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Mittlere kovalente Bindungsenthalpien liefern eine Näherung für die Reaktionsenthalpie aus den in der Gasphase gebrochenen und gebildeten Bindungen.
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Formel
D und ΔrH in kJ/mol Reaktion; Bindungsenthalpien je mol der jeweiligen Bindung
| Symbol | Bedeutung | Einheit |
|---|---|---|
| Geschätzte Reaktionsenthalpie pro stöchiometrischer Reaktion | kJ/mol | |
| Mittlere Enthalpie zum homolytischen Trennen eines Mols der angegebenen Bindung | kJ/mol Bindung |
\Delta_r H\approx\sum D(\text{gebrochene Bindungen})-\sum D(\text{gebildete Bindungen})Zum Trennen der Eduktbindungen wird Energie aufgenommen; die Bildung der Produktbindungen setzt Energie frei. Deshalb steht die Summe der gebrochenen Bindungen zuerst. Tabellenwerte sind mittlere Bindungsenthalpien über verschiedene Moleküle und beziehen sich üblicherweise auf gasförmige Spezies. Das Resultat ist eine Schätzung, keine exakte Standardreaktionsenthalpie. Für präzise Werte sind experimentelle Daten oder Standardbildungsenthalpien im Hessschen Satz vorzuziehen; Aggregatzustände und Reaktionsstöchiometrie müssen trotzdem konsistent bleiben.
Grobe Schätzung für Reaktionen kovalenter gasförmiger Moleküle mit mittleren Bindungsenthalpien. Die Zahlen sind molekülübergreifende Mittelwerte; für genaue Reaktionsenthalpien Standardbildungsenthalpien oder kalorimetrische Daten verwenden.
Zum Trennen der Eduktbindungen wird Energie aufgenommen; beim Bilden der Produktbindungen wird sie frei.
Summe der gebrochenen Bindungen
Die Näherung bleibt durch mittlere Tabellenwerte begrenzt.
Schätze ΔrH für H2 + Cl2 → 2 HCl mit D(H−H)=436, D(Cl−Cl)=243 und D(H−Cl)=431 kJ/mol.
ΔrH≈436+243−2·431=−183 kJ/mol.
Probe: Die Summe der Bildungsenthalpien der Produktbindungen ist größer, also wird netto Energie frei.
Bindungsenthalpien der Produkte minus Edukte rechnen oder das Näherungsergebnis als exakten Tabellenwert ausgeben.
Gebrochene minus gebildete Bindungen rechnen und den Mittelwertcharakter sowie den Gasphasenbezug nennen.
Formelcluster
Bindungsenthalpien schätzen ΔrH aus Bindungsänderungen; der Hesssche Satz nutzt Stoffbildungsdaten für genauere Werte.
H2(g)+Cl2(g)→2HCl(g): D(H−H)=436, D(Cl−Cl)=243 und D(H−Cl)=431 kJ/mol. ΔrH≈436+243−2·431=−183 kJ/mol. Probe: Produktbindungen setzen mehr Energie frei als die Eduktbindungen zum Trennen benötigen; das Vorzeichen ist exotherm.
Reaktionswärmen grob abschätzen, wenn Bindungsenthalpien bekannt sind und keine genaueren Bildungsenthalpien vorliegen
Eine typische Aufgabe Schritt für Schritt: Reaktionsenthalpie aus Bindungsenthalpien (ΔrH ≈ ΣD(gebrochen) − ΣD(gebildet)).
Aufgabe
Schätze ΔrH für H2 + Cl2 → 2 HCl mit D(H−H)=436, D(Cl−Cl)=243 und D(H−Cl)=431 kJ/mol.
Rechenweg
ΔrH≈436+243−2·431=−183 kJ/mol.
Probe: Die Summe der Bildungsenthalpien der Produktbindungen ist größer, also wird netto Energie frei.
Addiere die mittleren Enthalpien aller Bindungen, die in den Edukten getrennt werden, und ziehe die Summe für alle Produktbindungen ab: ΔrH≈ΣD(gebrochen)−ΣD(gebildet). Für H2+Cl2→2HCl ergeben Tabellenwerte 436+243−2·431=−183 kJ/mol. Das negative Vorzeichen bedeutet eine exotherme Reaktion. Zähle jede Bindung mit ihrem stöchiometrischen Faktor. Die Rechnung ist eine Schätzung, weil ein bestimmter Bindungstyp in verschiedenen Molekülen unterschiedliche Werte haben kann. Bei genauen Aufgaben sind Standardbildungsenthalpien vorzuziehen. Achte darauf, dass Bindungszahlen und Reaktionskoeffizienten auf genau dieselbe Reaktionsgleichung bezogen bleiben. Vergleiche den Wert daher als Näherung, nicht als Messwert.
Eine Bindung zu trennen erfordert Energiezufuhr, daher ist ihr Beitrag positiv. Wenn neue Bindungen entstehen, wird Energie frei; dieser Betrag wird abgezogen. Deshalb lautet die Vorzeichenregel „gebrochen minus gebildet“. Bei der HCl-Bildung kostet das Trennen von H−H und Cl−Cl zusammen 679 kJ pro mol Reaktion. Die Bildung zweier H−Cl-Bindungen setzt 862 kJ frei. Die Differenz −183 kJ/mol ist negativ. Dreht man die Reihenfolge um, erhält man das falsche Vorzeichen und würde eine exotherme Reaktion fälschlich als endotherm einordnen. Der Betrag jeder Bindungsenergie ist positiv; das Vorzeichen entsteht erst aus der Bilanz von Bruch und Bildung.
Nein. Tabellenwerte mitteln über Bindungen desselben Typs in unterschiedlichen Molekülen und chemischen Umgebungen. Eine C−H-Bindung in Methan muss nicht genau dieselbe Enthalpie wie eine C−H-Bindung in einem anderen Molekül besitzen. Darum kann die Schätzung von einer kalorimetrischen Messung oder einer Rechnung mit Standardbildungsenthalpien abweichen. Die Bindungsenthalpie bezieht sich üblicherweise auf das homolytische Trennen gasförmiger Moleküle. Achte auf Aggregatzustände und darauf, ob die Tabelle mittlere oder spezifische Werte nennt. Die Methode ist gut für Vorzeichen und Größenordnung. Die Mittelung erklärt, warum selbst präzise Tabellenwerte für einzelne Verbindungen keine exakte Reaktionsenthalpie garantieren.
Beide Methoden folgen der Energieerhaltung, verwenden aber unterschiedliche Datengrundlagen. Die Bindungsenthalpiemethode zerlegt eine Reaktion in einzelne Bindungen und nutzt mittlere tabellierte D-Werte. Der Hesssche Satz addiert dagegen Standardbildungsenthalpien der konkreten Stoffe mit ihren stöchiometrischen Koeffizienten. Dadurch ist die Hess-Rechnung in der Regel genauer, sofern passende und verlässliche Bildungsenthalpien vorliegen. Eine Bindungsenthalpie ist besonders nützlich, wenn Strukturänderungen verglichen oder nur Bindungsdaten gegeben sind. Vermische die beiden Tabellenarten nicht, denn sie beschreiben andere Referenzprozesse. Beide Wege müssen denselben Standardzustand und dieselbe Reaktionsrichtung verwenden, damit Vorzeichen und Zahlen vergleichbar sind.
Häufig wird eine Doppelbindung nur einmal oder eine mehrfach vorkommende Bindung nicht mit dem Koeffizienten gezählt. Lies deshalb die ausgeglichene Reaktionsgleichung und zeichne vor dem Rechnen die Edukt- und Produktstrukturen. Eine Doppelbindung enthält eine σ- und eine π-Bindung, wenn die Tabelle diese getrennt aufführt; dann ist die passende Konvention nötig. Prüfe außerdem, dass die stöchiometrischen Mengen auf ein Mol Reaktion bezogen sind. Für die Beispielreaktion entstehen zwei H−Cl-Bindungen, also muss 2·D(H−Cl) abgezogen werden. Der abschließende Vorzeichencheck sollte zum erwarteten Energiebild passen. Wenn eine Reaktion in umgekehrter Richtung geschrieben wird, kehrt sich auch das Vorzeichen der geschätzten Enthalpie um.
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