Welche Masse die Grenze passiert
Stelle dir vor, du sammelst das austretende Wasser zehn Sekunden lang in einem Gefäß. Das gesammelte Volumen geteilt durch die Zeit ist der Volumenstrom. Wie viel Masse das ist, sagt erst die Dichte. Diese Unterscheidung verhindert, dass du bei Gasen fälschlich gleiche Volumenströme annimmst.[1]
Wähle einen festen Rohrabschnitt mit einem Einlass und einem Auslass. Dichte ρ bezeichnet die Masse pro lokalem Volumen. Der Massenstrom ṁ ist die Masse, die pro Zeit eine Querschnittsfläche passiert, in kg/s. Der Volumenstrom Q zählt dagegen lokales Volumen pro Zeit, in m3/s. Ein Massenstrom von 1 kg/s ist nicht ohne eine Dichteangabe zugleich ein Volumenstrom von 1 L/s.[1]
Für gleichmäßige Dichte über den Querschnitt ist v̄n die gemittelte normale Geschwindigkeitskomponente.[1]
Die Geschwindigkeitskomponente muss normal zur Fläche gewählt werden. Eine tangentiale Bewegung entlang der Messfläche transportiert keine Masse durch sie. In einem geraden Rohr werden die Querschnitte gewöhnlich senkrecht zur mittleren Fließrichtung gelegt. Das v der Kurzform ist dann die Querschnittsmittelgeschwindigkeit, nicht unbedingt die Geschwindigkeit in der Rohrmitte.[1]
Wie folgt die stationäre Kontinuitätsgleichung aus Massenerhaltung?
Für den gewählten festen Abschnitt ist die Änderung seiner enthaltenen Masse gleich Zufluss minus Abfluss. Quellen, weitere Anschlüsse und Leckagen wären zusätzliche Bilanzterme. Bei stationärer Strömung bleibt die gespeicherte Masse konstant. Für genau einen Einlass und einen Auslass müssen deshalb die positiven ein- und austretenden Massenströme gleich sein.[2]
Die stationäre Zweiquerschnittsform verlangt keine Massenansammlung zwischen den Flächen.[1]
Die Herleitung benutzt Massenerhaltung und ein passendes Strömungsmodell. Sie verlangt keine reibungsfreie Bewegung. In einem realen Rohr mit Druckverlust kann dieselbe stationäre Massenbilanz weiterhin gelten. Reibung verändert die Energie- und Impulsbilanz, erzeugt aber im gewöhnlichen Rohrmodell keine zusätzliche Fluidmasse.[1]
Wann gilt gleicher Volumenstrom und wann muss die Dichte mitgeführt werden?
Bei gleicher Dichte ist auch der Volumenstrom gleich.[1]
Die Vereinfachung passt häufig zu Wasser bei moderaten Zustandsänderungen, ist aber keine automatische Garantie für jede Flüssigkeit. Bei Gasen können Temperatur- und Druckänderungen die Dichte deutlich verändern. Dann bleibt ṁ konstant, während von Ort zu Ort verschieden sein kann. Eine kleinere Fläche allein bestimmt deshalb bei veränderlicher Dichte das Geschwindigkeitsverhältnis noch nicht.[1]
Eine Verdichtung kann den Geschwindigkeitseffekt einer Querschnittsverengung verändern.[1]
Flächen, Durchmesser und Einheiten
Für Kreisrohre ist das Flächenverhältnis das Quadrat des Durchmesserverhältnisses.[1]
Halber Durchmesser bedeutet ein Viertel der Fläche. Bei gleicher Dichte und gleichem Massenstrom vervierfacht sich dann die mittlere Geschwindigkeit. Für einen ebenen Spalt mit unveränderter Breite wäre ein Halbieren der Höhe dagegen nur eine Halbierung der Fläche. Eine Skizzenhöhe ist deshalb ohne Querschnittsform keine vollständige Flächenangabe.[1]
; . Für L/min werden sowohl Liter als auch Minuten umgerechnet. Die Einheit von ist . Beim Umstellen nach v2 müssen ρ2 und A2 positiv sein; eine geschlossene Nullfläche kann nicht mit derselben endlichen Durchflussrechnung behandelt werden. Die Massendichte verbindet den lokalen Volumenstrom mit dem Massenstrom.[1]
Beispiel: Wasser durch eine Verengung
Volumenstrom und Geschwindigkeit gemeinsam prüfen
- Gegeben
- Stationäres Wasser mit ; , , . Keine weiteren Anschlüsse.
- Gesucht
- Bestimme v̄2, Q und ṁ.
Ansatz: Bei stationärem Fluss gleicher Dichte ist , mit und . Das Kreisflächenverhältnis aus den Durchmessern berechnen.
Die größere Fläche in SI-Einheiten auswerten und mit ihrer mittleren Geschwindigkeit multiplizieren.
Mit der Dichte zum Massenstrom wechseln; für L/min beide Umrechnungsfaktoren verwenden.
Ergebnis: ; Q ≈ 0,5655 L/s; ṁ ≈ 0,5655 kg/s.
Kontrolle: Die kleine Fläche mal ergibt denselben Q. In 10 s passieren etwa 5,655 L beide Querschnitte. Die passende Druckdifferenz ist damit noch nicht bestimmt.
Eine zweite direkte Flächenprobe: 4,0 cm2 bei 2,0 m/s und 1,0 cm2 am Ausgang ergeben und . Beide Rechnungen setzen gleiche Dichte und einen unveränderten Volumenstrom voraus. Sie bestimmen keine Pumpenleistung. Die Bernoulli-Gleichung ergänzt unter ihren eigenen Voraussetzungen eine mechanische Energiebilanz, mit der Druckänderungen untersucht werden können.[1][3]
Halber Durchmesser, vierfache Geschwindigkeit
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Beispiel: Dichteänderung im Gasmodell
Gleicher Massenstrom, anderer Volumenstrom
- Gegeben
- Stationäres Modell: , , ; und . Dichten sind vorgegebene Zustandswerte.
- Gesucht
- Berechne ṁ, v̄2 und beide Volumenströme.
Ansatz: Bei unterschiedlichen Dichten bleibt erhalten; muss nicht gleich sein. Einlassfläche umrechnen und den Massenstrom bestimmen.
Den Massenstrom am Auslass nach Geschwindigkeit auflösen.
Beide lokalen Volumenströme separat berechnen.
Ergebnis: ; bleibt gleich, Q sinkt von 15 auf 10 L/s.
Kontrolle: Kontrolle: . Wer die Dichte fälschlich kürzt, erhält 15 m/s am Ausgang und den unpassenden Massenstrom . Die Bilanz ist damit verletzt.
Diese Rechnung prüft die Massenbilanz für vorgegebene Zustände. Sie beweist nicht, dass diese Zustände in einer passiven Düse tatsächlich gemeinsam entstehen. Dafür werden zusätzlich Energie, Impuls, Zustandsgleichung und gegebenenfalls technische Arbeit benötigt.[1]
Vertiefung: Speicherung, Verzweigungen und Profile
Mehrere Anschlüsse werden mit ihren Richtungen gezählt; bei Füllung bleibt der linke Term erhalten.[1]
Ein Tank mit 5 kg/s Zufluss und 3 kg/s Abfluss gewinnt 2 kg pro Sekunde. Obwohl Masse erhalten bleibt, sind Ein- und Auslassströme nicht gleich: Die gespeicherte Masse ändert sich. Bei einem stationären Abzweig teilen sich dagegen die Massenströme so, dass ihre Summe stimmt. Eine Leckage ist ein weiterer Auslass, keine Ausnahme von Massenerhaltung.[1]
Vertiefung anzeigen: Massenstrom mit einem Flächenintegral
n⃗ ist die gewählte Einheitsnormale der Querschnittsfläche. Das Integral liefert den gerichteten Massenstrom und berücksichtigt örtliche Dichte- und Normalgeschwindigkeitsänderungen. In der Einlass-/Auslassbilanz werden daraus die passenden positiven Beträge gebildet.[1]
Wenn die Dichte über die Fläche variiert, ist das Produkt einer separat gemittelten Dichte und Geschwindigkeit nicht automatisch gleich dem Mittelwert ihres Produkts. Bei konstantem ρ darf es vor das Integral gezogen werden. Turbulente zeitliche Mittelungen verlangen ebenfalls eine passende Behandlung der Schwankungen. Die Kontinuität ersetzt weder eine Druckbilanz noch die Prüfung der realen Durchflussbedingungen.[1]
Fünf Aufgaben mit kontrollierten Lösungen
Einsetzen und Rechnen · Einstieg
Bei stationärer Strömung gleicher Dichte durch ein Kreisrohr ohne Abzweige halbiert sich der Durchmesser. Die mittlere Normalgeschwindigkeit am Einlass ist . Bestimme .
Hinweis anzeigen
Zuerst das Flächenverhältnis bilden.
Lernziel: Durchmesseränderung quadratisch in das Geschwindigkeitsverhältnis übersetzen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Stationäre Strömung ohne Nebenanschlüsse und bei gleicher Dichte verlangt .
Für Kreisrohre zählt das Quadrat des Durchmesserverhältnisses.
Die Fläche wird geviertelt.
Daher .
Kontrolle: .
Einsetzen und Rechnen · Einstieg
2. 18 L/min passieren 3,0 cm2. Wie groß ist die Mittelgeschwindigkeit?
Hinweis anzeigen
Liter in Kubikmeter, Minuten in Sekunden und Quadratzentimeter in Quadratmeter umrechnen.
Lernziel: Volumenstrom- und Flächeneinheiten zur mittleren Geschwindigkeit umrechnen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Der Volumenstrom ist Querschnitt mal mittlere Normalgeschwindigkeit, also .
Beide Eingaben zuerst in SI-Einheiten umrechnen.
.
.
Damit ist ; Rückrechnung ergibt wieder 18 L/min.
Transfer · Anwenden
3. Ein stationärer Abzweig erhält 0,90 kg/s. Ein Auslass führt 0,35 kg/s. Der andere hat und . Bestimme seine Geschwindigkeit.
Hinweis anzeigen
Erst die fehlende Masse pro Zeit bilanzieren, dann durch ρA teilen.
Lernziel: Eine Verzweigungsbilanz zuerst mit Massenströmen, dann mit Geschwindigkeit lösen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Am stationären Abzweig muss die Summe der austretenden Massenströme dem eintretenden Massenstrom entsprechen.
Für den zweiten Auslass gilt danach .
Der zweite Auslass führt .
Damit ist Kontrolle: .
Interpretieren · Anwenden
In einem stationären Rohrabschnitt ohne Nebenanschluss strömt Gas mit und hinein. Am Ausgang beträgt die Dichte . Bestimme Q2. Ein Diagramm zeichnet den Ausgangs-Volumenstrom größer als den Eingangsstrom: Verletzt das die Massenerhaltung? Die angegebenen Zustände sind für diese Bilanz vorgegeben.
Hinweis anzeigen
Bilanziere den Massenstrom. Gleicher Massenstrom benötigt bei kleinerer Dichte mehr Volumen je Sekunde.
Lernziel: Dichteänderung als Ursache unterschiedlicher Volumenströme bei konstantem Massenstrom erkennen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Den eingehenden Massenstrom berechnen und am Ausgang durch dessen Dichte teilen.
Es bleiben 0,060 kg/s Massenstrom, während der Volumenstrom auf 0,040 m3/s steigt.
Das Diagramm verletzt die Massenerhaltung nicht.
Kontrolle: Ausgangsdichte mal Ausgangsvolumenstrom ergibt wieder 0,060 kg/s. Die Bilanz allein belegt nicht, dass diese Zustände ohne weitere technische Randbedingungen realisiert werden.
Fehleranalyse · Anwenden
Ein Tank enthält anfangs 5 kg Flüssigkeit. Während 20 s fließen konstant 0,30 kg/s hinein und 0,10 kg/s hinaus; weitere Anschlüsse fehlen. Eine Lösung erklärt die Daten wegen ungleicher Massenströme für unmöglich und setzt beide Ströme gleich. Bestimme die Endmasse und die Voraussetzung, die in dieser Lösung fehlt.
Hinweis anzeigen
Massenerhaltung erlaubt Speicherung im Tank. Gleichheit der Zu- und Abflüsse folgt erst bei unveränderter gespeicherter Masse.
Lernziel: Bei instationärer Speicherung die vollständige Kontrollvolumenbilanz verwenden.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Die Differenz der Massenströme als zeitliche Massenzunahme ansetzen und über die angegebene Zeit integrieren.
Der Tank gewinnt 4 kg und enthält anschließend 9 kg.
Die fehlerhafte Lösung setzt ohne Begründung stationäre Speicherung voraus.
Kontrolle: Insgesamt kommen 6 kg hinzu und 2 kg heraus; 5+6−2 ergibt dieselbe Endmasse.
Das Wichtigste im Überblick
Lege die Systemgrenze fest und zähle alle Anschlüsse. Ohne Massenspeicherung sind Zufluss und Abfluss gleich. Verwende mittlere Normalgeschwindigkeiten und die jeweiligen Dichten; kürze die Dichte nur bei gleichen Werten. Durchmesser gehen über die Kreisfläche quadratisch ein.
Belege zu dieser Erklärung
Quanta · Bearbeitet 2. Oktober 2026
- OpenStax University Physics 1, §14.5: Fluid Dynamics
- NASA Glenn: Conservation of Mass
- OpenStax University Physics 1 §14.6: Bernoulli’s Equation
Redaktion: Quanta Study Redaktion
Prüfumfang
Diese Erklärung, 2 Rechenbeispiele und 5 Aufgaben liegen auf Deutsch und Englisch vor. Aufbau, Quellenzuordnung und mathematische Darstellung werden automatisiert geprüft. Rechnungen, Modellvoraussetzungen und beide Sprachfassungen erhalten eine gesonderte KI-Gegenprüfung.
Für einen früheren veröffentlichten Stand dieser Seite ist eine interne menschliche Fachprüfung dokumentiert. Diese Bestätigung gilt nicht automatisch für die überarbeitete Erklärung und die neuen Aufgaben.
Eine unabhängige, namentliche menschliche Fachprüfung ist noch nicht dokumentiert. Unsere Aufgabenzahlen sind Rechenbeispiele und keine Messdaten der zitierten Quellen.
Redaktion, Quellen und VorgehenÄnderungsverlauf
- Stationäre Massenbilanz und Dichtevoraussetzung in Frageüberschriften hervorgehoben; Absatzverbindungen zu Massendichte und bedingter Bernoulli-Energiebilanz ergänzt.
- Einstieg und Lernübergänge verständlicher gefasst; vorhandene Aufgabenlösungen geprüft und präzisiert, mathematische Textstellen gesetzt und eine eigene quantitative Artikelgrafik ergänzt.
- Zwei Aufgaben ergänzt; die fünf Aufgaben nach Aufgabentyp, Schwierigkeit und Lernziel gegliedert.
Diese Nachschlageseite zitieren
Quanta. Kontinuitätsgleichung der Strömung. Stand 2. Oktober 2026. https://quanta-study.de/tafelwerk/kontinuitaetsgleichung-stroemung
Bei einer konkreten fachlichen Aussage zusätzlich die dort verknüpfte Fachquelle nennen.