Warum sich drei Spannungen nicht wie drei Längen addieren
Spule und Kondensator können gleichzeitig große Teilspannungen haben, während die Quelle eine viel kleinere Spannung liefert. Der Grund liegt in ihren unterschiedlichen Phasen: Die Spitzen treten nicht gleichzeitig auf. Im Zeigerbild dürfen deshalb erst die gerichteten Beiträge addiert werden; daraus folgt anschließend der Betrag der Impedanz.[2][1]
Wir untersuchen eine Reihenschaltung im eingeschwungenen sinusförmigen Betrieb. Derselbe Strom fließt durch alle drei Bauteile. Der positive Gesamtwiderstand beschreibt die Verluste; konstante ideale L und C speichern Energie. Prüfe diese Topologie, bevor du die Formel einsetzt.[2][1]
Ein Betrag beschreibt noch keine Phase
Wir nennen den komplexen Zeigerquotienten Z mit Tilde und seinen nichtnegativen Betrag Z. j ist die imaginäre Einheit; R ist der gesamte wirksame Serienwiderstand.[2]
Eine Reihenschaltung führt in allen Bauteilen denselben Strom. Die Spannungen sind jedoch zeitlich gegeneinander verschoben. Deshalb ist die Quelle nicht einfach die Summe ihrer positiven Scheitelwerte. Die induktive und kapazitive Spannung wirken im Zeigerbild gegeneinander; ihre Differenz steht senkrecht zur Widerstandsspannung. Der Betrag bestimmt die Stromhöhe, der signierte Blindanteil bestimmt zusätzlich, ob der Strom vor- oder nacheilt. Zwei Kreise können denselben Betrag besitzen und trotzdem entgegengesetzte Phasenlagen haben.[2]
Welche Schaltung hier gemeint ist
Es gelten ideale lineare L und C sowie ein positiver konstanter Widerstand R, alle in Reihe an einer sinusförmigen Quelle mit fester Kreisfrequenz. Wir betrachten den eingeschwungenen Zustand nach dem Abklingen des freien Einschaltanteils. Spannungen verwenden den passiven Bauteilbezug; die Quellenspannung ist die Summe der Spannungsabfälle. Verteilte Leitungen, frequenzabhängige Verluste, nichtlineare Kerne und Leckpfade werden nicht automatisch abgebildet. Bei einem realen Aufbau gehört beispielsweise der ohmsche Spulenwiderstand zu R.[2][5]
Die Betragsformel gehört nicht unverändert zu einer Parallelschaltung. Dort ist die gemeinsame Spannung Ausgangspunkt und man addiert die komplexen Leitwerte. Ein Rechtecksignal besteht außerdem aus mehreren Frequenzanteilen: Für ein lineares Modell kann jeder Anteil getrennt behandelt werden, aber eine einzige Impedanz bei der Grundfrequenz beschreibt nicht die gesamte Stromform.[5]
Aus den Bauteilgesetzen entsteht das Zeigerdreieck
Mit passivem Bezug wird die Induktorspannung aus der Stromänderung und die Kondensatorspannung aus der Ladung bestimmt.[1]
Um den Zeiger zu lesen, nimm den gemeinsamen Strom als waagerechten Bezug. Die Widerstandsspannung liegt auf derselben Achse. Die Spulenspannung zeigt um 90° nach vorn, die Kondensatorspannung um 90° nach hinten. Nach ihrem gegenseitigen Abzug bleibt nur ein senkrechter Blindanteil. Pythagoras wird erst jetzt angewandt, nicht auf drei voneinander unabhängige positive Längen.[2]
Wähle als Konvention den Realteil eines mit positiver Kreisfrequenz rotierenden komplexen Zeigers. Ableiten multipliziert mit jω; im eingeschwungenen Wechselanteil entspricht Integrieren dem Teilen durch jω. Daraus folgt die positive induktive und negative kapazitive Reaktanz. Nach Kirchhoffs Maschenregel addieren sich die drei komplexen Spannungen. Erst nach dieser Addition bilden wir den Betrag. Das ist eine Begründung aus Bauteilgesetzen und Schaltungsmodell, kein neues empirisches Gesetz.[2][5]
φ ist Spannungsphase minus Stromphase. Bei positivem X eilt die Spannung vor; bei negativem X eilt der Strom vor.[2]
Frequenz, Einheiten und brauchbare Umstellungen
Effektivwerte und Scheitelwerte jeweils paarweise verwenden. Aus dem Betrag allein lässt sich das Vorzeichen von X nicht zurückgewinnen.[2][4]
Hertz ist nicht dieselbe Zahl wie die Kreisfrequenz in Radiant pro Sekunde. ωL und der Kehrwert von ωC haben jeweils die Einheit Ohm; unter der Wurzel stehen Quadrate von Ohm. Vor dem Einsetzen müssen Millihenry und Mikrofarad in Henry und Farad umgerechnet werden. Eine gemessene Impedanz kleiner als der zugrunde gelegte positive Serienwiderstand widerspricht diesem einfachen Modell: Prüfe Messung, Bauteilwerte oder Topologie. Bei R gleich null und exakter Resonanz gibt es bei einer idealen Quelle mit endlicher Wechselspannungsamplitude keinen begrenzten stationären Strom; der normale Resonanzstromquotient darf dort nicht verwendet werden.[2][5]
Zwei Frequenzen, derselbe Aufbau
Elektrische Leistung trennt bei Wechselstrom Wirkleistung von Scheinleistung. Im folgenden Serienbeispiel werden durchgängig Effektivwerte verwendet; der Serienwiderstand R bestimmt den dissipativen Anteil.[3]
Induktiver Betrieb mit 45° Phasenwinkel
- Gegeben
- , , , , Quelleneffektivspannung 60 V; ideale Reihe, eingeschwungen.
- Gesucht
- Impedanz, Strom, Phase und mittlere Widerstandsleistung.
Ansatz: Blindanteil mit Vorzeichen bestimmen, dann Betrag, Strom und Leistung.
Einsetzen: Beide Reaktanzen zunächst getrennt rechnen.
Strom und Phase: Die Spannung eilt dem Strom um 45° voraus.
Ergebnis: Z ≈ 33,94 Ω; Strom ≈ 1,768 A; ; Wirkleistung 75 W.
Kontrolle: Kontrolle: R-Spannung 42,426 V; induktive Spannung 70,711 V; kapazitive Spannung 28,284 V. Ihr Blindanteil 42,426 V bildet mit der R-Spannung ein rechtwinkliges Dreieck mit Quellenspannung 60 V. Außerdem ergibt .
Halbe Kreisfrequenz macht den Kreis kapazitiv
- Gegeben
- Derselbe Kreis mit , , und 60 V effektiv; jetzt .
- Gesucht
- Neue Stromhöhe und Richtung der Phasenverschiebung.
Ansatz: Beide frequenzabhängigen Reaktanzen neu bestimmen; nicht einfach die Gesamtimpedanz halbieren.
Einsetzen: Induktiver Anteil halbiert sich, kapazitiver verdoppelt sich.
Leistung: Der größere Strom erhöht die Verlustleistung bei unverändertem R.
Ergebnis: Der Strom eilt der Spannung um rund 26,57° vor; Effektivstrom 2,236 A, Leistung 120 W.
Kontrolle: Kontrolle: R-Spannung 53,666 V; Blindspannungsdifferenz −26,833 V; deren Quadratsumme ist 3600 V2. Weil Z weiterhin größer als 24 Ω ist, bleibt der Strom unter dem Resonanzwert 2,5 A.
Kleine Gesamtimpedanz kann große Bauteilspannungen verbergen
Resonanz hebt den Blindanteil im Gesamtzeiger auf, nicht die Einzelspannungen und nicht die gespeicherte Energie.[3][4]
Im Beispiel liegt die Stromresonanz bei rund 316,23 rad/s beziehungsweise 50,33 Hz. Der Effektivstrom ist dann 2,5 A und die Verlustleistung 150 W. An L und C liegen jeweils rund 63,25 V effektiv, obwohl die Quelle nur 60 V liefert: Die entgegengesetzten Zeiger heben sich auf. Bei kleinerem R kann die Überhöhung erheblich größer sein. Die freie gedämpfte Schwingfrequenz ist eine andere Fragestellung als die Frequenz maximalen stationären Serienstroms. Auch die Spannung am Kondensator kann ihr Maximum bei einer anderen Frequenz besitzen.[4][5]
Der Serienstrom hat ein Resonanzmaximum
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Die Thomsonsche Schwingungsgleichung beschreibt die Eigenfrequenz des idealen verlustfreien LC-Kreises. Die gleiche Frequenz markiert hier die Stromresonanz der idealen Serien-RLC-Schaltung; sie ersetzt keine Einschwingrechnung des gedämpften Kreises.[4]
Vom Modell zur Messung
Ein Filter muss durch seine tatsächlich abgegriffene Ausgangsspannung beschrieben werden, nicht allein durch Z. Über R ist die Ausgangsspannung bei Resonanz maximal; an L oder C gelten andere Übertragungsfunktionen. Eine reale Spule kann ihren Wert bei hohen Strömen ändern, Kondensatoren besitzen Verluste und Quellen einen Innenwiderstand. Hohe Resonanzspannungen können Bauteilgrenzen überschreiten. Der hier berechnete Wirkleistungsanteil beschreibt ausschließlich die Verluste des modellierten R; ideale L und C geben im Mittel ihre gespeicherte Energie wieder zurück.[3][5]
Vertiefung anzeigen: Halbwertsbandbreite
Halbe Leistung ist nicht halber Strom
- Gegeben
- Derselbe ideale Serienkreis: , , . Die Quelle hält beim Frequenzwechsel konstant. Eingeschwungener Betrieb.
- Gesucht
- Finde die beiden Frequenzen mit halber maximaler Widerstandsleistung.
Ansatz: Halbiert sich , muss der Strom durch geteilt und Z mit multipliziert werden. Damit ist .
Einsetzen: Die untere Grenze ist kapazitiv, die obere induktiv.
Ergebnis: Bei etwa 31,83 Hz und 79,58 Hz ist die Leistung 75,0 W, halb so groß wie die Resonanzleistung 150 W. Die Phasen sind −45° und +45°.
Kontrolle: An beiden Grenzen ergibt die direkte Reaktanzrechnung ±24 Ω. Die Bandbreite stimmt mit überein; ihr geometrisches Mittel ist die Resonanzkreisfrequenz, nicht ihr arithmetisches Mittel.
Fünf Aufgaben zu Betrag, Phase und Resonanz
Einsetzen und Rechnen · Anwenden
Eine ideale Serien-RLC-Schaltung hat , , bei der angegebenen Frequenz. Die Quelle liefert 12 V effektiv. Bestimme Z, Strom und mittlere Leistung.
Hinweis anzeigen
Bilde zuerst die Differenz der Reaktanzen.
Lernziel: Aus signierten Reaktanzen Strom und Verlustleistung berechnen.
Umstellen · Anwenden
Bei soll eine ideale Reihenschaltung mit und resonant sein. Welche Kapazität benötigt sie?
Hinweis anzeigen
Setze die beiden Reaktanzen gleich.
Lernziel: Eine Resonanzbedingung nach der Kapazität umstellen.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Resonanz fordert verschwindenden Blindanteil.
Nach C umstellen und in SI-Einheiten einsetzen ergibt 125 μF.
Kontrolle: Beide Reaktanzen sind 20 Ω und die Gesamtimpedanz ist 10 Ω.
Interpretieren · Einstieg
Zwei ideale Serienkreise haben und bei derselben Frequenz beziehungsweise . Welche Größen sind bei gleicher Quelleneffektivspannung gleich, und welche Phase unterscheidet sich?
Hinweis anzeigen
Das Quadrat verliert das Vorzeichen, die Phase nicht.
Lernziel: Gleichen Impedanzbetrag von gleicher Phase unterscheiden.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Vergleiche Betrag und Argument getrennt.
Beide haben Z ≈ 33,94 Ω, denselben Effektivstrom und dieselbe Widerstandsleistung.
Die erste Spannung eilt um 45° vor, die zweite liegt um 45° hinter dem Strom.
Kontrolle: Der Leistungsfaktor ist bei beiden derselbe positive Wert.
Fehleranalyse · Anwenden
Jemand berechnet bei , , die Impedanz als 80 Ω und bei 60 V effektiv den Strom als 0,75 A. Lokalisiere und korrigiere den Fehler.
Hinweis anzeigen
Kapazitive und induktive Zeiger sind entgegengesetzt; R steht senkrecht dazu.
Lernziel: Eine skalare Addition phasenverschobener Spannungen korrigieren.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Addiere komplexe Impedanzen, nicht ihre positiven Beträge.
Z ist nicht .
Die Blinddifferenz ist 24 Ω; der Betrag .
Der Strom beträgt rund 1,768 A.
Kontrolle: Die beiden rechtwinkligen Spannungsanteile sind je 42,426 V und ergeben eine Quelle von 60 V.
Transfer · Anwenden
Ein idealer Serienkreis hat , , und wird bei Resonanz mit 10 V effektiv gespeist. Bestimme Strom sowie Spannungen an L und C. Bedeutet deren Höhe zusätzliche kostenlose Wirkleistung?
Hinweis anzeigen
Bei Resonanz ist , aber die Einzelreaktanzen sind nicht null.
Lernziel: Resonanzüberhöhung mit Energieerhaltung vereinbaren.
Lösung und Rechenweg anzeigen
Ansatz: Erst Resonanzfrequenz, dann Strom und Bauteilspannungen bestimmen.
, beide Reaktanzen 50 Ω, Strom 2 A, beide Bauteilspannungen 100 V effektiv.
Ihre Zeiger sind entgegengesetzt.
Die Quelle liefert 20 W, vollständig im R dissipiert; die idealen Speicher verbrauchen im Mittel keine Leistung.
Kurz zusammengefasst
Für die ideale eingeschwungene Serien-RLC-Schaltung addierst du zuerst die komplexen Beiträge. Betrag bestimmt Stromhöhe, Blindanteil bestimmt Phase. Bei Stromresonanz verschwinden die entgegengesetzten Blindanteile im Gesamtzeiger, nicht die Bauteilspannungen. Wirkleistung entsteht im modellierten Widerstand.
Belege zu dieser Erklärung
Quanta · Bearbeitet 2. Oktober 2026
- OpenStax University Physics Vol. 2, §15.2: Simple AC Circuits
- OpenStax University Physics Vol. 2, §15.3: RLC Series Circuits with AC
- OpenStax University Physics Vol. 2, §15.4: Power in an AC Circuit
- OpenStax University Physics Vol. 2, §15.5: Resonance in an AC Circuit
- MIT 8.02, Chapter 12: Alternating-Current Circuits
Redaktion: Quanta Study Redaktion
Prüfumfang
Diese Erklärung, 3 Rechenbeispiele und 5 Aufgaben liegen auf Deutsch und Englisch vor. Aufbau, Quellenzuordnung und mathematische Darstellung werden automatisiert geprüft. Rechnungen, Modellvoraussetzungen und beide Sprachfassungen erhalten eine gesonderte KI-Gegenprüfung.
Eine unabhängige, namentliche menschliche Fachprüfung ist noch nicht dokumentiert. Unsere Aufgabenzahlen sind Rechenbeispiele und keine Messdaten der zitierten Quellen.
Redaktion, Quellen und VorgehenÄnderungsverlauf
- Wirkleistung und LC-Eigenfrequenz im passenden Kontext verknüpft; Serienmodell, Phase, Resonanzgrenzen, Aufgaben und Frequenzgrafik erhalten.
- Serien-RLC-Zeiger und signierte Phase hergeleitet; zwei eigene Frequenzbeispiele, Resonanzgrenzen und fünf unterschiedliche Aufgaben ausgearbeitet.
- Lernverlauf und Modellbegründung erweitert, drittes durchgerechnetes Beispiel und eigene quantitative Grafik ergänzt; Formelsatz und Schlusszusammenfassung präzisiert.
Diese Nachschlageseite zitieren
Quanta. Impedanz eines RLC-Reihenschwingkreises. Stand 2. Oktober 2026. https://quanta-study.de/tafelwerk/wechselstrom-impedanz-rlc
Bei einer konkreten fachlichen Aussage zusätzlich die dort verknüpfte Fachquelle nennen.