Eine Dichte ist noch keine Wahrscheinlichkeit
v ist der thermische Betrag relativ zur lokalen mittleren Gasbewegung; m ist Masse pro Teilchen.[1]
Die Funktion besitzt die Einheit s/m, also inverse Geschwindigkeit. Für ein kleines Intervall ergibt einen Teilchenanteil; für einen endlichen Bereich integrierst du. Ein exakter Einzelwert hat in der kontinuierlichen Verteilung Wahrscheinlichkeit null, selbst wenn die Dichte dort positiv ist. Das Maximum bezeichnet die dichteste schmale Geschwindigkeitsklasse, nicht die Geschwindigkeit aller Teilchen. Die Normierung über alle nichtnegativen Geschwindigkeiten liefert die Gesamtwahrscheinlichkeit eins.[1]
So liest du die Fläche richtig
Ein heißeres Gas hat mehr Gewicht bei höheren Geschwindigkeiten. Seine Dichtekurve kann dabei niedriger werden, obwohl weiterhin alle Teilchen erfasst sind. Die Breite und Höhe ändern sich gemeinsam; die Gesamtfläche bleibt eins. Für einen konkreten Bereich bis ist die Frage deshalb nicht „Wie hoch ist die Kurve?“, sondern „Welche Fläche liegt zwischen diesen Grenzen?“[1]
Eine endliche Geschwindigkeitsklasse braucht zwei Grenzen.
Eine niedrigere Kurve kann dieselbe Gesamtfläche haben
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Aus drei Komponenten entsteht eine Kugelschale
Die isotrope Dichte ist auf einer Geschwindigkeitskugel konstant; ihre Schalenfläche liefert v2.[1][2]
Im lokalen Ruhesystem hat jede Geschwindigkeitskomponente eine Gaußverteilung mit Mittelwert null. Das Produkt der drei Komponentendichten hängt nur von ab. Gesucht ist aber der Betrag, unabhängig von der Richtung. Dafür fasst man alle Vektoren mit nahezu demselben Betrag in einer dünnen Kugelschale des Geschwindigkeitsraums zusammen. Ihr Volumenfaktor erzeugt den zusätzlichen quadratischen Faktor. Das ist ein mathematischer Raum möglicher Geschwindigkeiten, keine räumliche Kugel in der Gasprobe.[1]
Vertiefung: skalierte Verteilung und kumulative Funktion
a ist die wahrscheinlichste Geschwindigkeit; M steht in kg/mol.[1]
F ist die kumulative Wahrscheinlichkeit im skalierten Betrag; und .[1]
Die Geschwindigkeitsskala enthält Stoff und Temperatur. Wenn du alle Beträge durch teilst, entsteht für jedes klassische Gleichgewichtsgas dieselbe dimensionslose Form. Die kumulative Verteilung folgt durch partielle Integration; dabei ist . Für ein Intervall ist der Anteil . In gewöhnlichen Geschwindigkeitsachsen verbreitert Erwärmen die Kurve und verringert ihre Höhe, ohne die Normierung zu verändern.[1]
Maximum, Mittelwert und RMS getrennt
Das Maximum folgt aus ; Mittel und RMS aus erstem und zweitem Moment.[1]
Der wahrscheinlichste Betrag liegt am Dichtemaximum. Der gewöhnliche Mittelwert liegt etwas höher; der RMS-Wert aus dem zweiten Moment ist noch größer. Keiner davon ist der mittlere Geschwindigkeitsvektor: Dieser ist im Ruhesystem null, weil Richtungen sich aufheben. Die Energie verwendet , nicht das Quadrat des gewöhnlichen Geschwindigkeitsmittels. Eine schwerere Gasart hat bei derselben Temperatur kleinere typische Beträge, aber denselben translatorischen Energiemittelwert.[1][3]
Der quadratische Mittelwert der Molekülgeschwindigkeit verknüpft die Verteilung mit dem zweiten Moment, . Verwende ihn für die translatorische mittlere Energie; der wahrscheinlichste Betrag aus dem Kurvenmaximum ist dafür kein Ersatz.[1][3]
Echte Intervalle statt einzelner Dichtewerte
Für Intervalle und Schwänze wird die kumulative Verteilung ausgewertet. Im dritten Beispiel wird dieselbe Rechnung separat für beide Gasarten durchgeführt; erst danach werden ihre Teilchenanteile addiert.[1]
Eine Geschwindigkeitsklasse im Modellgas
- Gegeben
- , ; klassisches ideales Gleichgewicht. Intervall bis .
- Gesucht
- Berechne die Klasse und ihren Teilchenanteil.
Ansatz: Eine Geschwindigkeitsklasse wird über die Verteilungsfläche berechnet. . Geschwindigkeitsskala bestimmen.
CDF an beiden Grenzen auswerten.
Mit der Mittelpunkt-Näherung vergleichen.
Ergebnis: Die Klasse etwa 282,52–423,78 m/s enthält 32,3388 % der Teilchen. Die breite Mittelpunkt-Näherung ergibt 33,2086 %.
Kontrolle: Die Näherung überschätzt um 0,869757 Prozentpunkte; ein Dichtewert allein wäre dimensionsbehaftet. Die exakte Klasse kann durch Integration von f(v) mit dv in m/s gegengeprüft werden.
Ein schneller Verteilungsschwanz
- Gegeben
- Dasselbe Modellgas; suche . Eine Probe enthält Teilchen.
- Gesucht
- Finde Anteil und erwartete Zahl, dann vergleiche doppelte Geschwindigkeitsskala.
Ansatz: Für den schnellen Schwanz die kumulierte Verteilung ergänzen. . Komplement der CDF verwenden.
Erwartete Zahl aus Anteil bestimmen.
Bei vierfacher Temperatur verdoppelt sich a.
Ergebnis: Etwa 4,60117 % überschreiten 706,31 m/s. Bei vierfachem T hat dieselbe absolute Schwelle den skalierten Wert statt 2.
Kontrolle: Nun liegt der Anteil oberhalb der ursprünglichen Schwelle bei . Oberhalb der jeweils neuen 2a-Schwelle bliebe dagegen derselbe 4,60117 %-Anteil.
Schnelle Teilchen in einem Gemisch
- Gegeben
- Ideales klassisches Gleichgewichtsgemisch bei 300 K, im Gasruhessystem. Gleiche Teilchenzahlen zweier Modellarten mit 0,00400 und 0,0400 kg/mol. Beide Arten sind nichtrelativistisch und nicht quantenentartet. Gesucht ist der Anteil mit Betrag über 700 m/s.
- Gesucht
- Die beiden Artanteile und den Anteil des gesamten Gemischs bestimmen.
Ansatz: Jede Art hat ihre eigene Skala. Erst ihre Schwanzwahrscheinlichkeiten berechnen, danach mit den Teilchenanteilen gewichten.
Die beiden Skalen und dimensionslosen Grenzen einsetzen.
Mit der kumulativen Funktion die Anteile und ihre Mischung auswerten.
Ergebnis: Etwa 85,29 % der leichten und 4,904 % der schweren Art überschreiten 700 m/s. Zusammen sind es etwa 45,10 % aller Teilchen.
Kontrolle: Der Gemischanteil liegt zwischen beiden Artanteilen und ist bei gleichen Teilchenzahlen ihr arithmetisches Mittel. Die mittlere molare Masse wäre 0,0220 kg/mol; deren einzelne Maxwell-Kurve wäre aber nicht die Gemischkurve. Gleiche translatorische Mittelenergie bei gleicher Temperatur bedeutet nicht gleiche Wahrscheinlichkeit oberhalb einer Geschwindigkeitsgrenze.
Lokale Temperatur und Laborstrahl unterscheiden
Die Formel gilt für Geschwindigkeiten relativ zur lokalen mittleren Gasbewegung . Im Labor ist die Vektorverteilung um diese Bewegung verschoben; die Verteilung der Laborbeträge ist daher nicht automatisch dieselbe Maxwell-Kurve. Auch eine kleine Öffnung wählt Teilchen anders aus: Ein effundierender Strom wird nach Normalgeschwindigkeit und Durchtrittshäufigkeit gewichtet. Eine Strahlmessung darf deshalb nicht ungeprüft als Gleichgewichtsverteilung der ganzen Gasprobe interpretiert werden.[2][1][5]
In einem idealen Gemisch haben die Arten dieselbe Gleichgewichtstemperatur, aber verschiedene Massen. Berechne zunächst die Dichte beziehungsweise den gesuchten Anteil für jede Art. Die Gesamtverteilung entsteht durch Gewichtung mit ihren Teilchenanteilen. Eine einzelne mittlere molare Masse bildet diese Mischung im Allgemeinen nicht ab. Gleiche Massenanteile wären dabei andere Gewichte als gleiche Teilchenanteile.[1]
Fünf Aufgaben mit Lösungen
Einsetzen und Rechnen · Einstieg
Ein Modellgas hat und . Berechne vmp.
Hinweis anzeigen
Molare Skala verwenden.
Lernziel: Die wahrscheinlichste Geschwindigkeit mit molarer Masse in SI bestimmen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: .
Mit den vorgegebenen Modellwerten entstehen etwa 706,306 m/s.
Kontrolle: Gegenüber dem ersten Beispiel mit 0,044 kg/mol und 330 K ist viermal so groß; der wahrscheinlichste Betrag ist daher doppelt so groß.
Interpretieren · Einstieg
Welche Wahrscheinlichkeit hat exakt in der kontinuierlichen Maxwell-Dichte?
Hinweis anzeigen
Intervallbreite null.
Lernziel: Positive Dichte von der Wahrscheinlichkeit eines exakten Einzelwerts unterscheiden.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Die Wahrscheinlichkeit ist das Integral über die Messklasse; bei einem Einzelpunkt verschwindet ihre Breite.
Null. f(500) kann positiv sein, aber der Einzelpunkt hat keine Fläche.
Eine endliche Messklasse braucht ihre Grenzen und ein Integral.
Einsetzen und Rechnen · Vertiefen
Bestimme im skalierten Modell den Anteil unterhalb vmp.
Hinweis anzeigen
F(1), nicht die Fläche eines Rechtecks.
Lernziel: Eine kumulierte Geschwindigkeitswahrscheinlichkeit bis zum Dichtemaximum bestimmen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Am wahrscheinlichsten Betrag ist die skalierte Grenze .
Setze sie in die kumulative Funktion ein.
Die unten berechnete Fläche beträgt etwa 42,7593 %.
Kontrolle: Sie liegt zwischen null und eins. Der Dichtehöchstwert ist kein Median; er teilt die Wahrscheinlichkeit nicht in zwei gleiche Hälften.
Interpretieren · Anwenden
Für dasselbe klassische Gleichgewichtsgas wird die Temperatur von T auf 4T erhöht. Zwei normierte Maxwell-Boltzmann-Kurven zeigen danach eine breitere und niedrigere Verteilung. Vergleiche den wahrscheinlichsten Geschwindigkeitswert und die Höhe des Dichtemaximums. Ist unter der niedrigeren Kurve insgesamt weniger Wahrscheinlichkeit enthalten?
Hinweis anzeigen
Der thermische Geschwindigkeitsmaßstab wächst mit der Wurzel der Temperatur. Die Fläche einer normierten Dichte muss weiterhin eins bleiben.
Lernziel: Die temperaturbedingte Skalierung einer normierten Geschwindigkeitsdichte verstehen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Die neue Geschwindigkeitsskala ist doppelt so groß.
Bei entsprechender Skalierung der Abszisse muss die Dichtehöhe halbiert werden, damit die Fläche gleich bleibt.
Der wahrscheinlichste Wert verdoppelt sich und die maximale Dichte halbiert sich.
Kontrolle: Mit der Variablensubstitution wird das Integral der neuen Verteilung wieder eins. Eine Dichtehöhe ist keine Wahrscheinlichkeit eines exakten Einzelwerts.
Fehleranalyse · Anwenden
In einem klassischen Gleichgewichtsgas sei die normierte Maxwell-Geschwindigkeitsdichte im schmalen Intervall von 490 bis 510 m/s näherungsweise konstant; als gerundeter möglicher Maxwell-Modellwert sei . Eine Lösung liest daraus „0,16 % Wahrscheinlichkeit bei genau 500 m/s“ ab. Berechne die näherungsweise Intervallwahrscheinlichkeit und ordne die Wahrscheinlichkeit des exakten Einzelwerts ein.
Hinweis anzeigen
Die Wahrscheinlichkeit ist die Fläche, also Dichte mal Intervallbreite in dieser Näherung. Ein Einzelpunkt hat bei einer kontinuierlichen Verteilung keine Breite.
Lernziel: Eine Wahrscheinlichkeitsdichte in eine Intervallwahrscheinlichkeit mit korrekter Einheit übersetzen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Die näherungsweise konstante Dichte über das 20 m/s breite Intervall integrieren.
Das ergibt 0,032 oder 3,2 % Wahrscheinlichkeit.
Für genau 500 m/s ist die Wahrscheinlichkeit null, obwohl die Dichte dort positiv ist.
Kontrolle: Die inverse Geschwindigkeitseinheit der Dichte kürzt sich mit der Geschwindigkeitseinheit der Intervallbreite. Die Zahl 0,0016 allein ist keine dimensionslose Wahrscheinlichkeit; für eine genauere Intervallwahrscheinlichkeit wäre die tatsächliche Maxwellkurve zu integrieren.
Wann die Verteilung ersetzt werden muss
Vorausgesetzt sind klassische nichtrelativistische Translation, thermisches Gleichgewicht und keine relevante Quantendegeneration. Anisotropie, Nichtgleichgewicht oder ein beschleunigter Strahl brauchen eine andere Beschreibung. Bei relevanten relativistischen Effekten gilt bereits die quadratische kinetische Energie nicht mehr. Ebenso darf die klassische Kurve nicht als exakte Fortsetzung realer Gase bis verstanden werden.[2]
Das vorhandene gerundete Stickstoffmodell mit bei 300 K ergibt weiterhin etwa 422,08 m/s am Maximum. Für eine nur 10 m/s breite Klasse nahe diesem Maximum kann eine brauchbare Näherung sein. Breitere Klassen und Bereiche mit stark veränderlicher Dichte werden besser integriert. Eine sichtbare Kurve bis zum Dreifachen des wahrscheinlichsten Betrags umfasst nicht ganz die bis unendlich normierte Gesamtfläche.[1]
Die Äquipartition der Energie ordnet im klassischen Gleichgewicht jedem geeigneten quadratischen Freiheitsgrad denselben mittleren Beitrag zu. Für die drei translatorischen Komponenten folgt . Welche inneren Freiheitsgrade tatsächlich beitragen, ist eine andere Modellfrage; eine Maxwell-Betragskurve entscheidet das nicht allein.[3][2]
Kurz zusammengefasst
Lies eine Maxwell-Kurve als Dichte: Wahrscheinlichkeit gehört zur Fläche eines Intervalls. Stoffmasse und Temperatur bestimmen die Geschwindigkeitsskala; drei verschiedene Momente liefern drei verschiedene Kennwerte. Die Formel gilt im lokalen Gasruhessystem. Strahlmessungen und Gemische brauchen ihre eigene Gewichtung. Ein höheres Dichtemaximum bedeutet nicht mehr Gesamtwahrscheinlichkeit.
Belege zu dieser Erklärung
Quanta · Bearbeitet 2. Oktober 2026
- OpenStax UP2 §2.4: Distribution of Molecular Speeds
- MIT 5.62 Lecture 10: Quantum vs Classical, Equipartition and Internal Degrees of Freedom
- OpenStax UP2 §2.3: Heat Capacity and Equipartition of Energy
- NIST 2022 CODATA complete listing
- MIT 5.62 Lecture 29: Kinetic Theory of Gases — Effusion and Collisions, pp. 1–3
Redaktion: Quanta Study Redaktion
Prüfumfang
Diese Erklärung, 3 Rechenbeispiele und 5 Aufgaben liegen auf Deutsch und Englisch vor. Aufbau, Quellenzuordnung und mathematische Darstellung werden automatisiert geprüft. Rechnungen, Modellvoraussetzungen und beide Sprachfassungen erhalten eine gesonderte KI-Gegenprüfung.
Für einen früheren veröffentlichten Stand dieser Seite ist eine interne menschliche Fachprüfung dokumentiert. Diese Bestätigung gilt nicht automatisch für die überarbeitete Erklärung und die neuen Aufgaben.
Eine unabhängige, namentliche menschliche Fachprüfung ist noch nicht dokumentiert. Unsere Aufgabenzahlen sind Rechenbeispiele und keine Messdaten der zitierten Quellen.
Redaktion, Quellen und VorgehenÄnderungsverlauf
- Passende fachliche Verbindungen ergänzt; bestehende Feld- und Energiebilanzen, Herleitungen, Beispiele, Aufgaben, Figuren und Modellgrenzen erhalten.
- Zwei Aufgaben ergänzt; die fünf Aufgaben nach Aufgabentyp, Schwierigkeit und Lernziel gegliedert.
- Einstieg und Erklärungen überarbeitet; drittes vollständiges Beispiel, eigene quantitative Grafik und kurze Zusammenfassung ergänzt. Bestehende Aufgaben, Modelle und Quellen erhalten; Formelsatz und Modellbedingungen präzisiert.
Diese Nachschlageseite zitieren
Quanta. Maxwell-Boltzmann-Verteilung der Molekülgeschwindigkeiten. Stand 2. Oktober 2026. https://quanta-study.de/tafelwerk/maxwell-boltzmann-geschwindigkeitsverteilung
Bei einer konkreten fachlichen Aussage zusätzlich die dort verknüpfte Fachquelle nennen.