Das Feld eines gebogenen Stromwegs zusammensetzen
Bei einem langen geraden Draht hilft Symmetrie. Was aber, wenn der Draht gebogen ist? Denke ihn in viele kurze gerichtete Stücke zerlegt. Jedes Stück liefert am gewählten Beobachtungspunkt einen kleinen Feldvektor. Biot-Savart beschreibt diesen Beitrag; das Integral addiert die Beiträge der gesamten Geometrie. Das Wort „klein“ rechtfertigt dabei nicht, für alle Stücke denselben Abstand zu verwenden.[1][2]
- Vorwissen: Das Kreuzprodukt wählt die Richtung senkrecht zu Stromstück und Verbindungsvektor. Bei parallelen Vektoren ist der Beitrag null.
- Der Verbindungsvektor zeigt vom aktuellen Quellstück zum festen Beobachtungspunkt, nicht andersherum.
- Stationärer Strom benötigt einen vollständigen Stromweg. Wenn nur ein Abschnitt berechnet wird, bleibt sein Beitrag vom gesamten Feld zu unterscheiden.
Quelle, Beobachtungspunkt und Kreuzprodukt
Ein Quellpunkt auf einem dünnen Leiter hat die Position ; der feste Beobachtungspunkt liegt bei . Der Verbindungsvektor zeigt immer von der Quelle zum Beobachter. Sein Betrag R ist im Allgemeinen entlang des Leiters verschieden. Bei positivem Strom I orientieren wir in Stromrichtung. Wer den Verbindungsvektor umkehrt, kehrt auch das berechnete Feld um.[1]
Magnetostatische Vakuumform für dünne Leiter; R≠0.[1]
Das Kreuzprodukt liefert einen Beitrag senkrecht zum Stromelement und zum Verbindungsvektor. Seine Größe enthält den Sinus des eingeschlossenen Winkels. Ein parallel zum Verbindungsvektor gerichtetes Element liefert an diesem Punkt keinen Beitrag. Daraus folgt nicht, dass der ganze Stromkreis dort feldfrei ist: Andere Elemente haben andere Richtungen und Winkel.[1]
Das Gesetz anwenden, nicht aus Geometrie erfinden
Die Stromelement-Beziehung ist eine physikalische magnetostatische Feldbeziehung; ein geometrisches Argument allein beweist sie nicht. Für einen konkreten Leiter beginnt die Herleitung deshalb mit diesem Gesetz. Danach parametrisiert man den Leiter, berechnet das Kreuzprodukt und integriert die verbleibenden Komponenten. Nur Faktoren, die entlang des gesamten Integrationsweges konstant sind, dürfen vor das Integral gezogen werden.[1]
Ein Stromstück ist ein Teil einer vollständigen stationären Stromverteilung, keine isolierte Stromquelle mit freien Enden. In einem realen Aufbau schließen Rückleiter und Anschlussleitungen den Kreis; ihre Beiträge müssen addiert oder mit begründeter Näherung vernachlässigt werden. Bei einem dicken Leiter ersetzt man das Linienintegral durch eine Integration über die Stromdichte. Eine besonders symmetrische unendliche Geometrie kann mit Ampères Gesetz kürzer behandelt werden.[1]
Halte den Beobachter beim Integrieren fest und bewege nur den Quellpunkt entlang des Drahtes. Für jedes Stück ändern sich dadurch Abstand und Winkel. Wähle dann einen gemeinsamen Satz von Komponenten und addiere jede Komponente separat. Erst zum Schluss bildest du den Gesamtbetrag. Bei einer Kreisschleife heben sich quer zur Achse gerichtete Anteile paarweise auf; die axialen Anteile addieren sich.[1][3]
Wie berechnet man den Beitrag eines endlichen geraden Drahts?
Ein Drahtstück liege auf der x-Achse von −a bis +a, der positive Strom fließe nach +x. Der Beobachtungspunkt liegt bei (0,d,0) mit d>0. Für jedes Element ist der z-Anteil des Kreuzprodukts positiv; alle Beiträge dieses geraden Stücks zeigen aus der Zeichenebene. Der Abstand zum einzelnen Element ist , nicht der konstante kürzeste Abstand d.[2]
Der endliche Faktor gilt in der Mittelebene dieses Stücks. Andere Leiterteile sind hier noch nicht enthalten.[2]
Für die Unterrichtsrechnungen verwenden wir Tesla-Meter pro Ampere. Das ist seit der SI-Neudefinition keine exakte definierende Konstante mehr; CODATA 2022 gibt einen sehr nahe liegenden Messwert an. Die Rundungsabweichung ist für unsere dreistelligen Ergebnisse vernachlässigbar. Die Einheit des Stromelement-Beitrags ist Tesla, denn Strom mal Elementlänge geteilt durch Abstand zum Quadrat liefert Ampere pro Meter. Das Magnetfeld eines langen geraden Leiters ist der passende Grenzvergleich, wenn die Enden gegenüber dem Querabstand ausreichend weit entfernt sind.[4][5]
Beispiel: Drahtstück statt unendlichem Draht
Eine geometrische Näherung kontrollieren
- Gegeben
- Drahtstück , nach +x, Punkt . Vakuum; Beitrag nur dieses Stücks.
- Gesucht
- Feldkomponente und Unterschied zum unendlichen Modell.
Ansatz: Kreuzprodukt für die Richtung und endliches Integral für den Betrag verwenden.
Einsetzen: a ist 0,15 m, nicht 0,30 m.
Ergebnis: Das Stück trägt etwa 14,5 µT nach +z bei. Das unendliche Modell wäre um etwa 3,49 Prozent des endlichen Wertes höher.
Kontrolle: Kontrolle: Der geometrische Faktor ist 0,966235 und kleiner als eins. Beim Stromrichtungswechsel wird Bz negativ. Rückleiterbeiträge können das gemessene Gesamtfeld zusätzlich verändern; sie sind nicht in diesem Zahlenvergleich enthalten.
Wie entsteht das Achsenfeld einer Kreiswindung?
Eine Kreiswindung mit Radius R liege in der xy-Ebene. Ihr Strom fließt von +z aus gesehen gegen den Uhrzeigersinn. Auf der z-Achse heben sich die quer zur Achse gerichteten Beiträge gegenüberliegender Elemente auf. Die z-Komponenten addieren sich. Der Abstand ist hier für alle Elemente gleich; zusätzlich muss aber noch der axiale Projektionsfaktor berücksichtigt werden.[3]
Eine Windung. Für N praktisch gleiche, dicht beieinander liegende Windungen werden die Beiträge mit N multipliziert.[3]
Die Näherung einer flachen Mehrwindungsspule setzt voraus, dass Radien und axiale Positionen so ähnlich sind, dass der gleiche Einzelwindungswert verwendet werden darf. N ist die Anzahl der Windungen, nicht eine Windungsdichte. Weit von der Schleife fällt ihr axiales Feld ungefähr mit der dritten Potenz des Abstandes. Dieser andere Verlauf gehört zur geschlossenen Stromgeometrie, obwohl jedes Stromelement denselben Biot-Savart-Ausgangspunkt hat. Das Magnetfeld einer langen Spule erfordert dagegen axial verteilte Windungen und seine eigene Langspulenannahme; bloße Multiplikation des flachen Schleifenwerts ersetzt diese Geometrie nicht.[3]
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Das Schleifenfeld nimmt auf der Achse ab
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Beispiel: Feld im Zentrum und auf der Achse
Eine flache Spule an zwei Orten vergleichen
- Gegeben
- dünne nahe gleiche Windungen, , gegen den Uhrzeigersinn von +z gesehen; . Luft näherungsweise als Vakuum.
- Gesucht
- Feld im Zentrum, axiales Feld und deren Verhältnis.
Ansatz: Axiale Komponenten addieren; N zählt Windungen. Den Quotienten separat bilden, damit Strom und Naturkonstante sich kürzen.
Einsetzen: ; die Entfernung gehört mit der dritten Potenz in den Nenner.
Ergebnis: Im Zentrum liegen etwa 785 µT, am angegebenen Achsenpunkt etwa 402 µT vor, beide nach +z. Der axiale Wert ist 51,2 Prozent des Zentrumwerts.
Kontrolle: Kontrolle: Der Quotient liegt unter eins und geht für z=0 auf eins über. Gegenüberliegende Elemente entfernen Querkomponenten; ein pauschales Addieren ihrer Beträge hätte die erforderliche Projektion übergangen.
Beträge erst nach der Vektorsumme
Zwei gleich starke Felder können sich vollständig aufheben. Für zwei parallele gleiche Ströme in symmetrisch angeordneten langen Drähten sind die Felder in der Mitte entgegengesetzt. Kehrt man nur einen Strom um, zeigen beide Beiträge dort in die gleiche Richtung. Der Abstand zur jeweiligen Quelle entscheidet über den Einzelbetrag; die Umlaufrichtung entscheidet über das Vorzeichen. Erst nach Addition der kartesischen Komponenten wird der Gesamtbetrag bestimmt.[1][2]
Eine Summe von Beträgen ist nur bei gleichgerichteten Beiträgen zulässig.[1]
Ein geschlossener Stromweg aus zwei Halbkreisen
- Gegeben
- Zwei konzentrische Halbkreise in der xy-Ebene mit Radien 5,00 cm und 15,0 cm werden an ihren Enden radial verbunden. Der Strom 1,50 A fließt auf dem inneren Halbkreis gegen den Uhrzeigersinn, von +z betrachtet, und auf dem äußeren im Uhrzeigersinn. Beobachtung im gemeinsamen Mittelpunkt. Vakuum, dünner Leiter.
- Gesucht
- Bestimme das gesamte Magnetfeld dieses geschlossenen Stromwegs im Mittelpunkt.
Ansatz: Auf einem Kreisbogen ist der Abstand konstant und der Verbindungsvektor senkrecht zum Stromelement. Die radialen Verbindungen sind parallel zum Verbindungsvektor und tragen dort nichts bei.
Einsetzen: Der innere Beitrag zeigt nach +z, der äußere nach −z.
Ergebnis: Das gesamte Feld beträgt etwa 6,283 µT nach +z. Der stärkere innere Halbkreis überwiegt.
Kontrolle: Der äußere Radius ist dreimal so groß und sein Beitrag daher ein Drittel des inneren, mit entgegengesetzter Richtung. Beide radialen Verbindungen sind ausdrücklich enthalten. Stromumkehr kehrt nur das Gesamtvorzeichen um.
Stationäre Ströme und eine vollständige Geometrie
Die dargestellte Form gilt magnetostatisch im Vakuum. Bei schnell veränderlichen Quellen beschreibt ein Integral der momentanen Ströme nicht alle Feldwirkungen; Verzögerung und elektrische Feldänderungen gehören zum zeitabhängigen Maxwell-Modell. Bei ferromagnetischen Kernen ist das Ersetzen von μ0 durch irgendeine konstante Zahl nicht allgemein ausreichend: Materialantwort und Geometrie müssen gemeinsam berücksichtigt werden. Auf dem ideal dünnen Draht ist die Linienform singular; reale Stromverteilung und Leiterquerschnitt lösen diese Modellgrenze.[1]
Ein fachlich vollständiges Ergebnis nennt daher den Beobachtungspunkt, die Stromorientierung, den Beitrag des betrachteten Leiters und die vernachlässigten Teile. Ein perfekter Zahlenwert für ein Drahtstück ist noch nicht das Gesamtfeld eines Laboraufbaus. Messungen können außerdem Erdmagnetfeld und weitere Quellen enthalten. Superposition trennt diese Beiträge im linearen Vakuummodell, sofern ihre Geometrien und Ströme bekannt sind.[1]
Fünf Aufgaben zu Geometrie und Vektoraddition
Einsetzen und Rechnen · Einstieg
Ein langer dünner Draht führt nach +x. Ein Punkt liegt in +y-Richtung vom Draht. Bestimme seinen Feldbeitrag.
Hinweis anzeigen
Rechte-Hand-Regel vor der Betragsrechnung anwenden.
Lernziel: Das lange-Draht-Ergebnis mit Richtung verwenden.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Modell und Ansatz: Langer dünner Draht und äußerer Beobachtungspunkt; die Richtung folgt aus Strom und Verbindung.
Ansatz ist die unendlich-lange Näherung. +x gekreuzt mit +y liefert +z.
Die Rechnung ergibt 16,0 µT aus der Ebene.
Eine Verdopplung von d halbiert den Betrag.
Enden und Rückleiter müssen hinreichend weit entfernt sein oder separat berücksichtigt werden.
Umstellen · Anwenden
Eine einzelne Kreiswindung mit soll im Zentrum erzeugen. Wie groß ist I im Vakuummodell?
Hinweis anzeigen
Zentrumformel nach I isolieren; N=1.
Lernziel: Einen Strom aus einem einzelnen Schleifenzentrumfeld bestimmen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: .
Das ergibt etwa 2,865 A.
Zurückeinsetzen liefert 60 µT.
Für das Vorzeichen benötigt man zusätzlich die geforderte Feldrichtung; bei +z soll der Strom von +z betrachtet gegen den Uhrzeigersinn fließen.
Interpretieren · Einstieg
Ein Beobachtungspunkt liegt auf der geradlinigen Verlängerung eines einzelnen Stromelements. Ist sein Beitrag null? Darf man daraus auf ein feldfreies vollständiges Kabel schließen?
Hinweis anzeigen
Der Sinus des eingeschlossenen Winkels betrifft nur das betrachtete Element.
Lernziel: Lokalen Nullbeitrag vom Gesamtfeld unterscheiden.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Für ein paralleles oder antiparalleles Verbindungselement verschwindet das Kreuzprodukt, also der lokale Beitrag.
Andere Teile des vollständigen Stromkreises können einen nichtverschwindenden Beitrag liefern.
Der Beobachter darf nicht auf dem idealen Stromelement selbst liegen, weil dort der Abstand null ist und die Linienbeschreibung singular wird.
Fehleranalyse · Anwenden
Für einen geraden endlichen Draht ersetzt eine Lösung überall R durch den kürzesten Abstand d und setzt den Winkel auf 90°. Warum ist das außerhalb des mittleren Elements falsch?
Hinweis anzeigen
Zeichne ein Element bei x≠0 und seinen Verbindungsvektor zum Punkt.
Lernziel: Den elementabhängigen Abstand im Integral erkennen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: und .
Beides hängt von der Elementposition ab.
Der korrekte Integrand enthält .
Die falsche Rechnung würde entfernte Elemente genauso stark gewichten wie das mittlere und den Beitrag zu hoch ansetzen.
Der Grenzwert für einen unendlich langen Draht bliebe sogar fälschlich divergent.
Transfer · Vertiefen
Zwei lange Drähte liegen parallel zu x bei . Jeder führt . Bestimme das Feld in der Mitte für beide Ströme nach +x und dann für den oberen Strom nach −x.
Hinweis anzeigen
Unterer Draht: Verbindungsvektor nach +y. Oberer Draht: nach −y.
Lernziel: Superposition mit zwei Stromrichtungen vergleichen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Jeder Einzelbetrag ist 16 µT.
Bei gleichgerichteten Strömen liefert der untere Draht +16 µT nach z und der obere −16 µT: Gesamtfeld null.
Nach Umkehr nur des oberen Stroms liefert auch dieser +16 µT, insgesamt +32 µT.
Die Beträge addiert man erst, nachdem ihre Richtungen feststehen.
Das solltest du mitnehmen
- Biot-Savart summiert gerichtete Beiträge. Der Beobachter bleibt fest, Quellpunkt und Verbindungsvektor verändern sich beim Integrieren.
- Null Beitrag eines einzelnen Stromelements bedeutet nicht null Gesamtfeld. Rückleiter und andere Abschnitte gehören zur Gesamtgeometrie.
- Symmetrie kann Komponenten aufheben oder vereinfachen. Sie muss aus dem wirklichen Stromweg folgen.
Belege zu dieser Erklärung
Quanta · Bearbeitet 2. Oktober 2026
- OpenStax University Physics 2, §12.1 — The Biot–Savart Law
- OpenStax University Physics 2, §12.2 — Thin straight wire
- OpenStax University Physics 2, §12.4 — Current loop
- NIST SP961 — CODATA2022 constants
- BIPM — CGPM2018 Resolution1, revised SI
Redaktion: Quanta Study Redaktion
Prüfumfang
Diese Erklärung, 3 Rechenbeispiele und 5 Aufgaben liegen auf Deutsch und Englisch vor. Aufbau, Quellenzuordnung und mathematische Darstellung werden automatisiert geprüft. Rechnungen, Modellvoraussetzungen und beide Sprachfassungen erhalten eine gesonderte KI-Gegenprüfung.
Eine unabhängige, namentliche menschliche Fachprüfung ist noch nicht dokumentiert. Unsere Aufgabenzahlen sind Rechenbeispiele und keine Messdaten der zitierten Quellen.
Redaktion, Quellen und VorgehenÄnderungsverlauf
- Frageüberschriften und fachlich passende Absatzlinks präzisiert; bestehende wissenschaftliche Erklärungen, Beispiele und Aufgaben erhalten.
- Vektorintegration, endlichen Draht und Schleifenachse ausgearbeitet; μ0 als Näherung gekennzeichnet; zwei kontrollierte Beispiele und fünf Aufgaben ergänzt.
- Anschaulichen Einstieg und Vorwissen ergänzt, Modellschritte erläutert, ein weiteres vollständiges Beispiel und ein quantitatives Diagramm hinzugefügt; bestehende Beispiele, fünf Aufgaben und Quellen erhalten.
Diese Nachschlageseite zitieren
Quanta. Biot-Savart-Gesetz. Stand 2. Oktober 2026. https://quanta-study.de/tafelwerk/biot-savart-gesetz
Bei einer konkreten fachlichen Aussage zusätzlich die dort verknüpfte Fachquelle nennen.