Rotation erhalten oder verändern
Drehimpuls ist die Größe, deren Änderung durch ein äußeres Drehmoment bestimmt wird. An einer festen Achse hilft zuerst eine signierte Zahl: Sie unterscheidet die beiden Drehsinne. Größere Trägheit oder größere Winkelgeschwindigkeit führen zu einem größeren Achsenanteil. Die räumliche Vektorbeschreibung wird erst danach vertieft, denn nicht jeder Körper dreht um eine Hauptachse.[1]
- Vorwissen: Drehsinn, Trägheitsmoment und die rechte Hand zur Richtungswahl. Die Hauptachse ist eine spezielle Achse, für die Drehimpuls und Winkelgeschwindigkeit parallel liegen.
Bezugspunkt, Achse und Drehsinn
Für einen festen Punkt O im Inertialsystem werden Ortsvektoren und Geschwindigkeiten im selben System gemessen.[1]
Der Vektor zeigt nicht grundsätzlich entlang der geometrischen Drehachse. Die Achsenkomponente ist die Projektion auf eine festgelegte positive z-Richtung. Bei reiner starrer Rotation um eine feste z-Achse gilt , auch wenn diese Achse keine Hauptachse ist. Dann können zusätzliche quer gerichtete Komponenten existieren. Für die gesamte Vektorgleichung mit einem einzelnen skalaren I muss die Rotation entlang einer Hauptachse des Trägheitstensors erfolgen.[2]
I ist nichtnegativ; das Vorzeichen von folgt dem Vorzeichen von . Die zweite Vektorbeziehung gilt bei Hauptachsenrotation.[2]
Das Vorzeichen bleibt im Drehimpuls erhalten
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Von Teilchen zur Achsenkomponente
Setze für die reine Rotation um z die Geschwindigkeit ein. Für ein Teilchen mit Koordinaten sind und . Der z-Anteil des Kreuzprodukts ist damit . Summiere über alle Teilchen.[1][2]
Der gemeinsame Achsenanteil kann ausgeklammert werden. Das ist keine Aussage, dass die einzelnen Teilchen-Drehimpulse ausschließlich in z-Richtung zeigen.[2]
Das Integral liefert den gesamten Trägheitstensor. Alternativ kann dieselbe Form relativ zum Schwerpunkt mit Relativgeschwindigkeiten verwendet werden.[2]
Das Trägheitsmoment eines Massensystems bestimmt hier den Faktor zwischen Winkelgeschwindigkeit und Achsenanteil des Drehimpulses. Dabei zählen die Abstände zur gewählten Achse, nicht beliebige Abstände zum Ursprung.[5][1]
Einheiten und sinnvolle Umstellungen
Drehimpuls ist nicht Drehmoment: besitzt eine zusätzliche inverse Sekunde gegenüber .
wird in angegeben. Radiant ist im SI dimensionslos, kennzeichnet aber die Winkelgröße. Bei einer Drehzahl n in Umdrehungen pro Minute ist ; der Drehsinn kommt separat hinzu. Eine Division von durch eine Frequenz in Hz statt durch würde den Faktor 2π verlieren.
Bei Translation und Rotation zugleich enthält der Drehimpuls um einen äußeren Punkt auch den Bahndrehimpuls des Schwerpunkts. Mit relativen Größen um den Schwerpunkt gilt . Das reine beschreibt deshalb nicht automatisch den gesamten Drehimpuls um einen beliebigen Beobachtungspunkt.[2][1]
Die Einheit kg·m2/s lässt sich auch als N·m·s schreiben: Ein Drehmoment über eine Zeitspanne verändert einen Drehimpuls. Bei folgt aus die Winkelgeschwindigkeit . Umgekehrt bestimmen und das Trägheitsmoment nicht; jedes positive passt. Für die Umstellung nach müssen und bei dasselbe Vorzeichen haben.[1]
Vorzeichen und ein schiefer Drehimpuls
Rotor mit festgelegtem positiven Drehsinn
- Gegeben
- Ein Rotor dreht um seine feste Hauptachse z. und n=450 U/min. Von +z aus gesehen dreht er im Uhrzeigersinn.
- Gesucht
- , und Rotationsenergie bestimmen.
Ansatz: Für die feste Hauptachse das Vorzeichen nach der rechten Hand festlegen; Drehimpulskomponente und Energie verwenden dieselbe Winkelgeschwindigkeit.
Rechte-Hand-Regel: Uhrzeigersinn von +z aus bedeutet negatives .
Multipliziere mit demselben Achsenträgheitsmoment; Energie nutzt dagegen das Quadrat.
Ergebnis: , und . Negative Rotation hat keine negative kinetische Energie.
Kontrolle: Probe: . Die Drehzahl ist 7,5 U/s; ein vollständiger Umlauf dauert 0,1333 s, passend zu .
Ein starrer Körper ohne Hauptachsenrotation
- Gegeben
- Zwei Punktmassen von je 1,0 kg sitzen auf einem masselosen starren Stab bei und . Der Schwerpunkt ist O. Momentan gilt .
- Gesucht
- Vollständiges L und den z-Anteil bestimmen.
Ansatz: Momentan um den Schwerpunkt O jede Geschwindigkeit aus der starren Rotation bestimmen und die vektoriellen Einzel-Drehimpulse addieren.
Die Geschwindigkeiten sind und . Berechne jedes Kreuzprodukt einzeln.
Beide Teilchen tragen denselben Drehimpuls bei; addiere sie.
Ergebnis: Der Achsenanteil stimmt mit überein. Der vollständige Vektor hat zusätzlich und ist nicht parallel zur Winkelgeschwindigkeit.
Kontrolle: Der Betrag ist , nicht 1,08. Die direkte Energie ist und ebenso . Soll die z-Achse dauernd fest bleiben, sind quer gerichtete Lagerdrehmomente nötig.
Drehmoment und Erhaltung richtig bilanzieren
Diese Form bezieht sich auf einen festen inertialen Bezugspunkt O; für den Schwerpunkt kann die entsprechende Schwerpunktbilanz verwendet werden.[1][2]
Verschwindet das gesamte äußere Drehmoment, bleibt der gesamte Vektor erhalten. Verschwindet nur um eine feste inertiale z-Achse, bleibt erhalten; andere Komponenten müssen nicht konstant sein. Lager können quer gerichtete Momente übertragen, obwohl das Antriebsmoment um z null ist. „Kein Motorantrieb“ und „kein äußeres Gesamtdrehmoment“ sind deshalb verschiedene Aussagen.[2][4]
Für einen starren Körper mit unveränderter Massenverteilung um die feste Achse ist Īzz=0. Einziehbare Gewichte erfordern eine passend definierte veränderliche Systembeschreibung.[4]
Vertiefung anzeigen: Wenn die Massenverteilung sich ändert
Eiskunstlauf und einziehbare Gewichte veranschaulichen bei vernachlässigbarem äußeren Achsendrehmoment. Während des Einziehens ist das System kein einzelner starrer Körper. Nutze die Beziehung nur, wenn der maßgebliche Achsendrehimpuls tatsächlich durch Iω beschrieben wird und zusätzliche Relativbewegungen passend berücksichtigt sind.[4]
Erhaltener Drehimpuls bedeutet keine erhaltene Rotationsenergie: . Halbiert sich I bei gleichem , verdoppelt sich und auch E. Die zusätzliche Energie kommt aus innerer Arbeit, etwa aus Muskelkraft oder einem Mechanismus. Ein äußerlich drehmomentfreies System kann daher seine Rotationsenergie verändern, ohne die Drehimpulserhaltung zu verletzen.[4]
Fünf Aufgaben mit Lösungen
Einsetzen und Rechnen · Einstieg
und um eine feste Achse. Bestimme und E.
Hinweis anzeigen
ist vorzeichenbehaftet, Energie nutzt .
Lernziel: Signierten Drehimpuls und positive Rotationsenergie trennen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: behält das Vorzeichen, enthält das Quadrat.
Daraus folgen und .
Kontrolle: . Ein negativer Achsenanteil bedeutet keinen negativen Trägheitswert.
Transfer · Anwenden
Ein System startet mit =0,60 und . Im passenden Achsenmodell sinkt I auf 0,40 ohne äußeres . Bestimme und die Änderung der Rotationsenergie.
Hinweis anzeigen
Erhalte , nicht E.
Lernziel: Drehimpulserhaltung bei Massenumverteilung anwenden.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Ohne äußeres Achsenmoment bleibt .
Vergleiche die Energien getrennt mit .
Der erhaltene Achsendrehimpuls beträgt 2,4 und ergibt .
Die Energie steigt von 4,8 J auf 7,2 J, also um 2,4 J aus innerer Arbeit.
Kontrolle: . Die Umverteilung selbst ist keine starre Phase.
Einsetzen und Rechnen · Anwenden
Ein starrer Rotor mit erhält ein konstantes Nettodrehmoment für 2,0 s. Anfangs ist . Bestimme Endwert und Drehsinn.
Hinweis anzeigen
Nutze und halte den Achsenbezug fest.
Lernziel: Drehmomentstoß in Enddrehzahl überführen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Nutze den Drehmomentstoß und anschließend .
Anfangs sind es 1,0 ; der Stoß beträgt −0,60 .
Somit folgen 0,40 und .
Der Rotor dreht weiterhin positiv, aber langsamer.
Kontrolle: ergibt mit denselben Endwert.
Interpretieren · Vertiefen
Am Schwerpunkt besitzt ein starrer Körper die Hauptmomente 1, 2 und 3 . Zu einem Zeitpunkt gilt in Hauptachsenkoordinaten =(1,1,0) . Bestimme L und prüfe, ob L parallel zu ist.
Hinweis anzeigen
Jede Komponente mit ihrem eigenen Hauptmoment multiplizieren.
Lernziel: Tensorbeziehung statt eines einzigen skalaren Trägheitsmoments verwenden.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: ergibt L=(1,2,0) .
Die Verhältnisse und sind verschieden, also fehlt Parallelität.
Kontrolle: Das Kreuzprodukt hat einen von null verschiedenen z-Anteil. Die Hauptachsenkoordinaten diagonalisierten den Tensor, machten aber die drei Momente nicht gleich. Die skalare Vektorbeziehung gilt hier deshalb nicht mit einem gemeinsamen I.
Fehleranalyse · Vertiefen
Ein durch Lager geführter starrer Rotor hat körperfeste Komponenten =(0,0,2) und L=(1,0,2) , zeitlich konstant in diesem mitrotierenden Rahmen. Eine Lösung folgert äußeres Drehmoment null. Prüfe mit der im Artikel gegebenen Ableitungsregel. Der Bezugspunkt für Drehimpuls und äußeres Moment ist der im Inertialsystem feste Schwerpunkt.
Hinweis anzeigen
Die inertiale Ableitung enthält zusätzlich .
Lernziel: Körperfeste Konstanz von inertialer Drehimpulserhaltung unterscheiden.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Die körperfeste Ableitung ist null, aber .
Dieser Lagerdrehmomentanteil ist daher erforderlich.
Kontrolle: Die z-Komponente von L ist konstant und das z-Drehmoment null; das beseitigt nicht die quer gerichtete Vektoränderung. Ein im Rotor festliegender transversaler Drehimpulsanteil dreht sich im Inertialsystem mit. Die Angaben sind eine nicht entlang einer Hauptachse geführte Rotation, keine freie drehmomentlose Bewegung.
Was eine skalare Formel auslässt
Bei beliebiger räumlicher Rotation lautet die Beziehung mit einem Tensor. Selbst in Hauptachsenkoordinaten gilt ; bei mehreren von null verschiedenen -Komponenten und verschiedenen Hauptmomenten sind L und im Allgemeinen nicht parallel. Ein einzelnes I darf deshalb nicht auf alle Komponenten übertragen werden.[2]
Ein körperfestes Koordinatensystem rotiert selbst. Darin wird die inertiale Ableitung durch im Körperrahmen plus ausgedrückt. Ein vermeintlich konstanter Vektor in diesem Rahmen kann sich im Inertialsystem ändern. Für einfache Rotoraufgaben genügt die feste Achsenkomponente; für Kreisel, freie Taumelbewegung und Lagerbelastungen muss die Vektorbilanz weitergeführt werden.[3]
Das nimmst du mit
Bezugspunkt und positive Achse gehören zur Angabe des Drehimpulses. Die feste Achsenkomponente ist Trägheitsmoment mal signierter Winkelgeschwindigkeit. Für den ganzen Vektor können Queranteile hinzukommen. Erhaltung benötigt das passende verschwindende äußere Drehmoment; unveränderter Drehimpuls garantiert keine unveränderte Rotationsenergie.[1]
Belege zu dieser Erklärung
Quanta · Bearbeitet 2. Oktober 2026
- OpenStax University Physics 1, §11.2: Angular Momentum
- MIT 16.07 Dynamics, Lecture L26: 3D Rigid Body Dynamics: The Inertia Tensor
- MIT 16.07 Dynamics, Lecture L27: 3D Rigid Body Dynamics: Kinetic Energy; Instability; Equations of Motion
- OpenStax University Physics 1, §11.3: Conservation of Angular Momentum
- OpenStax University Physics 1, §10.4: Moment of Inertia and Rotational Kinetic Energy
Redaktion: Quanta Study Redaktion
Prüfumfang
Diese Erklärung, 2 Rechenbeispiele und 5 Aufgaben liegen auf Deutsch und Englisch vor. Aufbau, Quellenzuordnung und mathematische Darstellung werden automatisiert geprüft. Rechnungen, Modellvoraussetzungen und beide Sprachfassungen erhalten eine gesonderte KI-Gegenprüfung.
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Eine unabhängige, namentliche menschliche Fachprüfung ist noch nicht dokumentiert. Unsere Aufgabenzahlen sind Rechenbeispiele und keine Messdaten der zitierten Quellen.
Redaktion, Quellen und VorgehenÄnderungsverlauf
- Achsen-Trägheitsmoment und Drehmoment im Kontext verknüpft sowie N·m·s und Nullfälle der Umstellung ergänzt; Vektorbeispiel, Aufgaben und Grafik erhalten.
- Zwei Aufgaben ergänzt; die fünf Aufgaben nach Aufgabentyp, Schwierigkeit und Lernziel gegliedert.
- Einstieg und Schlussfolgerung individuell erklärt, bestehende Rechnungen geprüft, Formelsatz und Modellbezug präzisiert sowie eine eigene Lernfigur ergänzt.
Diese Nachschlageseite zitieren
Quanta. Drehimpuls eines starren Körpers. Stand 2. Oktober 2026. https://quanta-study.de/tafelwerk/drehimpuls-starrer-koerper
Bei einer konkreten fachlichen Aussage zusätzlich die dort verknüpfte Fachquelle nennen.