle von minus nach plus (12 V), die zweite von plus nach minus (4 V), anschließend den Widerstand in Richtung des definierten Stroms I. Eine Lösung schreibt und erhält 4 A. Korrigiere und prüfe die Leistungsbilanz.
Hinweis anzeigen
Der Umlauf enthält eine Spannungserhöhung und eine Spannungsabnahme an den Quellen. Die zweite ideale Quelle kann dabei Leistung aufnehmen.
Lernziel: Spannungsbilanz einer entgegenwirkenden zweiten Quelle mit konsistentem Umlaufsinn bilden.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Jedem Element sein Vorzeichen aus dem angegebenen Umlaufsinn zuordnen.
Die resultierende Quellspannung beträgt 8 V, daher fließen 2 A.
Die 12-V-Quelle liefert 24 W; die 4-V-Quelle nimmt 8 W auf, der Widerstand 16 W.
Kontrolle: 24 W entsprechen genau der Summe der aufgenommenen Leistungen. Die falsche Addition ignoriert die Polung der zweiten Quelle.
Konzentrierte Schaltungen und Feldgrenzen
Für eine räumlich feste Schleife macht ein veränderlicher verketteter Magnetfluss das elektrische Feld nichtkonservativ. Bei einer bewegten Schleife muss für die gesamte elektromotorische Wirkung zusätzlich der Bewegungsbeitrag berücksichtigt werden.[4]
Kirchhoff mit geeigneten Induktivitäten und Quellen bleibt ein nützliches Schaltungsmodell. Unmodellierte Kopplung, Ausbreitungsverzögerung, Strahlung und relevante räumliche Speicherwirkungen machen die schlichte rein ohmsche Maschenbilanz jedoch unvollständig. Vergleiche deshalb die Zeitskala der Anregung mit der Ausbreitungszeit. Ein Konflikt mit einer Nullsummenregel weist dann auf fehlende Modellbeiträge, nicht auf einen Verlust der Ladungserhaltung.[4][1]
Kurz zusammengefasst
Pfeile und Bezug zuerst, Erhaltung und Bauteilgesetze danach. Löse ein unabhängiges Gleichungssystem und setze die Ergebnisse in Knoten-, Maschen- und Leistungsbilanz zurück. Eine Quelle kann je nach Stromrichtung Energie liefern oder aufnehmen.
Belege zu dieser Erklärung
Quanta · Bearbeitet 2. Oktober 2026
- OpenStax UP2 §10.3: Kirchhoff’s Rules
- OpenStax UP2 §10.2: Resistors in Series and Parallel
- OpenStax UP2 §9.5: Electrical Energy and Power
- OpenStax UP2 §13.1: Faraday’s Law
Redaktion: Quanta Study Redaktion
Prüfumfang
Diese Erklärung, 3 Rechenbeispiele und 5 Aufgaben liegen auf Deutsch und Englisch vor. Aufbau, Quellenzuordnung und mathematische Darstellung werden automatisiert geprüft. Rechnungen, Modellvoraussetzungen und beide Sprachfassungen erhalten eine gesonderte KI-Gegenprüfung.
Für einen früheren veröffentlichten Stand dieser Seite ist eine interne menschliche Fachprüfung dokumentiert. Diese Bestätigung gilt nicht automatisch für die überarbeitete Erklärung und die neuen Aufgaben.
Eine unabhängige, namentliche menschliche Fachprüfung ist noch nicht dokumentiert. Unsere Aufgabenzahlen sind Rechenbeispiele und keine Messdaten der zitierten Quellen.
Redaktion, Quellen und VorgehenÄnderungsverlauf
- Fachlich passende Anschlusslinks ergänzt und den Begriff Superknoten an der gemeinsamen Knotenbilanz benannt; vorhandene Erklärungen, Rechnungen, Aufgaben, Figuren und Quellen erhalten.
- Zwei Aufgaben ergänzt; die fünf Aufgaben nach Aufgabentyp, Schwierigkeit und Lernziel gegliedert.
- Lernweg mit anschaulichem Einstieg, zusätzlichem Modellbeispiel, quantitativem Diagramm und Schlusszusammenfassung ergänzt; vorhandene Beispiele, Aufgaben und Quellen erhalten.
Diese Nachschlageseite zitieren
Quanta. Kirchhoffsche Knoten- und Maschenregeln. Stand 2. Oktober 2026. https://quanta-study.de/tafelwerk/kirchhoff-knotenmaschen
Bei einer konkreten fachlichen Aussage zusätzlich die dort verknüpfte Fachquelle nennen.