Wie berechnet man Druckzuwachs und absoluten Druck in der Tiefe?
Stelle dir im Wasser eine kleine gedachte Flüssigkeitssäule vor. Sie bleibt in Ruhe, obwohl ihr Gewicht nach unten wirkt. Daher muss die Druckkraft an ihrer Unterseite die Kraft an der Oberseite um genau dieses Gewicht übertreffen. Diese Bilanz erklärt den Tiefenzuwachs. Sie setzt keine echte Säule über jedem Messpunkt voraus: Die Gefäßform kann anders sein, solange das Fluid im selben Schwerefeld ruht.[1]
beschreibt den lokalen Druck in einer ruhenden Flüssigkeit konstanter Dichte bei konstantem g. h ist die positive vertikale Tiefe unter einer gewählten Referenzfläche. p0 ist der Druck dort, nicht automatisch der normale Atmosphärendruck. In einem offenen Behälter ist es der tatsächliche Druck über der Flüssigkeit, in einem geschlossenen Behälter kann es ein anderer sein.[1]
p und p0 müssen dieselbe Referenz verwenden; die Differenz ist referenzunabhängig.
Wer p als Absolutdruck ausgeben möchte, setzt p0 als Absolutdruck ein. Der Zusatz ρgh ist ein Druckunterschied. Falls p0 der Umgebungsdruck ist, entspricht er dem Überdruck relativ zu dieser Umgebung. h ist weder die Rohrlänge noch ein schräger Abstand.
Eine ruhende Flüssigkeitssäule bilanzieren
Betrachte eine gedachte senkrechte Säule mit Querschnitt A und Höhe h. Der Druck unten erzeugt eine Kraft pA nach oben, oben wirkt p0A nach unten. Die Säule hat Masse ρAh und Gewicht ρAhg. Seitliche Druckkräfte liefern bei dieser Säulengeometrie keine vertikale Komponente. Im Gleichgewicht ist die Kraftsumme null.[1]
A kürzt sich; die Druckzunahme hängt nicht vom Querschnitt der gedachten Säule ab.
z zeigt nach oben, h nach unten. Bei positiver Dichte nimmt Druck nach unten zu.
Die gedachte Säule dient zur lokalen Bilanz. Sie muss nicht als tatsächliche gerade Flüssigkeitssäule über jedem Wandpunkt vorhanden sein. In ruhenden verbundenen Bereichen passt sich das Druckfeld so an, dass auch schrägen Wänden und unregelmäßigen Gefäßen Gleichgewicht möglich ist.
Umstellungen mit Druckdifferenzen
Die Umstellungen brauchen positive ρ,g beziehungsweise h; alle Drücke in derselben Einheit.
Bei Wasser mit dem Modellwert und entstehen pro Meter zusätzlicher Druck. Zehn Meter ergeben 98,1 kPa, näherungsweise einen bar, nicht exakt einen bar. Aus einem Absolutdruck ohne bekannten p0 kann die Tiefe nicht eindeutig berechnet werden.
Beispiele: Druck im Meerwasser und unter zwei Flüssigkeitsschichten
Druck in acht Metern Tiefe
- Gegeben
- Ruhendes Wasser mit angenommener Dichte 1025 kg/m3; h = 8 m; g = 9,81 m/s2; Oberflächendruck p0 = 101,3 kPa absolut.
- Gesucht
- Bestimme Zusatzdruck und Absolutdruck.
Modell: Das Wasser ruht; Dichte und g sind konstant. Zuerst den Druckzuwachs berechnen, dann den absoluten Oberflächendruck addieren.
Ansatz: Bei konstanter Dichte gilt und . Die hydrostatische Differenz berechnen.
Die Einheiten vor dem Addieren angleichen.
Den Oberflächendruck hinzufügen.
Ergebnis: Zusatzdruck 80,442 kPa; Absolutdruck 181,742 kPa im Modell.
Kontrolle: . Die Dichte ist eine Aufgabenannahme, kein universeller Meerwasserwert.
Öl über Wasser in einem offenen Behälter
- Gegeben
- Zwei ruhende, nicht mischende Schichten: oben 0,30 m Öl mit 800 kg/m3, darunter 0,70 m Wasser mit 1000 kg/m3. p0 = 101,3 kPa absolut; g = 9,81 m/s2. Kapillardruck vernachlässigt.
- Gesucht
- Bestimme den Druck an der Schichtgrenze und am Boden.
Modell: Jede ruhende Schicht hat ihre eigene konstante Dichte. Ohne Kapillardruck ist der Druck an der Grenzfläche stetig.
Ansatz: Für jede Schicht gilt ; der Bodendruck ist . Zuerst die obere Schicht durchlaufen.
Am Übergang den bisherigen Druck als neuen Referenzdruck verwenden.
Den Zusatz der Wasserschicht addieren.
Ergebnis: Schichtgrenze 103,6544 kPa; Boden 110,5214 kPa absolut.
Kontrolle: Der Gesamtzusatz 9221,4 Pa ist kleiner als 9810 Pa für einen Meter reines Wasser. Die leichtere obere Schicht verringert den Zusatz bei gleicher Gesamttiefe.
Bild ansehen: Druckverlauf in zwei Flüssigkeitsschichten
Druckzunahme in Öl und Wasser
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Gleiche Tiefe, Gefäßform und verbundene Bereiche
In derselben zusammenhängenden ruhenden Flüssigkeit gleicher Dichte haben Punkte auf gleicher Höhe den gleichen Druck. Sonst würde eine horizontale Druckdifferenz das Fluid beschleunigen. Zwei getrennte Behälter mit verschiedenen Oberflächendrücken können dagegen bei gleicher Tiefe unterschiedliche Drücke besitzen. „Gleiche Tiefe“ reicht ohne Randbedingungen nicht aus. Auftrieb entsteht aus der Summe der Druckkräfte auf einen eingetauchten Körper; sein Betrag folgt im passenden Modell aus dem Gewicht des verdrängten Fluids.[4]
Die Bodenbelastung einer ebenen horizontalen Fläche ist bei einheitlichem Druck pA. Sie muss nicht gleich dem Gewicht der gesamten Flüssigkeit sein. In einem nach oben breiter oder schmaler werdenden Gefäß tragen geneigte Wände vertikale Druckkraftanteile; zusätzlich wirkt der Außendruck. Das ist die Auflösung des hydrostatischen Paradoxons.
Auf einer senkrechten Wand wächst der Druck mit der Tiefe; p am Boden mal gesamte Wandfläche wäre deshalb falsch. Die resultierende Kraft ist das Integral über die Fläche. Bei einer senkrechten rechteckigen Wand in homogener Flüssigkeit entspricht die mittlere hydrostatische Druckdifferenz ihrem Wert in der mittleren Tiefe . Liegt die obere Kante auf dem Referenzniveau, ist das die halbe Tiefe der unteren Kante.
Manometer und zusätzliche Oberflächenlast
Ein U-Rohr-Manometer verbindet Drücke über ruhende Flüssigkeitssäulen. Gehe gedanklich durch das Rohr: nach unten addierst du ρgΔh, nach oben ziehst du diesen Betrag ab. Bei einer einheitlichen Manometerflüssigkeit ergibt ein Höhenunterschied Δh die Druckdifferenz ρgΔh. Gasdichte und weitere Flüssigkeitsschichten müssen berücksichtigt werden, wenn ihre Beiträge nicht vernachlässigbar sind. Druck und Messreferenz gehören deshalb zusammen.[2]
Wird der Druck über einer eingeschlossenen Flüssigkeit um 20 kPa erhöht, wächst im idealen statischen Modell auch der Druck in jeder unveränderten Tiefe um 20 kPa. Der Tiefenzusatz ρgh bleibt bestehen. Diese Trennung zwischen gleichmäßiger Druckänderung und höhenabhängigem Ausgangsdruck ist Pascals Prinzip.[3]
Variable Dichte, Beschleunigung und Strömung
Bei veränderlichen Größen wird integriert statt mit einem beliebigen Einzelwert multipliziert.
In Gasen kann die Dichte mit Druck und Höhe stark variieren. Auch bei Flüssigkeitsschichtung reicht eine einzige Dichte nicht immer. In beschleunigten oder rotierenden Behältern verändert sich das Gleichgewichtsfeld; die Druckverteilung kann nicht unverändert aus vertikalem ρgh übernommen werden.
Die Herleitung setzt Ruhe voraus. In strömenden Leitungen können Geschwindigkeitsänderungen, Reibung, Pumpen und Ventile den Druck zusätzlich beeinflussen. Ein aus der Höhendifferenz abgeleiteter statischer Leitungsdruck beschreibt daher nicht automatisch den Druck bei offenem Wasserhahn.
Fünf Aufgaben mit Lösungen
Einsetzen und Rechnen · Einstieg
Welche Druckzunahme entsteht in Wasser bei 2,5 m Tiefe mit ρ = 1000 kg/m3 und g = 9,81 m/s2?
Hinweis anzeigen
Nur den Zusatz ρgh berechnen.
Lernziel: Den hydrostatischen Druckzuwachs aus der Wassertiefe berechnen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Gesucht ist nur die Druckzunahme gegenüber der Oberfläche.
Für ruhendes Wasser mit konstanter Dichte gilt daher der hydrostatische Zusatz ohne einen Oberflächendruck zu addieren.
Ergebnis: 24,525 kPa.
Kontrolle: Pro Meter kommen 9,81 kPa hinzu; mal 2,5 ergibt denselben Wert. Der Absolutdruck bleibt ohne Angabe des Oberflächendrucks unbekannt.
Umstellen · Einstieg
In einer Flüssigkeit mit ρ = 800 kg/m3 ist p − p0 = 15,696 kPa. Welche Tiefe ist das bei g = 9,81 m/s2?
Hinweis anzeigen
Die Druckdifferenz in Pascal einsetzen.
Lernziel: Eine Tiefe aus bekanntem Druckzuwachs gegenüber dem Oberflächendruck und Flüssigkeitsdichte bestimmen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Die Druckdifferenz nach der Tiefe auflösen. 15,696 kPa sind 15 696 Pa; nur diese Differenz wird durch Dichte mal g geteilt.
Ergebnis: 2 m unter der Referenzfläche.
Kontrolle: Die gegebene Flüssigkeit erzeugt pro Meter 7,848 kPa Druckzuwachs, für zwei Meter also 15,696 kPa. Die Gefäßform wird hierfür nicht benötigt.
Einsetzen und Rechnen · Anwenden
Ein Wasserbehälter hat p0 = 120 kPa absolut. Bestimme p bei h = 3 m für ρ = 1000 kg/m3 und g = 9,81 m/s2.
Hinweis anzeigen
Den tatsächlichen Oberflächendruck verwenden.
Lernziel: Hydrostatischen Zuwachs und Oberflächen-Absolutdruck korrekt addieren.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Der gesuchte Absolutdruck setzt sich aus absolutem Oberflächendruck und hydrostatischem Zuwachs zusammen.
Ergebnis: 149,43 kPa absolut.
Kontrolle: Wird der Oberflächendruck wieder abgezogen, bleiben 29,43 kPa für drei Meter Wasser. Der Aufgabengefäßdruck von 120 kPa wird verwendet; ihn durch einen pauschalen Atmosphärendruck zu ersetzen würde ein anderes System beschreiben.
Interpretieren · Anwenden
Zwei offene Gefäße enthalten ruhendes Wasser gleicher Dichte 1000 kg/m3 bis 1,20 m über einem horizontalen Boden. Die Bodenflächen sind 20 cm2 und 50 cm2; g=10 m/s2, gleicher Außendruck. Vergleiche den Überdruck und die zusätzliche Bodenkraft durch die Wassersäule. Darf aus dem gleichen Überdruck auf gleiche Kräfte geschlossen werden?
Hinweis anzeigen
Der Überdruck hängt von der Tiefe ab. Erst die Multiplikation mit der belasteten Fläche liefert eine Kraft.
Lernziel: Gleichen Druck von unterschiedlicher resultierender Bodenkraft unterscheiden.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Zuerst den gemeinsamen Überdruck berechnen, anschließend jede Fläche in Quadratmeter umrechnen und separat einsetzen.
Beide Böden haben 12 kPa Überdruck, aber die Zusatzkräfte sind 24 N und 60 N.
Kontrolle: Die Kraft ist im Verhältnis der Flächen größer. Gemeint ist nur die zusätzliche Druckbelastung; die atmosphärischen Beiträge und die vollständige Gefäßstatik sind gesondert zu bilanzieren.
Fehleranalyse · Anwenden
Über einer ruhenden Wasserschicht von 0,80 m liegt 0,30 m Öl. Dichten: Wasser 1000 kg/m3, Öl 800 kg/m3; g=10 m/s2, freie Oberfläche offen. Eine Rechnung verwendet für die gesamte Tiefe 1,10 m die Wasserdichte und erhält 11 kPa Überdruck am Boden. Korrigiere den Wert und beziffere den absoluten Fehler.
Hinweis anzeigen
Addiere die Druckzunahme jeder Schicht mit ihrer eigenen Dichte; der Druck ist an der Grenzfläche stetig.
Lernziel: Geschichtete Flüssigkeiten mit stückweise konstanter Dichte bilanzieren.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Den Überdruck als Summe der beiden hydrostatischen Beiträge bilden.
Öl trägt 2,4 kPa, Wasser 8,0 kPa bei; richtig sind 10,4 kPa.
Die fehlerhafte Rechnung liegt um 0,6 kPa zu hoch.
Kontrolle: Mit leichterem Öl muss der Wert kleiner als bei einer gleich tiefen reinen Wassersäule sein. Für Absolutdruck wäre zusätzlich der Außendruck zu addieren.
Das Wichtigste im Überblick
Bei ruhender Flüssigkeit wächst der Druck mit der Tiefe. Für konstante Dichte und g ist der zusätzliche Druck ; der Oberflächendruck kommt für den absoluten Druck hinzu. Bei geschichteten Flüssigkeiten addierst du die Beiträge der einzelnen Schichten.
Belege zu dieser Erklärung
Quanta · Bearbeitet 2. Oktober 2026
- OpenStax, University Physics 1 §14.1: Fluids, Density, and Pressure
- OpenStax, University Physics 1 §14.2: Measuring Pressure
- OpenStax, University Physics 1 §14.3: Pascal’s Principle and Hydraulics
- OpenStax University Physics 1 §14.4: Archimedes’ Principle and Buoyancy
Redaktion: Quanta Study Redaktion
Prüfumfang
Diese Erklärung, 2 Rechenbeispiele und 5 Aufgaben liegen auf Deutsch und Englisch vor. Aufbau, Quellenzuordnung und mathematische Darstellung werden automatisiert geprüft. Rechnungen, Modellvoraussetzungen und beide Sprachfassungen erhalten eine gesonderte KI-Gegenprüfung.
Für einen früheren veröffentlichten Stand dieser Seite ist eine interne menschliche Fachprüfung dokumentiert. Diese Bestätigung gilt nicht automatisch für die überarbeitete Erklärung und die neuen Aufgaben.
Eine unabhängige, namentliche menschliche Fachprüfung ist noch nicht dokumentiert. Unsere Aufgabenzahlen sind Rechenbeispiele und keine Messdaten der zitierten Quellen.
Redaktion, Quellen und VorgehenÄnderungsverlauf
- Druckzuwachs und Absolutdruck in der Überschrift unterschieden; Messreferenz und Zusammenhang mit Auftrieb durch Absatzverbindungen samt Primärquelle ergänzt.
- Zwei Aufgaben ergänzt; die fünf Aufgaben nach Aufgabentyp, Schwierigkeit und Lernziel gegliedert.
- Lernzugang und Lösungswege überarbeitet; Modellannahmen und Zahlen unabhängig mit Primärquellen abgeglichen.
Diese Nachschlageseite zitieren
Quanta. Hydrostatischer Druck. Stand 2. Oktober 2026. https://quanta-study.de/tafelwerk/hydrostatischer-druck
Bei einer konkreten fachlichen Aussage zusätzlich die dort verknüpfte Fachquelle nennen.