Eine exponentielle Annäherung, kein Fertigzeitpunkt
Ein idealer linearer Kondensator hat eine zur Spannung proportionale Plattenladung. Ein Strom verändert diese Ladung und damit die Spannung. Der Widerstand begrenzt den Strom durch die verbleibende Spannungsdifferenz. Vorwissen sind die Widerstandsformel, Kapazität und eine Exponentialfunktion; die Herleitung erklärt zusätzlich, warum gerade der Abstand zum Endwert exponentiell abnimmt.[1][2]
Ein idealer linearer Kondensator und ein nach dem Schalten konstantes stabiles resistives Ersatznetz; t=0 am Schaltmoment.[1][2]
Nach τ bleibt des ursprünglichen Abstands zum Endwert übrig. Nur beim Laden von null auf Uf ist der erreichte Anteil . Beim Entladen gegen null bleiben 36,8 % der Anfangsspannung. Die Anfangsspannung ist stetig, solange kein idealer impulsförmiger Strom vorliegt. Ein beliebig großer Spannungswechsel der Quelle bewirkt deshalb nicht automatisch einen sofortigen Sprung am Kondensator.[1][2]
Spannung und Energie haben verschiedene Abklingraten
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Bauteilgleichung und Knotenbilanz verbinden
Bestimme immer zuerst den Endwert: Im stationären Gleichstromzustand fließt durch den idealen Kondensator kein Strom. Bestimme danach den wirksamen Widerstand am Kondensator für dieselbe Schalterstellung. Schließlich setze die bereits vorhandene Anfangsspannung ein. Damit werden Laden, Entladen und ein Wechsel zwischen zwei nichtnulligen Spannungen mit einem einzigen Modell beschrieben.[1]
Strom positiv in die positive Kondensatorklemme; konstante Kapazität.[1]
Abweichung vom stationären Wert lösen; der Sonderfall Ui=Uf bleibt konstant.[1]
Die Randbedingung bestimmt den Vorfaktor. Wenn Ui über Uf liegt, fällt die Spannung; wenn Ui darunter liegt, steigt sie. Das Modell derselben Differentialgleichung erklärt beide Richtungen. bezeichnet die gerichtete Ladung auf der gewählten Platte, nicht eine wachsende Nettoladung des gesamten idealen Kondensators.[1]
Die Kapazität eines Kondensators verbindet Plattenladung und Spannung. Bei konstantem C führt ihre zeitliche Ableitung zum Kondensatorstrom in der obigen Bilanz.[1]
Den richtigen Widerstand nach dem Schalten finden
Req ist der Widerstand, den der Kondensator in der geltenden Schalterstellung sieht, nicht zwangsläufig ein beschrifteter Einzelwiderstand. In einem rein resistiven Netz mit unabhängigen Quellen werden ideale Spannungsquellen für die Widerstandsbestimmung kurzgeschlossen und ideale Stromquellen geöffnet. Abhängige Quellen bleiben wirksam; dort benötigt man eine Prüfanregung. Lade- und Entladeposition können unterschiedliche Req besitzen.[1]
Ein Teiler aus zwei 4-kΩ-Widerständen an einer idealen 12-V-Quelle hat am Mittelpunkt Uf=6 V. Ein dort gegen den Bezug angeschlossener 22-μF-Kondensator sieht bei ausgeschalteter unabhängiger Quelle 4||4=2 kΩ, also τ=44 ms. Die Summe 8 kΩ ist hier nicht der vom Kondensator gesehene Widerstand. Dieses Ersatzbild gilt für genau diesen einzelnen Speicher und diese Topologie.[1][3]
Reihen- und Parallelschaltung von Widerständen hilft bei der Bestimmung von Req, nachdem Schalterstellung und Quellenbehandlung feststehen. Eine Widerstandssumme ohne dieses Ersatznetz ist keine verlässliche RC-Zeitkonstante.[3][1]
Anfangsladung, Schwellzeit und Umschalten
Von 1 V auf 5 V statt von null laden
- Gegeben
- , , , , .
- Gesucht
- Zeit, Spannung, Plattenladung und Strom.
Ansatz: Die allgemeine Antwort mit tatsächlicher Anfangsspannung verwenden.
Vorsätze in SI umrechnen.
Die tatsächliche Anfangsabweichung −4 V einsetzen.
Ladung und abnehmenden Strom aus demselben Verlauf bestimmen.
Ergebnis: Nach 206,8 ms liegen etwa 4,459 V und 209,56 μC vor; Strom 0,246 mA.
Kontrolle: Restabweichung ist . ergibt 5 V; bei t=0 ergibt die Formel genau 1 V.
Entladen bis zu einer vorgegebenen Schwelle
- Gegeben
- , , , .
- Gesucht
- Zeit bis 2,0 V sowie Spannung und Restenergie nach 0,70 s.
Ansatz: Für die Entladung gegen null die Schwelle logarithmisch lösen und Energie separat aus der Spannung bestimmen.
Zeitkonstante und logarithmische Schwellzeit bestimmen.
Zum zweiten Zeitpunkt direkt die Exponentialfunktion auswerten.
Energie folgt dem Quadrat der Spannung.
Ergebnis: 2 V werden nach etwa 651,6 ms erreicht; bei 700 ms verbleiben 1,804 V und 0,1627 mJ.
Kontrolle: Spannung nimmt wie ab, Energie wie ; etwa 3,0373 mJ wurden im idealen Widerstand umgesetzt.
Eine neue Schalterstellung verlangt einen neuen Endwert und Ersatzwiderstand. Die Kondensatorspannung unmittelbar vor dem Schalten liefert dabei die Anfangsbedingung des nächsten Zeitabschnitts. Das folgende Beispiel verwendet zwei getrennte Zeitachsen für die beiden Phasen.[1][2]
Ein zweiter Schaltvorgang beginnt mit der vorhandenen Spannung
- Gegeben
- Ein 20-μF-Kondensator startet bei 0 V und lädt über 1,0 kΩ an 10 V. Nach 20 ms wird er von dieser Quelle getrennt und über 2,0 kΩ an den Bezug geschaltet. Idealer linearer Kondensator; keine impulsförmigen Ströme.
- Gesucht
- Spannung unmittelbar am Umschalten und weitere 40 ms später bestimmen.
Ansatz: Beide Schalterstellungen besitzen ihre eigene Zeitkonstante. Die Endspannung der ersten Zeitphase ist die Anfangsspannung der zweiten.
Die erste Phase dauert genau eine ihrer Zeitkonstanten.
In der zweiten Phase zählt die Zeit seit dem Umschalten.
Ergebnis: Bei insgesamt 20 ms liegen 6,321 V vor, bei insgesamt 60 ms noch 2,325 V. Am Umschalten bleibt die Kondensatorspannung stetig.
Kontrolle: Die zweite Phase reduziert die vorhandene Spannung um den Faktor . Der Strom darf dagegen springen: Unmittelbar vor dem Schalten fließen etwa +3,679 mA in die positive Klemme, danach −3,161 mA. Die Ladung und ihre Änderungsrate sind unterschiedliche Größen.
Eine Zielgenauigkeit in eine Zeit übersetzen
10 % Restfehler brauchen ln 10≈2,303 Zeitkonstanten, 1 % brauchen ln 100≈4,605. Nach 5τ sind bei Nullstart 99,326 % des Endwerts erreicht, nicht exakt 100 %. Reale Toleranzen von und C und Schwelltoleranzen wirken auf die Zeit. Eine einzelne nominelle Zahl ist deshalb kein garantierter Schaltzeitpunkt.[2]
Für eine konkrete Spannungsschwelle U* muss zuerst ihre Erreichbarkeit geprüft werden. Bei Ui ≠ Uf liegt eine zu positiver endlicher Zeit erreichte Schwelle strikt zwischen Ui und Uf. U* = Ui gehört zu t = 0; U* = Uf wird nur asymptotisch erreicht. Bei Ui = Uf bleibt die Spannung konstant: Eine gleiche Schwelle liefert keine eindeutige Durchgangszeit, eine andere wird nie erreicht.[1][2]
Farad, Coulomb und Sekunden prüfen
Der Exponent ist dimensionslos; Mikrofarad darf nicht als ganze Farad eingesetzt werden.[2]
Das kurze Ausgangsbeispiel mit 10 kΩ und 100 μF bleibt τ=1,0 s und nach einer Sekunde, für ursprünglich ungeladene Platte. Wenn bereits eine Anfangsspannung vorliegt, ist dieser Anteil nicht einfach ; nutze die relative Abweichung. Ladung Q=CUf folgt nur für dieselbe konstante Kapazität und dieselbe Plattenorientierung.[2]
Fünf Aufgaben zum Zeitverlauf
Einsetzen und Rechnen · Einstieg
R=1 kΩ, C=20 μF, Nullstart an 3 V. Spannung nach τ?
Hinweis anzeigen
Nicht mit voller Quellspannung verwechseln.
Lernziel: Spannung nach einer Zeitkonstante bestimmen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Beim Nullstart zählt der erreichte Anteil der gesamten Spannungsänderung.
Die Zeitkonstante beträgt 20 ms.
Zu diesem Zeitpunkt liegen etwa 1,89636 V am Kondensator; zur Quelle fehlen noch 1,10364 V.
Beide Werte ergeben zusammen 3 V.
Transfer · Anwenden
Wie verändert eine Verdopplung von bei festem C, Ui, Uf den Verlauf?
Hinweis anzeigen
Zeitskala und Anfangsstrom getrennt betrachten.
Lernziel: Widerstandsänderung auf Zeit und Strom übertragen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Vergleiche Zeitkonstante und Anfangsstrom mit denselben Anfangs- und Endspannungen. τ verdoppelt sich, Anfangsstrom halbiert sich; für dieselbe relative Abweichung verdoppelt sich die Wartezeit.
Endspannung bleibt Uf.
Umstellen · Anwenden
Eine Entladung soll nach 30 ms genau 10 % Anfangsspannung haben. C=10 μF. Modellwiderstand?
Hinweis anzeigen
, dann .
Lernziel: Entladeziel zum Widerstand umstellen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Die vorgegebene Restspannung ist ein Anteil der Anfangsspannung; löse den Exponenten logarithmisch. τ≈13,0288 ms; R≈1302,88 Ω.
Einsetzen in die Entladefunktion liefert wieder 10 %.
Interpretieren · Anwenden
Ein idealer Kondensator nähert sich 10 V. Bei t=0, 1 s und 2 s werden genau 2 V, 6 V und 8 V gemessen. Passt das zum einfachen RC-Modell mit konstanten Parametern? Bestimme τ aus den Restspannungen.
Hinweis anzeigen
Ziehe jeden Messwert vom Endwert ab.
Lernziel: Exponentialmodell anhand gleicher Restquotienten erkennen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Die Restspannungen sind 8 V, 4 V und 2 V.
In gleichen Zeitintervallen halbieren sie sich, wie bei einer Exponentialfunktion.
Die Halbierungszeit ist eine Sekunde, nicht die Zeitkonstante.
Die Zeitkonstante beträgt etwa 1,4427 s; Einsetzen reproduziert beide späteren Werte.
Spannung selbst wächst nicht mit einem konstanten Faktor.
Fehleranalyse · Anwenden
Bei einem Spannungswechsel von 4 V auf 10 V erklärt jemand: Nach τ ist die Spannung 63,2 % von 10 V, also 6,32 V. Korrigiere den Wert und erkläre, worauf sich die 63,2 % beziehen; idealer RC-Kreis.
Hinweis anzeigen
Die Anfangsspannung ist nicht null.
Lernziel: Prozentangabe auf den richtigen Spannungsbezug beziehen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Addiere zur Anfangsspannung den exponentiell erreichten Anteil der gesamten Änderung von 6 V.
Nach einer Zeitkonstante beträgt die Spannung etwa 7,79272 V.
Die 63,2 % beschreiben den abgearbeiteten Anteil der anfänglichen Differenz zum Endwert, nicht den Anteil am Endwert.
Der Rest ist etwa 2,20728 V; beide Teile summieren sich zu 10 V.
Ein Speicherpol reicht nicht für jedes Netzwerk
Mehrere unabhängige Energiespeicher können mehrere Zeitkonstanten erzeugen; Induktivität kann Überschwingen ermöglichen. Leckstrom, ESR, spannungsabhängige Kapazität und ein strombegrenzter Treiber verändern das einfache RC-Modell. R=0 im idealen Schaltbild ist ein singularer Grenzfall und keine endliche Nullzeit-Laderechnung. Die hier gezeigte Antwort verlangt positives Req, konstantes C und nach dem Schalten konstantes Ersatznetz.[1][2]
Kurz zusammengefasst
Die Zeitkonstante zählt die Abnahme der anfänglichen Abweichung. Setze Anfangs- und Endspannung ausdrücklich ein und verwende den Widerstand, den der Kondensator nach dem Schalten tatsächlich sieht. Ein Prozentziel verlangt eine logarithmische Zeit, nicht den pauschalen Satz „nach einer Zeitkonstante voll“.
Belege zu dieser Erklärung
Quanta · Bearbeitet 2. Oktober 2026
- MIT 6.002 Lecture12: Capacitors and First-Order Systems
- OpenStax UP2 §10.5: RC Circuits
- OpenStax UP2 §10.2: Resistors in Series and Parallel
- OpenStax UP2 §8.3: Energy Stored in a Capacitor
Redaktion: Quanta Study Redaktion
Prüfumfang
Diese Erklärung, 3 Rechenbeispiele und 5 Aufgaben liegen auf Deutsch und Englisch vor. Aufbau, Quellenzuordnung und mathematische Darstellung werden automatisiert geprüft. Rechnungen, Modellvoraussetzungen und beide Sprachfassungen erhalten eine gesonderte KI-Gegenprüfung.
Für einen früheren veröffentlichten Stand dieser Seite ist eine interne menschliche Fachprüfung dokumentiert. Diese Bestätigung gilt nicht automatisch für die überarbeitete Erklärung und die neuen Aufgaben.
Eine unabhängige, namentliche menschliche Fachprüfung ist noch nicht dokumentiert. Unsere Aufgabenzahlen sind Rechenbeispiele und keine Messdaten der zitierten Quellen.
Redaktion, Quellen und VorgehenÄnderungsverlauf
- Erreichbarkeit konkreter Spannungsschwellen und ihre logarithmische Zeit ergänzt, zwei Kontextlinks gesetzt und eine englische Aussage zur endlichen Zeit präzisiert.
- Zwei Aufgaben ergänzt; die fünf Aufgaben nach Aufgabentyp, Schwierigkeit und Lernziel gegliedert.
- Lernweg mit anschaulichem Einstieg, zusätzlichem Modellbeispiel, quantitativem Diagramm und Schlusszusammenfassung ergänzt; vorhandene Beispiele, Aufgaben und Quellen erhalten.
Diese Nachschlageseite zitieren
Quanta. Zeitkonstante des RC-Kreises. Stand 2. Oktober 2026. https://quanta-study.de/tafelwerk/rc-zeitkonstante
Bei einer konkreten fachlichen Aussage zusätzlich die dort verknüpfte Fachquelle nennen.